Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

06.01.2015, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
Zuwachs bei Senckenberg – Biodiversität und Klima Forschungszentrum verstetigt
Das vormalige Frankfurter LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), ist mit Wirkung zum 1. Januar Teil der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Die „Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern“ (GWK) hatte Ende letzten Jahres grünes Licht für die Integration gegeben und schloss sich damit der exzellenten Beurteilung des Vorhabens durch den Wissenschaftsrat an. Mit der Integration wird das neue „Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum“ zugleich in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen und verstetigt.
Nun ist es offiziell: Das ehemalige LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) ist seit 1. Januar Teil der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Damit verbunden ist die Aufnahme des Forschungszentrums in die Leibniz-Gemeinschaft – deren Institute durch Bund und die Bundesländer aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung gemeinsam gefördert werden. Die jährliche Fördersumme für das neue „Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum“ beläuft sich auf 6,5 Millionen Euro. Bisher wurde BiK-F aus Mitteln der hessischen Landes‐Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) mit insgesamt ca. 53,2 Millionen Euro finanziert – zuzüglich etwa 20,9 Millionen Euro Baumittel.
Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, begrüßt, „dass BiK-F und seine innovative Forschungsleistung durch die Überführung in Senckenberg und damit in die institutionelle Finanzierung verstetigt wird und so nicht nur Senckenberg, sondern auch die Leibniz-Gemeinschaft gestärkt werden. Damit kann das Forschungszentrum nun langfristig dazu beitragen, die wissenschaftlichen Grundlagen zur nachhaltigen Gestaltung der Zukunft menschlicher Gesellschaften auf der Erde zu erarbeiten.”
Ausschlaggebend für die positive Entscheidung der „Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern“ (GWK) für die Integration war unter anderem das exzellente Zeugnis, das der Wissenschaftsrat als beratendes Gremium der Bundesregierung und Länder in wissenschaftlichen Themen BiK-F im Hinblick auf seine Forschungstätigkeit vor knapp einem Monat ausgestellt hatte. In der GWK wirken Bund und Länder im Bereich der gemeinsamen Wissenschafts- und Forschungsförderung zusammen und entscheiden, über Neuaufnahmen von Instituten in die Leibniz-Gemeinschaft. Grundlegend hierfür sind Stellungnahmen des Wissenschaftsrates.
„Das ‚Ja‘ der beiden höchsten strategischen Gremien deutscher Wissenschaftspolitik zur Integration von BiK-F in Senckenberg und die Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft bestätigt uns, dass wir gesellschaftlich relevante Forschungsthemen bearbeiten und das Zentrum in den letzten sechs Jahren auf den richtigen Weg gebracht haben. Die Fortführung unserer Forschung zu den Wechselwirkungen zwischen Klimawandel und biologischer Vielfalt ist damit nachhaltig gesichert“, so Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Direktorin des BiK-F und Direktoriumsmitglied der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.
BiK-F wurde 2008 als Kooperationsprojekt zwischen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, der Goethe Universität Frankfurt und dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung gegründet und wird auch zukünftig als Joint Venture der beteiligten Partner fortgeführt. Das Forschungszentrum mit derzeit knapp 130 Mitarbeitern wird in der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung dem dortigen Forschungsbereich III „Biodiversität und Klima“ zugeordnet. Der neue Name des vormaligen LOEWE-Zentrums lautet „Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum“. BiK-F ist bereits das zweite LOEWE-Vorhaben, das als Einrichtung der Leibniz-Gemeinschaft verstetigt wird, was als großer Erfolg für die LOEWE-Initiative gewertet werden kann.

08.01.2015, ZooKeys
Island life in the Cretaceous – faunal composition, biogeography, evolution, and extinction of land-living vertebrates on the Late Cretaceous European archipelago
The Late Cretaceous was a time of tremendous global change, as the final stages of the Age of Dinosaurs were shaped by climate and sea level fluctuations and witness to marked paleogeographic and faunal changes, before the end-Cretaceous bolide impact. The terrestrial fossil record of Late Cretaceous Europe is becoming increasingly better understood, based largely on intensive fieldwork over the past two decades, promising new insights into latest Cretaceous faunal evolution. We review the terrestrial Late Cretaceous record from Europe and discuss its importance for understanding the paleogeography, ecology, evolution, and extinction of land-dwelling vertebrates. We review the major Late Cretaceous faunas from Austria, Hungary, France, Spain, Portugal, and Romania, as well as more fragmentary records from elsewhere in Europe. We discuss the paleogeographic background and history of assembly of these faunas, and argue that they are comprised of an endemic ‘core’ supplemented with various immigration waves. These faunas lived on an island archipelago, and we describe how this insular setting led to ecological peculiarities such as low diversity, a preponderance of primitive taxa, and marked changes in morphology (particularly body size dwarfing). We conclude by discussing the importance of the European record in understanding the end-Cretaceous extinction and show that there is no clear evidence that dinosaurs or other groups were undergoing long-term declines in Europe prior to the bolide impact.
Csiki-Sava Z, Buffetaut E, Ősi A, Pereda-Suberbiola X, Brusatte SL (2015) Island life in the Cretaceous – faunal composition, biogeography, evolution, and extinction of land-living vertebrates on the Late Cretaceous European archipelago. ZooKeys 469: 1-161. doi: 10.3897/zookeys.469.8439

