Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

22.09.2014, Zentrum für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ZUK
H2OCHSCHWARZWALD: Ein Kurzfilm im Auftrag der biologischen Vielfalt – Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks überreicht Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt an Nachwuchsfilmemacher
Prora (ots) – Mit seinem Kurzfilm H2OCHSCHWARZWALD bringt Simon Straetker die Schönheit des Hochschwarzwaldes und die Bedeutung des Wassers für die Artenvielfalt auf die Leinwand. Im Rahmen des Jugendkongresses Biodiversität 2014 „Jugend Zukunft Vielfalt“ erhielt er für dieses Engagement von Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks die Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt Biologische Vielfalt.
„Ich bin überall. Ich bin das Wasser im Hochschwarzwald. Ich bin die Quelle des Lebens“, erklingt eine Stimme in dem vierminütigem Kurzfilm des Naturschützers Simon Straetker aus Löffingen (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald). Eindrucksvoll wird die Bedeutung des Wassers für das Ökosystem des Hochschwarzwaldes eingefangen: In Makroaufnahmen werden Blüten und Insekten in Szene gesetzt, im Zeitraffer zischen Sternschnuppen durch den Nachthimmel über dem Schluchsee und mithilfe einer Drohne wird die Schönheit der Region aus luftigen Höhen gezeigt.
Dieser engagierte Beitrag für einen aufmerksamen Umgang mit der Natur des Hochschwarzwaldes und seiner Wasserwege wurde am 19. September auf dem Jugendkongress Biodiversität 2014 „Jugend Zukunft Vielfalt“ auf Rügen mit der Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt Biologische Vielfalt gewürdigt. Dafür übergab Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks symbolisch einen Vielfalt-Baum an den jungen Filmemacher. „Simon Straetker hat mit großem Engagement einen Film gedreht, der die Schönheit des Schwarzwaldes und die Bedeutung seiner Wasserwege in wunderbaren Bildern für die breite Öffentlichkeit eingefangen hat. Ich freue mich über so viel kreativen Einsatz für unsere heimatliche Natur und zeichne Herrn Straetkers Kurzfilm H2OCHSCHWARZWALD gerne als UN-Dekade-Projekt Biologische Vielfalt aus“, erklärte die Bundesumweltministerin bei der Preisübergabe.
Simon Straetker, Jahrgang 1993, engagiert sich seit über drei Jahren im Vorstand der internationalen Umweltschutzorganisation Pangaea Project – einer Initiative, die naturbegeisterte Jugendliche in internationalen Ökocamps zusammenzubringt. Durch seine Mitarbeit beim Pangaea Project hatte er in den letzten Jahren mehrmals die Chance, in Länder wie Südafrika und Serbien zu reisen und dort kurze Dokumentationen zu drehen. Um die eindrucksvolle biologische Vielfalt der zahlreichen Flusslandschaften und Sumpfwiesen seiner Heimat einzufangen, drehte er schließlich im Jahr 2013 sechs Monate lang den Kurzfilm H2OCHSCHWARZWALD. Das Ergebnis kann im Internet unter www.h2ochschwarzwald.de angesehen werden. Zusätzlich lief der Film auch im Vorprogramm zweier Kinos in Simon Straetkers Heimat. So kamen nicht nur Naturfilm-Liebhaber in den Genuss der Dokumentation, sondern auch viele andere Kinobesucher. „Mit H2OCHSCHWARZWALD wollte ich vor allem junge Menschen für die Natur begeistern – ihnen zeigen wie schön es draußen sein kann und sie dazu anhalten, selbst raus in die Wildnis zu gehen“, erklärt Simon Straetker das Anliegen seines Films auch andere dazu zu motivieren, die Natur zu erleben und zu schützen.
