Portrait: Dromedar

Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Schwielensohler (Tylopoda)
Familie: Kamele (Camelidae)
Gattung: Altweltkamele (Camelus)
Art: Dromedar (Camelus dromedarius)
Dromedar (Tierpark Chemnitz)

Dromedar (Tierpark Chemnitz)

Dromedare sind an ihrem einzelnen Höcker sofort vom Trampeltier, dem zweihöckrigen Kamel, unterscheidbar. Sie erreichen eine Kopfrumpflänge von 2,3 bis 3,4 Metern, eine Schulterhöhe von 1,8 bis 2,3 Metern und ein Gewicht von 300 bis 700 Kilogramm. Der Schwanz ist mit rund 50 Zentimetern relativ kurz. Das Fell ist meist sandfarben, es kommen jedoch auch andere Farbschläge von weiß bis extrem dunkelbraun vor. Scheitel, Nacken, Hals und Rumpf sind mit längerem Haar bedeckt.
Dromedare haben einen langen Hals, auf dem ein langgezogener Kopf sitzt. Die Oberlippe ist gespalten und die verschließbaren Nasenlöcher schlitzförmig. Die Lider tragen sehr lange Wimpern. Diverse Hornschwielen befinden sich auf dem Brustbein, an Ellenbogen, Handwurzel, Ferse und Knie. Die Füße haben wie bei allen Kamelen zwei Zehen, die anstatt mit Hufen mit schwieligen Polstern versehen sind. Der Magen setzt sich wie bei allen Kamelen aus mehreren Kammern zusammen, was das Verdauen der Pflanzennahrung erleichtert.

Ihre Anpassung an trockenes Klima ermöglicht es ihnen, in wüstenhaften Gebieten zu leben. Sie haben die Fähigkeit, lange ohne Wasser auszukommen, da sie viel Wasser im Körper speichern können. Der Rückenhöcker enthält Fettvorräte, die das Tier bei Futtermangel verbrennen kann, um Energie zu gewinnen. Zwar legt das Dromedar in seinem Höcker keinen Wasservorrat an, jedoch bedarfsweise in seinem Magen. Die Nieren resorbieren einen Großteil der Flüssigkeit, indem sie den Urin stark konzentrieren. Auch dem Kot wird vor der Ausscheidung die meiste Flüssigkeit entzogen.
Die Körpertemperatur von Dromedaren sinkt während der Nacht sehr stark ab, so dass tagsüber der Körper sich nur langsam aufwärmt und das Tier lange Zeit nicht zu schwitzen braucht. Während einer Trockenperiode kann ein Dromedar bis zu 25 % seines Körpergewichts verlieren, ohne zu verdursten. In zehn Minuten kann es durch Wasseraufnahme sein durch Schwitzen verlorenes Körpergewicht wieder erreichen.
Die Anpassung der Nieren, die Mechanismen zur Regulierung der Körpertemperatur und die Resorption von Wasserdampf aus der Atemluft mit Hilfe der Nasenschleimhäute wurden insbesondere von Knut Schmidt-Nielsen erforscht.

Dromedar (Tierpark Berlin)

Dromedar (Tierpark Berlin)

Das Dromedar ist in ganz Nordafrika, am Horn von Afrika und in Südwest-Asien vom vorderen Orient bis nach Indien als Haustier verbreitet. Die südliche Verbreitungsgrenze bildet etwa der 1. Grad südlicher Breite, die nördliche Grenze liegt in Turkestan, wo es wie in Kleinasien teilweise neben dem zweihöckrigen Trampeltier vorkommt.
Es wurde auch auf dem Balkan, in Südwestafrika und auf den Kanarischen Inseln eingeführt. Von etwa 1840 bis 1907 wurden Dromedare als Nutztiere in Australien eingeführt. Die Nachkommen von freigelassenen oder entlaufenen Tieren leben bis heute dort verwildert in den Zentralregionen. Diese Gruppe, die sich nach früheren Schätzungen aus mehr als 1.000.000 Tieren zusammensetzt, ist die einzige und größte freilebende Dromedarpopulation der Welt. Diese stellt jedoch in zunehmendem Maße ein Problem dar, weil die Dromedare z. B. im Northern Territory auf der Suche nach Wasser mitunter großen Schaden anrichten oder die Wasserstellen der Ureinwohner verseuchen. Einen neuem Bericht zufolge ist die Gruppe lange nicht so groß, wie bisher angenommen. Sie beläuft sich auf lediglich noch etwa 300.000 Tiere. Auch im Südwesten der USA gab es aus denselben Gründen wie in Australien eine wildlebende Population, die jedoch Anfang des 20. Jahrhunderts ausgerottet worden ist.

