Key Biodiversity Areas

Key Biodiversity Areas (KBA, dt.: ‚Schlüsselgebiete der biologischen Vielfalt‘) sind solche Gebiete der biologischen Vielfalt, die essenziell wichtig sind für global bedrohte und endemische Tier- und Pflanzenarten.

Key Biodiversity Areas sind für den Erhalt der Biodiversität von Bedeutung, also besonders schützenswert. Der Erhalt dieser strategisch ausgewählten Gebiete verringert den anhaltenden Verlust natürlicher Lebensräume als Hauptursache des weltweiten Artenschwunds.Sie bieten eine Grundlage für systematische Naturschutzplanung, welche die strategische Ausweisung und effiziente Betreuung bestehender und vor allem potenzieller Schutzgebiete vorsieht. Der KBA-Status eines Gebiets stellt keine rechtliche Schutzgebietskategorie dar, sondern basiert auf einer rein wissenschaftlichen Bewertung des Gebiets.

Key Biodiversity Areas sind im Unterschied zu Biodiversitäts-Hotspot wesentlich kleinflächiger und damit potenziell (d.h. sofern sie als Schutzgebiete ausgewiesen sind) einfacher zu verwalten. Während Hotspots sich auf ganze Regionen beziehen, können mehrere KBAs in einer Region einen Hotspot bilden. Dies ist beispielsweise zu beobachten für das Östliche Afromontan, ein Biodiversitäts-Hotspot von globaler Bedeutung: Eine Studie von Birdlife International in Zusammenarbeit mit einer Reihe weiterer Organisationen hat 310 Key Biodiversity Areas für diesen Hotspot identifiziert, von denen viele vom Klimawandel oder der Abkehr von traditionellen Landnutzungsformen bedroht sind.

Key Biodiversity Areas werden anhand von 4 Kriterien identifiziert, die sich auf alle Artengruppen quer durch alle biogeographischen Regionen beziehen und für die ein Schutzgebiet das adäquate Mittel ist:
Vorkommen global bedrohter Arten
Vorkommen von Arten mit begrenztem Verbreitungsgebiet (Endemiten)
Ansammlung von Arten in einem bestimmten Gebiet für eine bestimmte Phase in ihrem Lebenszyklus (z. B. Rastplätze für ziehende Wasservögel, Wanderrouten von Säugetieren oder Fischen)
Gemeinschaften von Arten (Biozönose), die auf ein bestimmtes Biom (Ökoregion) beschränkt sind.

Das erste Kriterium bezieht sich auf den Aspekt der Verwundbarkeit der Spezies, während die letzteren drei sich auf die verschiedenen Aspekte der Unverzichtbarkeit bzw. Einzigartigkeit von Lebensräumen und Spezies beziehen. Die Prinzipien der Verwundbarkeit und Unverzichtbarkeit der biologischen Vielfalt eines Schutzgebietes sind weitverbreitete Bestandteile in systematischen Naturschutzplanungen. Key Biodiversity Areas verbinden natürliche Lebensräume miteinander (Biotopverbund) bzw. sind groß genug, um überlebensfähige Populationen der betroffenen Arten zu sichern und zu unterstützen. Die räumliche Abgrenzung von KBAs ist dabei variabel und orientiert sich neben naturschutzfachlichen auch an pragmatischen Gesichtspunkten, d.h. wie ist das Managementpotential und wie deutlich lassen sich die zu schützenden Gebiete abgrenzen in Bezug auf Verwaltungseinheiten, Besitzverhältnisse und Nutzungscharakter. Wo keine vordefinierten Einheiten bestehen, soll das Management des zu etablierenden Schutzgebiets sich dem Biotop der betreffenden Spezies anpassen. Aus diesem Grund gibt es keine minimale oder maximale Größe von KBAs.

Ansatz von KBAs
Einbezug bereits bestehender Schutzgebietssysteme und Berücksichtigung aller taxonomischer Gruppen für die es wissenschaftliche Informationen gibt.
Die biologische Vielfalt wird gebietsbezogen geschützt, d.h. es werden repräsentative Gebiete ausgewählt, die Schlüsselhabitate und –arten unterstützen.
Bei der Identifizierung von KBAs werden bereits vorhandene oder neue Daten (wissenschaftliche Literatur, Online-Datenbanken, Herbarien, Museen, Feldforschungen, Karten/Atlanten mit Verbreitungsgebiet von Arten) verwendet oder erhoben. Diese Daten umfassen auch andere Naturschutzinitiativen, die sich auf spezielle Artengruppen konzentrieren, wie Important Bird Areas (IBAs), Important Plant Areas (IPAs) oder Important Mammal Areas (IMAs).

