Wissenswertes über Phythosaurier

Smilosuchus gregorii (© N. Tamura)

Smilosuchus gregorii (© N. Tamura)

Die Phytosauria (Phytosauridae, seltener Parasuchia (Parasuchidae)) sind eine ausgestorbene Gruppe räuberischer Archosaurier aus der Obertrias, die in Binnengewässern lebten.
Der Fossilbericht der Phytosauria setzt im Karnium ein und reicht bis in das Norium. Fossile Zeugnisse, darunter auch die gut erhaltungsfähigen Hautknochenelemente (Osteodermen), kommen vor allem aus dem mitteleuropäischen Keuper sowie aus den vergleichbaren Sedimentgesteinen von Indien und dem nordamerikanischen Südwesten. Ihren wissenschaftlichen Namen, der „Pflanzenechsen“ (gr. phyton „Pflanze“, sauros „Echse“) bedeutet, verdanken sie der ursprünglichen Annahme, Phytosaurier seien Pflanzenfresser gewesen, tatsächlich waren sie Fisch- oder Fleischfresser. Die Körperlänge der Phytosaurier lag zwischen zwei und zwölf Metern.

Die Tiere waren von ihrer äußerlichen Erscheinung (Habitus), der vergleichbar semi-aquatischen Lebensweise und der Größe den heutigen Krokodilen sehr ähnlich und können wohl auch in deren nähere Verwandtschaft gestellt werden. Doch gehören sie nicht in die Stammlinie der Krokodile und somit nicht zu deren Vorfahren; die Ähnlichkeit ist vielmehr eine Folge konvergenter Evolution. Der augenfälligste Unterschied zu den Krokodilen bestand in der Position der Nasenlöcher auf dem Schädel, die in der Nähe der Augen lagen und nicht am Vorderende der Schnauze.
Aufgrund ihres charakteristischen Sprunggelenks, das sich zwischen den Fußwurzelknochen Sprungbein (Astragalus) und Fersenbein (Calcaneus) befindet, werden die Phytosauria sowie einige weitere Archosauria-Gruppen mit den Krokodilen zu den Crurotarsi zusammengefasst.

Von den Phytosauria wurden zahlreiche Arten gefunden. Beispiele sind etwa Parasuchus hislopi aus Indien, Mystriosuchus planirostris aus dem süddeutschen Keuper oder Rutiodon caroliensis und Angistorhinus aus Nordamerika, alle mit einer langgezogenen, schmale Schnauze (Rostrum), die der des heutigen Gangesgavials ähnelt und zum Fischfang optimiert war. Demgegenüber besaß Nicrosaurus kapffi, ebenfalls aus dem süddeutschen Keuper, eine breite und lange Schnauze mit Knochenkamm und großen Zähnen, was darauf hindeutet, dass sich diese Gattung von Fleisch ernährte.

Rutiodon carolinensis (© N. Tamura)

Rutiodon carolinensis (© N. Tamura)

Rutiodon war ein typischer Vertreter der Phytosaurier von etwa drei Meter Länge. Rücken, Flanken und Schwanz waren mit Hautverknöcherungen (Osteodermen) gepanzert. Ober- und Unterkiefer bildeten ein langes, schmales Rostrum, vergleichbar mit dem des heute lebenden Gangesgavials, das mit vielen länglichen Zähnen besetzt war. Die Oberfläche der Zähne waren in Längsrichtung von tiefen Furchen durchzogen, die durch den Zahnschmelz bis in das darunter liegende Dentin einschnitten. Dieses charakteristische Merkmal (Autapomorphie) war zudem namensgebend für die Gattung. Bedingt durch die lange Schnauze erreichte der Schädel von Rutiodon carolinensis eine Gesamtlänge von etwa 75 Zentimetern. Kiefer und Bezahnung weisen wie bei allen Phytosauriern auf Piscivorie (Fischfressen) hin, doch wird auch die Jagd nach Landtieren nicht völlig ausgeschlossen. Somit kann für Rutiodon und seine Verwandten, in konvergenter Evolution zu den (stammesgeschichtlich jüngeren) Krokodilen, eine semi-aquatische Lebensweise angenommen werden. Im Unterschied zu den Krokodilen haben Phytosaurier ihre Nasenöffnungen (Nares) jedoch nicht an der Schnauzenspitze, sondern vor den Augen.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Durch das Kommentieren eines Beitrags auf dieser Seite werden automatisch über Google personenbezogene Daten erhoben. Diese Daten werden ohne Ihre ausdrückliche Zustimmung nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung (http://www.beutelwolf.martin-skerhut.de/impressum/). Mit dem Abschicken eines Kommentars wird die Datenschutzerklärung akzeptiert.