Portrait: Griechische Landschildkröte

Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Landschildkröten (Testudinidae)
Unterfamilie: Testudininae
Gattung: Paläarktische Landschildkröten (Testudo)
Art: Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni)
Griechische Landschildkröte (Vivarium Darmstadt)

Griechische Landschildkröte (Vivarium Darmstadt)

Die Griechische Landschildkröten ist eine der wenigen Arten, die noch der Gattung Testudo angehören, in die Carl von Linné 1758 alle Schildkröten gestellt hatte. Sie wurde jedoch lange auch als Testudo graeca bezeichnet. 1925 gab ihr Flower wieder den Namen Testudo hermanni, Gmelin 1789. Die 2006 von Lapparent de Broin u. a. geforderte eigenständige Gattung Eurotestudo wurde von anderen Wissenschaftlern und CITES nicht übernommen, zumal mittlerweile feststeht, dass in diesem Fall die ältere Gattungsbezeichnung Chersine zur Verfügung stehen würde.

Die Griechische Landschildkröte ist eine kleine bis mittelgroße Landschildkröte von etwa 20 Zentimeter Länge mit einem starren Bauchpanzer (Plastron), der auch bei Weibchen kein Scharnier vor den Hinterbeinen aufweist. Der Rückenpanzer (Carapax) ist mäßig hoch gewölbt. Er verbreitert sich meist etwas zum Schwanzende hin und wirkt deshalb in der Aufsicht oval bis leicht trapezförmig. Wie bei den meisten Schildkröten wird die aus Knochenplatten bestehende Panzerkapsel von dünnen Hornschilden bedeckt, wobei der so genannte Schwanzschild bei Testudo hermanni meist geteilt ist. Die Grundfärbung des Panzers ist gelb bis oliv mit einer dunklen Fleckung, die individuell und unterartbedingt verschieden stark ausgeprägt ist. Jungtiere schlüpfen mit einer deutlichen und kontrastreichen Zeichnung des Panzers aus dem Ei. Bei älteren Tieren wird die Färbung und Zeichnung zunehmend verwaschen. Kopf und Vorderbeine besitzen kleine bis mittelgroße Schuppen, die Vorderbeine haben meist fünf Krallen, bei manchen Lokalformen auch nur vier. Die Hinterextremitäten haben stets vier Krallen. Die Grundfarbe von Kopf und Extremitäten ist gelblich bis braun, beide sind hell und dunkel geschuppt. Testudo hermanni weist bei beiden Geschlechtern am Schwanzende einen Hornnagel auf, der bei den anderen Vertretern der Gattung meist nicht vorhanden ist. Von der in Zeichnung, Färbung und Größe recht ähnlichen Maurischen Landschildkröte unterscheidet sich die Griechische Landschildkröte außerdem deutlich durch das Fehlen von Hornkegeln zwischen Schwanz und Hinterbeinen.
Griechische Landschildkröten besitzen einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Männchen und Weibchen zeigen deutliche sekundäre Geschlechtsmerkmale, die sich mit etwa vier bis sechs Jahren ausprägen. Frisch aus dem Ei geschlüpfte Tiere sind nicht nach Geschlechtern unterscheidbar.
Erwachsene Männchen haben einen längeren Schwanz und eine dickere Schwanzwurzel, in der der Penis verborgen ist und zur Begattung und zum Kot- und Urinabsetzen ausgestülpt wird. Der Hornnagel am Schwanzende kann bei einem älteren Männchen eine beachtliche Größe annehmen. Der Bauchpanzer ist leicht nach innen gewölbt (konkav), um bei der Paarung nicht vom Weibchen abzurutschen. Auch die Form der Schwanzschilde des Bauchpanzers und der Oberschwanzschild des Rückenpanzers charakterisieren das Männchen. Weibchen sind dagegen insgesamt größer und schwerer als Männchen, und ihre Kloake liegt näher am Körper. Ihr Hornnagel ist wesentlich kleiner und leicht nach innen gebogen. Der Bauchpanzer ist eben.

Griechische Landschildkröte (Tierarten Schönbrunn)

Griechische Landschildkröte (Tierarten Schönbrunn)

Griechische Landschildkröten sind tagaktive Reptilien, die für die Verdauung ihrer überwiegend vegetarischen Nahrung auf die Zufuhr von Sonnenenergie angewiesen sind. Sie können als poikilotherme (wechselwarme) Tiere die nötige Körperwärme nicht selbst erzeugen, sondern müssen sie, ihren jeweiligen Bedürfnissen entsprechend, durch Ortswechsel von schattigen zu sonnigen Plätzen beeinflussen. Für die einwandfreie Verdauung ihrer faserreichen Nahrung benötigen sie für einige Stunden am Tag Körpertemperaturen um 25 bis 30 °C (Präferenztemperatur, Huot-Daubremont, 1996), die sie, zum Beispiel durch ein morgendliches Sonnenbad, auch dann erreichen, wenn die Lufttemperatur noch deutlich niedriger liegt. Oberhalb von 40 °C geraten sie in Lebensgefahr und vergraben sich deshalb in der kühleren Erde. Unterhalb von 8 °C kommt der Stoffwechsel zum Erliegen. Auch Atmung und Herzfrequenz sind stark herabgesetzt.

