Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

09.03.2015, Ludwig-Maximilians-Universität München
Fossilien – Älteste Krabbenlarve der Welt entdeckt
150 Millionen Jahre alt und trotzdem überraschend modern: LMU-Zoologen beschreiben die älteste bisher bekannte Krabbenlarve der Welt.
Lebende Krabbenlarven fängt man heute in jedem Planktonnetz massenhaft. Fossile Larven aber sind eine echte Rarität: Das Exemplar, das die LMU-Zoologen Joachim und Carolin Haug nun gemeinsam mit Joel Martin vom Natural History Museum of Los Angeles im Fachblatt Nature Communications vorstellen, ist erst der zweite bekannte Fund – und entpuppte sich mit einem Alter von 150 Millionen Jahren als die älteste und am besten erhaltene Krabbenlarve der Welt. Ein privater Sammler entdeckte das Fossil in den berühmten Solnhofener Plattenkalken des Fränkischen Jura. „Erstaunlicherweise hat die Larve schon eine sehr moderne Morphologie und ist äußerlich von vielen heutigen Krabbenlarven kaum zu unterscheiden“, sagt Joachim Haug.
Echte Krabben (Brachyura) durchlaufen während ihrer Entwicklung zwei spezialisierte Larvenformen, die planktonischen Zoea-Stadien und die sogenannte Megalopa, wie die neu entdeckte Larve eine ist. Die Megalopa bildet eine Übergangsform zwischen den Zoea-Stadien und den bodenlebenden älteren Krabben. „Jedes Entwicklungsstadium besetzt eine eigene ökologische Nische, was vermutlich dazu beiträgt, dass diese Krabben eine hoch erfolgreiche und sehr artenreiche Tiergruppe sind. Unser Exemplar ist die einzige bekannte versteinerte Megalopa der Welt und ermöglicht ganz neue Einblicke in die Evolution der Krabben“, erzählt Haug.
Unabhängige Evolution von Larven und adulten Tieren
Die ersten Vertreter der Echten Krabben erschienen in der Jurazeit vor rund 180 Millionen Jahren. Ihre Aufspaltung in zahlreiche spezialisierte Arten begann in der Kreidezeit vor etwa 100 Millionen Jahren, wobei vor etwa 50 Millionen Jahren die Artenvielfalt noch einmal signifikant zunahm. Trotz ihres vergleichsweise späten Starts entwickelte sich die Gruppe also morphologisch und ökologisch rasch weiter. Über die frühe Evolution der Krabben ist bisher aber nur wenig bekannt. „Die frühen Formen erwachsener Krabben sind noch wenig spezialisiert und sehr urtümlich“, sagt Haug, „die fossile Larve dagegen könnte problemlos in eine der heutigen Krabbengruppen eingereiht werden. Schwanzfächer, Beine, Augen und Schild etwa sehen schon weitgehend so aus wie bei vielen heutigen Arten“. Dieses Erscheinungsbild deutet darauf hin, dass die Larve als kleiner Räuber und Aasfresser auch bereits dieselbe ökologische Nische wie heutige Megalopae besetzte. Deren modern anmutende Morphologie ist demnach ein uraltes Erfolgsrezept.
Aus der Diskrepanz zwischen der urtümlichen Erscheinung der erwachsenen Tiere und der modernen Erscheinung der Larven schließen die Wissenschaftler, dass die Evolution der Krabbenlarven und der erwachsenen Krabben unabhängig voneinander ablief: Während die Larven sich schon früh spezialisierten, verharrten die erwachsenen Tiere noch in ihren ursprünglichen Formen – in diesem Fall haben die Kinder also den Eltern etwas voraus.
Publikation:
A 150-million-year-old crab larva and its implications for the early rise of brachyuran crabs
Joachim T. Haug, Joel W. Martin & Carolin Haug
Nature Communications 2015
DOI: 10.1038/ncomms7417

10.03.2015, NABU
Gelungenes Comeback – Dem Wolf eine Chance geben – Tschimpke: Kompetenzzentrum Wolf einrichten
Der Wolf ist zurück in Deutschland. Vor 15 Jahren kamen in Sachsen die ersten Wolfswelpen zur Welt, deren Eltern aus Osteuropa eingewandert waren. Aktuell gibt es bundesweit 35 Wolfsfamilien (31 Rudel und vier Paare) in den Ländern Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Über 150 Jahre nach seiner Ausrottung hat der Wolf in Deutschland selbstständig wieder eine Heimat gefunden.
„Wir sprechen beim Wolf über eine gelungene Rückkehr aus eigenem Antrieb. Er ist wieder da und es werden mehr Tiere. Ein Beleg dafür, was Schutzmaßnahmen wie das Jagdverbot und eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz erreichen können. Im Jahr 15 der Rückkehr des Wolfes geht es nun darum, das Zusammenleben von Mensch und Wolf so zu gestalten, dass eine Nachbarschaft auf Dauer möglich wird. Der NABU nimmt die berechtigten Sorgen der Menschen in den Wolfsgebieten seit Langem sehr ernst, indem er sachlich informiert und mit allen Betroffenen Gespräche führt. Für Panikmache und Hysterie gibt es aber keinen Anlass, denn die auftretenden Konflikte sind lösbar. Wir müssen dem Wolf eine Chance geben und gleichzeitig den Umgang mit Wildtieren wieder lernen“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Der Wolf genießt in Deutschland seit der Wiedervereinigung und in Europa seit 1992 den höchsten Schutzstatus.
Der NABU spricht sich für die Einrichtung eines bundesweiten Kompetenzzentrums Wolf aus. „Wir brauchen eine Koordinierungsstelle, in der Erfahrungen und Daten, die bundesweit im Wolfsmanagement gemacht oder erhoben werden, gebündelt, analysiert und zentral zur Verfügung gestellt werden. Dazu gehören die Bereiche Monitoring, Öffentlichkeitsarbeit, Herdenschutz und Grundlagen- sowie Ursachenforschung für nicht natürliche Todesfälle bei Wölfen“, so Tschimpke weiter. Solch eine Stelle ermögliche den Überblick über die aktuelle Situation sowie den Erfahrungsaustausch zwischen Bundesländern über den Umgang mit dem Wildtier. Vorreiter eines vorbildlichen Wolfsmanagements sei derzeit Sachsen.
