Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

24.11.2014, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Hilfe für den Rotmilan: Artenhilfsprogramm des Landes Sachsen-Anhalt erschienen
Mit ca. 2.000 Paaren brüten etwa 8 % aller Rotmilane der Welt in Sachsen-Anhalt. Das Land hat daher für die Erhaltung dieser Art deutschland-, europa- und auch weltweit eine besonders hohe Verantwortung. Schätzungen zufolge beläuft sich der Weltbestand auf lediglich 20.000-25.000 Brutpaare.
Experten aus dem Förderverein für Ökologie und Monitoring von Greifvogel- und Eulenarten, dem Museum Heineanum in Halberstadt und des Landesamtes für Umweltschutzes (Staatliche Vogelschutzwarte Steckby) haben nun ein Artenhilfsprogramm für den Rotmilan in Sachsen-Anhalt erarbeitet, das Anfang November auf der Jahresversammlung des Ornithologenverbandes Sachsen-Anhalt offiziell vorgestellt wurde. Das 160 Seiten umfassende Heft der Berichte des Landesamtes für Umweltschutz stellt die besondere Bedeutung Sachsen-Anhalts heraus, verdeutlicht die aktuelle Situation des Rotmilans im Land, analysiert Gefährdungsursachen und gibt Empfehlungen für seinen Schutz in Sachsen-Anhalt.
Wichtige wissenschaftliche Grundlage des Artenhilfsprogramms war eine landesweite Brutbestandserfassung des Rotmilans in den Jahren 2012 und 2013. Obwohl Sachsen-Anhalt weitgehend flächendeckend besiedelt ist, zeigen sich in den verschiedenen Regionen deutliche Dichteunterschiede. Sehr hohe Brutkonzentrationen sind im Harzvorland, in Teilen der Magdeburger Börde, im Großraum Halle, im Drömling und in Teilen der Elbeaue zu finden.
Seit 1996 nimmt der Rotmilanbestand in Sachsen-Anhalt jährlich um durchschnittlich 1,8 % ab, der Bruterfolg liegt unter dem bundesweiten Durchschnitt. Eine entscheidende Rolle spielen dabei Veränderungen in der agrarischen Landnutzung, zunehmender Nistplatzmangel, Verluste durch Windkraftanlagen, Stromleitungen und Straßenverkehr sowie Verluste durch den sich schnell ausbreitenden Waschbär.
Das Artenhilfsprogramm empfiehlt konkrete Maßnahmen, die den negativen Entwicklungen entgegen wirken können. Dazu zählen u.a. Maßnahmen, die das Angebot und die Erreichbarkeit von Kleinsäugern in der Agrarlandschaft verbessern. Diese stellen die Hauptnahrung für den Rotmilan dar. Daneben werden die Erhaltung, Pflege und Neupflanzung von Nistbäumen im Agrarraum und die Minimierung von Verlusten durch den Waschbär empfohlen. Breiten Raum nimmt auch die Verhinderung von Rotmilan-Verlusten durch Windkraftanlagen ein. Insbesondere wird ein Mindestabstand neu zu errichtender Windkraftanlagen von 1.500 m zu Rotmilanhorsten empfohlen. Dieser würde das Tötungsrisiko an Windkraftanlagen deutlich verringern.

24.11.2014, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Filmpremiere: „Über-Leben Rebhuhn — Das Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen“
Die Biologische Schutzgemeinschaft Göttingen e. V. lädt ein zur Filmpremiere, am Freitag, 5. Dezember 2014, 16 Uhr, in das Kino Lumière, Geismarlandstraße 19, 37083 Göttingen. Der Eintritt ist frei. Der Tierfilmer und Landwirt Andreas Winkler aus Limbach-Oberfrohna präsentiert seinen neuen Dokumentarfilm „Über-Leben Rebhuhn — Das Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen“.
Seit 2010 begleitet der Tierfilmer Andreas Winkler unser Rebhuhnschutzprojekt und die wissenschaftlichen Begleituntersuchungen der Naturschutzbiologie der Universität Göttingen. Der Film soll einerseits das Projekt dokumentieren und andererseits Anregungen geben und Leitfaden sein, wie auch in anderen Regionen das Überleben der Rebhühner gefördert werden kann. Andreas Winkler zeigt, dass die Landschaft nicht nur eine Produktionsfläche, sondern auch Lebensraum für Menschen, Pflanzen und Tiere ist.
