Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

17.11.2014, Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern
Backhaus: Schweinswale müssen besser geschützt werden – Bund ist gefragt
Der Schweinswal ist eine streng geschützte Art. Gerade Windkraftanlagen im Meer können die Tiere beeinträchtigen. „Wir müssen daher alles daran setzen, dass diese Meeressäuger besser vor vom Menschen verursachten Umwelteinflüssen geschützt werden. Hierbei ist aber auch der Bund gefragt“, erklärte Umweltminister Dr. Till Backhaus heute im Landtag in Schwerin.
Schweinswale sind für Kommunikation, Orientierung und Nahrungssuche auf ihr Gehör angewiesen. Durch impulshaften Schall können die Tiere eine zeitweise oder dauerhafte Schädigung ihres Gehörs erfahren. Sehr hohe Schalldruckpegel entstehen z.B. beim Rammen von Fundamenten für Windenergie-Anlagen, aber auch im Zuge von Sprengungen von Altmunition. Schweinswale reagieren bereits bei einer impulshaften Schallbelastung von deutlich weniger als einem Schallereignispegel von 164 dB mit einem ausgeprägten Meideverhalten und Verhaltensänderungen. „Für den Bereich der Nordsee gibt es bereits ein Schallschutzkonzept. Dies fordere ich vom Bund auch für die Ostsee. Bis dahin kann das Land nur im Rahmen naturschutzrechtlicher Kompetenzen einzelfallbezogen Einfluss nehmen. Doch dieser Handlungsrahmen ist begrenzt“, führte der Minister aus.
Möglichkeiten für einen Schallschutz gibt es derweil schon und werden zum Teil schon in der Nordsee angewandt:
a) die Vergrämung von Meeressäugern aus dem Gefahrenbereich mittels akustischer Signale z.B. durch „Pinger“ oder „seal scarer“,
b) die Reduzierung der Schalldruckwelle durch Einsatz spezieller Rammtechniken sowie durch den Einsatz anderer Minderungs­maßnahmen, wie den Einsatz von Blasenschleiern,
c) die räumliche Vermeidung von Beeinträchtigungen sensibler Bereiche (Kernhabitate),
d) die Vermeidung von Beeinträchtigungen in sensiblen Zeiten wie Fortpflanzungs- und Aufzuchtsperioden.
Hintergrund:
Die Nord- und Ostsee wird von der atlantischen Unterart des Schweinswals besiedelt. Es lassen sich drei auch genetisch deutlich getrennte Populationen unterscheiden, deren Größe und Dichte von Westen nach Osten hin abnimmt:
Nordsee und Skagerrak (etwa 260.000 Individuen, davon etwa 50.000 in der deutschen Nordsee),
innere dänische Gewässer des Kattegat, der Beltsee und südwestliche Ostsee (etwa 11.000 Individuen),
zentrale Ostsee (etwa 600 Individuen).
In den Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns treten Tiere der Populationen der inneren dänischen Gewässer und der zentralen Ostsee auf. Die Mecklenburger Bucht bis zur Darßer Schwelle gehört zu den Kernaufenthaltsgebieten von Schweinswalen der Population der inneren dänischen Gewässer.

17.11.2014, NABU
Hunderte wichtiger Naturgebiete in Gefahr
BirdLife International veröffentlicht weltweite Liste bedrohter Gebiete
Mehr als 350 der wertvollsten Naturgebiete der Erde stehen vor der Zerstörung, wie aus einem Bericht hervorgeht, den die Naturschutzorganisation BirdLife International – die internationale Partnerorganisation des NABU – am Wochenende auf dem World Parks Congress der Internationalen Naturschutzunion IUCN in Sydney, Australien, vorstellte. Die Liste enthält auch fünf Gebiete aus Deutschland.
