Wissenswertes über Euselachii

Nagelrochen (Brehms Tierleben)

Nagelrochen (Brehms Tierleben)

Die Euselachii sind eine systematische Gruppe der Knorpelfische in der die heute lebenden Haie und Rochen, als Neoselachii zusammengefasst, und die ausgestorbenen Ctenacanthiformes und Hybodontiformes vereint werden. Einige Autoren stellen auch die ausgestorbenen Süßwasserhaie der Xenacanthiformes in die Euselachii.

Alle primitiven Euselachii sind von haiähnlicher Gestalt, besaßen bzw. besitzen eine Afterflosse und zwei Rückenflossen, die jeweils von einem Stachel gestützt werden. Diese Merkmale sind bei moderneren Gruppen teilweise sekundär wieder verschwunden, die Afterflosse bei allen Rochen und Squalomorphii, außer den Hexanchiformes, die Rückenflossenstachel bei vielen Squalomorphii und den meisten Galeomorphii, außer bei den Stierkopfhaien.

Der südafrikanische Haiexperte Leonard Compagno gibt folgende Merkmale für die Euselachii an:
Placoidschuppen vom synchronomorialen Typ, d. h. die Schuppen wachsen nicht kontinuierlich, sondern nur in der Anfangsphase.
durch eine Knorpelstange zusammengewachsene Schultergürtel und zusammengewachsener Coracoid.
ein aus einem oder zwei Segmente bestehender Mixipterygial-Knorpel zwischen dem verlängerten Metapterygium (Achse zwischen Schultergürtel und Brustflosse) und der Basis der Klaspern.
dreibasige Brustflossen mit einer reduzierten Metapterygialachse.
aplesodische Brustflossen, d.h. die knorpeligen Flossenträger reichen nicht bis in den äußeren Flossenteil.
das Hörzentrum im Neurocranium ist klein.
eine unvollständige hintere Orbitabegrenzung.
verknöcherte Wirbelzentren.
eine nicht halbmondförmige Schwanzflosse.

Großgefleckter Katzenhai (Brehms Tierleben)

Großgefleckter Katzenhai (Brehms Tierleben)

Als Neoselachii werden die rezenten Haie und Rochen, sowie ihre unmittelbaren Vorfahren bezeichnet. Sie unterscheiden sich u. a. durch die starke Einengung der Chorda dorsalis, durch die Verkalkung der Wirbel, die Verschmelzung von Teilen der Gürtelskelette und dem Typ der Hautzähne von den verschiedenen mesozoischen Knorpelfischgruppen. Übereinstimmungen im Bau der Flossenstacheln lassen auf eine Abstammung von den Ctenacanthiformes schließen. Der älteste Hai, der nachweislich zu den Neoselachii gehört, ist Paleospinax priscus aus dem unteren Jura.
Die Neoselachii wurden traditionell nach der äußeren Erscheinung in Haie und Rochen gegliedert. 1996 wurden die Neoselachi von de Carvalho und Shirai unabhängig voneinander nach morphologische Merkmalen in zwei monophyletische Taxa gegliedert, die Galeomorphii (Galea bei Shirai), zu denen vor allem große, das Freiwasser bewohnende Haie gehören und die Squalea, zu denen viele bodenbewohnende Haie, Tiefseehaie und die Rochen gehören. Die Haie sind damit lediglich ein paraphyletisches Formtaxon.
Inzwischen gibt es allerdings mehrere molekularbiologische Untersuchungen, die eine basale Dichotomie von Haien und Rochen bestätigen. Die morphologischen Übereinstimmungen der squalomorphen Haie mit den Rochen sind danach konvergent entstanden. Da sich die Rochen, genau so wie die modernen Haie, schon seit dem frühen Jura in der fossilen Überlieferung nachweisen lassen, wird eine Abstammung der Rochen am Endpunkt einer langen Evolutionslinie der Squalea auch nicht von paläontologischen Daten gestützt.

Die Ctenacanthiformes lebten vom Mittleren Devon bis zur Trias.
Sie hatten zwei jeweils mit einem starken Stachel versehene Rückenflossen. Die Stachel hatten eine äußere Lage aus Enameloid, einer schmelzartigen Substanz, fußten tief in der Rückenmuskulatur und wurden an der Hinterseite von dreieckigen Knorpelplatten gestützt. Die Afterflosse befand sich weit hinten kurz vor der heterocerken, äußerlich symmetrischen Schwanzflosse. Wie die modernen Elasmobranchii hatten die Ctenacanthiformes ein dreibasiges Brustflossenskelett. Ihre Zähne waren cladodont. Die Chorda dorsalis hatte keine Einschnürungen. Die Fische wurden bis 2,5 Meter lang.

Egertonodus fraasi (© N. Tamura)

Egertonodus fraasi (© N. Tamura)

Die Hybodontiformes lebten vom Karbon bis zur Kreide. Sie hatten zwei jeweils mit einem starken Stachel versehene Rückenflossen. Die Fische wurden 15 Zentimeter bis mehrere Meter lang.
Die ersten Hybodontiformes erschienen im unteren Karbon, im Mississippium. Sie überlebten neben den Neoselachii als einzige Plattenkiemer die Massenaussterben am Ende des Perm und während der Trias und verschwanden erst am Ende der Kreide.

Die Xenacanthiformes sind eine ausgestorbene Gruppe äußerlich haiähnlicher Knorpelfische, die vom Unterdevon bis in die Obertrias in Binnengewässern vorkamen. Sie werden deshalb auch als „Süßwasserhaie“ bezeichnet. Fossilien dieser Fische sind in Europa, Nord- und Südamerika und Australien gefunden worden.
hatten den typischen stromlinienförmigen, langgestreckten Körper der Haie, jedoch einen geraden, langen, mit einem Flossensaum aus zusammengewachsener Rücken- und Afterflosse besetzten Schwanz. Am oberen Hinterende des Schädels befand sich ein langer Kopfstachel. Sie hatten fünf verschieden lange Kiemenbögen. Bei einigen fossilen Exemplaren finden sich dicht hinter den Bauchflossen lange paarige bewegliche Fortsätze. Es sind dies die Pterygopodien oder Klaspern der Männchen, Halteorgane, die bei der Paarung das Weibchen fixierten bis der Samen übertragen war.

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