Nach der Filmvorführung (ca. 40 Minuten) findet ein Sektempfang im benachbarten HAVANA statt. Dort haben Sie die Möglichkeit zur Diskussion und zum Austausch über den Film. Ihre Teilnahme melden Sie bitte unter folgender Adresse an: mail@rebhuhnschutzprojekt.de

24.11.2014, Deutsches Primatenzentrum GmbH – Leibniz-Institut für Primatenforschung
Affen unverzichtbar für Regeneration von Tropenwäldern
Primaten haben einen entscheidenden Einfluss auf die Ausbreitung und die räumlich-genetischen Verwandtschaftsstrukturen der Pflanzen, die ihnen als Nahrungsquelle dienen. Dies ist das Ergebnis eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Kooperationsprojekts des Verhaltensökologen Eckhard W. Heymann vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) mit Birgit Ziegenhagen und Ronald Bialozyt von der Philipps-Universität Marburg. (Bialozyt et al., Trees, 2014).
An der DPZ-Feldstation Estación Biológica Quebrada Blanco im peruanischen Amazonastiefland haben die Wissenschaftler untersucht, wie sich die Fress-, Schlaf- und Streifgewohnheiten zweier Neuweltaffenarten auf die Ausbreitung des neotropischen Baums Parkia panurensis auswirken. Dazu beobachteten die Forscher eine Gruppe von Braunrückentamarinen (Saguinus nigrifrons) und Schnurbarttamarinen (Saguinus mystax), die gemeinsam durch ihr Streifgebiet ziehen und vorwiegend die gleichen Nahrungspflanzen, darunter die Parkia-Bäume, aufsuchen.
Die Hülsenfrüchte dieser Baumart enthalten dickflüssige Säfte sowie jeweils 16 bis 23 Samen. Die Affen ernähren sich vom zähflüssigen Inhalt der Hülsen und schlucken nebenbei auch die Parkia-Samen, die dann später an einem anderen Ort intakt mit dem Kot ausgeschieden werden.
Die Forscher beobachteten zunächst die Tamaringruppen auf ihren Streifzügen, registrierten ihre Nahrungsaufnahme sowie den Standort der besuchten Parkia-Bäume. Außerdem sammelten sie Kotproben der Tamarine mit den darin enthaltenen Samen. „Durch genetische Analysen der DNA, die in der von der Mutterpflanze gebildeten Samenschale enthalten ist, haben wir die einzelnen Samen den entsprechenden „Mutterbäumen“ exakt zugeordnet“, sagt Eckhard W. Heymann vom DPZ. „Dadurch konnten wir ermitteln, wie weit sich die Parkia-Samen mit Hilfe der Affen ausgebreitet haben.“
Um die Auswirkung der Samenausbreitung durch die Affen auf räumlich-genetischer Ebene zu analysieren, untersuchten die Wissenschaftler drei unterschiedliche Entwicklungsstadien der Bäume. Zusätzlich zu den Samen, die den pflanzlichen Embryo enthielten, sammelten sie Blätter von jungen und ausgewachsenen Parkia-Bäumen im Streifgebiet der Tamarine. „Durch die Analyse von Mikrosatelliten, also kurzen DNA-Sequenzen, die sich vielfach wiederholen, konnten wir genetische Ähnlichkeiten in Abhängigkeit von der räumlichen Entfernung der einzelnen Bäume voneinander identifizieren“, sagt Heymann.
Die so ermittelte räumlich-genetische Struktur der Parkia-Population zeigte eine signifikante genetische Verwandtschaft der untersuchten Pflanzenembryonen und der Jungbäume in einem Radius von 300 Metern, was mit der Entfernung, in der die meisten Samen durch die Tamarine ausgebreitet wurden, zusammen fällt. Bei den ausgewachsenen Bäumen konnte die Verwandtschaft nur noch im Umkreis von bis zu 100 Metern genetisch nachgewiesen werden.
„In tropischen Regenwäldern werden die Samen von 80 bis 90 Prozent der Bäume und Lianen durch Tiere ausgebreitet. Neben Primaten sorgen auch Vögel und Fledermäuse für diese Samenausbreitung“, so Verhaltensökologe Heymann. „Für die Pflanzen ist der Transport ihrer Samen enorm wichtig. Als ortsgebundene Organismen ist dies ihre einzige Möglichkeit, dass ihre Nachkommen – die in den Samen enthaltenen Embryonen – an geeignete Orte für Keimung und Aufwuchs gelangen. Darüber hinaus entgehen die Samen der dichteabhängigen Sterblichkeit, die vorkommt, wenn Samen unter ihre Mutterpflanze fallen“, erklärt Eckhard W. Heymann. „Fruchtfressende Primaten wie die Tamarine sind deshalb von unschätzbarem Wert für die natürliche Regeneration und Diversität der Ökosysteme in denen sie leben.“
Originalveröffentlichung
Bialozyt, R., Lüttmann, K., Michalczyk, I.M., Saboya, P.P.P., Ziegenhagen, B., Heymann, E.W. (2014): Primate seed dispersal leaves spatial genetic imprint throughout subsequent life stages of the Neotropical tree Parkia panurensis. Trees DOI 10.1007/s00468-014-1061-7

25.11.2014, Universität Rostock
Rostocker Genetiker an internationalem Forscherteam beteiligt
Am 25.11.2014 wird in der internationalen Zeitschrift PLoS-Biology eine Studie veröffentlicht, in der ein internationales Team die Beschreibung aller Gene einer schottischen Hundertfüßer-Art präsentiert, die mit wissenschaftlichem Namen Strigamia heißt. Es ist nun u.a. möglich, den Startpunkt aller heute lebenden Gliedertiere zu rekonstruieren.
Tausendfüßer sieht man in der freien Natur nur, wenn man genauer hinschaut. In einigen Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz treten sie jedoch mitunter massenhaft auf, überschwemmen plagenhaft Gärten und Straßen und kriechen die Hauswände hoch. Zudem verbreiten sie einen beißenden Geruch der von blausäurehaltigen Abwehrstoffen stammt, den sie produzieren, wenn sie sich gestört fühlen. Nahe verwandt mit den rein vegetarischen Tausendfüßern sind die räuberisch lebenden Hundertfüßer. Sie zählen zu den Myriapoden, die mit den Insekten, Krebsen und Spinnentieren zum Stamm der Gliedertiere (Arthropoden) gehören. Myriapoden zählen zu den ältesten noch heute lebenden Tierklassen.
Warum ist es so spannend, alle Gene eines Hundertfüßers zu identifizieren? Gerade weil diese Tiergruppe so alt ist, besteht die einmalige Chance, durch den Vergleich der schon vorhandenen Gen-Sequenzen von Insekten, Spinnen und Krebsen die Verwandtschaftsverhältnisse der Gliedertiere besser zu verstehen. Gleichzeitig ist es nun möglich, die Gen-Ausstattung des gemeinsamen Vorfahren und damit den Startpunkt aller heute lebenden Gliedertiere zu rekonstruieren.
„Solche Großvorhaben kosten eine Menge Geld, viel Zeit und benötigen vielfältiges know-how“, sagte Prof. Dr. Reinhard Schröder von der Universität Rostock, einer der Beteiligten des internationalen Konsortiums, das in den letzten drei Jahren die ca. 15000 Gene eines Hundertfüßers gelesen und identifiziert hat. Dazu bedurfte es ein Team von mehr als 100 Wissenschaftlern von 44 Institutionen aus 15 Ländern.
Das „Lesen“ aller Buchstaben der Erbsubstanz war der erste Schritt und wurde in den USA am Baylor College of Medicine in Houston durchgeführt. Dieses Institut war bereits an der Identifizierung der Gene des Menschen beteiligt und hat inzwischen die gesamten Gene vieler anderer Arten sequenziert. In einem zweiten Schritt musste aus den Buchstabenfolgen der Sinn ausgelesen werden. Dazu durchforsteten Spezialisten für die einzelnen Gen-Gruppen die in einer Datenbank bereitgestellten Sequenzen.
Der Hundertfüßer Strigamia wurde gewählt, da die Eier leicht zu finden sind und daher deren Embryonen gut untersucht werden können. Hervorzuheben ist, dass die Fähigkeit, Gerüche wahrzunehmen, in Myriapoden von anderen Molekülen vermittelt wird als bei Insekten. Dies gilt auch als ein Beleg dafür, dass beide Tier-Klassen unabhängig voneinander das Land besiedelt haben.