Dromedare sind tagaktiv. Freilebende Exemplare leben meist in Haremsgruppen, die sich aus einem Männchen, mehreren Weibchen und dem dazugehörenden Nachwuchs zusammensetzen. Heranwachsende Männchen schließen sich oft zu Junggesellengruppen zusammen, diese sind aber nicht sehr langlebig. Manchmal kommt es zwischen Männchen zu Kämpfen um die Führungsrolle in einer Gruppe, die durch Bisse und Fußtritte ausgetragen werden.
Diese Tiere sind wie alle Kamele Pflanzenfresser, die alle Arten von Pflanzen zu sich nehmen können – sogar dornige und salzige. Die Nahrung wird wenig zerkaut verschluckt und gelangt zunächst in den Vormagen, um nach dem Wiederkäuen endgültig verdaut zu werden. Dieser Vorgang ähnelt dem der Wiederkäuer, zu denen die Kamele zoologisch allerdings nicht gerechnet werden. Das Verdauungssystem der Kamele dürfte sich unabhängig von dem der Wiederkäuer entwickelt haben, was sich unter anderem darin zeigt, dass die Vormägen mit Drüsen versehen sind.

Die Weibchen der Dromedare erreichen die Geschlechtsreife mit gut drei Jahren, Männchen benötigen hingegen mit etwa sechs Jahre deutlich länger. Dromedare leben in Haremsgruppe. Ihre Lebensweise ist dadurch als polygam zu bezeichnen. Die Paarungszeit erstreckt sich in der Regel über die Regenzeit oder auch über den Winter. Während der Paarungszeit kommt es nicht selten zu Kämpfen zwischen rivalisierenden Bullen. Selten enden die Kommentkämpfe allerdings mit schweren Verletzungen. Die Tragezeit ist mit 380 bis 440 Tagen ausgesprochen lang. In der Regel bringt ein Weibchen ein Jungtier zur Welt. Augrund der langen Trage- und Säugezeit kommt es beim Weibchen nur alle zwei Jahre zu einem Wurf. Das Kalb kann bereits kurz nach der Geburt stehen und der Mutter folgen. Das Kalb wächst im Schutze der Herde auf. Jedoch kümmert sich nur das Weibchen um das Wohl des Kalbes. Die Säugezeit erstreckt sich zumeist über acht bis zwölf Monate. Die Jungtiere erreichen die Selbständigkeit spätestens nach zwei Jahren.

Dromedar (Tierpark Göppingen)

Dromedar (Tierpark Göppingen)

Wo genau wilde Dromedare lebten und wann sie ausstarben, ist noch nicht restlos geklärt. Aufgrund der spärlichen Funde und der Kreuzbarkeit von Dromedaren und Trampeltieren mutmaßen manche Forscher, es habe nie wilde Dromedare gegeben. Es gibt aber einige Hinweise auf frühere Wildformen dieser Tiere, dazu zählen Felszeichnungen aus der Arabischen Halbinsel, die die Jagd auf offensichtlich wilde Tiere darstellen und rund 3000 Jahre alt sind, sowie ein im südwestlichen Saudi-Arabien gefundener Unterkieferknochen, der auf ein Alter von rund 7000 Jahren datiert wurde – lange bevor die Domestikation des Dromedars begann. Zudem kamen im Pleistozän sehr ähnliche Formen in Nordafrika vor, die möglicherweise noch bis vor etwa 5000 Jahren existiert haben. Diese Tiere werden allerdings manchmal einer anderen Art, Camelus thomasi, zugerechnet. Endgültig ausgestorben sind die wilden Dromedare wohl ungefähr um die Zeitenwende.

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