Stammesgeschichte der Gabelhornträger

Osbornoceros osborni (© N. Tamura)

Osbornoceros osborni (© N. Tamura)

Die einst artenreiche Familie der Gabelhornträger trat erstmals im Unteren Miozän vor rund 20 Millionen Jahren in den Gras- und Savannenlandschaften des westlichen Nordamerika auf. Die Tiere waren schon relativ gut entwickelt; Hinweise auf phylogenetische Vorgänger gibt es nicht. Als grazile und relativ langbeinige Tiere waren sie von Beginn an an die offenen Landschaften angepasst und stellten schnellläufige (cursoriale) Tiere dar. Zuerst erschienen die kleinen „Merycodontinae“, deren Hörner noch mit Haut überzogen waren. Der früheste bekannte Vertreter war Paracosoryx mit einem sehr langen, weit oben gegabelten Gehörn. Andere frühe Formen werden durch Meriamoceros repräsentiert, das kurze, am oberen Ende zu kleinen Schaufeln umgebildete Hörner aufwies. Recht erfolgreich war Ramoceros, das erst vor 10 Millionen Jahren verschwand und ein vielfach gegabeltes, den Geweihen der Hirsche ähnelndes Gehörn besaß. Dieses war aber teilweise asymmetrisch aufgebaut, so dass eine Seite länger war als die andere. Die Typusform der frühen Antilocapridae stellte Merycodus dar, dessen Besonderheit ein gegabelter Hornschaft mit zwei gleichlangen Sprossen ist. Da etwas mehr als die Hälfte der aufgefundenen Schädel hornlos ist, gegen Wissenschaftler davon aus, dass weibliche Tiere nicht über Hörner verfügten. Als einer der ersten Vertreter der Gabelhornträger ist Merycodus auch im nördlichen Teil des heutigen Mexikos nachgewiesen.Trotz ihres Vorkommens in offenen Landschaften ernährten sich die frühen Gabelhornträger weitgehend von gemischter Pflanzenkost.

 Ramocerus osborni (Robert Bruce Horsfall)

Ramocerus osborni (Robert Bruce Horsfall)

Im Mittleren Miozän vor rund 15 Millionen Jahren sind dann mit Plioceros, ein kurzhalsiges Tier mit sehr breiten und kurzen Hörnern, die ersten Vertreter der Antilocaprinae mit Keratin überzogenen Hornbildungen nachgewiesen. Plioceros war dabei noch relativ klein, besaß aber schon extrem hochkronige Zähne. Es stellt zudem eine der am weitesten verbreiteten Angehörigen der Gabelhornträger dar und ist von der Westküste des nordamerikanischen Kontinentes bis nach Florida an der Ostküste überliefert. Ein bedeutendes Fundgebiet ist zudem die Ash-Hollow-Formation im Mittleren Westen. Im Oberen Miozän und im Pliozän erreichten die Antilocaprinae ihre größte Vielfalt, sie sind zu jener Zeit mit 9 Gattungen und 30 Arten bekannt. Osbornoceros aus dem Oberen Miozän sah dabei dem heutigen Gabelbock schon ähnlich, besaß aber eher gewundene Hörner. Er gehörte weiterhin zu den ersten Vertretern, die vermehrt hartes Gras zu sich nahmen.
Im Verlauf des Pliozän begann langsam der Niedergang der Gabelhornträger. Allerdings erschienen zu dieser Zeit mit den Stockocerotini eine Gruppe gedrungener Tiere, die sich dem eiszeitlichen Klima anpassten und die eine heute ausgestorbene Seitenlinie repräsentieren. Der älteste Vertreter aber war Hexameryx, der durch sechs, weit zueinander divergierende Hornschäfte, drei an jeder Kopfseite, geprägt war, allerdings bisher nur aus dem Oberen Miozän von Florida bekannt ist. Capromeryx stellt weiterhin eine Form dar, die sich durch eine markante Körpergrößenreduktion auszeichnete. Die jeweils zwei Hornschäfte je Kopfseite standen sehr eng beieinander und waren Untersuchungen zufolge wohl zusammen von einer Keratinschicht umgeben. Dabei gehört Capromeryx zu den häufig aufgefundenen Gabelhornträgern sowohl in den heutigen USA als auch im angrenzenden Mexiko. In die gleiche Entwicklungslinie sind auch Hexobelomeryx und Hayoceros zu stellen, die zu den am stärksten angepassten Grasfressern innerhalb der Gabelhornträger gehörten. Das für die Gruppe namengebende Stockoceros wies insgesamt vier gleichlange Hornschäfte, die von beiden Geschlechtern getragen wurden, und weniger hypsodonte Backenzähne auf, es verblieb weitgehend bei der gemischten Pflanzenkost. Zudem gehört Stockoceros zu den spätesten Vertretern der fossilen Gabelhornträger und trat etwa zeitgleich mit den ersten Angehörigen der heutigen Gattung Antilocapra auf. Allein 7 Teilskelette, 55 Schädel und fast 800 weitere Skelettreste sind von dieser fossilen Gattung aus der Papago Springs Cave nahe Sonoita in Arizona bekannt. Während am Ende der Eiszeit all diese Arten ausstarben, überlebte nur der Gabelbock, den es auch bereits im Pleistozän gegeben hatte.

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