Abenteuer Aquarium: Nützliche Algen

Spirulina (I, NEON ja)

Spirulina (I, NEON ja)

Es wird mal wieder Zeit zum versprochenen Algenthema zurückzukehren. Wenn man an Algen denkt, denkt man auch gleichzeitig an deren Vernichtung, aber es gibt auch Algen, die sich als nützlich für die Aquaristik erwiesen haben. Diese Algen bekommt man aber nicht umsonst, sie gehören nicht zu den Arten, die plötzlich und ungewollt auftauchen. Der erfahrene Aquarianer wird sich denken können, wovon ich spreche, der Anfänger vielleicht nicht. Spirulina und Aegagropila linnaei sind Bestandteil dieses Beitrags.

Zuvor aber mein Beckenupdate in Kürze: Viel zu berichten gibt es nicht. Allerdings durfte ich feststellen, dass die Algen aus meinem Schneckenbecken am Rückzug sind. Vielleicht liegt es an den Wasserflöhen, vielleicht an den Schnecken, aber ich hatte schon mal mehr Algen. Meine LED-Leuchten sind zwar regelrecht überwuchert (und erbringen so nicht die gewünschte Leistung, was meine Pflanzen aber nicht zu stören scheint), aber da sie auch beliebte Aufenthaltsorte für Wasserflöhe und Schnecken sind, wird dort auch fleißig am Algenrasen gegrast. Nur an den Scheiben sind noch einige unschöne Flecken, die ich mit dem Algenmagneten hin und wieder entferne.
Das Schnecken/Krabbenbecken läuft noch ein (nachdem ich vor dem Maiurlaub nächste Woche keine Tiere besorgen wollte). Am Tag nach der Einrichtung trübte sich das Wasser und blieb so bis zum Wasserwechsel. Nachdem ich annahm, dass die Wasserwerte identisch mit dem Schneckenbecken sein müssten, habe ich nach dem ersten Wasserwechsel GH und PH gemessen. Zusätzlich dazu habe ich mich auch am Teststreifen bedient.
GH 12 und PH 8. Der Testsreifen hat auch keine besorgniserregenden Werte angezeigt. Das Wasser ist nur etwas schmutzig, aber außergewöhnliche Bewohner habe ich nicht entdeckt.
Die Schwarze Turmdeckelschnecke habe ich seit dem Einsetzen nicht mehr gesehen, aber das macht mir vorerst keine Sorgen, immerhin war das Wasser sehr trüb und auch wenn das Aquarium nur 10 Liter fast, hat die Schnecke nur eine Länge von wenigen Millimetern. Hexennuss, Moosbrücke und Nadelsimsen geben genügend Versteckmöglichkeiten. Und der Bodengrund ist ja auch noch da.

Spirulina subsalsa (Kristian Peters)

Spirulina subsalsa (Kristian Peters)

Spirulina (korrekter Arthrospira) ist eine Cyanobakteriengattung. Bis zu 35 Arten werden unterschieden (zum Beispiel Spirulina platensis, Spirulina fusiformis, Spirulina maxima), es ist jedoch unklar, ob nicht diese 35 Arten möglicherweise doch alle derselben Art angehören, da Spirulina ihre Gestalt in Abhängigkeit vom Nährstoffgehalt und pH-Wert des Wassers ändert.
Das Bakterium bildet mehrzellige, wendelförmige Mikrofilamente. Die zylindrischen Zellen haben einen Durchmesser von etwa 1 bis 5 μm und eine Länge (Höhe) von etwa 1 bis 3 µm. Sie sind hintereinander angeordnet in langen, rechts- oder linkshändig wendelförmigen Filamenten mit einer Länge von 0,5 mm oder mehr und einem Wendeldurchmesser von 5 bis 40 μm. Das Längenwachstum der Filamente ist mit Zellteilung verbunden, ihre Vermehrung erfolgt durch Zerfall der Filamente.
Spirulina ist oxygen photosynthetisch und enthält nur Chlorophyll a, das auch bei Pflanzen vorkommt. Da Spirulina zu den Prokaryoten gehört, ist das Chlorophyll jedoch nicht wie bei den eukaryoten Pflanzen in organisierten Zellstrukturen, den Chloroplasten, lokalisiert, sondern es befindet sich in Membranen, die über fast die ganze Zelle verteilt sind. Spirulina erhält durch weitere Pigmente, die das Chlorophyll-Grün überlagern, einen grün-bläulichen Farbton.
Die Spirulina-Filamente bilden Decken wie andere fädige Cyanobakterien. Infolge der Alkalisierung durch Verbrauch von Kohlenstoffdioxid kann darin Calciumcarbonat abgeschieden werden. Man nimmt an, dass auf diese Weise so genannte Stromatolithen entstehen und auch in früheren geologischen Zeiten entstanden sind. Die ältesten bekannten Stromatolithen kommen in Gesteinsschichten vor, die vor über drei Milliarden Jahren im Präkambrium entstanden sind. Dies lässt vermuten, dass oxygen-photosynthetische, Kohlenstoffdioxid-assimilierende Mikroorganismen, möglicherweise Cyanobakterien, dazu beigetragen haben, die kohlenstoffdioxidreiche Ur-Erdatmosphäre mit Sauerstoff (O2) anzureichern, ihren Kohlenstoffdioxid-Gehalt zu vermindern und ihr so die heutige Zusammensetzung zu verleihen.
Spirulina wird gerne als Fisch- oder Wirbellosenfutter verwendet, sollte aber nur als Zusatzfuttermittel dienen, da es nicht alle notwendigen Nahrungsbestandteile enthält. Spirulina enthält einen hohen Proteinanteil welcher das Wachstum von Garnelen stark beschleunigen kann.
Spirulina ist als Bestandteil in vielen Futtertabletten enthalten, kann aber auch pur verwendet werden, indem man das Algenpulver auf die Wasseroberfläche streut. Auch Algensteine lassen sich leicht herstellen: Man bestreut einen nassen Stein mit Algenpulver, lässt ihn trocknen und gibt ihn dann ins Aquarium.
Natürlich kann man Spirulina auch als Zutat für kreative Eigenfuttermittel benutzen. Vielleicht versuche ich mich auch daran, aber nicht, solange ich „nur“ Schnecken und Wasserflöhe halte.

