Zoonose: Bilharziose

Schistosoma (David Williams, Illinois State University)

Schistosoma (David Williams, Illinois State University)

Die Bilharziose, auch als Schistosomiasis bezeichnet, ist eine Wurmkrankheit, die in warmen Binnengewässern durch Schnecken als Zwischenwirt verbreitet wird.
Erreger sind so genannte Pärchenegel (Schistosoma), eine 1–2 cm lange Saugwürmergattung. Die von den Schnecken freigesetzten Larven dringen bei Kontakt in verunreinigtem (kontaminierten) Wasser durch die Haut des Menschen ein und wandern über Lymph- und Blutgefäße in die Leber, wo sie sich weiterentwickeln. Dann verbreiten sie sich über die Venen vor allem in Harnblase, Darm, Leber, Lunge und Gehirn, sowie über die Ausscheidungen in Oberflächengewässer. Eine Infektion von Mensch zu Mensch ist ausgeschlossen.
Es sind unterschiedliche Erreger der Bilharziose bekannt: Schistosoma haematobium ist der Erreger der Blasenbilharziose, bei der vornehmlich die ableitenden Harnwege und die Harnblase befallen sind. Im Gegensatz hierzu verursachen die S. mansoni, S. intercalatum, S. japonicum und S. mekongi einen Darmbefall. Eine äußerst lästige Infektion mit unterschiedlichen Trichobilharzia-Arten (parasitiert Wasservögel) ist als Cerkarien- oder Zerkariendermatitis bekannt, wobei für Trichobilharzia regenti eine Schädigung der Neuronen und des Zentralnervensystems auch für Menschen nicht ausgeschlossen werden kann.

Die Blasenbilharziose taucht möglicherweise bereits im altägyptischen Papyrus Ebers als Aaa-Krankheit auf. Der Name der Krankheit geht auf den deutschen Tropenarzt Theodor Bilharz zurück, der den Erreger bei Obduktionen in einer Kairoer Klinik 1851 entdeckt hatte. Zunächst wurde der Parasit deshalb nach seinem Entdecker Bilharzia genannt.
Der Arzt, Bakteriologe und Begründer der Paläopathologie Marc Armand Ruffer konnte Anfang des 20. Jahrhunderts bei seinen systematischen Untersuchungen von Tausenden Mumien, Mumienresten und Skeletten nachweisen, dass die Bilharziose schon im alten Ägypten in der 20. Dynastie verbreitet war. Möglicherweise war sie mit der Aaa-Krankheit identisch.
Die Krankheit ist heute vor allem in Japan, China, den Philippinen, Afrika, der arabischen Halbinsel, Südamerika, der Karibik und dem Nahen Osten verbreitet. Es wird geschätzt, dass etwa 250 bis 300 Millionen Menschen von dem Parasiten befallen und 600 Millionen gefährdet sind. Durch Staudammbauten (z.B. Assuan-Staudamm in Ägypten) und Bewässerungsprojekte nimmt das Erkrankungsrisiko zu.
Seit 2011 gibt es gesicherte Infektionen auch auf Korsika. Betroffen sind Einheimische und Touristen, die Kontakt mit dem Wasser des Flüsschens Cavu/Cavo nahe dem Ort Sainte-Lucie-de-Porto-Vecchio (nördlich von Porto-Vecchio) im Südosten der Insel Korsika hatten. Es wurden Fälle bei Touristen aus Frankreich, Deutschland und Österreich diagnostiziert.

Die ersten Symptome sind Juckreiz an der Eintrittsstelle der Larven und die Bildung eines Hautausschlages, die sogenannte Zerkariendermatitis. Die Zerkarien können allerdings auch unbemerkt durch gesunde Haut eindringen.
Schistosoma haematobium wandert dann durch das Gewebe und nach ca. 3–4 Wochen in die Lunge, was zu einer allergischen Reaktion mit Ödembildung, Quaddelbildung, Husten und Fieber führen kann, dem sogenannten Katayama-Fieber. Die Zerkarien von Schistosoma haematobium nisten sich dann in der Blasenwand ein und geben Eier in das Gewebe ab. Diese Eier können das Gewebe in Richtung Blasen-Lumen durchdringen und werden dann mit dem Urin wieder ausgeschieden. Beim Gewebedurchtritt bewirken die Eier eine zelluläre entzündliche Reaktion in der Blasenwand, und es entstehen sogenannte Eigranulome. Da die Schistosomen bis zu 20 Jahre im in der Nähe der Blasenwand befindlichen (perivesikulärem) Gewebe überleben können und durchgehend Eier ablegen, führt die chronische Entzündung zu Miktionsbeschwerden, Blut im Urin, Narbenbildung, und die Elastizität der Blasenwand schwindet langsam. In seltenen Fällen kann durch die chronische Infektion ein Plattenepithel-Karzinom (Blasenkrebs) entstehen, wodurch die Infektion dann eine Präkanzerose darstellt.
Die Zerkarien von Schistosoma mansoni wandern in die Darmwand und führen dort zu einer ähnlichen Reaktion. Die Eier verursachen auch hier Eigranulome in der Darmwand, eine chronische Entzündung und Polyposis. Leber und Milz betreffende (hepatolienale) Schistosomenarten führen zu einer Leberzirrhose und Milzvergrößerung. Selten kann sich auch eine cerebrale Schistosomiasis bilden. Lebensbedrohliche Krankheitsverläufe können in allen Stadien der Erkrankung auftreten.

Die Schistosomiasis wird mit Praziquantel behandelt, die Behandlung des Katayama-Syndroms erfolgt symptomatisch. Seit dem Jahr 2007 arbeitet die Merck KGaA zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an einem Programm zur Ausrottung der Schistosomiasis. Merck stellt dazu der WHO für zehn Jahre jährlich über 25 Millionen Praziquantel-Tabletten kostenlos zur Verfügung. Mit den Tabletten können 27 Millionen Kinder behandelt werden. 2012 gab Merck bekannt, die Anzahl der jährlich gespendeten Tabletten mittelfristig auf 250 Millionen zu verzehnfachen.

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