Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

23.02.2014, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Deutsche Avifaunistische Kommission bittet um Seltenheitsmeldungen 2014
Die dritte Ausgabe der Zeitschrift „Seltene Vögel in Deutschland“ steht bereits kurz vor der Fertigstellung. Das Heft wird neben Artikeln über Pazifische Ringelgänse und Grünlaubsänger in Deutschland auch den Bericht der Deutschen Avifaunistischen Kommission (DAK) über die bundesweit dokumentationspflichtigen Beobachtungen des Jahres 2014 sowie Beiträge zur Überarbeitung der nationalen Meldeliste zum 1.1.2015 und zum generellen Umgang der DAK mit Beobachtungen schwer zu kategorisierender Vögel enthalten.
Nach dem Bericht ist vor dem Bericht! Um Ihnen bereits im nächsten Winter den Bericht über seltene Vogelarten in Deutschland 2014 vorlegen zu können, benötigen wir Ihre Mithilfe! Rund 350 Dokumentationen sind bereits zu im vergangenen Jahr beobachteten Seltenheiten bei der DAK eingegangen (Übersicht unter www.dda-web.de/dak). Für viele teils gut belegte Raritäten liegen jedoch noch keine Dokumentationen vor. Falls also noch undokumentierte Beobachtungen seltener Vogelarten aus dem vergangenen Jahr in Ihren Notizbüchern oder auch bei ornitho schlummern, möchten wir Sie bitten, die Dokumentationen bis zum 31. Mai 2015 an die DAK zu senden.
Zur Dokumentation bundesweit dokumentationspflichtiger Arten nutzen Sie bitte die aktuelle Version des Meldebogens. Bitte senden Sie den ausgefüllten Bogen direkt an die DAK! Wir leiten alle Dokumentationen auch umgehend an die Landeskommission des betreffenden Bundeslandes weiter.
Viele Dokumentationen erreichen uns mittlerweile sehr zeitnah, oft schon wenige Tage nach der Beobachtung. Dafür danken wir allen Beobachterinnen und Beobachtern ganz herzlich!
Das Team der Deutschen Avifaunistischen Kommission

Für die Wissenschaft festgehalten: Männchen (oben) und Weibchen der neu entdeckten Bergzikadenart (Universität Basel/Thomas Hertach)

Für die Wissenschaft festgehalten: Männchen (oben) und Weibchen der neu entdeckten Bergzikadenart (Universität Basel/Thomas Hertach)

24.02.2015, Universität Basel
Weltweit neue Zikadenart in der Südschweiz und Italien entdeckt
Sie zählen zu den bekanntesten, grössten und lautesten Insekten – und doch sorgen sie immer wieder für Überraschungen: Forscher der Universität Basel haben in Italien und der Südschweiz eine neue Singzikade entdeckt. Das Tier mit vier Zentimetern Flügelspannweite und seinem hohen Gesang wurde «Italienische Bergzikade» (Cicadetta sibillae) getauft. Sie ist eine von nur zehn Singzikadenarten in der Schweiz.
Der dunkle Körper und die glasigen Flügel verrieten die neue Art noch nicht, denn Bergzikaden – eine Untergruppe der Singzikaden – lassen sich kaum an ihrem Aussehen unterscheiden. Entscheidend war ihr Gesang, bei dem sich in einem komplizierten Muster Ziehlaute und schnelle, rhythmische Phasen abwechseln. Für ihren Befund hatten die Forscher eingehende Analysen der Genetik, der Morphologie und vor allem des Gesangs vorgenommen. Das Team um Doktorand Thomas Hertach und Prof. Peter Nagel von der Forschungsgruppe Biogeographie der Universität Basel mit Kollegen in Slowenien und den USA hat seine Studie im Fachblatt «Zoological Journal of the Linnean Society» veröffentlicht.
Die bevorzugten Lebensräume der neu entdeckten Bergzikadenart sind lichte, warme Laubwälder und Magerwiesen mit viel Gebüsch. Die Tiere singen auf Sträuchern oder sogar im Gras und ernähren sich von Pflanzensäften. «Im Nordapennin ist Cicadetta sibillae die häufigste Singzikade überhaupt», zeigt sich der Entdecker Thomas Hertach erstaunt.