Illegale Wolfstötungen stellen nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen für Wölfe dar. Solche Straftaten müssen von spezialisierten Kriminalisten verfolgt werden. Nach dem Vorbild Sachsens und Brandenburgs oder verschiedener europäischer Länder sollte in jedem Bundesland eine Stabsstelle für Artenschutzkriminalität existieren. Auch müssten Schutzmaßnahmen für Nutztiere gefördert werden, damit Konflikte zwischen Wölfen und Nutztierhaltern auf ein Minimum reduziert werden. Unter diesen Voraussetzungen und einhergehend mit einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit, wie sie durch den NABU bundesweit betrieben wird, stehen die Chancen für ein konflitkarmes Miteinander von Mensch und Wolf im Jahr 2030 günstig.
Zu den Berichten über Wolfssichtungen in der Nähe von Wohngebieten erläutert NABU-Wolfsexperte Markus Bathen: „Wölfe brauchen keine Wildnis und leben mit uns in der Kulturlandschaft. Daher ist eine Wolfs-Sichtung in der Nähe von Siedlungen an sich nichts Ungewöhnliches. Insbesondere Jungtiere sind häufig neugieriger und unbedarfter als die erwachsenen Wölfe. Hierbei gilt: Von gesunden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr aus. Jedoch kann es durch äußere Einflüsse vorkommen, dass sich das Verhalten eines Wolfes so verändert, dass es notwendig wird, seine Scheu zu reaktivieren.“ Schon seit 2007 liegt ein Leitfaden des Bundesamtes für Naturschutz für den Umgang mit auffälligen Wölfen vor. Bathen: „Entscheidend ist, im Einzelfall die angemessene Maßnahme auszuwählen.“
Mit Blick auf seine vor zehn Jahren gestartete Kampagne „Willkommen Wolf!“ zog der NABU eine positive Bilanz seiner Arbeit: Inzwischen ist ein Netzwerk von über 500 NABU-Wolfsbotschaftern etabliert, die lokal über das Wildtier Wolf informieren. Mehr als 85.000 Wolfsfans erreicht der NABU über soziale Netzwerke, über 2.000 Wolfspaten fördern die Wolfsprojekte des NABU. Die Forschung zu frei lebenden Wölfen hat in den vergangenen 30 Jahren viele neue Erkenntnisse zu Tage gebracht, die der NABU nun weitergibt. So weiß man heute beispielsweise, dass es in europäischen frei lebenden Wolfsrudeln keine Alpha- und Omega-Tiere gibt. Dieses Phänomen tritt nur in Tiergehegen auf, in denen die Wölfe auch nach Erreichen der Geschlechtsreife im Rudel bleiben müssen, statt abzuwandern.
Thomas Steg, Generalbevollmächtigter und Leiter Außen- und Regierungsbeziehungen Volkswagen: „Als Wolfsburger haben wir natürlich ein Herz für Wölfe, aber auch genug Verstand, unser Engagement für den Artenschutz nicht mit purer Wolfsromantik zu verwechseln. Die Rückkehr der Wölfe in unser dicht besiedeltes Land erfordert ein umfassendes Wolfsmanagement, das die berechtigten Schutz- und Sicherheitsbedürfnisse aller – vor allem auch der Nutztierhalter – berücksichtigt.“
Die Volkswagen AG unterstützt das NABU-Projekt „Willkommen Wolf!“ seit 2005. Vom 24. bis 26. September wird in Wolfsburg eine Wolfstagung mit internationalen Experten stattfinden. Die Volkswagen AG ist auch Partner des NABU-Journalisten-Preises „Klartext für Wölfe“. Prämiert werden journalistische Arbeiten, die von Mai 2015 bis April 2016 veröffentlicht werden.
Ab sofort gibt es jeden Mittwoch unter www.NABU.de interessante Fakten und Geschichten rund um den Wolf, am 30. April ruft der NABU mit vielen regionalen Info-Aktionen zum „Tag des Wolfes“ auf.

11.03.2015, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Neue Rote Liste der Brutvögel Mecklenburg-Vorpommerns erschienen
Bei der aktuell veröffentlichten Roten Liste der Brutvögel Mecklenburg-Vorpommerns handelt es sich nach den Fassungen aus den Jahren 1992 und 2003 um die 3. Fassung einer Roten Liste für diese Artengruppe. Sie basiert im Wesentlichen auf den Ergebnissen der Kartierungen zum Atlas Deutscher Brutvogelarten.
Von den in der Liste der Brutvögel Mecklenburg-Vorpommerns geführten 229 Vogelarten wurden 212 Arten einer Bewertung zugeführt. Bei den übrigen nicht bewerteten Arten handelt es sich entweder um Neozoen oder um nicht regelmäßig brütende Vermehrungsgäste. Von den bewerteten 212 Arten konnten 105 Arten (49,5 %) als ungefährdet eingestuft werden. 88 Arten (41,5) wurden verschiedenen Kategorien der Roten Liste sowie weitere 19 Arten (9 %) der Vorwarnliste zugeordnet.
