Abenteuer Aquarium: Würmer (again)

Nach einem kleinen Ausflug in die Mikroskopie (siehe hier) und die Welt der Insektenlarven (siehe hier) stelle ich in diesem Beitrag noch ein paar weitere Vertreter aus der Wurmwelt vor.
Das Update aus dem Schneckenbecken ist eher belanglos: Ich habe wieder Wasserpest beschnitten, die Wasserwerte sind okay, das Bananenblatt wurde durch ein Guavenblatt ersetzt und das Wasser hat inzwischen eine leicht bräunliche Farbe, trotz Wasserwechsel. Sieht man davon ab dass das Becken etwas dunkel ist, schaut es gar nicht so schlecht aus, diese braugrüne Zusammenstellung gefällt mir eigentlich ganz gut, nur weiß ich nicht mehr wohin mit der Wasserpest.
Bisher ist es mir auch noch nicht gelungen die Scheibenwürmer zu fotografieren.
Bei den Triops tut sich nichts. Ich weiß nicht, ob ich noch warten, oder einen weiteren Versuch wagen soll.

Glas-Strudelwurm (S. E. Thorpe)

Glas-Strudelwurm (S. E. Thorpe)

Ein seltener Gast im Aquarium ist der Glas-Strudelwurm Mesostoma ehrenbergi.
Als Verwandter der Nematoden ist er ebenfalls von flachem Körperbau, bis über 1 cm groß und absolut durchsichtig, was die Entdeckung erschwert. Im vorderen Drittel befinden sich zwei schwarze, dicht beieinanderstehende Augenflecken.
Der Glas-Strudelwurm ist relativ harmlos, allerdings ernährt er sich (u. a.) auch von kleinen Krebsen und kann so auch Garnelennachwuchs gefährlich werden.
Der Glas-Strudelwurm lässt sich zwar absammeln, ist aber wie bereits erwähnt, nicht leicht zu entdecken. Das gilt noch mehr für die Jungtiere.
Bei Glas-Strudelwürmern handelt es sich um sehr faszinierende Tiere, die sich auch im eigenen Becken halten lassen. Ich hab das noch nicht versucht (bevor ich diesen Beitrag geschrieben habe wusste ich nicht einmal, dass man das machen kann, beziehungsweise, dass es sich um interessante Tiere handelt), aber wer weiß… vielleicht versuche ich mich irgendwann auch an der Haltung der Mesostoma (wenn das mit den Triops nicht klappt).

Lumbriculus variegatus ähnelt auf dem ersten Blick einem ins Wasser gefallenen Regenwurm.
Es handelt sich um ca. 10 cm lange, segmentierte Würmer, die im Verhältnis zur Körperlänge relativ dünn sind und von rosa bis rötliche Färbung. An der Körperwand jedes Segments befinden sich Borsten.
Lumbriculus variegatus stellt keine Gefahr für die anderen Bewohner des Aquariums dar. Verwandte Arten (etwa die Schlammröhrenwürmer der Gattung Tubifex) stellen beliebtes Fischfutter dar.

Manchmal verirrt sich auch ein Vertreter der Vielborster in das Aquarium. Vielborster sind meist Meeresbewohner, einige wenige Arten leben aber auch im Süßwasser.
Dabei handelt es sich um bis ca. 20 cm lange und bis ca. 2 cm breite Würmer, oft rosa mit rötlichem Darm.
Süßwasserborstenwürmer haben an jedem Segment ein Paar relativ dicke, lange Fortsätze, die mit unzähligen feinen Borsten besetzt sind (im Gegensatz zu den Wenigborstern, die nur vereinzelt Borsten aufweisen).
Sie bewegen sich kriechend oder schlängelnd und sind wegen ihrer Größe kaum zu übersehen und leicht abzusammeln. Süßwasserborstenwürmer sind Allesfresser und relativ geschickte Jäger, die weiche Beute wie Würmer oder Larven oder Detritus bevorzugen. Im Aquarium gehen sie auch an Fischfutter.

Und jetzt wieder etwas ganz kleines:
Bei den Plattwürmern der Gattung Gyrodactylus handelt es sich um Ektoparasiten, der vornehmlich die Haut von Fischen, seltener die Kiemen befällt. Sie leben schmarotzend von Schleim und Blutpartikeln der Kiemen. Charakteristisches Merkmal sind am hinteren Ende gelegenen Halteapparate aus einer komplexen Konstruktion verschiedener Haken, Zähne und Klammern. Mittels dieser Halteapparate ist es ihnen möglich sich in der Haut oder den Kiemen seines Wirtes zu verankern. Am Kopfende besitzt er an der Unterseite eine Mundöffnung durch die er seine Nahrung bestehend aus Haut oder Blutpartikeln aufnimmt. Wie alle Plattwürmer haben die Gyrodactylidaea keine Afteröffnung.
Gyrodactylus ist im Gegensatz zu anderen Gyrodactyliden lebendgebärend. Durch diese Viviparie ermöglicht er sich eine hohe Reproduktionsrate. In einem befruchteten Muttertier befindet sich eine entwickelte Larve, die bereits ebenfalls eine Larve enthält. In dieser befindet sich wieder eine und in dieser wächst ebenfalls eine Vierte. Die Larven sind also mehrfach redundant. Wird eine Larve geboren kann diese bereits eine zweite absetzen und nach erfolgter Befruchtung wieder vier neue Larven bilden. Der Vorteil dieser Reproduktion ist, dass hier der Umweg über eine freie Eientwicklung und eventuelle Zwischenwirte oder Larvenstadien umgangen wird.
Nach Khalil (1964) ist Gyrodactylus nicht in der Lage, sich im Wasser frei schwimmend fortzubewegen, kann sich aber auf Substraten egelartig fortbewegen um dabei immer wieder nach Möglichkeiten zur Anheftung zu suchen. Alle Haut- und vor allem die Kiemenwürmer weisen eine hohe Wirtsspezifität auf. Bei Kiemenwürmern geht diese häufig sogar so weit, dass sie bei „ihrem“ Wirt nur an einem ganz bestimmten Kiemenbogen parasitieren, oder nur an der Basis bzw. an den Spitzen der Kiemenblättchen (Bauer 1991). Durch diese Spezifität kommt es häufig nur zum Ausbruch bei einer einzigen Art, so dass andere Fische nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Sofern Gyrodactylus keinen Wirt findet ist er etwa zehn Tage lebensfähig im Wasser, in Abhängigkeit von Wassertemperatur und der allgemeinen Wasserqualität.
Ein Befall mit Gyrodactylus kann mit dem Antihelminthikum Levamisol (z. B. Concurat®, Citarin®, Ripercol®) in Form einer Badelösung oder durch Verfütterung von mit Medikament versehenem Lebendfutter behandelt werden. Levamisol hat eine direkte cholinerge Wirkung, in höheren Dosen zusätzlich eine hemmende Wirkung auf Acetylcholinesterase und führt zu einer spastischen Lähmung des Parasiten. Weiterhin besitzt der Wirkstoff beim Wirt immunstimulierende Eigenschaften.
Zu beachten ist die Verschlechterung der Wasserqualität beim Einsatz glukosehaltiger Präparate. Vor und nach der Behandlung sind Teilwasserwechsel durchzuführen. Reste des Medikaments sind durch eine Filterung über Aktivkohle aus dem Wasser zu entfernen. Da medikamentöser Einsatz eine sauerstoffzehrende Wirkung ausübt, ist während der Behandlung eine zusätzliche Gabe von Sauerstoff sicherzustellen. Bei offenen Verletzungen sollte Levamisol nicht zum Einsatz kommen da durch glucosehaltige Medikamente eine massive Bakterienblüte auftritt, die dann offene Wunden infizieren und z. B. eine infektiöse Bauchwassersucht verursachen.

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2 Kommentare zu Abenteuer Aquarium: Würmer (again)

  1. Hi,

    Würmer können wirklich eine nervige Plage sein.
    Danke für den detailierten Artikel. Er hat mir sehr weitergeholfen.

    Schöne Grüße

    • Martin sagt:

      Morgen,
      vor unliebsamen Mitbewohnern bleibt wohl kein Aquarianer verschont. Manchmal hilft es den Gegner zu kennen.
      freut mich, dass dir der Beitrag gefallen hat.
      Schöne Grüße
      M

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