In Graubünden bedroht
Das Verbreitungsgebiet der «Italienischen Bergzikade» erstreckt sich von Neapel bis in die Südschweiz. Hier kommt sie in einem knappen Dutzend Populationen im Tessin und zwei winzigen Beständen im Bündner Misox vor. Die Tessiner Population vom Monte San Giorgio gehört dabei alpenweit zu den individuenreichsten. Dagegen steht die Art in Graubünden – bereits so kurz nach ihrer Entdeckung – vor dem Aussterben. Erste Schutzmassnahmen in Zusammenarbeit mit dem Kanton und Pro Natura sind geplant.
Die Forscher gehen davon aus, dass sich die neue Zikadenart vor mindestens 1 Mio. Jahren während der Eiszeiten gebildet hat und ihr Ursprung in milden Rückzugsgebieten Italiens liegt. Sie unterscheidet sich in allen Untersuchungen konstant von einer nah verwandten Art aus den Pyrenäen, von der sie über 450 Kilometer weit getrennt lebt. «Weil die Unterschiede klein sind, mussten wir sehr umfangreiches Datenmaterial im Feld zusammentragen und analysieren», sagt Thomas Hertach, der sich seit über einem Jahrzehnt der Zikadenforschung widmet.
Gesang lockt Weibchen an
Singzikaden besitzen am Hinterleib ein Organ mit Platten, die durch einen Muskel in Schwingung versetzt werden; ein Luftsack sorgt für die nötige Resonanz. Die Gesänge dienen den Männchen, um Weibchen anzulocken, und sind für jede Art typisch. Der Schweizer Forscher Johann Jacob Bremi beschrieb schon 1849, dass Bergzikaden sehr verschieden singen können. Doch sein Wissen geriet lange in Vergessenheit: Erst ab 2000 haben akustische Studien gezeigt, dass Bergzikaden europaweit aus einer Gruppe von unterschiedlichen Arten bestehen.
Originalbeitrag
Hertach T, Trilar T, Wade EJ, Simon C, Nagel P, 2015.
Songs, genetics, and morphology: revealing the taxonomic units in the European Cicadetta cerdaniensis cicada group, with a description of new taxa (Hemiptera: Cicadidae).
Zoological Journal of the Linnean Society 173(2): 320-351, Append. S1-3; DOI: 10.1111/zoj.12212
BILD: https://idw-online.de/de/image?id=258748&size=screen

25.02.2015, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Das Monitoring häufiger Brutvögel startet in die neue Saison — machen Sie mit!
Mit den längeren Tagen sind bei Amseln, Kleibern, Heckenbraunellen oder Meisen die Frühlingsgefühle nicht mehr zu überhören. Keine Frage, die Vorbereitungen für die Brutzeit haben bei vielen Arten bereits begonnen. Aber auch bei uns laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, denn am 10. März beginnt die Kartiersaison des Monitorings häufiger Brutvögel.
Seit 1989 werden die Bestandsentwicklungen aller häufigen Brutvogelarten mithilfe standardisierter Methoden überwacht, um u.a. die Frage „Wie entwickeln sich die Brutbestände weit verbreiteter, häufiger Vogelarten?“ beantworten zu können. Seit 2004 finden die Erfassungen auf bundesweit repräsentativen, 1×1 km-großen Probeflächen statt, auf denen zwischen März und Juni 4 Begehungen entlang einer ca. 3 km langen Route durchgeführt werden.
Vielfältiger Einsatz der Ergebnisse für den Naturschutz
Die Ergebnisse des Programms werden jährlich im Bericht „Vögel in Deutschland“ fortgeschrieben und sie fließen u.a. in den Indikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“ der Bundesregierung (BfN) sowie Indikatoren auf europäischer Ebene ein, u.a. den „European Farmland Bird“-Indikator (EBCC), der von der EU-Kommission als Referenz für eine nachhaltige Nutzung der Agrarlandschaft herangezogen wird.
Machen Sie mit!