Im Vergleich mit der 2. Fassung der Roten Liste aus dem Jahre 2003 wurden 64 Brutvogelarten (30,2 %) in eine andere Kategorie eingestuft. Die Kategorieänderungen betrafen 27 Arten mit positiveren Einschätzungen (Beispiele: Gebirgsstelze, Kleines Sumpfhuhn, Uhu, Wanderfalke) und 37 Arten mit negativeren Einschätzungen (Beispiele: Bekassine, Feldlerche, Feldschwirl, Haubenlerche, Waldschnepfe, Wiesenpieper). Bei 137 Arten gab es keine Änderungen der Einstufungen, für 11 Arten konnte die veränderte Einstufung keinem Trend zugeordnet werden. Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass Vergleiche der Listen aufgrund einer inzwischen weiterentwickelten Methodik grundsätzlich nur mit Einschränkungen vorgenommen werden können. Die Ursachen für Bestandsveränderungen sind in der Regel komplexer Natur und sie können sowohl in den Brutgebieten, wie auch auf dem Zug bzw. in den Überwinterungsgebieten wirken.
Die Rote Liste der Brutvögel Mecklenburg-Vorpommerns kann über die Internetseite des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern bestellt oder auch als pdf-Datei direkt abgerufen werden.

11.03.2015, Philipps-Universität Marburg
Vogelgrippe: Wirtswechsel mit kleinstmöglichem Aufwand
Der Eindringling bleibt unerkannt: Ein einziger ausgetauschter Proteinbaustein reicht aus, damit das Vogelgrippevirus neue Wirte befallen kann. Das berichten Virologinnen und Virologen um Professor Dr. Friedemann Weber von der Philipps-Universität in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Cell Host & Microbe“, die am 11. März erscheint. Das Team fand heraus, dass die Abwehr der Säugerzellen keinen Angriffspunkt an Virenproteinen findet, die leicht abgewandelt sind.
„Das Influenza-A-Virus führt weltweit immer wieder zu Grippeausbrüchen, indem es sich aus einem anscheinend unbegrenzten Vorrat neuer Varianten bei Geflügel erneuert“, erläutert der Marburger Hochschullehrer Friedemann Weber, Mitverfasser der Studie. Wie schafft es das Vogelgrippevirus, auf Säugetiere überzuspringen? Der Antwort auf diese Frage sind die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jetzt ein Stück näher gekommen. Sie untersuchten, wie das Virus mit einem Molekül der Wirtszelle interagiert, das für die Abwehr einer Infektion verantwortlich ist.
Das Enzym RIG-I sorgt in der Zelle von Säugetieren dafür, dass das Erbmaterial von eingedrungenen Viren erkannt wird. „Unsere neuen Daten zeigen, dass schon die Bindung von RIG-I an das Virus dessen Vermehrung hemmen kann“, erklärt Weber.
Hühnern fehlt das Abwehrenzym RIG-I. Damit Grippeerreger von ihnen auf Säugetiere überspringen können, muss das Virus mit RIG-I zurande kommen, das im neuen Wirt vorliegt. Die Autorinnen und Autoren zeigen, dass hierbei das Virus-Enzym Polymerase von Bedeutung ist. Vogelgrippeviren unterscheiden sich in einem einzigen Baustein ihrer Polymerase von Viren, die sich in Säugern vermehren können – an Position 627 befindet sich Glutaminsäure statt Lysin.
Hängt dieser Austausch mit dem Abwehrenzym RIG-I zusammen? Das Team infizierte Zellen mit Viren verschiedenen Typs und maß die Aktivität von RIG-I. Das Ergebnis: RIG-I reagiert auf Vogelgrippeviren viel stärker als auf Grippeviren, deren Polymerase an den Säugerorganismus angepasst ist. Offenbar bewirkt die Mutation von Glutaminsäure zu Lysin, dass die Polymerase das virale Erbmaterial besser abschirmt, so dass dieses nicht für einen Angriff durch RIG-I zugänglich ist. „Unsere Befunde weisen darauf hin, dass diese Mutation eine Gegenstrategie ist, um das virale Erbmaterial vor RIG-I zu verstecken“, fasst Weber zusammen. Die Ergebnisse lassen sich möglicherweise dereinst nutzen, um neuartige Wirkstoffe gegen Virusinfektionen zu entwickeln, hoffen die Autoren.
An der Veröffentlichung sind neben Weber und seinen Mitarbeiterinnen auch die Arbeitsgruppen von Professor Dr. Hans-Dieter Klenk aus der Virologie und von Professor Dr. Ralf Jacob aus der Zellbiologie der Philipps-Universität sowie weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Bonn sowie der „Icahn School of Medicine at Mount Sinai” in New York beteiligt. Die Arbeit der beteiligten Forscherinnen und Forscher wurde unter anderem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die „Leibniz Graduate School EIDIS“ der Leibniz-Gemeinschaft, die Europäische Kommission, das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) und das Bundesforschungsministerium finanziell gefördert.
Originalveröffentlichung: Michaela Weber & al.: Influenza virus adaptation PB2-627K modulates nucleocapsid inhibition by the pathogen sensor RIG-I, Cell host & microbe 2015, DOI: 10.1016/j.chom.2015.01.005

11.03.2015, Veterinärmedizinische Universität Wien
Sakerfalken nehmen Nisthilfen auf Strommasten gut an
BirdLife, die Austrian Power Grid AG (APG) und die Vetmeduni Vienna betreiben seit Jahren ein Sakerfalken-Artenschutzprojekt. Im Rahmen des Projekts werden Nisthilfen auf Strommasten im Burgenland und in Niederösterreich montiert. Die Brutplätze scheinen sehr beliebt zu sein. 2014 wurde ein neues Rekordjahr: 31 Sakerfalken-Brutpaare brachten es auf 47 Jungvögel. Und die neue Brutsaison 2015 hat bereits begonnen. Die bedrohte Vogelart ist in Österreich wieder heimisch.
Mitte der 1970er-Jahre galt der Sakerfalke in Österreich beinahe als ausgestorben. Mittlerweile konnte durch ein Artenschutzprojekt der Bestand auf gutem Niveau stabilisiert werden. Als ursprünglicher Steppenvogel ist dieser Großfalke auf weite und nahrungsreiche Ebenen angewiesen. Erschwerend für die Reproduktion: Sakerfalken bauen selbst keinen Horst, sondern nutzen verlassene Nester anderer Arten mit Überblick auf die Umgebung. Aufwind für die positive Entwicklung der heimischen Sakerfalken-Population hat in den letzten Jahren vor allem die Montage künstlicher Nisthilfen auf Starkstrommasten gebracht.