Die Griechische Landschildkröte besiedelt fast alle Vegetationsformen im Mittelmeerraum bis in eine Höhe von etwa 1500 Metern. Sie bewohnt lichte Kiefern-, Eichen- und Korkeichenwälder, Hecken-, Strauch- und Heidelandschaften (Macchia, Garrigue), sowie Kulturflächen wie Wiesen, Oliven- und Zitrushaine, Ackerland und Gärten. Teilweise wird zwischen einzelnen Vegetationsformen gewechselt, zum Beispiel zur Eiablage.
Auf ihren Wanderungen zur Futtersuche legen die Tiere im Durchschnitt 80 Meter täglich zurück, teilweise aber auch über 400 Meter. Im Jahr kommen so Wege von rund 12 Kilometer Länge zustande. Die Tiere nutzen dabei sehr große Reviere, je nach Biotop 1,8 Hektar und mehr (Hailey 1989).
Nach Ende der Winterstarre im März/April nutzen die Tiere ihre aktive Zeit hauptsächlich zum Sonnenbad in den warmen Vormittagsstunden (Thermoregulation). Die Hauptaktivitätsphase liegt im Mai beziehungsweise Juni. Jetzt kommt es zu gesteigerter Nahrungsaufnahme, Revierveränderungen und Sexualverhalten wie Kopulation und Eiablagen. Die sommerliche Hitze in den Monaten Juli und August zwingt die Tiere zu einem geteilten Tagesrhythmus, mit einem Rückzug in kühle Verstecke während der heißen Tageszeit. Im Herbst (September/Oktober) geht die Aktivität deutlich zurück. Die Aufwärmphasen nehmen jetzt wieder einen Großteil der aktiven Zeit in Anspruch (Cheylan, 2001). Daneben kommt es aber auch zu erneuter Paarungsaktivität. Die kalte Jahreszeit (drei bis fünf, in Ausnahmefällen sechs Monate) wird überwiegend inaktiv in frostfreien Höhlen verbracht. Häufig graben sich die Tiere für den Winterschlaf auch an einer geschützten Stelle in die Erde.
Jungtiere verbringen die ersten Lebensjahre verborgen im Bereich von Hecken und Büschen. Wegen ihrer geringen Körpergröße stellt Überhitzung und Austrocknung für sie eine wesentlich größere Gefahr dar als für erwachsene Schildkröten. Sie sind daher eher an bedeckten Tagen und in den kühleren Tages- und Jahreszeiten aktiv.

Die Griechische Landschildkröte ernährt sich vorwiegend von Gräsern, Kräutern Blättern, Blüten und Früchten. Zu einem geringen Teil greift sie auch auf tierische Nahrung wie wirbellose Tiere und sogar Aas zurück.

Griechische Landschildkröte (Jurazoo Neumarkt)

Griechische Landschildkröte (Jurazoo Neumarkt)

Griechische Landschildkröten erreichen die Geschlechtsreife frühestens nach sechs bis acht Jahren. Männchen brauchen in der Regel ein Jahr länger als Weibchen. Je nach Population kann sich die Geschlechtsreife auch bis zum zehnten oder vierzehnten Lebensjahr hinziehen. Die Paarung erfolgt meist im Frühjahr nach der Winterruhe oder im Herbst. Vor der eigentlichen Paarung verfolgt das Männchen das Weibchen regelrecht. Dabei kann es durchaus zu schmerzhaften Bissen durch das Männchen kommen. Ist ein Weibchen paarungsbereit, so zieht sie ihren Kopf ein und entblößt so ihre Kloake. Jetzt kann das Männchen aufreiten.
Kurz vor der Eiablage gräbt das Weibchen an geschützter Stelle eine Grube, in der sie meist drei bis sechs Eier ablegt. Nach erfolgter Eiablage wird die Grube sorgsam verschlossen. Die Eier weisen eine Länge von rund 35 mm sowie ein Gewicht von etwa 15 Gramm auf. Insgesamt kann es bis zu drei Gelegen in einer Saison kommen. Eine Brutpflege wird nicht betrieben. Nach einer temperaturabhängigen Inkubationszeit von 90 bis 120 Tagen schlüpfen die Jungschildkröten. Griechische Landschildkröten wachsen ein Leben lang. Ab dem 20. Lebensjahr verlangsamt sich das Wachstum allerdings rapide. In Freiheit können Griechische Landschildkröten ein Alter von bis zu 50 Jahren erreichen. In Gefangenschaft kann durchaus auch ein Alter von bis zu 100 Jahren erreicht werden.

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