Der zeitliche Aufwand je Probefläche beträgt für die vier Begehungen zwischen März und Juni inkl. der Auswertung der Daten 30–40 Stunden. Bundesweit stehen 2.637 Probeflächen zur Verfügung, von denen bereits rund 1.500 vergeben werden konnten. Es gibt somit noch reichlich Beteiligungsmöglichkeiten zwischen Rügen und Bodensee! Wo es noch freie Probeflächen in Ihrer Nähe gibt und wie diese beschaffen sind, können Sie über das Informationssystem „Mitmachen beim Monitoring häufiger Brutvögel!“ ganz einfach erkunden. Am besten Sie sehen direkt einmal nach, denn bis spätestens zum 10. März sollten Sie sich entschieden haben, wenn Sie dieses Jahr noch mitmachen möchten:
nach Probeflächen suchen
weitere Informationen zum Monitoring häufiger Brutvögel
Ansprechpartner des Monitorings häufiger Brutvögel in den Bundesländern
Wir freuen uns auf Ihre Unterstützung!

25.02.2015, DIE DEUTSCHE SÄGE- UND HOLZINDUSTRIE – BUNDESVERBAND E. V.
Studie zeigt: Waldschutz führt zu Artenverlust / Deutschland setzt den Fokus beim Naturschutz zu eng / Fall „Staatswald-Stiftung NRW“
Forscher vom Max-Planck-Institut haben herausgefunden, dass ein geschützter Wald nicht unbedingt zum Artenschutz beiträgt. Das politische Ziel, fünf Prozent unserer heimischen Wälder unter Naturschutz zu stellen, ist damit in Frage gestellt.
Das Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena hat den Zustand der Waldverjüngung, also den Zustand der jungen, heranwachsenden Baumarten, untersucht. Das Ergebnis: In geschützten und somit nicht mehr nachhaltig bewirtschafteten Waldgebieten gehen 50 bis 60 Prozent der Baumarten verloren. Mit ihnen verschwinden zahlreiche Insektenarten – von jeder zweiten Schmetterlingsart ist in der Studie die Rede. „Die Gründe dafür sind komplex“, erklärt Lars Schmidt, Generalsekretär der Deutschen Säge- und Holzindustrie (DeSH) und selbst studierter Forstwirt. Um drei zu nennen: „Zu viel Wild wie Reh und Hirsch frisst junge Bäume auf. Das Kronendach wird zu dicht, so dass nachwachsende Pflanzen zu wenig Licht bekommen. Zudem führt der aktuelle Waldumbau hin zu Buchenwäldern zu monokulturähnlichen Zuständen.“
Die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts bestätigen mit ihrer Studie, was Experten der Forst- und Holzwirtschaft bereits seit Jahren kritisieren: Die von der Politik verordnete und von den Ländern umgesetzte Biodiversitätsstrategie – nämlich fünf Prozent der deutschen Waldfläche aus der nachhaltigen Nutzung zu nehmen – führt eher zu einem Verlust als zu einem Erhalt von Arten. Das ursprüngliche Schutzziel innerhalb der stillgelegten Flächen ginge insgesamt verloren, heißt es in einer Pressemeldung des Instituts vom 2. Dezember 2014. Zielführender aus Sicht des Artenschutzes sei es deshalb, die Wälder naturnah zu bewirtschaften.
Deutschland setzt den Fokus beim Naturschutz zu eng
Das Problem, so Helge Walentowski von der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft in Freising in der Pressemeldung des Max-Planck-Instituts, sei ein zu eng fokussierter Naturschutz. Die Studie mache deutlich, dass Artenschutz nur im komplexen Zusammenhang mit der gesamten Flora und Fauna gesehen werden könne. Der DeSH-Geschäftsführer Lars Schmidt bestätigt: „Nicht die Größe und Anzahl der geschützten Flächen sind für eine nachhaltige Waldentwicklung entscheidend, sondern die Art und Weise, wie die Fläche genutzt wird.“ Er fordert, pauschale Flächenstilllegungen wie die Einrichtung von Nationalparks per Gesetz, als vermeintliche Naturschutzmaßnahme zu überdenken. „Die Situation ist äußerst ernst“, mit diesen Worten wird Ernst-Detlef Schulze, Emeritus Professor am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena in der Pressemitteilung zitiert. Er bezieht sich dabei auf Thüringen, wo 25.000 Hektar Wald aus der Bewirtschaftung genommen werden sollen, um Arten zu schützen.