Die ersten Nisthilfen wurden bereits 2007 montiert. Das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna und BirdLife Österreich führen gemeinsam seit 2010 eine Brutzeiterhebung des Sakerfalken durch. Unterstützt wird das Projekt von der Austrian Power Grid AG (APG), die das Projekt nicht nur finanziert, sondern auch die Montage der Nisthilfen auf ihrem Leitungsnetz ermöglicht.
Im Rahmen des Artenschutzprojekts Sakerfalke werden Nisthilfen auf APG-Stromleitungen im Burgenland und in Niederösterreich montiert. Und die Strommasten scheinen als Brutplätze sehr beliebt zu sein. „Mit Nisthilfen auf den durchschnittlich 50 Meter hohen Leitungsmasten bieten wir der seltenen Falkenart eine sichere Alternative zu ihren natürlichen Brutplätzen“, erklärt Dr. Richard Zink vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna und wissenschaftlicher Leiter des Nisthilfenprogramms den Erfolg der künstlich geschaffenen Brutplätze. „In den Nisthilfen war der Bruterfolg auch im Jahr 2014 wieder erfreulich – fast jeder zweite österreichische Jungfalke flog aus einer der Nisthilfen im APG-Leitungsnetz aus“, so Zink. Horste auf Hochspannungsmasten waren sogar die beliebtesten Brutplätze der seltenen Greifvögel. 14 der 31 gezählten Brutpaare legten ihre Eier in den APG-Nisthilfen ab.
Das erfolgreiche Projekt soll daher fortgeführt werden. Die APG will weiterhin, wo immer dies sinnvoll und möglich ist, Strommasten mit den beliebten Nistplätzen ausstatten. „Es ist uns ein großes Anliegen, unsere Anlagen mit Rücksicht auf Naturräume zu planen und zu bewirtschaften. Es freut uns ganz besonders, wenn wir mit der Montage weiterer Nisthilfen unseren Beitrag zur Förderung des weltweit bedrohten Sakerfalken leisten können“, meint Sven Aberle, APG-Experte im Bereich des ökologischen Trassenmanagement. „Im Rahmen unseres ökologischen Trassenmanagement untersuchen wir laufend neue Möglichkeiten, den Lebensraum bedrohter Tier- und Pflanzenarten positiv zu beeinflussen. Gemeinsam mit unseren Partnern BirdLife und der Vetmeduni Vienna haben wir noch das eine oder andere neue Schutzprojekt in der Pipeline.“
„Die Entwicklung des Sakerfalken-Bestands in Österreich stimmt uns sehr positiv“, lässt Gábor Wichmann, stellvertretender Geschäftsführer von BirdLife Österreich wissen. „Um dauerhaft erfolgreich zu sein, müssen Artenschutzprojekte nachhaltig angelegt werden. Das Nisthilfen-Projekt als wesentlicher Teil eines in Kooperation mit der APG und der Vetmeduni Vienna ist ein gutes Beispiel für eine langfristig erfolgversprechende Zusammenarbeit, die eine win-win-Situation für alle Partner bedeutet.“

11.03.2015, Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV)
Auszeichnung für NABU-Rotmilanprojekt
Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser zeichnet das Rotmilanprojekt der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe im Vogelsberg als Projekt der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ aus. Diese Ehrung wird an Projekte verliehen, die sich in nachahmenswerter Weise für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen. „Der Schutz von Tieren und Pflanzen, ihren Lebensräumen und der genetischen Vielfalt ist eine wichtige Zukunftsaufgabe. Das Rotmilanprojekt der NABU-Stiftung im Vogelsberg leistet einen wertvollen Beitrag zur dauerhaften Sicherung des typisch hessischen Greifvogels“, erklärte die Staatssekretärin. Die UN-Auszeichnung trage dazu bei, die Bedeutung der heimischen Artenvielfalt stärker ins Bewusstsein zu rücken. Der Vorsitzende der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe, Hartmut Mai, freute sich über die Ehrung: „Die Urkunde der UN-Dekade zeigt, wie wichtig der Schutz des roten Greifen ist. Mit dem Rotmilanprojekt möchten wir erproben, wie man ihm am besten helfen kann.“
Projektleiter Maik Sommerhage, der sich seit 2013 um den Schutz des Rotmilans im Vogelsberg kümmert, bezeichnete die Verbesserung des Brut- und Nahrungsangebotes sowie die Verringerung von Konflikten mit dem Ausbau erneuerbarer Energien als zentrale Ziele der fünfjährigen NABU-Aktion. Die ersten Ergebnisse stimmten ihn hoffnungsvoll: „Bislang konnte die NABU-Stiftung bereits 100 Hektar Schutzgebiete im Vogelsberg ankaufen und somit dauerhaft sichern. Weitere rund 300 Hektar werden von örtlichen Landwirten Rotmilan-optimiert bewirtschaftet.“ Damit stünden dem Rotmilan im Projektgebiet während der Brutzeit dauerhaft gute Nahrungsquellen zur Verfügung.
Es zeige sich, so Sommerhage, dass die untersuchten Rotmilane ihre Raumnutzung änderten und bevorzugt die optimierten Nahrungsbiotope anflögen. Eine gezielte Verbesserung des Nahrungsangebots an Ausweichstellen könne demnach standörtliche Konflikte beim Ausbau der Windenergie verringern. Für die Zukunft sei die Besenderung von fünf Rotmilanen vorgesehen, um weitere Aufschlüsse über ihre Fluggewohnheiten zu erhalten.
Hintergrund: Rotmilanprojekt „Mäuse für den Milan“
Mehr als die Hälfte vom Weltbestand des Rotmilans brütet in Deutschland. Der Vogelsberg, der das größte hessische EU-Vogelschutzgebiet mit fast 64.000 Hektar beherbergt, gehört zu den Gebieten mit den höchsten Siedlungsdichten des roten Greifen. Deshalb trägt Hessen eine besondere Verantwortung für den Schutz des Rotmilans. Das Mittelgebirge ist aber auch die am stärksten mit Windrädern bebaute Region des Bundeslandes.
Im Rahmen des Rotmilan-Projektes „Mäuse für den Milan“ der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe im Vogelsberg sollen geeignete Wiesen- und Waldgebiete dauerhaft geschützt und die Bewirtschaftung auf weiteren landwirtschaftlichen Flächen für den Rotmilan optimiert werden. Ziel der Hilfsaktion, die 2013 startete und bis mindestens 2017 läuft, ist es zudem, Konflikte mit dem Ausbau erneuerbarer Energien zu minimieren. Die NABU-Stiftung möchte herausfinden, welche Maßnahmen einen wirkungsvollen Schutz des Roten in seinem Brut- und Nahrungsgebiet sicherstellen können. Dazu untersuchen NABU-Ornithologen jährlich die Siedlungsdichte und den Bruterfolg des Rotmilans in einem Gebiet mit einer Größe von 470 Quadratkilometern.
Eine wichtige Schutzmaßnahme ist das Anlegen von „Milanfenstern“ auf Äckern der Vogelsbergregion. Dabei werden durch das Aussetzen von Sämaschinen freiflächenartige Strukturen u. a. in Raps- und Maisfeldern geschaffen, die die Nahrungsgrundlage für den Rotmilan in der Butt- und Aufzuchtzeit der Jungen verbessern. Auf den freien Flächen kann er leichter nach Mäusen und anderen Beutetieren jagen. Zudem sollen auf Mähwiesen die Mähtermine so gewählt werden, dass durch eine Staffelmahd dauerhaft frisch gemähte Wiesen zur Verfügung stehen. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit mit Landwirten aus dem Vogelsberg vorgesehen. Futterplätze, an denen Fallwild ausgelegt wird, sind ein weiterer Baustein zur Verbesserung des Nahrungsangebotes. Im Zuge des Projekts werden zudem ehrenamtlich tätige Naturfreundinnen und Naturfreunde zu Rotmilanhorst-Betreuern ernannt und dafür geschult.
Hintergrund: UN-Dekade Biologische Vielfalt
Die Vereinten Nationen haben das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen. Die Dekade soll die Umsetzung des UN-Übereinkommens von 1992 unterstützen. Ziel ist es, den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Dazu soll auch das gesellschaftliche Bewusstsein gefördert werden. Genau hier setzt die deutsche UN-Dekade an: Sie möchte mehr Menschen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt, unserer natürlichen Lebensgrundlage, gewinnen. Ein Schwerpunkt ist daher die Auszeichnung von vorbildlichen Projekten. Die Mitwirkenden setzen sich für die biologische Vielfalt ein, indem sie sie schützen, nachhaltig nutzen oder ihren Wert vermitteln.
Biologische Vielfalt ist alles, was zur Vielfalt der belebten Natur beiträgt: Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen, ihre Wechselwirkungen untereinander und zur Umwelt sowie die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Lebensräume. Die natürliche Vielfalt zu schützen, bedeutet nicht nur, die Schönheit der Natur zu bewahren. Es bedeutet auch, die Grundlagen des Überlebens von uns allen zu sichern.
Die Auszeichnung dient als Qualitätssiegel und macht den Beteiligten bewusst, dass ihr Einsatz für die lebendige Vielfalt Teil einer weltweiten Strategie ist. Möglichst viele Menschen sollen sich von diesen vorbildlichen Aktivitäten begeistern lassen und die ausgezeichneten Projekte als Beispiel zu nehmen, selbst im Naturschutz aktiv zu werden. Weitere Informationen zur UN-Dekade finden sich im Internet unter www.un-dekade-biologische-vielfalt.de

12.03.2015, Bundesamt für Naturschutz
Klimawandel: Schutzmaßnahmen für Hochrisiko-Arten erforderlich
Der Klimawandel beeinflusst Fauna und Flora. Für viele Arten macht er Anpassungen an veränderte Umweltbedingungen notwendig. Aber nicht jede Art wird sich tatsächlich anpassen können.
Deshalb gehen Wissenschaftler davon aus, dass in den nächsten Jahrzehnten mit einem deutlichen Verlust einheimischer Arten in Deutschland zu rechnen ist. Schätzungen zufolge wird der Verlust zwischen fünf und 30 Prozent betragen.
„Damit wir effektive Maßnahmen zur Verminderung negativer Folgen des Klimawandels auf die biologische Vielfalt planen und durchführen können, müssen wir die Anpassungskapazität einer Art verlässlich abschätzen können. Das heißt, wir müssen wissen, ob und auf welche Weise eine Art auf die Veränderungen reagieren kann“, erklärte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Eine vom BfN finanzierte Studie unter Leitung der Universität Greifswald (Arbeitsgruppe Prof. Dr. Gerald Kerth) nahm deshalb 50 ausgewählte Hochrisiko-Arten und damit naturschutzfachlich wichtige Tierarten in den Fokus, denen eine Gefährdung durch den Klimawandel attestiert worden war.
Veröffentlicht wurde die Studie jetzt unter dem Titel „Anpassungskapazität naturschutzfachlich wichtiger Tierarten“ als 139. Band der Reihe „Naturschutz und Biologische Vielfalt“.