Der Bericht ist Ergebnis einer Bewertung der Gefährdung der 12.000 weltweit wichtigsten Gebiete für Vögel und Artenvielfalt, die seit den 1970er Jahren nach wissenschaftlichen Kriterien auf der ganzen Welt als „Important Bird and Biodiversity Areas“, kurz IBAs identifiziert wurden. 540 dieser Gebiete hatte der NABU in Deutschland in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und lokalen Experten abgegrenzt.
IBAs stellen das größte und umfassendste Netz für den Naturschutz besonders wichtiger Gebiete auf der Welt dar. 356 dieser Gebiete aus 122 Ländern wurden nun als „IBAs in Gefahr“ gewertet. Sie laufen akute Gefahr, ihren Wert für die Natur in Kürze für immer zu verlieren und stehen damit beispielhaft für zahlreiche andere Gebiete mit ähnlichen Problemen. Dabei sind etwa die Hälfte dieser Gebiete ausgewiesene Schutzgebiete, was einmal mehr unterstreicht, dass eine Schutzgebietsausweisung alleine nicht ausreicht, wenn keine angemessenen Schutzmaßnahmen getroffen werden.
“Die Liste der ‚IBAs in Gefahr‘ ermöglicht es Regierungen, Entwicklungshilfeinstitutionen, ebenso wie der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft, Anstrengungen auf bestimmte besonders gefährdete Gebiete zu fokussieren, um den Verlust ihrer internationalen Bedeutung für den Naturschutz zu verhindern,“ erläuterte Dr. Eick von Ruschkowski, Leiter der NABU-Naturschutzabteilung, der den NABU beim World Parks Congress vertritt.
Die Liste der ‘IBAs in Danger’ beinhaltet unter anderem den Tieflandregenwald der afrikanischen Tropeninsel São Tomé, Heimat hochbedrohter endemischer Vogelarten. Er ist durch die Anlage von Ölpalmenplantagen und den Bau eines Staudamms gefährdet. Auch die Tasmanische See zwischen Australien und Neuseeland, ein wichtiges Gebiet für Albatrosse und andere Seevögel ist gefährdet: Nirgendwo auf der Welt gefährdet die Verschmutzung der Meere mit Plastik die Seevögel so sehr wie dort. Die Vögel sterben, wenn sie statt Nahrung Plastikteile aufnehmen.
Fünf Gebiete repräsentieren Deutschlands gefährdete IBAs: Der Untere Niederrhein und die Hellwegbörde in Nordrhein-Westfalen sowie die Leda-Jümme-Niederung in Niedersachsen leiden vor allem unter einer andauernden Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung mit Entwässerung von Feuchtwiesen und dem Verlust von Grünland zugunsten von Maisanbau. Gleichzeitig reicht der gesetzliche Schutzstatus dieser Gebiete nicht aus, und das notwendige Naturschutzmanagement fehlt oder ist unzureichend. Das Mühlenberger Loch, ein Brackwasser-Watt der Elbe in Hamburg wurde für die Verlängerung der Landebahn des angrenzenden Airbus-Werkes zum Teil überbaut, die auferlegten Ersatzmaßnahmen jedoch bis heute nicht umgesetzt. Stattdessen droht durch die geplante Elbvertiefung neue Gefahr für das bereits geschädigte Gebiet. Die Vorpommersche Küsten- und Boddenlandschaft ist vor allem durch die Entnahme von Sand und Kies vor der Küste und durch den massenhaften Beifang überwinternder tauchender Meeresenten in küstennahen Fischerei-Stellnetzen bedroht.
Ein zweiter Bericht von BirdLife International fasst die Errungenschaften des weltweiten IBA-Programms aus vier Jahrzehnten zusammen. IBAs haben für den Naturschutz einen großen Einfluss: Sie ermöglichen gezielte Schutzmaßnahmen für die wichtigsten Gebiete eines Landes und haben die Ausweisung vieler formal geschützter Naturschutzgebiete und Nationalparks forciert.
In den Mitgliedstaaten der Europäischen Union waren sie die Grundlage für die Ausweisung von EU-Vogelschutzgebieten, eine der wichtigsten Vorgaben der bereits 1979 verabschiedeten EU-Vogelschutzrichtlinie. Allein in Deutschland wurden auf Grundlage der IBAs bis 2009 740 EU-Vogelschutzgebiete auf über 14% der deutschen Land- und Seefläche ausgewiesen. Für deren Schutz und Erhalt sind heute die Bundesländer und die Bundesregierung verantwortlich. Nach der formellen Ausweisung müssen diese heute für einen angemessenen Schutz und ein angepasstes Management dieser Gebiete sorgen. Nicht nur bei den fünf deutschen Gebieten auf der internationalen Liste der‚ IBAs in Gefahr gibt es dabei noch erhebliche Defizite. Eine kürzlich angelaufene Überprüfung der Effektivität der Vogelschutzrichtlinie durch die EU-Kommission, bietet aktuell eine gute Möglichkeit, noch effektivere Wege für die Umsetzung der Vogelschutzrichtlinie, und damit des Schutzes der wertvollsten Naturgebiete Europas zu entwickeln.

18.11.2014, DDA
Noch ungewöhnlich viele Rotmilane in Deutschland
Die meisten der bei uns brütenden Rotmilane ziehen im Herbst in den Süden und überwintern in Südfrankreich und auf der Iberischen Halbinsel. Der Abzug erfolgt in der Regel von Anfang September bis Mitte Oktober. Ab November sind die eleganten Greifvögel dann nur noch in geringer Zahl zu beobachten. Anders in diesem Jahr: Etwa zwei- bis dreimal so viele Rotmilane halten sich — verglichen mit dem Vorjahr — derzeit noch bei uns auf. Das zeigt ein Vergleich der in der ersten Novemberhälfte über ornitho.de gemeldeten Beobachtungen: Ein Grund hierfür könnte die derzeit ungewöhnlich milde Witterung sein. Da die Witterungsbedingungen im Herbst des vergangenen Jahres jedoch ähnlich mild waren, dürfte vor allem ein gutes Nahrungsangebot der Hauptgrund für die ungewöhnlich vielen Beobachtungen sein. Vielerorts sind die Dichten an Mäusen offenbar hoch, so dass der Tisch für viele Greifvögel reicht gedeckt ist.
Seit den 1950er Jahren wird beobachtet, dass einige Rotmilane nicht mehr nach Südwesteuropa ziehen, sondern in der Nähe des Brutgebiets bleiben und den Winter in Mitteleuropa verbringen. Hierzulande sind die Regionen um den Harz und das Thüringer Becken sowie der Südwesten Deutschlands als inzwischen traditionelle Überwinterungsgebiete bekannt. Um mehr über das Auftreten und die Verbreitung von Rotmilanen im Winter in Deutschland zu erfahren, melden Sie bitte alle Rotmilan-Beobachtungen bei ornitho.de!
Deutschland hat eine besondere Verantwortung für den Schutz des Rotmilans, da mehr als die Hälfte aller Rotmilane weltweit in Deutschland lebt. Doch der Bestand geht zurück. Um den Sinkflug des faszinierenden Greifvogels aufzuhalten, führen der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) und die Deutsche Wildtier Stiftung gemeinsam mit Partnern vor Ort das nationale Schutzprojekt „Rotmilan — Land zum Leben“ durch. Kern des Vorhabens ist die Beratung und Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft in elf Modellregionen in acht Bundesländern. Mit ihr gemeinsam soll u. a. die Agrarlandschaft so gestaltet werden, dass der Rotmilan ausreichend Nahrung zur Aufzucht seiner Jungen findet. Das Vorhaben wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz gefördert. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der DDA-Homepage unter „Rotmilan-Projekt“ sowie auf www.rotmilan.org.

