Ausgestorbene Halecomorphi

Kahlhecht (The fishes of Illinois Forbes, Stephen Alfred, 1844-1930; Richardson, Robert Earl, b. 1877)

Kahlhecht (The fishes of Illinois Forbes, Stephen Alfred, 1844-1930; Richardson, Robert Earl, b. 1877)

Die Halecomorphi sind ein Taxon Strahlenflosser. Der einzige noch rezente Vertreter ist der Kahlhecht. Die Halecomorphi zeichnen sich einerseits durch ursprüngliche Merkmale, wie meist stark mineralisierte Schuppen, aber auch durch „moderne” Merkmale, insbesondere im Bau des Schädels (z. B. Lage und Form des Präoperculare), aus.
Zur systematischen Stellung der Halecomorphi existieren zwei konkurrierende Hypothesen:
Die Halecostomi-Hypothese sieht sie als Schwestergruppe der Echten Knochenfische.
Die Holostei-Hypothese sieht sie als Schwestergruppe der Knochenhechte und deren näherer fossiler Verwandtschaft, die gemeinsam als Ginglymodi bezeichnet werden.

Die Amiidae sind eine Familie urtümlicher Knochenfische, die mit Ausnahme des nordamerikanischen Kahlhechts (Amia calva), ausgestorben ist. Im oberen Mesozoikum kam die Familie mit zahlreichen Arten und Gattungen auch in Europa und anderen Kontinenten vor allem der nördlichen Erdhalbkugel vor. Die meisten Amiidae waren Süßwasserfische, es gab jedoch auch einige marine Vertreter. Die letzten europäischen Vertreter lebten vor 48 bis 40 Millionen Jahren im Lutetium (Eozän) und sind aus der hessischen Grube Messel und dem sachsenanhaltinischen Geiseltal nachgewiesen.
Die Amiidae sind langgestreckte, im Querschnitt fast runde Raubfische. Die Rückflosse des heutigen Kahlhechts und einiger fossiler Formen ist lang, nimmt mehr als die Hälfte der Körperlänge ein und ist das Hauptantriebsorgan. Es gab jedoch auch zahlreiche Gattungen mit kurzer Rückenflosse.
Die Amiidae zeigen ein Muster von urtümlichen und fortschrittlichen Merkmalen. So ist ihre Schwanzflosse kurz und äußerlich fast symmetrisch und abgerundet oder gegabelt, das Schwanzflossenskelett aber heterocerk. Die Neuralbögen der Schwanzwirbel sind nicht zu Uroneuralia umgewandelt. Die Anzahl der Urodermalia liegt bei zwei oder weniger. Das Verhältnis von Flossenträgern und Hypuralia im Schwanzflossenskelett liegt etwa bei 1:1.
Im Oberkiefer findet sich nur ein einziges Supramaxillare und keine Supraoccipitale im Schädel. Das Prämaxillare ist nicht protaktil (vorstreckbar), sondern fest mit dem Schädel verbunden. Auf der unteren Seite der Kiemenregion finden sich einige Branchiostegalstrahlen. Zusätzlich wird sie durch eine große Kehl-Knochenplatte (Gularia) geschützt. Ähnlich wie fast alle Echte Knochenfische besitzen die Amiidae mit dem Symplecticum ein zusätzliches ventrales Element im Kiefergelenk. Das Gelenk für den Unterkiefer wird zusammen mit dem Quadratum gebildet, ist allerdings anders gestaltet als das der Teleostei. Auch die Wirbelanatomie ist primitiv, die Wirbelkörper niemals hinten ausgehöhlt. Die Schuppen sind ohne Ganoinschicht und nicht mehr rhombisch sondern cycloid.

Caturus furcatus (© N. Tamura)

Caturus furcatus (© N. Tamura)

Die Caturidae waren Raubfische, die Körperlängen von etwa 10 cm bis fast zwei Meter (Caturus giganteus) erreichen konnten. Die Wirbel der Caturidae hatten keine verkalkten Wirbelzentren, aber Verkalkungen in den Neuralbögen. Einige Wirbel waren diplospondyl, d.h. sie besassen zwei Wirbelzentren, jeweils eine dorsale und eine ventrale Hemicentra. Wirbel- und Hämalbögen im Bereich des Schwanzflossenstiels waren annähernd horizontal ausgerichtet. Die Hämalbögen waren breit und in der Transversalebene spatenförmig. Adulte Fische besassen einige (>2) Urodermalia.
Die Maxillare war schlank und stabförmig, die Kiefer mit scharfen, abgeflachten Zähnen besetzt. Die Branchiostegalstrahlen waren zahlreich (22 oder mehr). Das Auge wurde durch einen Knochenring und ein bis zwei Suborbitalia geschützt.
Während die Schwanzflosse der anderen Amiiformes abgerundet war, war die der Caturidae gegabelt. Im Schwanzflossenskelett waren einige Epurale vorhanden (länglichen, freistehenden Knochen) und einige Hypuralia stützten viele Flossenstrahlen. Die Afterflosse hatte 11 bis 13 unverzweigte und 14 bis 16 verzweigte Flossenstrahlen.