Viele der 50 untersuchten Arten reagieren sensibel auf die direkten und indirekten Folgen des Klimawandels. Ihre Fähigkeit zur Anpassung Anpassungskapazität) ist oft eingeschränkt, so dass die meisten von ihnen ein sehr hohes Aussterbe-Risiko in Deutschland aufweisen. So bedrohen direkte Temperatureinflüsse besonders kaltwasserliebende Fisch- und Krebsarten wie Äsche und Edelkrebs. Die Austrocknung ihrer zumeist an feuchte Bedingungen gebundenen Lebensräume ist für fast alle untersuchten Arten ein Problem. Stellvertretend stehen hier Gelbbauchunke, Zwerglibelle und Schwarzer Grubenlaufkäfer. Da sich viele Insektenarten von einer oder nur wenigen Pflanzenarten ernähren, leiden diese besonders unter den negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Raupenpflanzen.
Betroffen sind vor allem Schmetterlinge wie der Blauschillernde Feuerfalter. Neben der eingeschränkten Anpassungsfähigkeit besitzen die meisten der untersuchten Arten auch nur eine geringe Ausbreitungsfähigkeit. Besonders viele Hochrisiko-Arten leben in Mooren, Quellen, feuchtem Grünland und Fließgewässern. Viele sind zudem auf strukturreiche, alte Laubwälder mit einem hohen Anteil an Totholz angewiesen.
„Um die Auswirkungen des Klimawandels auf die biologische Vielfalt deutlich zu reduzieren, müssen die typischen Lebensräume von Hochrisiko-Arten, insbesondere Feuchthabitate und Laubwälder, optimiert werden. Nur so können die Tierarten vor Ort den zusätzlichen Stress in Folge des Klimawandels besser tolerieren“, sagte BfN-Präsidentin Jessel.
Bei der Optimierung von Lebensräumen sind Maßnahmen besonders wichtig, die den Wasserhaushalt verbessern und den Strukturreichtum fördern. „Wesentlich ist auch der Aufbau eines funktionierenden Biotopverbunds, der sowohl groß- als auch kleinräumig wirksam ist, um Arten die Ausbreitung und damit Anpassung zu ermöglichen“, forderte die BfN-Präsidentin.
Hintergrund: Im Rahmen der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt hat sich Deutschland zum Ziel gesetzt, die Auswirkungen des Klimawandels auf die biologische Vielfalt abzupuffern bzw. zu minimieren. Die „Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ formuliert als Ziele, die „Verwundbarkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels“ abzumindern und die Anpassungsfähigkeit natürlicher Systeme zu erhalten oder zu steigern.
Die Auswirkungen des Klimawandels auf einzelne Arten sind allerdings sehr schwer prognostizierbar. Denn Arten besitzen sehr unterschiedliche Anpassungskapazitäten und antworten dementsprechend auf sehr unterschiedliche Art und Weise auf den Klimawandel – durch direkte Reaktionen, beispielsweise kurzfristige physiologische Reaktionen mit Änderung der Hitzetoleranz, durch genetische Anpassung oder durch die Verlagerung von Verbreitungsgebieten. Sind Arten nicht in der Lage, sich auf diese Weise anzupassen, ist deren Aussterben sehr wahrscheinlich.

12.03.2015, Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (MUGV)
Landesbetrieb Forst und NABU bereiten gemeinsam das Nest: Nisthilfen für Fischadler im Wald
Der Landesbetrieb Forst Brandenburg unterstützt gemeinsam mit dem NABU den Schutz der Fischadler im Wald. Konkret geht es um die Errichtung von 4 Nisthilfen auf Altbäumen für Fischadlerbrutpaare im Landeswaldrevier Alt Buchhorst. Dort werden Unterstützungsmaßnahmen in die laufende Waldbewirtschaftung integriert. Am kommenden Dienstag (17. März) werden die Nisthilfen mit Hilfe eines Spezialisten in luftiger Höhe installiert. Dann bleibt abzuwarten, wann das Angebot von den Vögeln angenommen wird und ob die Nisthilfen bereits in dieser Brutsaison besetzt werden.
Das Ansiedlungsprojekt ist ein Beispiel dafür, wie forstliche Waldbewirtschaftung und Artenschutz auf einer Fläche stattfinden und einen gemeinsamen Beitrag zur nachhaltigen Ansiedlung der Fischadler in einem Gebiet leisten können. Es ist zugleich ein praktisches Beispiel für die Umsetzung der Waldnaturschutzkonzeption des Landesbetriebes Forst Brandenburg und die enge Zusammenarbeit des Forstbetriebs mit dem ehrenamtlichen Naturschutz vor Ort.
In Brandenburg brüten 340 Brutpaare (Stand 2014) des Fischadlers. Das ist somit das größte Vorkommen dieser Vögel in Deutschland. Experten gehen davon aus, dass es noch mehr Brutpaare geben würde, wenn ein genügendes Angebot an geeigneten Nistplätzen vorhanden wäre. Die Tiere stellen höhe Anforderungen an ihre unmittelbare Umgebung. Eigentlich sind Fischadler in Mitteleuropa Baumbrüter, im Osten Deutschlands aber inzwischen oft auch auf Strommasten anzutreffen.

13.03.2015, Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg
Was das menschliche Gehör mit dem von Eulen und Echsen gemeinsam hat
Von Ohren ausgesandter Schall: Oldenburger Forscher veröffentlichen Studie in internationalem Fachjournal
Die meisten von uns ahnen nicht, dass die menschlichen Ohren – und diejenigen vieler Tiere – nicht nur hören, sondern auch selbst Schall aussenden können. Diese unhörbaren Töne, sogenannte otoakustische Emissionen, erzeugt das Ohr entweder ohne äußere Einwirkung oder aufgrund gezielter akustischer Reize. Dass sich die Emissionen bei Menschen, Vögeln und Echsen ungeachtet der sehr unterschiedlichen Innenohren verblüffend ähneln, hat ein Forscherteam um die Oldenburger Neurobiologin und Hörforscherin Prof. Dr. Christine Köppl und den kanadischen Physiker Prof. Dr. Christopher Bergevin (York University, Toronto) herausgefunden. Gemeinsam mit dem Zoologen Prof. Dr. Geoffrey A. Manley, Gastwissenschaftler an der Universität Oldenburg, publizierten die beiden ihre Erkenntnisse nun in dem renommierten US-Journal PNAS („Proceedings of the National Academy of Sciences“).