Die UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011-2020 ist ein Programm der Vereinten Nationen mit dem Ziel, das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung der biologischen Vielfalt zu fördern. Eine Methode, dieses Ziel in Deutschland zu erreichen, ist der UN-Dekade-Wettbewerb. Dabei werden ausgewählte Projekte ausgezeichnet, die sich in vorbildlicher Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen. Für den Naturschützer Simon Straetker bedeutet die Auszeichnung mehr als die Würdigung seines Engagements: „Die Auszeichnung durch die UN-Dekade freut mich und mein Filmteam sehr, da wir durch die gewonnene Öffentlichkeit in der Zukunft noch mehr Jugendliche erreichen können und so noch mehr Menschen für die atemberaubende Schönheit der deutschen Nationalparks und Naturparks begeistern werden!“
„Vielfalt nutzen – die Angebote der Natur“ lautet das Schwerpunktthema der deutschen UN-Dekade für die Jahre 2013 und 2014. Dabei geht es um die nachhaltige Nutzung unserer natürlichen Ressourcen. Simon Straetkers Film zeigt in eindrucksvollen Bildern, dass die Wasserwege des Hochschwarzwaldes das Lebenselixier für die heimische Artenvielfalt sind. So wird der Hochschwarzwald zu einem Ort, an dem auch der Mensch vom Alltag abschalten und neue Energie auftanken kann.
Die Bewerbung als UN-Dekade-Projekt ist online über die UN-Dekade-Webseite http://www.un-dekade-biologische-vielfalt.de/2210.html möglich. Eine Einsendung ist fortlaufend möglich.

22.09.2014, Georg-August-Universität Göttingen

Weidetiere erzeugen Vegetationsmuster
Weidende Rinder beeinflussen die Artenvielfalt des Grünlandes maßgeblich. Das konnten Wissenschaftler der Universität Göttingen in einem Langzeitexperiment auf altem Dauergrünland nachweisen. Das Grünland in Mitteleuropa trägt wesentlich zur Biodiversität der Agrarlandschaften bei. Diese Vielfalt ist jedoch nach wie vor in hohem Maße durch die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung gefährdet. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass die Intensität der Beweidung über den Nutzen für die Biodiversität entscheidet. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Journal of Applied Ecology erschienen.
Rinder können die Artenvielfalt des Grünlandes erhöhen – viele Insektenarten profitieren
Weidende Rinder beeinflussen die Artenvielfalt des Grünlandes maßgeblich. Das konnten Wissenschaftler der Universität Göttingen in einem Langzeitexperiment auf altem Dauergrünland nachweisen. Das Grünland in Mitteleuropa trägt wesentlich zur Biodiversität der Agrarlandschaften bei. Diese Vielfalt ist jedoch nach wie vor in hohem Maße durch die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung gefährdet. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass die Intensität der Beweidung über den Nutzen für die Biodiversität entscheidet. Nur bei einer mittleren Beweidungsintensität und nicht bei einer stark verringerten Beweidungsintensität, wie oftmals angenommen wird, ist der Biodiversitätsnutzen am höchsten. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Journal of Applied Ecology erschienen.
Das Grünland in Mitteleuropa ist Bestandteil der Kulturlandschaft und im Zuge Jahrhunderte langer landwirtschaftlicher Nutzung entstanden. Zum Grünland werden alle landwirtschaftlich genutzten Flächen gezählt, auf denen Gras und krautige Pflanzen wachsen. Es wird entweder durch Nutztiere beweidet oder durch Mähen beerntet. Vielfach unklar ist die Rolle landwirtschaftlicher Weidetiere für Prozesse, die die Vielfalt sichern sowie fördern. Die Untersuchungen zeigen, dass Weidetiere bestimmte Muster der Vegetationsstruktur erzeugen, die den Lebensraum von vielen Insektenarten prägen. „Eine große Heterogenität der Grasnarbenstruktur ist insbesondere für die Vielfalt von Heuschrecken wichtig. Aber auch Schmetterlinge profitieren vom Mosaik der Grasnarbenhöhen mit einem ausgeprägten Anteil höher wachsender Bereiche“, sagt Dr. Jana Sabrina Jerrentrup, Leiterin der Studie von der Abteilung Graslandwissenschaft.
Die Göttinger Forscherinnen und Forscher weisen darauf hin, dass diese Ergebnisse Bedeutung haben für das landwirtschaftliche Management von Grünland, das neben der Erzeugung von Milch und Fleisch auch zur Erhaltung wichtiger Ökosystemfunktionen des Grünlandes beiträgt.

Originalveröffentlichung: Jana Sabrina Jerrentrup et al. (2014) Grazing intensity affects insect diversity via sward structure and heterogeneity in a long term experiment. Journal of Applied Ecology 51: 968-977. DOI: 101111/1365-2664.12244, http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2664.12244/full.

22.09.2014, Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.
Frühe Besiedlung Zentraleuropas durch moderne Menschen
Moderne Menschen besiedelten Österreich vor etwa 43.000 Jahren während einer kalten steppenähnlichen Klimaperiode
Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Philip Nigst von der University of Cambridge und vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und Bence Viola am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie hat Steinwerkzeuge untersucht, die sie während einer Neuausgrabung in der Fundstätte der Venus von Willendorf in Österreich entdeckt hatten. Die Forscher konnten diese Werkzeuge der archäologischen Kultur des Aurignacien zuordnen, die generell als Indiz für die Präsenz moderner Menschen gilt. Sie datierten die Werkzeuge auf ein Alter von etwa 43.500 Jahren, also älter als andere bekannte Fundstücke aus dieser Kultur. Eine Untersuchung des Bodens ergab, dass damals ein kühles Klima vorherrschte und in der steppenähnlichen Landschaft Nadelholzwälder entlang der Flusstäler wuchsen. Das Alter der Fundstücke belegt, dass moderne Menschen Zentraleuropa früher besiedelten und sich die Region über einen längeren Zeitraum hinweg mit den Neandertalern teilten als bisher angenommen. Darüber hinaus zeigen die Forscher, dass frühe moderne menschliche Siedler, die aus den wärmeren Landschaften Südeuropas kamen, gut an verschiedene klimatische Bedingungen angepasst waren.
Moderne Menschen besiedelten Europa und verdrängten die Neandertaler vor wenigstens 40.000 Jahren, möglicherweise schon viel früher. „Leider gibt es kaum Skelettreste des modernen Menschen aus der jüngeren Altsteinzeit, sodass wir archäologische Funde nutzen müssen um herauszufinden, wann die ersten modernen Menschen erschienen. Es sind beispielsweise Überreste des Homo sapiens gefunden worden, die eindeutig der Kultur des Aurignacien zugeordnet werden können. Daher denken wir, dass es sich bei dieser Kultur um einen guten Indikator für die Präsenz des modernen Menschen handelt“, sagt Bence Viola. „In Willendorf konnten wir das frühe Aurignacien auf ein Alter von 43.500 Jahren datieren, um einiges früher als anderswo. Darüber hinaus überschneidet sich das mit direkt datierten Überresten von Neandertalern“, sagt Philip Nigst.
Über welche Fähigkeiten Neandertaler verfügen, wird noch immer heiß diskutiert. Während einige Forscher der Meinung sind, dass die kulturellen Fertigkeiten der Neandertaler denen der modernen Menschen ähnelten, bevor sie von diesen verdrängt wurden, denken andere, dass die Ähnlichkeiten erst dann auftraten, als Neandertaler mit modernen Menschen in Kontakt kamen. „Die neuen Daten aus Willendorf zeigen deutlich, dass moderne Menschen schon im heutigen Österreich lebten, als Teile Europas noch von Neandertalern besiedelt waren. Die beiden Arten trafen also möglicherweise aufeinander, und es kam zu einem Partner- und Ideenaustausch“, sagt Philip Nigst. „Die Veränderungen der materiellen Kultur der letzten Neandertalergruppen stehen also sehr wahrscheinlich mit dem direkten oder indirekten Kontakt der Neandertaler mit modernen Menschen im Zusammenhang”, erklärt Jean-Jacques Hublin, Direktor der Abteilung für Humanevolution am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.