Vertreter der Gattung Liodesmus sind ebenfalls ausgestorbene Verwandte des Kahlhechts. Sie kamen im Oberjura in europäischen Meeren vor. Fossilien der Gattung wurden im Solnhofener Plattenkalk gefunden sind aber selten.
Liodesmus wurde etwa 12 cm lang und blieb damit wesentlich kleiner als andere Bogenflosser. Ihr Körper war langgestreckt, die dreieckige Rückenflosse lag knapp hinter der Körpermitte. Die Bauchflossen waren klein und begannen leicht vor der Rückenflosse. Die Afterflosse war klein und spitz und begann am Ende der Rückenflosse. Die Bauchflossen waren kleiner als die Afterflosse. Die Schwanzflosse war eingebuchtet und leicht heterocerk, der obere Lobus etwas vergrößert und beschuppt. Der Kopf war kurz und dicker als der Rumpf, die Kiefer waren mit kleinen, spitzen Zähnen bestückt. Der Unterkiefer bog sich an seiner Spitze leicht nach oben.

Die Sinamiidae lebten in der Unterkreide in ostasiatischen Süßgewässern. Fossilien wurden in China, Japan, Thailand und im südsibirischen, russischen Oblast Kemerowo gefunden. Bisher wurden drei Gattungen beschrieben: Ikechaoamia, Sinamia und Siamamia.
Die Sinamiidae sind den europäischen und nordamerikanischen Amiidae sehr ähnlich und waren mittelgroße, langgestreckte, schlanke Raubfische. Der Körper war mit kräftigen Ganoidschuppen bedeckt. Die Augen waren groß, die Maulspalte tief. Beide Kiefer waren bezahnt.
Das Scheitelbein war einzeln. Die Extrascapulare (ein Schädelknochen) lagen paarig vor, mit einem zusätzlichen mittleren Knochen. Die Wirbelzentren sind vollständig verknöchert. Diplospondyle Wirbel, das heißt Wirbel mit zwei Wirbelzentren, gab es nicht. Wirbelkörper besaßen eine variable Anzahl (meist zwei) von seitlichen Fortsätzen. Die Parapophysen, Fortsätze auf der Unterseite von Wirbeln, waren nicht mit den Wirbelzentren zusammengewachsen. Die Anzahl der Supraneuralia (Neuralfortsätze) war klein (5 bis 14).
Die Afterflosse hatte etwa zehn Flossenträger (Radialia) und acht bis elf Flossenstrahlen. Die Schwanzflosse war abgerundet. Im Schwanzflossenskelett finden sich ein bis drei Uroneuralia, die aus abgetrennten Neuralbögen der Wirbelkörper entstanden und nur wenige Epuralia (längliche, freistehende Knochen). Die Anzahl der Urodermalia lag bei zwei oder weniger. Das Verhältnis von Flossenträgern und Hypuralia im Schwanzflossenskelett lag etwa bei 1:1.

Furo longimanus (© N. Tamura)

Furo longimanus (© N. Tamura)

Die Ionoscopiformes lebten vom Unterjura bis zur Oberkreide.
Die Ionoscopiformes besaßen einen V-förmigen Rostralknochen, der seitlich hornartig auslief. Ein spezieller Hautknochen („dermosphenotic bone“), der auf der Kopfoberseite hinter den Augenhöhlen lag, bildete einen Teil des Schädeldachs. Ein Auswuchs dieses Knochens war Teil der Augenhöhlen und enthielt eine Sinnesrinne, ebenso wie ein weiterer besonderer Knochen („supraotic bone“) auf der hinteren Mitte des Gehirnschädels, der bei ausgestorbenen Fischen aus der Unterklasse der Neuflosser auftritt. Das Scheitelbein war relativ lang, es war länger oder ebenso lang wie breit. Die Augen waren von einem Knochenkranz geschützt. Der Vorkiemendeckel war lang, schmal und halbmondförmig. Die Fische besaßen zahlreiche Neuralfortsätze (Supraneuralia).
Die Ordnung besteht aus drei Familien. Die Gattung Placidichthys wird keiner Familie zugeordnet.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen