Biogeographie

Die Biogeographie ist eine Forschungsrichtung der Biologie und zugleich der Geographie. Sie kombiniert Aspekte beider Wissenschaften und nimmt eine Mittlerstellung zwischen Bioökologie und Geoökologie ein. Sie befasst sich mit der heutigen Verbreitung, der erdgeschichtlichen Entwicklung und den Umweltbeziehungen der Tier- und Pflanzentaxa sowie mit der Verbreitung und den räumlichen Mustern von Populationen, Lebensgemeinschaften und Biomen. Eine moderne Ausrichtung, die Befunde der Molekularbiologie, Phylogenetik und Paläontologie mit Ausbreitungsszenarien genetischer Linien oder höherer Taxa integriert, ist die Phylogeographie.

Biogeographie als geographische Wissenschaft
Biogeographie als geographische Wissenschaft sieht die Lebewesen als Geofaktoren (Flora und Fauna), Elemente der Landschaften und Bioindikatoren zur Kennzeichnung der Erdräume und der dort existierenden Wirkungsgefüge.
Die Biogeographie kann in zwei Teildisziplinen eingeteilt werden:
Die Phytogeographie (Pflanzen- oder Vegetationsgeographie) ist die Lehre von der räumlichen Verbreitung der Pflanzen und Pflanzengesellschaften.
Die Zoogeographie (Tiergeographie) ist die Wissenschaft von der räumlichen Verbreitung der Tiere. Analog zu den Florenreichen gibt es hier Faunenprovinzen.
Außerdem steht die Biogeographie in enger Verbindung zur Geobiologie, einer Teildisziplin der Biologie. Die Kompetenzgebiete beider Wissenschaften weisen eine große Ähnlichkeit auf. Sie unterscheiden sich durch ein anderes Erkenntnisobjekt.

Die großen zoogeographischen Regionen
Man unterscheidet folgende zoogeographischen Regionen oder Faunenprovinzen:
Paläotropis oder paläotropische Region, bestehend aus
Orientalis oder orientalische Region (Südasien)
Afrotropis oder afrotropische Region (Afrika südlich der Sahara, mit Madagaskar als Teilregion)
Holarktis oder holarktische Region, bestehend aus
Paläarktis oder paläarktische Region (Europa, Asien ohne Süd- und Südostasien, Nordafrika)
Nearktis oder nearktische Region (Nordamerika ohne Mittelamerika)
Neotropis oder neotropische Region (Süd- und Mittelamerika)
Australis oder australische Region (Australien mit assoziierten Inseln)
Archinotis oder archinotische Region (Antarktis)
Die Aufteilung in Florenreiche entspricht vielfach der Einteilung in zoogeographische Regionen. Gebietsweise gibt es jedoch auch deutliche Abweichungen. So wird im Süden Afrikas eine besondere Kapregion abgegrenzt, und Afrika südlich der Sahara wird mit den südlichen Regionen Asiens zur Paläotropis zusammengefasst.

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Erste Gedanken mit biogeographischen Zügen existierten im 17. Jahrhundert, als Bibelgelehrte und Naturalisten die Wiederbesiedlung der Erde nach der Sintflut diskutierten. Dass Tiere, die unterschiedlichste klimatische Bedingungen benötigen, von einem Punkt – dem Berg Ararat – ausgehend ihre heutigen Lebensräume gefunden hätten, konnte erstmals erklärt werden. Siehe Arche Noah und der Naturalismus.

Als Begründer der Vegetationsgeographie gilt Alexander von Humboldt mit seinem Werk Ideen zu einer Geographie der Pflanzen (Tübingen, 1807). Er beschrieb die Vegetation als bestimmendes Merkmal des „Gestaltcharakters“ der verschiedenen Erdregionen und begann mit einer physiognomischen Betrachtungsweise der Pflanzen.
August Grisebach prägte dann den Begriff der „Pflanzengeographischen Formation“ als „eine Gruppe von Pflanzen, die einen abgeschlossenen physiognomischen Charakter trägt, wie eine Wiese, ein Wald usw.“.
Durch die Pionierleistung von Humboldt entwickelte sich ab ca. 1830 die vegetationskundliche Arbeitsrichtung, vertreten durch Oswald Heer, Franz Unger, Otto Sendtner und andere.
In den 1890er Jahren betrieb Johannes Eugenius Bülow Warming ökologisch ausgerichtete Vegetationsgeographie und veröffentlichte sein Werk Ökologische Pflanzengeographie (Berlin, 1896). Alfred Hettner wandte sich 1935 mit seiner Veröffentlichung Die Pflanzenwelt (Vergl. Länderkunde IV.; Leipzig, 1935) dann jedoch wieder dem vegetationsgeographischen Aspekt zu. Der Geograph Carl Troll definierte dann den Begriff „Landschaftsökologie“ und führte weltweit Hochgebirgsstudien durch.
Das lange Zeit bedeutsamste Werk zur Fauna stammt von Alfred Russel Wallace, der es 1876 unter dem Titel The Geographical Distribution of Animals verlegen ließ. Darin wird die bis ins 21. Jahrhundert gültige Aufteilung der Welt in Faunenregionen dargestellt, die auch auf den Ergebnissen von Philip Lutley Sclater beruhen. Erst Ende 2012 veröffentlichte ein Team des Center for Macroecology, Evolution and Climate (CMEC) der Universität Kopenhagen um Ben Holt und Jean-Philippe Lessard eine moderne Studie, die das Werk von Wallace um wesentliche Aspekte erweitert.

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