Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

21.12.2014, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Die Brandseeschwalbe — Seevogel des Jahres 2015
Die Brandseeschwalbe ist der Seevogel des Jahres 2015. Der elegante Fischfänger brütet in Deutschland nur auf vier Nordseeinseln und an zwei Stellen der Ostsee. Rund 7.600 Paare wurden in diesem Jahr gezählt. Das teilte der Verein Jordsand zum Schutze der Seevögel und der Natur am Samstag bei der Vorstellung der vom Aussterben bedrohten Vogelart in Ahrensburg (Schleswig-Holstein) mit.
Die meisten Brutpaare, insgesamt 3.211, zogen in diesem Jahr auf der niedersächsischen Insel Baltrum Junge groß. Den einzigen ständig besetzten Brutplatz mit 3025 Familien beherbergt die Hallig Norderoog. Das Eiland im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer vor Husum war 1909 vom Verein Jordsand gekauft worden, um Seevögel zu schützen. Damals hatten Freizeitjäger, Eiersammler und Abschuss für Modezwecke — Federn wurden zu Hutschmuck verarbeitet — viele Seevogelkolonien vernichtet. Weitere Brutorte sind die vom Verein Jordsand betreute Insel Neuwerk in der Elbemündung, Minsener Oog östlich von Wangerooge sowie das NSG Langenwerder, die Inseln Kirr / Barther Oie in Mecklenburg-Vorpommern.
Die Population der Atlantikküsten sowie in Nord- und Ostsee von Irland bis Estland umfasst vermutlich nicht mehr als knapp 70.000 Paare. Die größten Bestände haben Großbritannien, die Niederlande, Deutschland und Dänemark. Neben kleinen Vorkommen im Mittelmeer sind zudem das Schwarze und das Kaspische Meer besiedelt. Nach der Brutzeit von Mai bis späten Juli ziehen die heimischen Vögel entlang der Atlantikküste bis nach Südafrika. Die meisten überwintern vor Westafrika und werden dort massiv gejagt.
Brandseeschwalben reagieren zu Beginn der Brutzeit im April/Mai vehement auf Störungen. Von Jahr zu Jahr können Brutplätze schnell aufgegeben und neue auch weit entfernt gesucht werden. „Deshalb ist es wichtig, dass Schutzgebiete in einem guten und ungestörten Zustand sind“, betonte der Biologe und Jordsand-Vorsitzende Eckart Schrey. Gemäß der EU-Vogelschutzrichtlinie trage Deutschland eine besondere Verantwortung zum Erhalt dieser seltenen Vogelart.

Dieser Beitrag wurde unter Wissenschaft/Naturschutz abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen