Zoonosen: Giardiasis

Giardia intestinalis (CDC)

Giardia intestinalis (CDC)

Die Giardiasis ist eine durch das Geißeltierchen Giardia intestinalis hervorgerufene Erkrankung des Menschen. Auch andere Säugetiere können an einer Giardiose erkranken, wobei hier andere Genotypen als Auslöser ermittelt wurden. Die beim Menschen vorkommenden Genotypen können auch bei Hunden und Katzen eine Erkrankung auslösen.

Giardia intestinalis besitzt keine Mitochondrien und auch keine Peroxisomen, jedoch Eisen-Schwefel-Cluster synthetisierende Mitosomen sowie Erbgut, das Mitochondriengene enthält. Man vermutet, dass Giardien ihre Mitochondrien im Laufe der Evolution wieder verloren haben.
Das Genom ist sehr variabel. Es enthält 12 bis etwa 80 Millionen Basenpaare, die auf 8 bis 50 Chromosomen verteilt sind.
Sexuelle Reifeteilung (Meiose) wurde noch nie beobachtet, aber es wurden Gene für diesen Prozess gefunden.
Im Jejunum liegen nur Trophozoiten vor, aber im Ileum nur noch Cysten. Fehlendes Cholesterin ist dafür verantwortlich, dass die Trophozoitenoberfläche nicht mehr gebildet werden kann. Dies führt zur Cysten-Bildung (Encystierung).
Mit molekularbiologischen Techniken werden mittlerweile verschiedene Genotypen unterschieden. Während die Genotypen A (zum Teil auch in die Untergruppen AI, AII unterteilt) und B offenbar ein zoonotisches Potenzial besitzen und sowohl den Menschen als auch beispielsweise Hunde und Katzen infizieren können, sind die übrigen Genotypen offenbar wirtsspezifisch. Genotyp C und D kommt bei Hunden (D auch bei Katzen), Genotyp E bei Huftieren, Genotyp F bei Katzen und Genotyp G bei Nagetieren vor. Bei Chinchillas wird vor allem Typ B beobachtet.

Giardia intestinalis ist nicht invasiv, die Schleimhautzellen werden nicht zerstört. Es kommt aber zu einer Einschränkung ihrer Funktion und zu einer Entzündung. Die Symptome einer Giardiasis (Lamblienruhr) sind Durchfall, Blähungen und selten auch Fieber, und es kommt in schweren Fällen zu einer Mangelernährung. In Kanada findet sich die landläufige Bezeichnung Biberfieber (beaver fever), da die Erreger vermeintlich durch Biberkot in das Wasser gelangen.

Lebenszyklus von Giardia intestinalis

Lebenszyklus von Giardia intestinalis

Ein Problem besteht darin, dass es Menschen gibt, die zwar Giardia in ihrem Darm tragen, aber keine krankhaften Symptome zeigen. Diese scheiden monatelang Zysten aus, die dann bei unzureichender Hygiene andere Menschen infizieren. Jedoch gelingt es dem Immunsystem normalerweise, die Trophozoiten innerhalb weniger Wochen zu eliminieren. Die Inkubationszeit beträgt eine bis etwa zehn Wochen.
Jedes Jahr erkranken rund 200 Millionen Menschen an Giardiasis und die Krankheit kann in Entwicklungsländern ein bedeutendes Problem sein. Die Zahl der Todesfälle, die auf Giardia intestinalis zurückzuführen sind, ist, etwa im Vergleich zu der von Malaria, völlig unbedeutend. Giardia ist ein möglicher Erreger der Reisediarrhoe.
Giardia intestinalis wurde bisher in über 140 Ländern gefunden und ist somit weltweit verbreitet. In gemäßigten Zonen sind bis zu 25 % der Kinder und 10 % der Erwachsenen von ihr befallen. Noch höhere Durchseuchung findet man in den Tropen. In europäischen Ländern führt der Einzeller sehr selten zu Infektionen, aber unter Rückkehrern aus den Tropen beträgt die Prävalenz etwa 4 %. Rinder und Schafe sind je nach Gegend bis zu 30 % infiziert.

Der Nachweis von Trophozoiten oder Zysten kann im Stuhl erfolgen oder (nach einer Magen- Darmspiegelung) aus Dünndarmsekret, ggf. aus Biopsien der Schleimhaut des Zwölffingerdarmes. Weiterhin ist der Nachweis von Giardia-Antigen im Stuhl mittels ELISA und PCR möglich. Zum sicheren Ausschluss einer Infektion ist die Untersuchung mehrerer möglichst frischer Stuhlproben erforderlich.

Zur Behandlung wird vor allem Metronidazol eingesetzt, alternativ können Albendazol, Mebendazol, Secnidazol, Tinidazol, Furazolidon oder Quinacrin eingesetzt werden.
Es gibt aber Fälle, bei denen, trotz erfolgreicher Eliminierung des Erregers, Magen-Darm-Probleme über Monate persistieren können. Vermutlich kann eine Giardiasis anhaltende Funktionsstörungen wie Laktoseintoleranz, Reizdarmsyndrom und eventuell sogar eine Nahrungsmittelunverträglichkeit auslösen

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