20.11.2014, WWF
WWF setzt 50.000 Störe in der Donau aus
Mit der Freilassung von 5.000 Sterlets in der Donau in Bulgarien startete der WWF diese Woche das bisher
größte Rettungsprojekt für Störe. Der Sterlet ist eine gefährdete Fischart und kann mehr als einen Meter lang werden. Die 5.000 Sterlets wurden nach ihrer genetischen Reinheit ausgewählt und an der linken Vorderflosse mit einem Magnetchip versehen. Jedes Tier kann dadurch erfasst werden und wichtige Informationen über dessen
Migrationsrouten und Laichgebiete liefern. Insgesamt will der WWF zukünftig 50.000 Störe an der unteren Donau freilassen um die Bestände zu stützen.
Störe waren früher an der gesamten Donau heimisch. Heute sind die Fische – vor allem aufgrund der starken Nachfrage nach Kaviar – die am stärksten vom Aussterben bedrohte Artengruppe der Welt. Vor der Freilassung der Tiere waren jahrelange wissenschaftliche Untersuchungen vorangegangen. „In Europa ist die Donau das einzige größere Flusssystem, in dem die Rettung überlebender Stör-Bestände noch möglich ist“, erklärt WWF-Expertin Jutta Jahrl.
Die Donau ist die Heimat von einigen der wichtigsten Stör-Populationen. Weltweit gibt es noch 25 Störarten. Sechs davon lebten ursprünglich in der Donau. Der Europäische Stör ist dort bereits ausgestorben. Nur der Sterlet verbringt sein ganzes Leben im Süßwasser und wandert nicht ins Meer. Deshalb kann der Sterlet auch in Österreich noch existieren. Er kommt hierzulande noch in einem kleinen Bestand an einem 15 Kilometer langen Abschnitt der Donau bei Aschach in Oberösterreich vor. 2014 wurde er auch bei uns zum „Fisch des Jahres“ gekürt.
Die übrigen Donaustöre, das sind Hausen (Beluga), Sternhausen, Glattdick und Waxdick leben als erwachsene Tiere im Schwarzen Meer und kehren zum Ablaichen wieder ins Süßwasser zurück. Diese Donaustör-Arten stehen direkt an der Kippe zum Aussterben. Obwohl Stör-Fang und Handel mit Wildkaviar bis Ende 2015 in Rumänien und Bulgarien verboten sind, werden nach wie vor Störe gefangen und Kaviar wird illegal gehandelt. Der WWF belegte 2013 im Rahmen von
Untersuchungen in Restaurants und bei Kaviarhändlern, dass von 30 Proben zumindest fünf von gewilderten Stören stammten und weitere Proben falsch gekennzeichnet waren oder gefälschten Kaviar enthielten. Zwei illegale Proben wurden vom WWF auch in Österreich entdeckt.
Gerade vor Weihnachten und Silvester wird besonders viel Kaviar gekauft. „Wer auf Kaviar nicht verzichten will, sollte unbedingt auf das CITES-Etikett auf dem Glas achten. Nur so können Konsumenten sicher gehen, dass der Stör-Kaviar aus legalen Quellen und damit meist aus ökologisch weitgehend unbedenklicher Aquakultur stammt“, empfiehlt Jutta Jahrl vom WWF. Eine andere Möglichkeit für Weihnachten ist MSC-zertifizierter Rogen von Lachs oder Hering oder Fischeier ganz von der Weihnachtstafel zu verbannen.
Um die dramatische Situation der 200 Millionen Jahre alten Störe zu verbessern, muss der Kampf gegen die Wilderei gewonnen werden und Gesetze zu ihrem Schutz auch tatsächlich vollzogen werden, fordert der WWF. „In einem großen EU-Projekt arbeiten wir mit Fischern, Behörden und der Kaviarindustrie zusammen um die Wildbestände an Stör
in der Donau dauerhaft zu schützen“, so die WWF-Projektleiterin Jutta Jahrl (www.danube-sturgeons.org).

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