Wissenswertes über Panzerfische

Dunkleosteus terrelli (© N. Tamura)

Dunkleosteus terrelli (© N. Tamura)

Die Placodermi oder Placodermata (‚Plattenhäuter‘), auch Panzerfische, sind eine ausgestorbene Klasse fischähnlicher kiefertragender Wirbeltiere (Gnathostomata). Sie lebten im Erdaltertum (Paläozoikum) vom oberen Silur und hatten ihre Blütezeit im nachfolgenden Devon, doch starben sie am Ende dieser Periode wieder aus. Die frühen Placodermi waren Süßwasserbewohner, erst später besiedelten sie auch das Meer.
Charakteristisch für die Placodermi ist, dass Kopf und Rumpf mit Knochenplatten aus Cosmin, einem dentinähnlichen Stützgewebe, gepanzert waren. Die größte Form war der Arthrodire Dunkleosteus, der bis zu 10 Meter lang wurde.
Die Placodermi entwickelten als erste Wirbeltiere Kiefer. Man nimmt an, dass sich diese aus Knochen im Schlundraum entwickelten, die vorher die Kiemenbögen der kieferlosen Fische stützten. Die Kiemen wurden jeweils von einem oberen und unteren miteinander verbundenen Knochenbogen gestützt. So war der Schritt zu den mit Gelenken verbundenen Kieferknochen nicht mehr weit. Die Entwicklung der Kiefer ist aber nicht im Fossilbericht dokumentiert.
Beim oberdevonischen australischen Placodermen Materpiscis attenboroughi, der zu den Ptyctodontida gehört, wurde erstmals Viviparie nachgewiesen. Ein Jahr später wurde Viviparie auch bei dem zu den Arthrodira gehörenden Placoderm Incisoscutum ritchiei entdeckt.
Wichtige Fundstellen sind Blauer Bruch und Schmidts Bruch im Ense-Gebiet bei Bad Wildungen, sowie der Schiefer aus den Gruben von Bundenbach (Bundenbach-Schiefer) und Gemünden im Hunsrück. Prächtig erhaltene Placodermi aus dem Hunsrückschiefermeer der Devonzeit – wie Gemuendina und Lunaspis – sind im Schlosspark-Museum von Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz zu sehen.

Coccosteus cuspidatus (© N. Tamura)

Coccosteus cuspidatus (© N. Tamura)

Die Arthrodira (Arthrodiriformes) (von gr. άρθρον, árthron „Gelenk“ und δειρή, deiré, „Hals, Genick“ sind die jüngste Gruppe der ausgestorbenen Placodermi, fischartiger, stark gepanzerter Wirbeltiere aus dem Devon. Sie erschienen im Unterdevon und überlebten bis zum Ende des Devons (Famennium). Sie waren offensichtlich aktive und räuberische Schwimmer, die größere, nektonische Beutetiere fraßen. Es wurden bisher etwa 130 Gattungen beschrieben.
Einige Arthrodiren wurden sehr groß. Homostius und Heterostius erreichten eine Länge von 5 bis 6 m, Titanichthys von 5 bis 8 m und Dunkleosteus sogar von 6 bis 10 m. Der gut erforschte Coccosteus erreichte dagegen nur eine Länge von 40 Zentimetern.

Die Antiarchi waren die am schwersten gepanzerten Panzerfische. Sie lebten auf dem Boden, vor allem in Süßgewässern und waren sehr artenreich. Im Unterdevon waren sie noch selten (Fossilfunde in Yunnan, China), kommen dann aber in großer Zahl in vielen Fossillagerstätten des mittleren und oberen Devon vor. Einige Funde gibt es auch aus dem untersten Unterkarbon.
Der eigenartige wissenschaftliche Name erklärt sich daraus, dass man anfangs die Fossilien verkehrt orientiert hat und meinte, der After wäre auf der Oberseite gelegen („Gegenärschler“).

Die Petalichthyida (Petalichthyformes) waren bodenbewohnende Meerestiere. Insgesamt wurden nur acht Gattungen beschrieben. Die Gruppe erreichte im Unterdevon ihre höchste Diversität, nur wenige Arten überlebten bis zum Oberdevon.

Phyllolepis (Dmitry Bogdanov)

Phyllolepis (Dmitry Bogdanov)

Die Phyllolepida (Phyllolepidae) lebten im Süßwasser. Die Phylolepida waren zunächst nur durch die Gattung Phyllolepis bekannt und wurden zu den Kieferlosen gestellt, bis Erik Stensiö 1936 ihre Zugehörigkeit zu den Placodermen nachwies. Möglicherweise sind sie primitive Arthrodiren. Bis heute sind nur fünf Gattungen beschrieben worden: Austrophyllolepis, Cobandrahlepis, Phyllolepis, Placolepis und Yurammia.

Die Ptyctodontida (Ptyctodontidae) lebten hauptsächlich im Meer und wurden nicht länger als 20 Zentimeter. Allerdings lassen isolierte, 15 bis 20 Zentimeter lange Zahnplatten, die in Nordamerika bei New York gefunden wurden, eine sehr große Art von 2,5 Meter Länge vermuten.

Die Rhenanida (Rhenaniformes, Asterosteidae) waren bodenbewohnende Meerestiere aus dem Devon. Sie waren rochenartig abgeplattet. Im Unterschied zu allen anderen Placodermen, deren Kopf und Rumpf durch große Knochenplatten gepanzert war, besaßen die Rhenanida eine Panzerung aus einem Mosaik kleiner Knochenplatten. Sie hatten auf jeder Seite nur eine Kiemenöffnung. Die Mundöffnung war an der Kopfunterseite. Die Rhenanida erreichten 20 bis 30 Zentimeter Länge.

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