Trächtige Elefantenkuh, mit Pocken infiziert, verliert ihr Baby

Asiatischer Elefant, 2013 (Zoo Köln)

Asiatischer Elefant, 2013 (Zoo Köln)

Pocken und Herpes sind zwei Krankheiten, die immer wieder in Zusammenhang mit Elefanten genannt werden. Ein aktueller Fall von Pocken in der Kölner Elefantenherde zeigt, wie wichtig Hygienevorschriften sind und dass auch in der modernen „Tiergärtnerei“ immer wieder Krankheiten ausbrechen können. Obwohl die Ansteckungsgefahr auf die Besucher gering (bzw. eigentlich nicht vorhanden) ist, wurde das Elefantenhaus geschlossen. Die Kölner Herde kann aber nach wie vor in den Außenbereichen besichtigt werden.
Angefangen hat alles im September, mit zwei infizierten Tieren. Nachdem die Infektion abzuklingen schien wurde es noch schlimmer. Man kann davon ausgehen, dass es die gesamte Herde treffen wird (oder schon hat, da sind die Medienberichte unterschiedlicher Meinung). Besonders tragisch ist die Infektion trächtiger Elefantenkühe (Maha Kumari), die erste hat bereits ihr Kalb verloren. Ob das tatsächlich durch die Pocken bedingt ist, muss sich allerdings noch zeigen. Auch andere Kühe der Herde sind trächtig.
Zootierarzt Dr. Olaf Behlert: „Die Tiere werden antibiotisch sowie immunologisch versorgt und die Pocken lokal behandelt. Wir setzen bei der Behandlung vor allem auf die Stärkung des Immunsystems.“ Die Tiere verbleiben im Sozialverband, um so unnötigen Stress, der zu einer weiteren Schwächung des Immunsystems führen kann, zu vermeiden. Behlert hat außerdem Stechfliegen entdeckt. „Sie könnten Ausscheidungen der Elefanten an den Füßen von Tier zu Tier weitergetragen haben könnten.“ Bisher war man nur von Mäusekot und verunreinigtem Heu als Infektionsursache ausgegangen. „Die Stechfliegen haben wohl den zweiten Schub der Pocken-Erkrankung ausgelöst“. Allerdings geht man davon aus, dass die Pocken die Elefantenanlage nicht verlassen.

Die Elefanten befinden sich auf dem Weg der Besserung, nur Elefantenkuh Laongdaw (24) scheint ernster erkrankt, wie Behlert erklärt: „Sie frisst schlecht, weil sie Pocken in der Maulschleimhaut hat. Sie hängt in den Seilen. Die Lage ist nicht bedrohlich, aber sie wird intensiv behandelt.“
Eine intensive Behandlung ist auch notwendig, denn auch wenn die Krankheit nicht unbedingt tödlich enden muss, kann der Tod nicht ausgeschlossen werden.

Elefantenpocken traten erstmals 1960 im Zoo Leipzig auf.
Die Infektion wird sehr wahrscheinlich von Nagetieren, hauptsächlich Mäusen und Ratten verbreitet. Der Infektionsherd verläuft über das mit Mäusekot und -urin verunreinigte Futter.
Die ersten Symptome dieser Krankheit sind kreisrunde, leicht erhabene, geschwürige Veränderungen auf der Zunge.
Innerhalb einer Woche ist der gesamte Körper des Elefanten mit den typischen pockenartigen Hautveränderungen übersät.
Der Allgemeinzustand des Tieres wird immer schlechter und der Elefant frisst und trinkt kaum. Kurze Zeit später werden Veränderungen an den Füssen des Elefanten festgestellt. Das Horn beginnt sich von der Unterlage zu lösen und es besteht die Gefahr, dass der Elefant „ausschuht“. Das bedeutet das Abstoßen des Sohlenhorn des Fusses und der Elefant steht auf dem darunter liegendem, ungeschützten Gewebe.

Für die Besucher des Zoos besteht keine Ansteckungsgefahr, da ein direkter Kontakt zwischen Tier und Mensch ausgeschlossen wird.

Afrikanischer Elefant (Zoo Basel)

Afrikanischer Elefant (Zoo Basel)

Orthopoxvirus bovis var. elefanti, der Erreger der Elefantenpocken, ist eine Varietät der Kuhpocken.
Sowohl Kuh-, als auch Elefantenpocken können auf den Menschen (und alle anderen Säugetiere) übertragen werden. In Deutschland ist kein Impfstoff gegen Kuhpocken zugelassen. Menschen, die gegen humane Pocken geimpft wurden, besitzen einen relativ guten Impfschutz auch gegen die Kuhpocken.
Laut Robert-Koch-Institut gibt es bisher keine Therapie gegen Kuhpocken. Bei einer bestehenden Infektion wird empfohlen, offene Hautwunden zum Schutz gegen eine zusätzliche Bakterien-Infektion lokal mit Antibiotika zu versorgen.
Wichtig ist, jeden direkten Hautkontakt mit offenen Hautwunden bei Mensch und Tier durch das Tragen von Handschuhen zu vermeiden. Die Krankheit ist jedoch bei Menschen nicht tödlich und die Symptome sind weniger auffällig, wie es bei Kühen (oder Elefanten) ist. Nach einer Inkubationszeit von 7 bis 12 Tagen treten häufig grippe-artige Symptome auf. Es bilden sich an Händen und Beinen sowie im Bereich der Augen häufig Hautausschläge, die erst nach 6 bis 8 Wochen abheilen. Außerdem kann es am Infektionsherd zu einem Absterben des umliegenden Gewebes (Nekrose) kommen.

Afrikanische Elefanten bleiben sowohl von Pocken, als auch von Herpes verschont.

Springende Viren als Ursache von Erkrankungen von Eisbären im Zoo

Update (10.11.2014): Eine weitere Elefantenkuh hat eine Totgeburt erlitten. Marlar hat, laut Zoo-Tierarzt, ihr Baby als Spätfolge einer Tierpockenerkrankung im 14. Monat verloren. Der Mutter geht es aber gut.

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