Fall „Staatswald-Stiftung NRW“
Ein weiteres Beispiel einer womöglich zu eng angelegten und zu starren naturschutzpolitischen Maßnahme zeichnet sich aktuell in Nordrhein-Westfalen ab. Die dortige rot-grüne Landesregierung plant im Rahmen der NRW-Biodiversitätsstrategie einen Teil des Staatswaldes in eine Stiftung zu überführen. Insbesondere bereits bestehende Wildnisgebiete sollen durch das Naturerbe-Modell dauerhaft vor einem politischen Einfluss geschützt werden – als unwiderrufliche Weichenstellung zur Sicherstellung des Natur- und Artenschutzes. Lars Schmidt bezweifelt dies: „Unwiderruflich wäre eine solche Maßnahme. Vorteile für den Artenschutz würde sie allerdings nicht mit sich bringen, wie die Jena-Studie zeigt.“ Aber das wirklich Verhängnisvolle daran sei, so der Holzexperte, dass die Politik mit dem Stiftungs-Modell für alle Zeiten handlungsunfähig wäre und auf die unvorhersehbare Natur- und Waldentwicklung in den Schutzgebieten – also einem möglichen Artenschwund zum Beispiel – nicht mehr wirksam reagieren könnte.
Studie: E.D. Schulze, O. Bouriaud, J. Wäldchen, N. Eisenhauer, H. Walentowski, C. Seele, E. Heinze, U. Pruschitzki, G. Danila, G. Martin, D. Hessenmöller, L. Bouriaud, M. Teodosiu (2014). Ungulate browsing causes species loss in deciduous forests independent of community dynamics and silvicultural management in Central and Southeastern Europe. Ann. For. Res. 57(2)-2014

25.02.2015, Deutsche Wildtier Stiftung
Heimische Wildtiere im Fokus der Forschung / Die Deutsche Wildtier Stiftung vergibt den mit 50.000 Euro dotierten Forschungspreis 2015
Sie leben direkt vor unserer Haustür und bleiben trotzdem den meisten Menschen fremd, sie werden gefüttert und verhätschelt oder verdammt und gefürchtet, vermenschlicht und geliebt oder gnadenlos verfolgt: Unsere heimischen Wildtiere. Aus Unwissenheit gibt es Vorurteile gegen einzelne Arten, die wie beispielsweise beim Wolf zu einem Zerrbild in der Öffentlichkeit führen. Oft genug fehlt es schlicht an Fakten, denn im Fokus der Forschung bleiben heimische Wildtiere die verkannten Außenseiter. Die Forschungsbereiche Technik, Wirtschaft und Industrie gehören zu den klaren Siegern, wenn es um die Vergabe von Stipendien geht: „Dem setzt die Deutsche Wildtier Stiftung mit ihrem mit 50.000 Euro dotierten Forschungspreis ein deutliches Zeichen entgegen“, sagt Prof. Dr. Vahrenholt, Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung. „Der Forschungspreis, der alle zwei Jahre vergeben wird, ist einzigartig in Deutschland.“
Unterstützt werden Nachwuchsforscher, die das Wissen oder den Umgang mit Wildtieren im dichtbesiedelten Mitteleuropa deutlich voranbringen. Wildbiologische Forschung und Arbeiten zu einheimischen Wildtieren stehen im Fokus. Doch nicht nur Biologen sind angesprochen: Auch Arbeiten aus den Fachbereichen Jura, Geschichtswissenschaft, Philosophie und Sozialwissenschaften, die das Thema „Mensch und Wildtier“ behandeln, können eingereicht werden. Der Forschungspreis wird in Form eines Stipendiums bewilligt und soll dem Preisträger die Verwirklichung seiner wissenschaftlichen Arbeit erleichtern. Über die Vergabe entscheidet eine von der Deutschen Wildtier Stiftung unabhängige Jury renommierter Fachwissenschaftler.
Die Bandbreite der prämierten Forschungsthemen ist wegweisend: Vom Vogelzug bis zum Winterschlaf wurden in den letzten Jahren Forschungsarbeiten von der Deutschen Wildtier Stiftung unterstützt, die heimische Wildtiere in den Fokus rücken:
Unterscheiden sich Städter mit Stacheln von Dorfbewohnern?
Die Hamburgerin Dr. Lisa Warnecke (36) erhielt 2013 den Forschungspreis der Deutschen Wildtier Stiftung. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht der Igel. Die Forscherin, die am Zoologischen Institut der Universität Hamburg arbeitet, misst die Stoffwechselaktivitäten von Igeln im Jahresverlauf, um Unterschiede zwischen stacheligen Städtern und Dorfbewohnern zu vergleichen. Ihre Arbeit beantwortet Fragen zur Anpassung von Wildtieren an urbane Lebensverhältnisse und schwankende Umweltbedingungen im Zusammenhang mit dem Energiehaushalt am Beispiel des Igels.
Wie tickt die innere Uhr des Feldhamsters?
Pünktlich springt die innere Uhr des Feldhamsters für sechs Monate von der Sommerzeit auf die Winterzeit um: Das Schlafhormon Melatonin schnellt in die Höhe, die Körpertemperatur sinkt im Winterschlaf von 37 auf bis zu 1,9 Grad. Die wissenschaftliche Arbeit von Dr. Stefanie Monecke über die Fähigkeit des Feldhamsters, seinen Aktivitätsrhythmus zu ändern und dabei mit Hilfe der inneren „Jahresuhr“ obendrein die Reproduktion zu steuern, hat der Biologin 2011 den Forschungspreis der Deutschen Wildtier Stiftung eingebracht. Die Preisträgerin hat in Hannover Biologie studiert und in Stuttgart promoviert.
Wo überwintert die Wiesenweihe?
Die promovierte Diplom-Biologin Christiane Trierweiler (37) vom Institut für Vogelforschung Vogelwarte Helgoland in Wilhelmshaven wurde 2009 mit dem Forschungspreis ausgezeichnet. Sie hat die Bedeutung von nordafrikanischen Rast- und Überwinterungsplätzen der sehr seltenen Wiesenweihe – in Deutschland leben nur noch etwa 450 Brutpaare – untersucht. Dafür reiste Dr. Christiane Trierweiler den mit Miniatursendern ausgerüsteten Wiesenweihen hinterher. Konkrete Empfehlungen zum Schutz der seltenen Greifvögel werden durch ihre Arbeit möglich.
Digitale Bewerbungen nimmt die Deutsche Wildtier Stiftung bis zum 30. April 2015 unter Forschungspreis@dewist.de entgegen. Weitere Informationen unter www.deutschewildtierstiftung.de/forschungspreis

26.02.2015, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Amphibienseuche Chytridiomykose erreicht Madagaskar / Und bedroht damit über 290 endemische Arten
Der für Amphibien tödliche Chytridpilz wurde erstmals auf Madagaskar nachgewiesen. Die Seuche erreicht damit einen Hotspot der Artenvielfalt. Auf der Insel im Indischen Ozean gibt es rund 290 Amphibienarten, die nur dort leben. Weitere 200 Froscharten, die noch nicht beschrieben sind, werden zudem dort vermutet. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung des UFZ schlägt daher nun einen Notfallplan vor. Dazu gehöre neben dem Monitoring der Ausbreitung des Erregers auch der Aufbau von Amphibien-Zuchtstationen und die Entwicklung von probiotischen Therapien, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachmagazin Scientific Reports, dem Open-Access-Journal des Nature-Verlages.
Die gesamte Gruppe der Amphibien wird zurzeit von einer weltweiten Pandemie heimgesucht, die das Aussterben massiv beschleunigt. Auch wenn der durch den Menschen verursachte Verlust von Lebensräumen weiterhin die Hauptbedrohung für Amphibienpopulationen ist, bietet der Schutz der Lebensräume inzwischen keine Garantie mehr für das Überleben der Amphibien. Eingeschleppte Infektionskrankheiten bedrohen mittlerweile selbst scheinbar abgelegene Lebensräume. Die verheerendste bekannte Amphibienseuche ist die so genannte Chytridiomykose, die von einem tödlichen Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis, kurz Bd genannt) hervorgerufen wird. Der Pilz befällt die Haut, die für die Amphibien von besonderer Bedeutung ist, da sie über diese atmen. Auf diese Weise sind bereits viele Arten verschwunden – vor allem im tropischen Mittelamerika, wo zwei Drittel der Arten aus der Gattung der farbenfrohen Stummelfußfrösche bereits in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet drastisch dezimiert sind. Bd wurde inzwischen bei über 500 Amphibienarten festgestellt, von denen 200 deutlich zurückgegangen sind. Der Erreger wird daher weltweit als eine der größten Bedrohungen für die Artenvielfalt bezeichnet.