Otoakustische Emissionen als solche sind seit Ende der 1970er-Jahre bekannt, aber ihre Entstehung blieb bislang rätselhaft. Die neue Studie verglich nun die Emissionen menschlicher Ohren im Detail mit denjenigen von Schleiereulen und grünen Anolis-Echsen und legt einen über Gattungsgrenzen hinweg einheitlichen Entstehungs-Mechanismus nahe. „Die Sinneszellen im Innenohr sind das gemeinsame Element“, sagt Köppl. „Im Verlauf der Evolution hat sich daraus bei Säugetieren eine spiralförmige Cochlea entwickelt, bei Vögeln eine lange bananenförmige Innenohr-Struktur, und Echsen haben nach wie vor ein kleines Häufchen Sinneszellen – aber unterschiedliches Aussehen und Kopplung spielen offenbar für die otoakustischen Emissionen eine untergeordnete Rolle.“
Gemessen haben die Wissenschaftler die otoakustischen Emissionen der Tiere im Labor, die Daten von Menschen lagen ihnen bereits vor. Im normalen Alltag senden Ohren sehr selten selbst Schall aus, meist wird dies von den hereinkommenden Umgebungsgeräuschen quasi unterdrückt. In einer schallisolierten Kammer hingegen sind nach ungefähr zehn Minuten absoluter Ruhe entweder „spontane“ Emissionen messbar, oder sie lassen sich mittels akustischer Reize hervorrufen. Würde man diese – bei Frauen aus unbekannten Gründen etwas häufigeren – otoakustischen Emissionen verstärken, klängen sie wie ein Pfeifen und wären bei manchem sogar mehrstimmig.
Bei Säuglingen und Kleinkindern sind otoakustische Emissionen laut Köppl „sehr prominent“ und daher auch Grundlage des Neugeborenen-Hörscreenings. „Bislang ist es ein ziemlich simples Messverfahren – wenn keine Emissionen messbar sind, folgen andere Tests“, sagt Köppl. Allerdings könnte ein besseres Verständnis für otoakustische Emissionen in Zukunft auch differenziertere Diagnostik ermöglichen – womöglich sogar bis hin zu einem „objektiven Hörtest“, der ohne Feedback des Patienten auskommt.
Prof. Dr. Christine Köppl ist Expertin für Cochlea- und Hirnstamm-Physiologie des Departments für Neurowissenschaften der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften und gehört zu den leitenden ForscherInnen im Exzellenzcluster „Hearing4all“.
„Salient features of otoacustic emissions are common across tetrapod groups and suggest shared properties of generation mechanisms“, by Christopher Bergevin, Geoffrey A. Manley, and Christine Köppl, PNAS.

13.03.2015, Max-Planck-Institut für Ornithologie
Vogelkinder älterer Eltern haben weniger Nachkommen
Sich in höherem Alter fortzupflanzen kann Risiken bergen, die das eigene Leben sowie das der Kinder beeinträchtigen, wie beispielsweise eine geringere biologische Fitness der Nachkommen. Diese am Menschen und in Laborexperimenten an Tieren gewonnene Erkenntnis hat nun erstmals ein Forscherteam vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen zusammen mit Kollegen aus England und Neuseeland in einer Langzeitstudie an wildlebenden Tieren nachgewiesen. Sie fanden in einer Haussperling-Population, dass Nachkommen von alten Eltern selbst weniger Nachwuchs produzieren. Dieser generationenübergreifende Effekt ist wichtig für das Verständnis der Evolution von Langlebigkeit.
Die Fortpflanzungsfähigkeit nimmt nicht bei allen Arten mit zunehmendem Alter ab. Sie kann das ganze Leben lang konstant bleiben, wie es bei einigen Wirbellosen der Fall ist oder, wie bei manchen Reptilien, mit zunehmendem Alter sogar größer werden. In der Regel können sich beide Geschlechter in hohem Alter noch fortpflanzen, wobei das Männchen weitaus mehr Nachkommen erzeugen kann als das Weibchen. Bei einigen Säugetieren, wie uns Menschen, bleiben die männlichen Individuen länger zeugungsfähig als die weiblichen, bei denen irgendwann die Menopause beginnt. Sich in hohem Alter fortzupflanzen birgt aber Risiken, wie zum Beispiel eine höhere Kindersterblichkeit oder Chromosomenanomalien. Darüber hinaus haben die Kinder älterer Eltern selbst weniger Nachkommen oder leben kürzer, was allgemein als „Lansing-Effekt“ bezeichnet wird und außer beim Menschen bereits bei Mäusen und einigen wirbellosen Tieren im Labor gezeigt wurde, jedoch noch nie bei wildlebenden Populationen.
Julia Schroeder vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen hat nun zusammen mit Kollegen der Universität Sheffield und der neuseeländischen Universität Otago diesen Effekt in einer Population von Haussperlingen untersucht. Ihr Untersuchungsgebiet ist eine kleine Insel vor der Südwestküste Englands, auf der seit über zehn Jahren sämtliche Spatzen-Nachkommen erfasst und beringt werden. Die Forscher nahmen auch Blutproben von Eltern und Jungtieren, um die genetischen Elternschaften zu bestimmen. Auf diese Weise entstand ein einzigartiger und sehr präziser genetischer Stammbaum von über 5000 Tieren, wobei von jedem Tier das genaue Alter und die Anzahl seiner Nachkommen bekannt waren. Die Tiere bleiben ihr Leben lang auf der Insel, die nahezu unbewohnt ist und in 19 Kilometer Entfernung zum Festland liegt. In zwölf Jahren gab es nur vier Spatzen, die nicht zu den auf der Insel lebenden Alttieren zugeordnet werden konnten, und somit wahrscheinlich Einwanderer sind. Um herauszufinden, ob ein möglicher Effekt genetisch oder durch die Umwelt bedingt ist, tauschten die Forscher systematisch die Gelege zwischen den Nestern aus.