Die Steinwerkzeuge wurden in einer Abfolge von Sedimenten gefunden, die im Laufe verschiedener Warm- und Kaltperioden während der letzten Eiszeit abgelagert worden waren. Der Bodentyp und die Vergesellschaftung von bestimmten Schneckenarten (Mollusken) zeigen, dass die klimatischen Bedingungen während dieser frühen Siedlungsperiode des modernen Menschen einem kühlen steppenähnlichen Klima mit Nadelholzwäldern entlang von Flusstälern entsprachen. „Mollusken sind für die Rekonstruktion prähistorischer Landschaften hervorragend geeignet, weil sie sehr empfindlich auf Änderungen der Temperatur und Feuchtigkeit reagieren. Schon bei kleinsten Klimaveränderungen kommen also andere Arten von Schnecken vor“, sagt Bence Viola. „Besonders interessant ist, dass das Aurignacien in Willendorf in einer relativ kalten Klimaperiode auftritt. Diese frühesten Siedler waren also bereits an verschiedene klimatische Bedingungen angepasst, für die sie verschiedene Überlebensstrategien benötigen“, sagt Philip Nigst.
Originalpublikation:
Philip R. Nigst, Paul Haesaerts, Freddy Damblon, Christa Frank-Fellner, Carolina Mallol, Bence Viola, Michael Götzinger, Laura Niven, Gerhard Trnka, and Jean-Jacques Hublin
Early modern human settlement of Europe north of the Alps occurred 43,500 years ago in a cold steppe-type environment
Proceedings of the National Academy of Sciences, 22. September 2014

23.09.2014, Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns
Der kleinste Käfer Europas nun auch genetisch erfasst
Die kleinste Käferart Europas ist der weniger als einen halben Millimeter messende Zwergkäfer oder Federflügler mit dem wissenschaftlichen Namen Baranowskiella ehnstromi. Forschern der Zoologischen Staatsammlung München gelang es, in wahrer Detektivarbeit mehrere Exemplare des Käfers zu finden. Im Labor konnten sie erstmals seinen Gen-Code entschlüsseln und im Internet als sogenannten DNA-Barcode für alle Wissenschaftler weltweit kostenlos verfügbar machen.
Der Käferkundler Mikael Sörensson entdeckte die Art erst 1997 in seinem Heimatland Schweden. Inzwischen gibt es auch Funde aus Norwegen, Dänemark, der Schweiz und Österreich sowie auch aus Deutschland. Der Zwergkäfer entzog sich lange dem Zugriff der Wissenschaftler, weil das winzige Tier – es ist nur ein Zehntel Millimeter breit und damit so dünn wie ein menschliches Haar – in den Poren von Baumpilzen lebt, von deren mikroskopisch kleinen Sporen es sich ernährt. Hier bevorzugt es vor allem den muschelförmigen Feuerschwamm, der wiederum parasitisch an Weiden lebt.
Der Erstnachweis der Art für Bayern gelang dem erfahrenen Käferforscher Franz Wachtel. In einem Weidenurwald in den Isarauen südlich des Georgensteins spürte er den Käfer auf, indem er Baumpilze einsammelte und diese dann im Labor austrocknen ließ. Die Käfer sammelten sich in einer darunter befindlichen Schale. „Mit dieser Methode lässt sich der Zwergkäfer von Experten relativ leicht finden. Weitere Untersuchungen dürften zeigen, dass er in weiten Teilen Mitteleuropas im Verbreitungsgebiet seines Wirtspilzes vorkommt“, fasst Dr. Lars Hendrich, Käferexperte an der Zoologischen Staatsammlung München, den bisherigen Wissenstand zusammen.