Bisher galten jedoch einige Inseln wie Madagaskar als nicht befallen. Bei der letzten Serie an Untersuchungen 2005 bis 2010 konnte der Krankheitserreger nicht festgestellt werden. Die Auswertung der jüngsten Untersuchungsserie zeigte jetzt jedoch, dass der Chytridpilz auch in Madagaskar Amphibien bedroht. „Das ist eine traurige Nachricht für Amphibienfreunde weltweit“, erläutert Dr. Dirk Schmeller vom UFZ, der an der Auswertung der Proben beteiligt war. „Denn zum einen ist damit eine Insel bedroht, die über besonders viele Amphibienarten verfügt. Mehrere hundert Arten leben nur hier. Und zum anderen bedeutet das auch: Wenn der Erreger selbst bereits auf eine solch abgelegene Insel gelangt ist, dann kann und wird er überall auftreten.“
Für die jetzt veröffentlichte Studie wertete das Forschungsteam Proben von über 4000 Amphibien aus 50 Orten in Madagaskar seit 2005 aus. Dabei stellten sich Proben von vier Madagaskarfröschen (Mantidactylus sp.) von 2010 sowie eines Maskarenenfrosches (Ptychadena mascareniensis) von 2011 aus dem entlegenen Makay-Massif als positiv heraus. 2013 und 2014 wurde der Erreger dann bereits in fünf verschiedenen Regionen registriert. Prof. Dr. Miguel Vences von der Technischen Universität in Braunschweig: „Der Chytridpilz wurde in allen vier Familien der einheimischen Madagaskarfrösche nachgewiesen und zeigt somit das Potential selbst ökologisch unterschiedliche Arten zu infizieren. Das ist ein Schock!“. Die Studie zeigt auch, das Amphibien in mittleren bis hohen Lagen infiziert werden, was sich mit Beobachtungen aus anderen Regionen der Erde deckt, wo die Auswirkungen der Amphibienseuche von allem im Gebirge zu spüren sind.
Dass der Erreger in einer sehr abgelegenen Region der Insel gefunden wurde, stellt die Forscher vor ein Rätsel. Es besteht die Hoffnung, dass es sich um einen bisher unentdeckten, einheimischen Stamm des Erregers handeln könnte, der bereits länger in der Region existierte, aber mangels fehlender Proben bisher nicht entdeckt worden war. In diesem Fall könnten die Amphibienarten Madagascars u.U. Resistenzen gebildet haben. Aber dies muss erst durch weitere Untersuchungen bestätigt werden, bevor Entwarnung gegeben werden kann. Denn denkbar ist auch, dass der Erreger mit Krebsen, der Asiatischen Schwarznarbenkröte (Duttaphrynus melanostictus), über Zugvögel oder den Menschen eingeschleppt worden ist. „Glücklicherweise ist es auf Madagaskar bisher zu keinem Massensterben gekommen. Dennoch scheint sich der Erreger unterschiedlich stark auszubreiten. Möglicherweise sind auch mehrere Stämme, vielleicht sogar der global verbreitete hypervirulente Stamm des Erregers, auf Madagaskar. “, berichtet Dirk Schmeller. „Das zeigt, wie wichtig es ist, den Erreger zu isolieren und genetisch analysieren zu können, was bisher noch nicht gelungen ist.“ Daneben sollte das Monitoring im ganzen Land fortgesetzt werden, um die Ausbreitung zu beobachten. Die Wissenschaftler schlagen auch vor, für Schlüsselarten neben den im Aufbau befindlichen zwei Zuchtstationen weitere zu errichten, um im Ernstfall genug Tiere in diesen Archen nachzuzüchten, mit denen die Lebensräume wieder besiedelt werden könnten. „Wir haben auch die Hoffnung mit Hilfe von Hautbaktieren das Wachstum des Bd-Erregers zu unterdrücken“ meint Miguel Vences, „diese könnten dann vielleicht künftig als eine Art probiotische Hautsalbe dienen“. Auch eine hohe Vielfalt an mikrobiellen Gemeinschaften in den Gewässern könnte das Infektionspotenzial verringern, so frühere Untersuchungen der UFZ-Forscher, die in Current Biology publiziert wurden.