09.01.2015, Ludwig-Maximilians-Universität München
Steinschwämme: Gene entlarven falsche Verwandtschaft
Untersuchungen von LMU-Wissenschaftlern ermöglichen neue Einsichten in die Evolution der Steinschwämme und zeigen, dass deren Klassifizierung anhand morphologischer Merkmale fehlerhaft ist.
Die evolutionären Beziehungen von Organismen können oft erst durch die Kombination molekularbiologischer Untersuchungen mit den Ergebnissen von Fossilienanalysen aufgeklärt werden. “Dies ist eine große Herausforderung, insbesondere, wenn nur wenige Fossilien erhalten sind, wie bei den meisten Schwämmen”, sagt Professor Gert Wörheide vom Department für Geo- und Umweltwissenschaften und Geobio-Center der LMU. “Eine Ausnahme stellen die sogenannten Steinschwämme dar, von denen zahlreiche fossile Überreste erhalten geblieben sind”. Mithilfe dieser Fossilien und der bisher umfassendsten Analyse von Gensequenzen heutiger Steinschwämme konnte ein internationales Team um Wörheide deren Verwandtschaftsverhältnisse neu bewerten – und entdeckte dabei einige “Kuckuckskinder”.
Steinschwämme gehören zu den Demospongiae, der zahlenmäßig größten Klasse aller Schwämme. Sie leben in tropischen, subtropischen und gemäßigten Regionen vom Flachwasser bis in die Tiefsee. Es gibt über 300 verschiedene Arten von Steinschwämmen, die 13 Familien und 41 Gattungen zugeordnet werden. Verglichen mit den fossil erhaltenen Steinschwämmen – bekannt sind 34 fossile Familien und über 300 fossil erhaltene Gattungen – ist die heutige Artenvielfalt aber vergleichsweise gering. “Allerdings könnten die Ursprünge der derzeitigen Steinschwämme bis ins frühe Erdaltertum (mehr als 500 Millionen Jahre) zurückreichen, was darauf hindeutet, dass bei ihrer Stammesgeschichte noch großer Forschungsbedarf besteht”, sagt Wörheide.
Umfangreiche Genanalysen
Steinschwämme besitzen ein charakteristisches hartes, steinähnliches Skelett aus verzahnten sogenannten Schwammnadeln aus Siliziumdioxid (Glas), das die Form des Schwammes bestimmt. Die Morphologie – also die Struktur und Form – des Skeletts ist ein wichtiges Hilfsmittel bei der Bestimmung der verschiedenen Steinschwamm-Arten. “Ihre exakte Klassifizierung und stammesgeschichtliche Entwicklung wird aber immer noch kontrovers diskutiert” sagt Astrid Schuster, Erstautorin und Doktorandin in der Arbeitsgruppe von Wörheide. “Früher wurden sie aufgrund von morphologischen Ähnlichkeiten in die gemeinsame Ordnung ‚Lithistida‘ gruppiert, die immer noch durch die Literatur geistert”. Ein internationales Team um Schuster und Wörheide analysierte nun für ihren paläomolekularen Ansatz die Gensequenzen zweier verschiedener Gene von 68 individuellen Steinschwämmen, die 12 Familien und insgesamt 21 Gattungen angehörten. Zusätzlich gingen zahlreiche weitere bereits vorhandene Gensequenzen aus Datenbanken in die Analysen ein.
Die Ergebnisse der Genanalysen kombinierten die Wissenschaftler mit charakteristischen Skelettmerkmalen, etwa der Art und Anordnung der Schwammnadeln. “Dadurch können wir die bisherigen Annahmen bezüglich der Evolution der Steinschwämme teilweise widerlegen und zeigen, dass einige Steinschwämme Gattungen zugeordnet wurden, in die sie nicht gehören”, sagt Schuster. Offensichtlich sind die ‚Lithistida‘ keine natürliche Gruppe und gehen nicht auf einen unmittelbaren gemeinsamen Vorfahren zurück. Insbesondere zeigte sich, dass die Klassifizierung anhand von Skelettbestandteilen wie etwa der Schwammnadeln neu bewertet werden muss, weil die für die Steinschwämme charakteristischen Schwammnadeln während der Evolution mehrfach unabhängig voneinander erschienen bzw. wieder verloren gingen. “Morphologische Ähnlichkeiten sind daher für die Rekonstruktion von Verwandtschaftsbeziehungen dieser Organismen nicht aussagekräftig”, erklärt Wörheide, “dies gilt sicherlich auch für andere Schwammgruppen”.
Die neue Studie legt den Grundstein für weitere detaillierte Untersuchungen, in denen die Wissenschaftler mithilfe einer sogenannten molekularen Uhr nachvollziehen wollen, wann sich die verschiedenen Steinschwamm-Linien voneinander abgespalten haben. Die Ergebnisse könnten helfen, diese wohl älteste noch existierende Tiergruppe besser zu verstehen und ihre Evolution neu zu bewerten.
Publikation
Deceptive desmas: molecular phylogenetics suggests a new classification and
uncovers convergent evolution of lithistid demosponges.
Astrid Schuster, Dirk Erpenbeck, Andrzej Pisera, John Hooper, Monika Bryce, Jane Fromont, Gert Wörheide
PLOS ONE 2015
http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0116038

Dieser Beitrag wurde unter Wissenschaft/Naturschutz veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen