Portrait: Hausmeerschweinchen

Teilordnung: Hystricognathi
ohne Rang: Meerschweinchenverwandte (Caviomorpha)
Familie: Meerschweinchen (Caviidae)
Unterfamilie: Eigentliche Meerschweinchen (Caviinae)
Gattung: Echte Meerschweinchen (Cavia)
Art: Hausmeerschweinchen  (Cavia porcellus form. domestica)
Hausmeerschweinchen (Jurazoo Neumarkt)

Hausmeerschweinchen (Jurazoo Neumarkt)

Das Hausmeerschweinchen ist die domestizierte Form einer unbekannten Meerschweinchenart und ist vermutlich eng mit dem Tschudi-Meerschweinchen verwandt. In Europa und Amerika werden Meerschweinchen oft als Heimtiere gehalten. Meerschweinchen wurden um 5000 bis 2000 v. Chr. in Südamerika domestiziert.
Im 16. Jahrhundert wurden Hausmeerschweinchen nach Europa und Nordamerika exportiert. Von diesen Tieren stammen deren Nachkommen ab. Jedoch existieren in Südamerika weiterhin unabhängige ältere Linien. Die Größe dieser Meerschweinchen unterscheidet sich von der Größe der in Europa und Nordamerika gehaltener Tiere. In Südamerika werden sie zu Speise- und rituellen Zwecken gehalten. In Europa wurden Meerschweinchen bis ins 20. Jahrhundert auch zu Speisezwecken gehalten. Als Labortier werden sie seit dem 18. Jahrhundert eingesetzt. Nach wie vor sind Hausmeerscheinchen beliebte Haustiere.

Hausmeerschweinchen erreichen eine Körpergröße von ca. 35 cm und ein Gewicht zwischen 600 und 1300 Gramm (Männchen) beziehungsweise 500 bis 1200 Gramm (Weibchen).
Im Gegensatz zu den grau- bis rotbraunen eher kurzhaarigen Wildarten gibt es Hausmeerschweinchen in den verschiedensten Farben, Felllängen und -strukturen zu finden. Generell gibt es nahezu beliebige Kombinationen aus Farben, Felllänge und Wirbeln. Dazu kommt noch eine unterschiedliche Haarstruktur (drahtig bis samtweich, sowie lockig).
In den vergangenen Jahren sind durch gezielte Zucht viele Rassen entstanden, wobei man zwischen Fell- und Farbrassen unterscheidet. Fellrassen unterscheiden sich durch verschiedene Fellstrukturen und Haarlängen. Farbrassen werden anhand der Fellzeichnung unterschieden. Beide Gruppen lassen sich kombinieren, was zu einer riesigen Rassenvielfalt führt.
Bekannte Meerschweinchenrassen sind beispielsweise Rosetten-, Glatthaar- und Angorameerschweinchen, wobei letztere eine langhaarige Version des Rosettenmeerschweinchens ist und nicht offiziell anerkannt ist. In neuerer Zeit wurden in Südamerika aus besonders großen Meerschweinchen so genannte Riesenmeerschweinchen gezüchtet, die dort in Intensivmast zur Fleischproduktion gehalten werden. In Deutschland sind diese Tiere als Cuys bekannt. Sie sind größer als gewöhnliche Hausmeerschweinchen und erreichen ein geringeres Lebensalter (2-3 Jahre, während ein normalgroßes Hausmeerschweinchen bis zu 8 Jahre alt werden kann)

Hausmeerschweinchen (Vogelpark Abensberg)

Hausmeerschweinchen (Vogelpark Abensberg)