Aegagropila linnaei ( Arni Einarsson, Myvatn Research Station)

Aegagropila linnaei ( Arni Einarsson, Myvatn Research Station)

Aegagropila linnaei ist eine beliebte Aquarienpflanze. Besser bekannt ist sie unter dem Namen Algen- oder Moosball. Es handelt sich dabei um eine Art fadenförmige Grünalge, die in einer Anzahl Seen der nördlichen Halbkugel heimisch sind. Der deutsche Name bezieht sich jedoch nur auf eine eher seltene Wuchsform, bei der die Algenfäden sich zu großen, grünen Kugeln mit samtiger Oberfläche verweben. Natürliche Vorkommen solcher kugelförmigen Kolonien sind nur aus Island, der Ukraine, Japan (Hokkaidō) und Estland bekannt. In der Aquaristik wird überwiegend diese Wuchsform eingesetzt.
Erste Importe nach Westeuropa gab es in den 1970er Jahren, um danach nahezu wieder zu verschwinden. Mooskugeln werden in Mitteleuropa seit einigen Jahren wieder verstärkt im Zoofachhandel angeboten. Die Nachfrage kann auch auf die verstärkte Haltung von Süßwassergarnelen zurückzuführen sein, die zeitlich mit der Einführung zusammenfällt. Sie beweiden die Kugeln bevorzugt. Die Literatur zu diesen Pflanzen ist allerdings noch spärlich.

Generell gedeihen die Mooskugeln in Kaltwasseraquarien durchaus über mehrere Jahre. Ihr Wachstum ist dabei sehr langsam und beträgt pro Jahr nur wenige Millimeter. In tropischen Aquarien, in denen ständig Temperaturen über 27 Grad vorliegen, berichten einige Aquarianer über ein „Auseinanderfallen“ der Pflanze. Möglicherweise ist dies aber auch auf alte Algenkissen zurückzuführen.
Besondere Anforderungen an die Beleuchtung stellen Mooskugeln nicht. Vorteilhaft ist jedoch, wenn sie gelegentlich gewendet werden oder wenn sie frei auf dem Grund rollen können. Empfindlich reagieren sie auf die Ablagerung von Mulch und Detritus. Einige Aquarianer spülen die Algenkissen vierzehntäglich in warmen Wasser vorsichtig aus. Gleichfalls empfindlich reagieren sie auf einen Befall durch Blaualgen. pH-Werte zwischen 7 und 7,5 scheinen ihnen am besten zu bekommen.
Im Zoofachhandel werden sie gelegentlich als wirksames Mittel gegen Nitrit- und Nitratbelastungen empfohlen. Die Pflanze selbst trägt jedoch nicht mehr zur Absenkung dieser Stoffe im Wasser bei, als es andere Pflanzen tun. Vorteilhaft ist es jedoch sicherlich, dass sich in den feinen Algenhärchen Bakterien ansiedeln können, die diese Stoffe im Wasser reduzieren. Der Besatz eines Aquariums mit diesen Algenkissen ist hingegen weder ein Ersatz für eine Wasserfilterung noch für einen Teilwasserwechsel.
Wegen der Empfindlichkeit gegenüber der Ablagerung von Mulch und Detritus sollten sie nicht mit gründelnden Fischen zusammen gehalten werden. Welse können die Kugeln zur Ablage des Laichs nutzen. Für Halter von kleinen Garnelenarten, wie beispielsweise die Yamatonuma-Garnele, stellen Mooskugeln eine Alternative zum Javamoos dar, das im Aquarium gerne wuchert und andere Pflanzen überzieht. Sie durchsuchen die feinen Algenhärchen ebenso intensiv nach Detritus wie sie es bei Javamoos tun.

Hin und wieder verfüttere ich Spirulinatabs (meist eine halbe am Tag vor dem Wasserwechsel), aber über die Anschaffung eines oder mehrerer Algenbälle habe ich bisher nur nachgedacht

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