Portrait: Sikahirsch

ohne Rang: Stirnwaffenträger (Pecora)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Cervinae
Tribus: Echte Hirsche (Cervini)
Gattung: Edelhirsche (Cervus)
Art: Sikahirsch (Cervus nippon)
Sikahirsch (Alte Fasanerie Hanau)

Sikahirsch (Alte Fasanerie Hanau)

Der Sikahirsch ist mit mehreren Unterarten in Ostasien verbreitet. Als Parkwild wurde er in verschiedenen Teilen der Welt ausgesetzt und hat sich dort als Neozoon etabliert.
Inzwischen findet man Sikahirsche in Europa, Marokko, der Nordmongolei bei Süchbaatar, Neuengland, Texas, Australien, Madagaskar und Neuseeland. In letzterem wurden Sikahirsche bereits 1883 und 1885 von einer Akklimatisationsgesellschaft aus Großbritannien eingeführt; die Tiere wurden jedoch sehr bald von Farmern abgeschossen, die Schäden auf ihren Anbauflächen befürchteten. Zwanzig Jahre später, im Jahre 1905, wurden in einer anderen neuseeländischen Region Sikahirsche zweier verschiedener Unterarten freigelassen, die sich sehr schnell vermehrten und sich in der Region ausbreiteten. Diese Tiere stellen die neuseeländische Gründungspopulation dar. Da Sikahirsche in dieser Region sehr große Geweihe schoben und Jägern damit große Trophäen boten, entwickelte sich hier ein starker Jagdtourismus. Deswegen kam es auch in anderen Regionen der neuseeländischen Nordinsel zu illegalen Auswilderungen.
Trotz seiner Verbreitung als Neozoon (und vermutlich Unterartmischling) stehen einige Unterarten kurz vor dem Aussterben.

Sikahirsche sind deutlich kleiner als ein Rothirsch und entsprechen in ihrer Größe etwa dem Damhirsch. Sie erreichen eine Kopf-Rumpflänge zwischen 95 und 140 Zentimeter. Die Schulterhöhe beträgt 64 bis 100 Zentimeter, der Schwanz wird 7,5 bis 13 Zentimeter lang. Sie wiegen bis zu 80 Kilogramm.
Das Sommerkleid des Sikahirsches ist in der Regel rotbraun und weist zahlreiche weiße Flecken auf, die in sieben bis acht Längsreihen angeordnet sind. Im Winter verblassen diese Flecken und sind manchmal kaum auszumachen, während sie im Sommer in einem deutlichen Kontrast zur übrigen Fellfarbe stehen. Im Winter bildet sich bei beiden Geschlechtern eine dichte Halsmähne. Der Kopf ist etwas heller als die Mähne und der übrige Körper. Einzelne Unterarten sind dunkler als die Nominatform. Der Dybowski-Hirsch, der im Osten Sibiriens lebt, weist einen besonders dunklen Farbton auf. Bei ihm ist auch im Winterkleid die Fleckzeichnung noch undeutlich auszumachen. Sikahirsche tragen ihr Sommerkleid gewöhnlich ab Ende Mai. Das Winterkleid zeigen sie ab September.
Allen Unterarten ist gemeinsam, dass die Hinterseite des Oberschenkels sich deutlich von der übrigen Fellfarbe unterscheidet. Dieser sogenannte Spiegel ist weißlich und von dunkleren Haaren umrahmt. Auch das Schwanzende ist weiß, in der Mitte verläuft ein dunkler Strich. Diesem Spiegel kommt eine Signalwirkung zu: Erregte Tiere spreizen die Haare des Spiegels und vergrößern ihn so optisch.

Sikahirsch (Tierpark Bad Liebenstein)

Sikahirsch (Tierpark Bad Liebenstein)

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Sikahirsches umfasste den Ostteil der Volksrepublik China, Südost-Sibirien, Korea, Japan, Taiwan und den äußersten Norden Vietnams. Mit Ausnahme der Japanischen Inseln sind sie fast überall in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet bedroht.

Sikahirsche sind eine sehr anpassungsfähige Hirschart. Sie präferieren Wälder mit einem dichten Unterwuchs. Sie kommen jedoch auch in Feuchtgebieten vor. Sie sind gute Schwimmer und ähnlich wie die Barasinghas flüchten sie ins Wasser, um ihren Fressfeinden zu entkommen.

Sikahirsche fressen Knospen und Triebe, Blätter, Beeren, Früchte und Eicheln. In Feuchtgebieten wird auch Schilf, Binsen und Wasserpflanzen von ihnen gefressen. In den Regionen, in denen ihr Verbreitungsgebiet sich bis zur Küstenlinie ausdehnt, fressen sie auch angespülten Seetang. Sie äsen auch auf landwirtschaftlichen Anbauflächen und können dort erhebliche Schäden anrichten. Auf Grund ihres Äsverhaltens richten sie bei hoher Bestandsdichte auch erhebliche Schäden in Wäldern an.

Sikahirsche sind überwiegend nachtaktiv. In Regionen, in denen sie weitgehend ungestört sind, sind sie noch in den Morgenstunden auf den Äsflächen zu beobachten und kehren auf diese erneut in den späten Nachmittagsstunden zurück.

Dybowski-Hirsch (Tierpark Nürnberg)

Dybowski-Hirsch (Tierpark Nürnberg)

Die Geschlechtsreife wird durchschnittlich mit 18 Monaten erreicht. Die Brunftzeit erstreckt sich über die Monate November und Dezember. In diesen Monaten stoßen die einzelgängerisch lebenden Männchen zu den Weibchen und bilden ein Revier, dass ein Harem von bis zu zehn Tieren umfassen kann. Zwischen einzelnen Männchen kann es dabei zu erbitterten Machtkämpfen kommen. Nach einer Tragezeit von etwa 220 bis 230 Tagen bringt das Weibchen ein, selten zwei Jungtiere zur Welt. Die Kälber sind auffällig hell gefleckt. Die Jungtiere werden etwa für acht bis zehn Monate gesäugt.

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