Meerschweinchen sind Pflanzenfresser, die kein tierisches Eiweiß benötigen. Basis ihrer Ernährung sind Heu oder Gras, das sie unregelmäßig über den Tag verteilt zu sich nehmen. Die Tiere brauchen täglich mindestens zehn Prozent des eigenen Körpergewichts Frischfutter. Frisches Wasser sollte angeboten werden. Handelsübliches Körnerfutter, Leckerlies und Knabberstangen mit Getreide sowie Brot sind gesundheitsschädlich.
Wenn die Tiere zu schnell an Frischfutter, insbesondere Gras im Frühling, bzw. neue Futtersorten gewöhnt werden, können sie Verdauungsprobleme bekommen.
Meerschweinchen entwickeln bei Vitamin-C-Mangel Skorbut. Je nach Alter benötigt ein Meerschweinchen 5 bis 20 Milligramm Vitamin C pro Tag.
Die Zähne werden durch ständiges Nagen abgeschliffen. Stellt ein Meerschweinchen das Fressen ein, kann sich außerdem durch die nachwachsenden Backenzähne eine Zahnbrücke über der Zunge oder Zahnspitzen bilden, die die Nahrungsaufnahme erschwert oder unmöglich macht und zum Tod des Tieres führen kann. Eine weitere Besonderheit ist das lebenswichtige Fressen des so genannten Blinddarmkotes. Diese relativ weichen Kotballen werden ausgeschieden und gleich wieder aufgenommen, weil sie wichtige Bakterien enthalten, welche der Deckung des Vitamin-B-Bedarfs und Großteilen des Vitamin-K-Bedarfs der Tiere dienen.
Da Hausmeerschweinchen eine hohe Resorptionsrate für Kalzium haben, führt die Verfütterung kalziumreicher Futtermittel (Broccoli, Kohlrabiblätter, Luzerne, Petersilie) aufgrund der Ausscheidung über die Niere und des basischen Harns schnell zur Bildung von Harnsteinen.

Hausmeerschweinchen (Haustierfarm Connewitz)

Hausmeerschweinchen (Haustierfarm Connewitz)

Die Geschlechtsreife bei Meerschweinchen unterliegt großen Schwankungen. Bei Weibchen gibt es die so genannte Frühreife schon ab drei bis vier Wochen. Um gesundheitliche Störungen auszuschließen, sollte ein Weibchen keinesfalls vor Erreichen des fünften Lebensmonats und einem Gewicht von 700 Gramm, solange es sich also noch im Wachstum befindet, gedeckt werden. Im Alter von 6 bis 12 Monaten ist die beste Zeit, ein Weibchen zum ersten Mal zu decken. Passiert die erste Trächtigkeit jedoch in der Zeit davor oder danach, kann es leicht zu Tot- oder Schwergeburten kommen. Bei Böcken liegt die Geschlechtsreife bei etwa vier bis sechs Wochen nach der Geburt beziehungsweise bei etwa 300 Gramm Gewicht. Es gibt allerdings auch Frühentwickler, die schon mit zwei Wochen beziehungsweise 250 Gramm decken konnten.
Das Weibchen ist alle 14 bis 18 Tage für etwa acht bis elf Stunden brünstig. Wenn der Deckakt mit dem Männchen erfolgreich war, putzen sich beide Tiere ausgiebig. Nachdem die Jungen sich in durchschnittlich 68 Tagen voll entwickelt haben (die Tragdauer kann zwischen 59 und 72 Tagen schwanken), bringt sie das Muttertier innerhalb einer Viertelstunde zur Welt, allerdings kann die Geburt manchmal auch mehrere Stunden dauern. So passiert es nicht selten, dass auch nach drei bis vier Stunden noch Jungtiere geboren werden. Die Jungen sind Nestflüchter, wiegen zwischen 60 und 120 Gramm, haben bereits ein Fell (bei langhaarigen Rassen ist es noch kürzer), offene Augen, können laufen und knabbern bereits wenige Stunden nach der Geburt am Heu, an Obst und Gemüse. Wiegen die Jungtiere bei der Geburt unter 50 Gramm, sollten sie einem Tierarzt vorgestellt werden. Stirbt die Mutter bei der Geburt, brauchen die Kleinen dennoch Milch zum Überleben. Man kann sie einer anderen Mutter geben – manchmal säugt sie die fremden Jungen mit. Sonst müssen die Jungen alle zwei Stunden mit Katzenaufzuchtmilch oder aber Babyheilnahrung (HN-Heilnahrung) und einer Spritze (ohne Nadel) gefüttert werden.
Direkt nach der Geburt der Jungen ist die Meerschweinchendame wieder empfangsbereit, weshalb unkastrierte Männchen dann nicht im Käfig sein sollten, um ein sofortiges Nachdecken zu vermeiden. Ein Weibchen kann ein bis sieben Junge werfen, die Regel sind zwei bis vier. Der erste Wurf ist nicht unbedingt kleiner als die nachfolgenden. Die Jungen werden dann drei Wochen von der Mutter gesäugt, bis sie mit vier bis fünf Wochen (und einem Mindestgewicht von 250 g) abgegeben werden können. Sollten die Jungtiere nach dieser Zeit noch bei der Mutter saugen oder sollten sie leichter sein, dürfen sie auf keinen Fall von der Mutter getrennt werden, da dies zu Verhaltensstörungen und Gesundheitsschäden bei den Jungtieren führt.

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