Der globale Kontext ist bei KBAs besonders relevant. Ist beispielsweise eine Tier- oder Pflanzenart weltweit bedroht und in der potentiellen KBA verbreitet, dann lohnt sich besonders dort der Schutz dieser Art, wodurch dem Gebiet eine hohe Priorität (Einzigartigkeit) zuerkannt wird. Ist eine Art regional bedroht, nicht aber global, dann wird dem Gebiet eine geringere Priorität eingeräumt. Als besonders verwundbar gilt ein Gebiet, wenn die Biodiversität in näherer Zukunft stark gefährdet ist, also für ihren Erhalt schnelles Handeln gefordert ist. Hierbei wird auf die Angaben der internationalen Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN zurückgegriffen.
Dieses Setzen von Prioritäten dient nicht zur Feststellung, welche Naturgebiete einschließlich ihrer biologischen Vielfalt geschützt werden sollen und welche nicht, sondern welche davon akute Pflege und Schutz zuerst benötigen. Vielerorts sind die Ressourcen für Naturschutz stark begrenzt. Daher ist es wichtig, diese auf Basis einer solchen Priorisierung strategisch einzusetzen, um zum Erhalt der Biodiversität einen effektiven und effizienten Beitrag zu leisten.

Die IUCN betrachtet Schutzgebiete als eines der wichtigsten und effektivsten Instrumente zum Schutz der Biodiversität, da die Spezies vor ihrer größten Bedrohung geschützt werden – dem Verlust ihres Lebensraumes. Das Konzept von KBAs baut auf dieser Erkenntnis und umfangreichen diesbezüglichen Erfahrungen auf.

Die Anerkennung eines Gebietes als KBA begründet aus ökologischer Fachperspektive zugleich dessen Ausweisung als entsprechendes Schutzgebiet. KBAs bilden meist eine Teilmenge bereits vorhandener oder potenzieller Schutzgebiete. Viele KBAs haben bereits einen Schutzstatus. Jedoch erfüllen manche Schutzgebiete nicht die Kriterien einer KBA, sind aber womöglich aus anderen Gründen, wie lokale Kultur- oder Naturwerte, als Schutzgebiete ausgewiesen.

Key Biodiversity Areas sind keine Schutzkategorie im eigentlichen Sinne, sondern ein Rahmenplan für folgende Gebiete verschiedenere botanischer Reiche:
Important Bird Area (IBA) – von BirdLife International festgestellt
Important Plant Area (IPA) – von der UNESCO betreut
Ecologically and Biologically Significant Area in the High Seas (EBSA), ein in Aufbau begriffenes Programm der UNEP
Freshwater Key Biodiversity Areas (FWKBA, ehem. Important Sites for Freshwater Biodiversity) – in Aufbau befindliches Programm der IUCN-SSC
Alliance for Zero Extinction sites (AZE)
Prime Butterfly Areas (PBA) – in Aufbau
Das KBA-Konzept ist ein ganzheitlicherer Ansatz bezüglich des betrachteten Artenspektrums im Vergleich zu diesen älteren spezifischen Naturschutzinitiativen. IBAs wurden bereits in den 70er Jahren ins Leben gerufen, woraus sich die späteren Initiativen unter Einbezug weiterer Artengruppen bildeten.

Lückenanalyse von KBAs
Die IUCN führte 2007 eine Lückenanalyse von Key Biodiversity Areas durch, um das international gesetzte Ziel zu verfolgen, „den Verlust an biologischer Vielfalt [zu] reduzieren, mit einer signifikanten Reduzierung der Verlustrate bis 2010“ – was jedoch verfehlt wurde. Die Ziele der Lückenanalyse sind:
Strategische Vergrößerung des bestehenden Schutzgebietsnetzes durch eine flächendeckende, repräsentative und komplementäre Erweiterung
Stärkung und Konsolidierung der bereits bestehenden Schutzgebiete durch effektives Management

Dieser Beitrag wurde unter Biodiversität veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen