Wissenswertes über Urraubtiere

Hyaenodon (Heinrich Harder)

Hyaenodon (Heinrich Harder)

Urraubtiere, Scheinraubtiere oder Creodonten (Creodonta) sind eine ausgestorbene Gruppe fleischfressender Säugetiere. Sie wurden 1877 von Edward Drinker Cope beschrieben. Heute kennt man 45 Creodontengattungen. Sie waren die vorherrschenden Raubsäuger im frühen Tertiär. Obwohl sie heutigen Hunden, Katzen, Bären, Hyänen oder Mangusten ähnelten, sind sie nicht näher mit den heutigen Raubtieren verwandt. Man unterscheidet zwei Familien der Creodonten, die hunde- oder hyänenähnlichen Hyaenodontidae, deren bekanntester Vertreter Hyaenodon war und die eher katzenähnlichen Oxyaenidae. Die Oxyaenidae erschienen jedoch schon im mittleren Paläozän in der fossilen Überlieferung und starben auch früher als die Hyaenodontidae wieder aus. Beide Familien teilen auch keine Synapomorphien, so dass die Gültigkeit des Taxons Creodonta bezweifelt wird.
Creodonten lebten in Europa, Asien, Nordamerika, mit den Hyaenodontiden kamen sie auch in Afrika vor. In Eurasien und Nordamerika starben alle Creodonten am Ende des Oligozän aus, nur in Afrika vermochten sich einige Gattungen bis ins Miozän zu halten. Allerdings gelang es der Gattung Hyaenailouros im Miozän von Afrika aus Eurasien wieder zu besiedeln und das Aussterben der Creodonten auch hier noch etwas hinauszuzögern. Im späteren Miozän waren jedoch auch in der alten Welt alle Creodonten verschwunden.

Creodonten besaßen die Brechschere weit hinten im Maul (zwischen den zweiten und dritten oberen Molaren und den dritten und vierten unteren Molaren), während die Raubtiere die Brechschere weiter vorne (vierter Prämolar im Oberkiefer; erster Molar im Unterkiefer) haben. Die Raubtiere hatten dadurch bessere Voraussetzungen, ihre Nahrung zu zerkauen, und konnten neben Fleisch auch pflanzliche Nahrung nutzen. Vermutlich entwickelten sie sich deshalb vielfältiger, und verdrängten schließlich die Creodonten.

Patriofelis (Charles R. Knight)

Patriofelis (Charles R. Knight)

Die Oxyaenidae kamen in Nordamerika, Europa und Asien vor. Sie erschienen mit dem nordamerikanischen, katzengroßen Tytthaena schon im mittleren Paläozän und starben in Nordamerika schon im mittleren, in Europa und Asien mit dem Ende des Eozän aus.
Oxyaenidae hatten eine äußere Ähnlichkeit mit den heutigen Katzen, Schleichkatzen und Mardern, mit denen sie aber nicht näher verwandt sind. Ihr Körper war langgestreckt, Beine und Schwanz waren kurz. Sie waren Sohlengänger und nicht an schnelles Laufen angepasst. Die Beweglichkeit ihrer Füße ermöglichte es ihnen aber auf Bäume zu klettern.
Ihre Kiefer beherbergten ein Brechscherengebiss, das bei den kleineren Formen aus dem Paläozän noch nicht so weit entwickelt war wie bei späteren Gattungen. Die Brechschere wurde bei den Oxyaenidae von der gesamten Backenzahnreihe gebildet, mit Betonung auf den ersten Backenzahn (Molar) im Oberkiefer und den zweiten Backenzahn im Unterkiefer. Bei den möglicherweise verwandten Hyaenodontidae hatten der zweite Backenzahn im Oberkiefer und der dritte im Unterkiefer eine größere Bedeutung, bei den rezenten Raubtieren der vierte Prämolar im Oberkiefer und der erste Backenzahn im Unterkiefer.
Wahrscheinlich waren die Oxyaenidae opportunistische Fleischfresser, die kleinere Säugetiere, Vögel, Insekten und Eier fraßen, ähnlich wie die Schleichkatzen heute. Dipsalodon aus dem späten Paläozän und Palaeonictis aus derselben Zeit und dem frühen Eozän hatten kräftigere Kiefer und robuste, an das Zerbrechen von Knochen angepasste Zähne. Sie könnten Aasfresser gewesen sein. Während frühe Oxyaenidae eher klein waren und zwischen 3 und 8 kg wogen, war Oxyaena etwa so groß wie ein Wolf und der nur von einem unvollständigen, etwa 20 cm langen Kiefer bekannte Palaeonictis peloria war der größte Fleischfresser in seinem Habitat.

Tritemnodon agilis (Robert Bruce Horsfall)

Tritemnodon agilis (Robert Bruce Horsfall)

Die Hyaenodontidae kamen in Nordamerika, Europa, Asien und Afrika vor. Sie erschienen mit Lahimia im mittleren Paläozän und starben in Nordamerika und Europa mit dem Ende des Oligozän, in Afrika und Asien während des Miozän aus.
Sie hatten eine äußere Ähnlichkeit mit den heutigen Hunden und Hyänen, hatten einen teilweise oder vollständig digitigraden (v. lat. digitus „Zehe“) Fuß (Zehengänger) und waren wie heutige Hunde und Hyänen an schnelles Laufen angepasst. Frühe Formen waren noch klein, Proviverra, dessen Fossilien unter anderem in der Grube Messel gefunden wurden, wurde nur 20 cm lang, Arfia wurde schon so groß wie ein Fuchs. Die größten Formen der Hyaenodontidae, Hyaenodon, Hyainailouros und Megistotherium hatten Schädel, die doppelt so groß waren wie die heutiger Löwen.
Ihr Kiefer beherbergten ein Brechscherengebiss, das von der gesamten Backenzahnreihe gebildet wurde, mit Betonung auf den zweiten Backenzahn (Molar) im Oberkiefer und den dritten Backenzahn im Unterkiefer. Bei den möglicherweise verwandten Oxyaenidae hatten der erste Backenzahn im Oberkiefer und der zweite im Unterkiefer eine größere Bedeutung, bei den rezenten Raubtieren der vierte Prämolar im Oberkiefer und der erste Backenzahn im Unterkiefer.

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