Die Gensequenzierung erfolgte im Rahmen der Projekte „Barcoding Fauna Bavarica“ und „German Barcode of Life“, bei denen alle deutschen Tierarten genetisch erfasst und in einer globalen Online-Bibliothek für Interessenten zur Verfügung gestellt werden. Das Projekt ist Teil des internationalen Barcoding-Projektes iBOL mit Sitz in Kanada, welches das ehrgeizige Ziel verfolgt, alle Tierarten weltweit genetisch zu erfassen. Oliver Hawlitschek, Projektkoordinator in München, beschreibt den Zweck des Projektes: „Insbesondere bei kleinen und selten beobachteten Insekten wie dem Zwergkäfer erleichtert die Methode den Wissenschaftlern die Arbeit enorm, da solche Arten ohne genetische Hilfe meist nur von einer Handvoll Experten weltweit identifiziert werden können und so zum Beispiel bei Naturschutzprojekten kaum Beachtung fanden“. DNA-Barcoding soll das in Zukunft ändern.

23.09.2014, Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz
Richwien: Rettung des Auerhuhnes ist unser Ziel
Umweltstaatssekretär wildert Auerhühner im Forstamt Gehren aus
Thüringens Umweltstaatssekretär Roland Richwien hat heute gemeinsam mit Vertretern der Landesforstanstalt und weiterer Artenschutzexperten insgesamt 7 junge Auerhähne und –hennen im Bereich des Forstamtes Gehren ausgewildert. „Das Auerhuhn, größtes Waldhuhn im Freistaat, ist akut vor dem Aussterben bedroht. Unsere Landesforstanstalt setzt sich konsequent für die Rettung dieser sensiblen Art ein“, sagte Richwien nach der Auswilderung im Forstrevier Unterweißbach.
Experten schätzen den gegenwärtigen Bestand an Tieren in der freien Wildbahn auf fünf bis zehn Tiere. Mit dem Auerhuhnprojekt der Landesforstanstalt, das eine jährliche Nachzucht und Auswilderung bis 2023 verfolgt, soll eine stabile Population von bis zu 100 Tieren aufgebaut werden. 2013 errichtete ThüringenForst hierzu in Zusammenarbeit mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) für rund 400.000 € eine neue kamera-überwachte Aufzuchtstation mit insgesamt elf Volieren. Sie ist bundesweit die einzige staatliche Einrichtung dieser Art. Neben Thüringen gibt es nennenswerte Auerhuhnvorkommen in Deutschland nur noch in Bayern und Baden-Württemberg.
Neben der Aufzucht ist ein weiterer Schwerpunkt des thüringischen Auerwildprojektes die Lebensraumgestaltung für die ausgewilderten Tiere sowie die Bejagung ihrer natürlichen Fressfeinde. Auerhühner lieben lichte und krautschichtreiche Nadelmischwälder mit Mauserplätzen, Schlafbäumen und einem hohen Altholzanteil, die sich mit naturnaher Forstwirtschaft realisieren lassen. Ein professionelles Jagdmanagement sorgt dafür, dass die Widersacher des Auerhuhnes, wie etwa Wildschwein, Fuchs oder Waschbär, lokal auf ein ökosystemverträgliches Maß reduziert werden.
Erstmals sieht das Forstamt Neuhaus, in dem sich ein Kerngebiet des Auerhuhns in Thüringen befindet und in diesem Jahr weitere 8 Auerhähne und –hennen ausgewildert werden, begleitende Wegesperrungen während und nach der Auswilderung vor. Auch soll mit einem sanften Rückbau des Wanderwegenetzes die Störung des Auerhuhnes durch Waldbesucher dauerhaft reduziert werden. Vor zwei Jahren erschlug ein Waldwanderer einen Auerhahn, weil er sich von ihm bedroht fühlte. Gemeinsam mit den Naturschutzbehörden wurden Infotafeln erstellt, die die Waldbesucher in der Region informieren und Hinweise zu einem „auerhuhngerechten“ Waldbesuch geben.