Eine andere Entdeckung ist, dass bei dem blinden Strigamia zwar die Gene für Farbwahrnehmung und für die „innere Uhr“ verloren gegangen sind, die Fähigkeit auf Licht zu reagieren jedoch erhalten blieb. Wie dies funktioniert, haben die Gene bisher noch nicht verraten.
Allerdings: Die sofortige Hilfe zur Bekämpfung der Tausendfüßer-Plage verspricht die jetzt veröffentlichte genetische Analyse nicht. Eine 30cm hohe Blechwand um den betroffenen Ortsteil hat sich als das beste Mittel herausgestellt. Diese Barriere können die Tiere nicht überwinden und werden dort einmal täglich abgesammelt.

26.11.2014, Freie Universität Berlin
Studie: Gefahr für die Honigbiene durch die Erwärmung des Weltklimas
Wissenschaftler der Freien Universität und der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung sowie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig sehen eine verstärkte Gefährdung der Honigbiene in Europa. Sie fanden heraus, dass die Verbreitung eines asiatischen Honigbienen-Parasiten in Europa durch einen Anstieg der weltweiten Temperaturen begünstigt wird. Dieser Parasit verursacht Nosemose, eine schwere Erkrankung der Honigbiene. Die Ergebnisse der Studie sind in der jüngsten Ausgabe des Fachjournals „Proceedings of the Royal Society B“ (Biological Sciences) veröffentlicht worden.
Wissenschaftler der Freien Universität und der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung sowie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig sehen eine verstärkte Gefährdung der Honigbiene in Europa. Sie fanden heraus, dass die Verbreitung eines asiatischen Honigbienen-Parasiten in Europa durch einen Anstieg der weltweiten Temperaturen begünstigt wird. Dieser Parasit verursacht Nosemose, eine schwere Erkrankung der Honigbiene. Die Ergebnisse der Studie sind in der jüngsten Ausgabe des Fachjournals Proceedings of the Royal Society B (Biological Sciences) veröffentlicht worden.
Ursprünglich in Europa war allein der Honigbienen-Parasit Nosema apis verbreitet, in Asien der Parasit Nosema ceranae. Erst in jüngerer Zeit wurde Nosema ceranae auch in europäischen Bienenvölkern entdeckt; er hat die Tendenz, den ursprünglichen Parasiten zurückzudrängen. „Nicht allein die Widerstandsfähigkeit des neuen Parasiten begünstigt dessen Ausbreitung, auch klimatische Parameter müssen berücksichtigt werden. Der neue Parasit kann sich unter bestimmten Gegebenheiten besser ausbreiten als der einheimische“, sagt Myrsini Natsopoulou von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Sie leitete die Studie gemeinsam mit Dino McMahon, Professor an der Freien Universität Berlin und der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung.
Die Wissenschaftler verglichen das Wachstum der Erreger in Honigbienen, die von beiden Parasitenarten befallen waren, also von der asiatischen Variante Nosema ceranae und vom einheimischen Verwandten Nosema apis. Die Experimente zeigten, dass beide Parasiten das Wachstum des anderen hemmten, aber der asiatische Parasit einen größeren negativen Einfluss auf den Konkurrenten hatte. Indem sie die Konkurrenz der Parasiten untereinander mit klimatischen Faktoren in ein mathematisches Modell integrierten, konnten die Wissenschaftler die relative Häufigkeit der beiden Parasitenarten in der Natur prognostizieren. „Der neue Parasit ist anfälliger für Kälte, was vermutlich mit seiner angenommenen Herkunft aus Ostasien zusammenhängt”, erläutert der Mitautor der Studie Robert Paxton, Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Mitglied des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig. „Angesichts steigender Temperaturen weltweit legen unsere Erkenntnisse nahe, dass sich das Vorkommen des neuen Parasiten weiter ausbreiten wird und dies womöglich zu weiteren Verlusten von Honigbienenvölkern führt.“
Die Studie wurde finanziert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und die UK Insect Pollinators Initiative.