Mit dem Ausbruch der Amphibienseuche Chytridiomykose auf Madagaskar sind nach Angaben der Amphibian Survival Alliance (ASA) weitere sieben Prozent der weltweiten Amphibienarten bedroht. „Der Rückgang der madagassischen Amphibien geht nicht nur Herpetologen und Froschforscher an“, sagt Dr. Franco Andreone von der Weltnaturschutzorganisation IUCN und Mitautor der Studie. „Es wäre ein großer Verlust für die ganze Welt“. In den nächsten Monaten wollen daher die Wissenschaftler zusammen mit der Regierung einen Notfallplan aufstellen, um dieses Szenario zu verhindern.
Publikation:
Molly C. Bletz, Gonçalo M. Rosa, Franco Andreone , Elodie A. Courtois, Dirk S. Schmeller, Nirhy H. C. Rabibisoa, Falitiana C. E. Rabemananjara, Liliane Raharivololoniaina, Miguel Vences, Ché Weldon, Devin Edmonds, Christopher J. Raxworthy, Reid N. Harris, Matthew C. Fisher, Angelica Crottini (2015): Widespread presence of the pathogenic fungus Batrachochytrium dendrobatidis in wild amphibian communities in Madagascar. Sci. Rep. 5, 8633; DOI:10.1038/srep08633
http://nature.com/articles/doi:10.1038/srep08633
http://dx.doi.org/10.1038/srep08633
Die Untersuchungen wurden gefördert durch verschiedene Zoos und Naturschutzstiftungen sowie der National Science Foundation der USA, der Volkswagen-Stiftung, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), das Era-Net Netzwerk „BiodivERsA“ und das EU-Projekt RACE (Risk Assessment of Chytridiomycosis to European Amphibian Diversity) gefördert.

27.02.2015, Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern
Publikation zur Wildtierforschung in MV erhältlich
Jegliches Management von Wildtieren setzt fundierte Kenntnisse biologisch-ökologischer Parameter der betroffenen Arten voraus, unabhängig, ob es um den Schutz seltener oder die Regulation von überhöhten Beständen sogenannter Konfliktarten geht. Hierzu gibt es eine neue Publikation der Landesregierung.
Eine zentrale Rolle kommt in diesem Zusammenhang der Populationsdichte zu. Ohne realitätsnahe Angaben zur Bestandsdichte fehlt eine solide Entscheidungsgrundlage, ob, welche und wie Populationsmanagementmaßnahmen durchzuführen sind. Auch für die Erfolgskontrolle, die Teil jeder Managementmaßnahme sein sollte, ist die Erfassung der Populationsdichte die entscheidende Schlüsselgröße. „Die Verfügbarkeit geeigneter Methoden zur Dokumentation der Bestandshöhen und zur Überwachung der Entwicklung von Populationen ist somit nicht nur von wissenschaftlicher Bedeutung sondern Voraussetzung für ein effizientes Wildtiermanagement. Daher bin ich sehr froh, dass wir nun eine weitere Publikation zu diesem Thema der Öffentlichkeit zugänglich machen können“, erklärte Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz.
Forschungsarbeiten zur Entwicklung und Evaluierung geeigneter Methoden mit dem Ziel, verlässliche und praxisrelevante Verfahren zur Erfassung der Schalenwilddichten zur Verfügung stellen zu können, wurden deshalb in den letzten Jahren intensiviert. Dazu trug ganz wesentlich das Forschungsvorhaben der TU Dresden – AG Wildtierforschung – im Nationalpark Jasmund bei. Es konnten geeignete Verfahren entwickelt und evaluiert sowie Empfehlungen für ein zukünftiges Schalenwildmonitoring auf Jasmund gegeben werden, die in vielen Fällen auch auf andere Regionen übertragbar sind.
Im Projekt konnten praktikable Erfassungsmethoden, die gleichzeitig ein realistisches Bild der Wilddichten liefern und trotzdem finanziell umsetzbar sind, aufgezeigt und erprobt werden.
In Band zwei der Schriftenreihe „Wildtierforschung in Mecklenburg-Vorpommern“ wird der Abschlussbericht veröffentlicht und ich hoffe, dass dieser Wissensfortschritt Eingang in die gute fachliche Praxis einer soliden Schalenwildbewirtschaftung findet beziehungsweise im Schalenwildmanagement umgesetzt wird.
Die Publikation ist ab sofort auf der Homepage des Ministeriums als Download verfügbar.

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