Die Analyse der Lebensdauer ergab ein eindeutiges Ergebnis. Erstens wirkte sich ein hohes Alter der Weibchen negativ auf die Fitness ihrer Töchter aus, das heißt die Töchter produzierten weniger Nachkommen. Alte Männchen wiederum produzierten Söhne, die selbst weniger Nachkommen hatten. Diesen Nachteil bekommen besonders Nachkommen aus einem Seitensprung zu spüren, da in einer früheren Studie gezeigt wurde, dass Spatzenweibchen eher mit älteren Männchen fremdgehen. Diese Strategie, sich langlebige und damit besonders überlebensfähige Männchen zur Fortpflanzung auszusuchen, erweist sich nun durch die Ergebnisse dieser Studie als nachteilig.
„Die Ergebnisse zeigen, dass die gefundenen Effekte nicht durch Umweltfaktoren zu erklären sind, sondern eher durch die Konstitution der Eltern, die sich im Laufe der Jahre durch sogenannte epigenetische Prozesse ändern kann. Dieser generationenübergreifende Alterseffekt kann die Selektion für Langlebigkeit in einer Population ändern“, sagt Julia Schroeder, Erstautorin der von der VolkswagenStiftung finanzierten Studie. „Diese Ergebnisse sind möglicherweise auch für Brutprogramme gefährdeter Arten wichtig, bei denen oft ältere Tiere aus verschiedenen Populationen verwendet werden, um eine genetische Variabilität aufrechtzuerhalten“, so die Forscherin weiter.

13.03.2015, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
Vielfalt im Wald erhalten mit Mittelwaldähnlicher Bewirtschaftung und Rotwildmanagement
Am 21. März ist der Tag des Waldes. Der Wald ist Lebens- und Wirtschaftsraum, Einkommensquelle, Naherholungsgebiet und „grüne Lunge“.
Um den Rückgang wärme- und lichtliebender Gehölze und Kräuter zu stoppen, wurden auf Modellflächen Randbäume entnommen, Waldränder abgesenkt und ergänzende Anpflanzungen vorgenommen. Das Ergebnis: Kosteneinsparung bei der Verkehrssicherung und positive Auswirkungen auf die Vielfalt im Wald.
In einem anderen Forschungsvorhaben soll untersucht werden, wie freilebendes Rotwild so in die Pflege von Offenlandbiotopen eingebunden werden kann, dass der Wildschaden im Wald gesenkt und die biologische Vielfalt erhöht wird.
Dem Rückgang bestimmter Baumarten (zum Beispiel Stiel-Eiche, Hainbuche, Feld-Ahorn, Winter-Linde) in Mitteleuropa kann durch eine neue Waldrand-Mittelwaldbewirtschaftung entgegengewirkt werden. Ein von der BLE betreutes Modell- und Demonstrationsvorhaben der Landschaftsstation im Kreis Höxter, des Regionalforstamts Hochstift sowie des Landesbetriebs Wald und Holz NRW zeigt, dass diese Bewirtschaftungsform ökonomisch und ökologisch nachhaltige Auswirkungen hat: Statt Kosten von 600 Euro pro Jahr und Kilometer für Kontroll- und Verkehrssicherungsaktivitäten zu erzeugen, wird durch die Mittelwaldähnliche Waldrandgestaltung ein Gewinn von 450 Euro pro Jahr und Kilometer Waldrand erzielt.
Zudem leistet sie einen nachhaltigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt im Wald. Die maximale Diversität, sowohl bei der Vegetation als auch im Tierbestand (Vögel, tagfliegende Schmetterlinge), ist drei bis vier Jahre nach dem Ersteinschlag erreicht. Diese Art der Waldrandgestaltung vereint zudem Energieholznutzung, lokale Verwertung und Verkehrssicherung in großräumigem Verbund.
Das Bewirtschaftungskonzept wurde als „kurzfristig umsetzbare spezielle Naturschutzmaßnahme im Wald“ in die Biodiversitätsstrategie Nordrhein-Westfalen aufgenommen und vom Bundesamt für Naturschutz als „Best-Practice – Leuchtturmprojekt“ ausgewählt.
Rotwild: Kostengünstige Alternative zu bisherigen Pflegeeingriffen
Eine Gefahr für die Waldverjüngung stellt das Rotwild dar. Es ist in Deutschland unter anderem durch eine intensive Landnutzung weitgehend zu einem heimlichen Waldbewohner geworden. Während die Tiere bei der Waldverjüngung massive Schäden anrichten können, könnte ihr Appetit auf junge Triebe im Offenland einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser Lebensräume leisten.
Um den offenen Charakter der Biotope zu erhalten und das Aufkommen von Büschen und Bäumen zu begrenzen, sind regelmäßige Pflegeeingriffe erforderlich. Diese erfolgen bisher durch technische Geräte oder durch die Beweidung mit robusten Haustierrassen. Beide Verfahren verursachen erhebliche Kosten.
Das Institut für Wildbiologie sowie die Universitäten Göttingen und Dresden untersuchen nun, welchen Beitrag freilebende Rothirsche bei der Pflege von Offenlandbiotopen leisten können und welche wirtschaftlichen Effekte damit verbunden sind. Ein wesentlicher Initiator des Projekts ist der Geschäftsbereich Bundesforst der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). In zwei Teillebensräumen wird die Vegetationsentwicklung in Abhängigkeit vom Aufenthalt der Tiere erfasst.
Mit gezieltem Wildtiermanagement soll das Wild aus den Wäldern heraus auf die Offenlandflächen gesteuert werden, um Wildschäden im Wald zu vermeiden. Das Projekt läuft bis Mitte 2019 und wird durch die Landwirtschaftliche Rentenbank mit rund 860.000 Euro gefordert und durch den Projektträger BLE betreut.

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