26.09.2014, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
Sensibler Nachwuchs: Junge Seesterne reagieren empfindlicher auf Ozeanversauerung als erwachsene
Jüngere Exemplare einer Seesternart aus der Ostsee verkraften die Versauerung des Meerwassers offenbar weniger gut als ihre erwachsenen Artgenossen. Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zeigten in einem Labor-Experiment, dass jüngere Tiere bereits unter geringfügig erhöhtem Kohlendioxid-Gehalt weniger fressen und langsamer wachsen als unter Normalbedingungen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher in der Fachzeitschrift Marine Ecology Progress Series.
Junge Individuen einer Art reagieren häufig empfindlicher auf Umweltstress als ihre erwachsenen Artgenossen. Wissenschaftler vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel konnten dies nun erstmals für den Seestern Asterias rubens aus der Ostsee nachweisen. In einem Laborversuch im Rahmen des deutschen Forschungsverbunds zur Ozeanversauerung BIOACID (Biological Impacts of Ocean Acidification) simulierten die Forscher über neun Monate hinweg drei verschiedene Niveaus an Versauerung, die in den kommenden Jahrzehnten in der Ostsee durch die Aufnahme von zusätzlichem Kohlendioxid (CO2) erreicht werden können. Schon bei geringfügiger Versauerung wuchsen die kleinen Seesterne langsamer und fraßen weniger. „Diesen Effekt haben wir bei erwachsenen Seesternen erst bei einem deutlich erhöhten Kohlendioxid-Gehalt im Wasser beobachtet“, erklärt Dr. Jörn Thomsen, einer der beiden Erstautoren der Langzeitstudie, deren Ergebnisse jetzt in der Fachzeitschrift Marine Ecology Progress Series erschienen. Dabei war zu beobachten, dass sich die Tiere auch nach einer sehr langen Akklimatisierungszeit nicht an die versauerten Bedingungen anpassen konnten.
Seesterne stellen eine der wichtigsten bodenlebenden Arten in der westlichen Ostsee dar und kontrollieren als wichtiger Räuber die Miesmuschel-Population. „Falls sie unter steigender Versauerung leiden, könnte dies langfristig drastische Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem haben“, folgert Dr. Yasmin Appelhans, neben Thomsen Erstautorin der neuen Studie. „In der Lübecker Bucht leben auf Grund des niedrigen Salzgehalts kaum Seesterne. Dort können sich die Miesmuscheln ungehindert verbreiten und andere Arten verdrängen.“
Warum sich ein Großteil der jungen Seesterne im Labor unter erhöhten CO2-Bedingungen schlechter entwickelt, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Studie konnte jedoch zeigen, dass die Seesterne auch unter Versauerungsbedingungen nicht weniger Kalk in ihre Skelette einlagern. „Dass sie weniger wachsen, könnte daran liegen, dass sie mehr Energie benötigen, um Kalk zu bilden“, vermutet Thomsen. „Dass sie weniger fressen, kann auch darauf hindeuten, dass das saurere Wasser die Verdauungsenzyme beeinflusst.“
Einige wenige Individuen wuchsen auch unter einem hohen CO2-Gehalt gut. Appelhans: „Wenn sich diese toleranten Tiere durchsetzen, könnte sich die Art möglicherweise auf lange Sicht an die neuen Umweltbedingungen anpassen. Für einzelne Arten gibt es bereits Hinweise darauf, dass eine Anpassung per Evolution möglich ist. Ob dies auch für die Seesterne gilt, sollen zukünftige Untersuchungen zeigen. Gleichzeitig ist es wichtig, die Beobachtungen aus dem Labor einem Realitäts-Check unter natürlicheren Bedingungen zu unterziehen.“
Originalveröffentlichung:
Appelhans, Y.S., Thomsen, J., Opitz, S., Pansch, C., Melzner, F., Wahl, M. (2014): Juvenile sea stars exposed to acidification decrease feeding and growth with no acclimation potential. Mar. Ecol. Prog. Ser., 509, 227-239, doi: 10.3354/meps10884

26.09.2014, Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern
Minister Dr. Backhaus: Rotwildbestände verantwortungsvoll hegen und pflegen
„Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern einen einzigartigen Artenreichtum und hervorragende und gesunde Rotwildbestände. Auf mehr als 80 % der Jagdfläche kommt das Rotwild in unserem Land vor. Das ist ein einmaliger Wert in Deutschland, ein Beleg für die Artenvielfalt und für das großartige Engagement der Jägerinnen und Jäger“, sagte Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, heute anlässlich der Eröffnung des 7. Rotwildsymposiums der Deutschen Wildtier Stiftung in Rostock-Warnemünde.