Publikation
Natsopoulou ME, McMahon DP, Doublet V, Bryden J, Paxton RJ. (2015) Interspecific competition in honey bee intracellular gut parasites is asymmetric and favours the spread of an emerging infectious disease. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences. 20141896. http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2014.1896

27.11.2014, LBV
Erste Futterhaus-Webcam Deutschlands
Beobachten Sie heimische Vögel live an der Futterstelle vor der LBV- Zentrale! In unserem Garten haben wir Deutschlands erste Futterhaus-Webcam aufgebaut, mit der Sie in HD-Qualität unsere Gäste wie Kohlmeise, Grünfink und Feldsperling live erleben können.
Lernen Sie neue Vogelarten kennen und finden Sie dabei heraus, welcher Vogel welches Futter am liebsten frisst, wer wen verjagt und wer oft und wer seltener kommt. Teilen Sie Ihre Beobachtungen in unserem Webcam-Gästebuch und stellen Sie uns Ihre Frage.

27.11.2014, NABU
NABU International: Forschungsexpedition in die Nebelwälder Äthiopiens Stiftung zieht zum fünfjährigen Jubiläum erfolgreiche Bilanz
Die NABU International Naturschutzstiftung ist fünf Jahre alt. Jetzt unterstützt die Stiftung eine Forschungsexpedition des NABU in die Nebelwälder Ostafrikas. „Es ist die erste umfassende Expedition in das Gebiet. Dabei wird die biologische Vielfalt im Kafa-Biosphärenreservat erfasst und eventuell sogar die ein oder andere neue Art für die Region entdeckt“, erklärt Thomas Tennhardt, Vorsitzender von NABU International. Die Expedition findet in der ersten Dezemberhälfte statt, 30 ehrenamtliche NABU-Experten aus Deutschland und Äthiopien sollen wichtige Erkenntnisse über die noch unerforschte Region liefern.
NABU International unterstützt bereits seit seinem Bestehen 2009 das Projekt zum Schutz und Erhalt der letzten Bergnebelwälder Äthiopiens, die Ursprungsregion des weltweit geschätzten Arabica-Kaffees. Ein Jahr später wurde die Kafa-Region zum Biosphärenreservat ernannt.
Auch in vielen anderen Regionen der Erde ist NABU International aktiv und zieht nach fünf Jahren erstmals Bilanz: Ob für Löwen in der Serengeti, Hector- und Maui-Delfine in Neuseeland, Tiger in Indiens Valmiki-Nationalpark, Wisente im Kaukasus oder Schneeleoparden in Kirgistan – die Stiftung konnte bereits vieles bewegen und zahlreiche Erfolge erzielen. In Kenias Maasai Mara, dem nördlichen Ausläufer der Serengeti, unterstützt die Stiftung ein Anti-Wilderer-Projekt. Die Ranger nehmen Wilderer und Elfenbeinschmuggler fest und entfernen auf ihren Patrouillen Tausende von gefährlichen Drahtfallen. Damit haben sie bereits unzähligen Elefanten und anderen Wildtieren das Leben gerettet. Aktuell hat die Stiftung einen Rangerfonds für im Dienst getötete Ranger in Kenia und Äthiopien gegründet. Mit dem Geld werden die Hinterbliebenen unterstützt, so dass ihre Kinder beispielsweise zu einer weiterführenden Schule oder zur Universität gehen können.
In den Neuseeländischen Küstengewässern gelang es nicht zuletzt Dank dem Druck von NABU International 6.000 Quadratkilometer Lebensraum der letzten 50 Maui-Delfine gegen tödliche Stellnetze zu schützen. Die Stiftung stellte das Thema bei internationalen Wissenschaftskonferenzen vor, sammelte 220.000 Unterschriften und machte die Delfine durch Demonstrationen, Medienberichte und über soziale Netzwerke weltweit zum Thema.
Der NABU hat die NABU International Naturschutzstiftung angesichts der fortschreitenden Bedrohung unserer globalen Lebensgrundlagen gegründet. Denn nicht nur in Deutschland, sondern weltweit steht die Natur und Umwelt unter dem Druck von Globalisierung, Bevölkerungsentwicklung und Klimawandel. NABU International engagiert sich weltweit für das Überleben bedrohter Arten und den Erhalt wertvoller Naturschutzgebiete. Dabei fördert die Stiftung bevorzugt Projekte, die neben dem praktischen Naturschutz auch die konkrete Lebenssituation der Menschen vor Ort verbessern und zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.

28.11.2014, Veterinärmedizinische Universität Wien
Liebe auf den ersten Riecher – Vögel wählen ihre Partner nach dem Geruch
Von vielen Tierarten ist bekannt, dass der Körpergeruch bei der Partnerwahl eine Rolle spielt. Der Duft des potenziellen Partners verrät, wie gut das Immunsystem zum eigenen passt. Es gilt das Prinzip: Je unähnlicher ein Paar, desto fitter werden seine Nachkommen sein. Forschende vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung an der Vetmeduni Vienna haben erstmals herausgefunden, dass sich auch Vögel bei der Partnerwahl von ihrer Nase leiten lassen. In einer aktuellen Studie in Nature’s Scientific Reports zeigen die WissenschafterInnen, dass ähnlich duftende Dreizehenmöwen auch ähnliche Immun-Gene besitzen.
Die Wahl des Sexualpartners hat auch im Tierreich eine große Bedeutung. Die Robustheit und Gesundheit der Nachkommen hängen nämlich davon ab, wie unterschiedlich die Genetik der Eltern ist. Je verschiedener die Immunsysteme der Eltern, desto gesünder sind deren Nachkommen.
Tiere können das passende Immunsystem riechen
Mäuseweibchen erkennen beispielsweise am Uringeruch eines Männchens, ob er ein naher Verwandter oder ein fremder Mäuserich ist. Forschende haben dazu herausgefunden, dass sich im Uringeruch die Genetik der jeweiligen Maus wiederspiegelt. Der sogenannte MHC-Komplex (Major Histocompatibility-Komplex) ist dabei ausschlaggebend. Bei dem MHC-Komplex handelt es sich um eine Gruppe von Genen bei Wirbeltieren, die für die Immunabwehr zuständig ist. Je unterschiedlicher die MHC-Gene, desto unterschiedlicher die Immunsysteme der beiden Organismen. Paaren sich Tiere mit sehr unterschiedlichen MHC-Genen, entstehen robuste Nachkommen mit einer großen Vielfalt an Immun-Genen.
Ähnlicher Duft – Ähnliche Gene
Richard Wagner vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung an der Vetmeduni Vienna untersuchte gemeinsam mit KollegInnen der Universität Toulouse, ob es dieses Phänomen auch in der Vogelwelt gibt. Sie analysierten dazu das Drüsensekret aus der Bürzeldrüse von Dreizehenmöwen (Rissa tridactyla). In den Bürzeldrüsen wird ein individueller Cocktail an Duftnoten produziert.
„In einer früheren Studie haben wir gezeigt, dass Dreizehenmöwen sich bevorzugt mit genetisch verschiedenen Partnern paaren. Woran die Möwen diese Partner erkennen, war bislang aber unklar“.
Die Forschenden verglichen die Drüsensekrete der einzelnen Vögel mit den jeweiligen MHC-Genen. Sie fanden nun erstmals heraus, dass Dreizehenmöwen mit ähnlichem Duft auch über ähnliche MHC-Gene verfügen. Eng verwandte Möwen riechen ähnlicher als entfernt Verwandte und besitzen auch ähnliche MHC-Gene.
„Wir gehen nun davon aus, dass die Möwen ihre Sexualpartner am Geruch wählen, indem sie ihren eigenen Geruch mit dem des anderen vergleichen und denjenigen aussuchen, mit dem sie nicht verwandt sind“, erklärt der Studienleiter und Ornithologe Wagner.
„Mit der Erforschung des Geruchs wird immer klarer, dass Vögel all das können, was wir zuvor nur den Säugetieren zugeschrieben haben. In Zukunft wollen wir den Zusammenhang zwischen der Partnerwahl und der Krankheitsresistenz bei Vögeln untersuchen“, fasst Wagner zusammen.
Der Artikel “Preen secretions encode information on MHC similarity in certain sex-dyads in a monogamous seabird” von Sarah Leclaire, Wouter F. D. van Dongen, Steeve Voccia, Thomas Merkling, Christine Ducamp, Scott A. Hatch, Pierrick Blanchard, Étienne Danchin & Richard H. Wagner wurde im Online Journal Scientific Reports veröffentlicht. doi:10.1038/srep06920
http://www.nature.com/srep/2014/141105/srep06920/full/srep06920.html

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