‚Gestresst, Verwaist und Eingesperrt – Der ethische Umgang mit unseren großen Wildtieren‘ ist der Arbeitstitel des nunmehr 7. Rotwildsymposiums. Dabei steht der ethisch korrekte Umgang im Mittelpunkt der Konferenz. Viele Jägerinnen und Jäger sowie Forstmitarbeiterinnen und Forstmitarbeiter sind für die optimale Hege und Pflege des Rotwilds verantwortlich. „Oftmals wird aber kaum wahrgenommen, mit wie viel Fleiß und mit welchen Anstrengungen und welchem hohen Maß an Verantwortung das Wild gehegt und gepflegt wird. Oftmals wird Jagen einfach nur mit ‚Abschießen‘ gleichgesetzt. Und leider gibt es auch immer wieder Menschen, die dieses Klischee bedienen. Das darf nicht sein, denn sie ruinieren den Ruf. Hier müssen die Behörden eindeutig handeln und der Berufsstand öffentlich dagegen halten“, machte der Minister deutlich. Ein gelungenes Beispiel hierfür sind die Landeswild- und Fischtage, die dieses Jahr über 11.500 Menschen nach Ludwigslust lockten, auch um sich mit dem Thema Jagd auseinanderzusetzen.
Etwa 7.000 Stück Rotwild werden jährlich in Mecklenburg-Vorpommern erlegt. Die Zukunft liegt in der verantwortungsvollen Bewirtschaftung der Rotwildbestände durch die Hegegemeinschaften oder Rotwildringe, deren Aufgabe es ist, revierübergreifend Hegemaßnahmen miteinander abzustimmen und so die Wildbestände unter Beachtung der land- und forstwirtschaftlichen Erfordernisse an ihren Lebensraum anzupassen. „Ich sehe in der Förderung der Hegegemeinschaften ein geeignetes jagdpolitisches Instrument, das bei verantwortungsbewusster Wahrnehmung ihrer gesetzlichen Aufgaben und Befugnisse unmittelbar der großräumigen Hege und Entwicklung unseres Rotwildes zu Gute kommt“, erklärte Dr. Backhaus.
Ein gutes Beispiel für ein landesübergreifendes Rotwildmanagement ist hierbei die gemeinsame Wildbewirtschaftungsrichtlinie von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.Sie bietet den Hegegemeinschaften großen Spielraum bei der regional sehr unterschiedlich zu bewertenden Anpassung der Wildbestände an ihren Lebensraum. „Wir müssen über Fach- und Ländergrenzen hinweg denken, wenn wir unsere Natur erhalten wollen. Erst durch den Gedanken- und Wissensaustausch von Praktikern, Wissenschaftlern und Behörden können wir voneinander lernen, wie man ethisch und ökologisch verantwortungsvoll noch besser mit unserer Natur umgehen kann. Hierfür bietet das 7. Rotwildsymposium ein ideales Forum“, hob der Minister hervor.

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