Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

24.05.2015, Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.
Eukaryoten: Eine neue Zeittafel der Evolution
Verunreinigte Proben haben in der Zeittafel des Lebens offenbar einige Verwirrung gestiftet. Ein internationales Team, zu dem Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie gehörten, hat mit extrem sauberen Analysen einen vermeintlichen Beleg, dass Eukaryoten vor 2,5 bis 2,8 Milliarden Jahren entstanden sind, entkräftet. Eukaryoten besitzen anders als etwa Bakterien einen Zellkern. Einige Forscher meinten, in bis zu 2,8 Milliarden Jahre alten Gesteinsproben ihre molekulare Spuren gefunden zu haben. Wie die aktuelle Studie nun zeigt, stammen diese jedoch von Verunreinigungen. Den ältesten Beweis für die Existenz von Eukaryoten liefern nun 1,5 Milliarden Jahre alte Mikrofossilien.
Zumindest im Stammbaum des Lebens ist eine Amöbe dem Menschen näher als dem Bakterium. Denn wie die Säugetiere gehört sie zum Reich der Eukaryoten, während Bakterien zu den Prokaryoten zählen. Tatsächlich sind die ersten Eukaryoten Urahnen aller höheren Lebensformen einschließlich des Menschen. Insofern machte die Evolution einen großen Schritt hin zu komplexen Lebensformen, als eukaryotische Zellen aufkamen. Die sogennante Symbiogenese, welche zwei oder mehrere einzellige Bakterien zu einem neuen Organismus mit Zellkern und Organellen verschmelzen ließ, war unabdingbare Voraussetzung, damit die meisten Lebewesen, die uns heute umgeben, entstehen konnten.
Um zu verstehen, wie sich höhere Lebensformen entwickelten, wollen Evolutionsbiologen wissen, wann und unter welchen Bedingungen die ersten Eukaryoten auf die Bühne des Lebens traten. Ein internationales Team, an dem auch Forscher aus der Gruppe von Christian Hallmann am Max-Planck-Institut für Biogeochemie beteiligt waren, liefert nun entscheidende Argumente für die wissenschaftliche Debatte über diese Fragen.
Eine Kluft zwischen Fossilien und chemischen Spuren
Die ältesten Mikrofossilien, welche unumstritten als Überbleibsel von Eukaryoten anerkannt sind, fanden sich in etwa 1,5 Milliarden Jahre altem Gestein im Norden Australiens. Diese Fossilien haben Forscher in mikropaläontologischen Studien morphologisch analysiert und dabei als Überreste von Algen identifiziert. In alternativen Versuchen, die Entstehung höherer Lebewesen nachzuvollziehen, haben Wissenschaftler bestimmte Fettmoleküle (Steroide) analysiert, die in den Zellwänden eukaryotischer Organismen enthalten sind. Diese können nicht nur als hochspezifische Erkennungsmerkmale für bestimmte Organismengruppen dienen, sondern unter geeigneten Bedingungen auch extrem lange Zeiträume in Sedimenten überstehen.
“Durch die Analyse solcher Moleküle, sogenannte Biomarker, können wir das frühe Leben auf der Erde auf einer molekularen Ebene rekonstruieren”, sagt Christian Hallmann, Leiter der Max-Planck-Forschungsgruppe ‘Organische Paleobiogeochemie’.
Hallmanns Team arbeitet seit 2012 daran, die Entwicklung von Umweltbedingungen und der Lebensvielfalt in der Zeit von der Erdentstehung bis zur Entwicklung der Tierwelt (Präkambrium) besser zu verstehen. „Die Aufklärung dieser entwicklungsgeschichtlich interessanten Periode profitiert enorm von der molekularen Herangehensweise”, so Hallmann. Auf molekulare Spuren analysierten der Paläontologe und seine Mitarbeiter nun bis zu 2,7 Milliarden Jahre alte Gesteinsproben
Steroid-Moleküle können in altem Sediment, also dem versteinerten Grund urzeitlicher Gewässer, als Sterane erhalten bleiben. Und da einige Wissenschaftler solche molekularen Spuren in den vergangenen 15 Jahren vermehrt in Proben von 2,5 bis 2,8 Milliarden Jahren alten Sedimenten identifiziert hatten, schlussfolgerten sie, dass eukaryotische Algen bereits in dieser Zeit, also im späten Archaikum, entstanden seien. So tat sich also eine Kluft von mehr als einer Milliarde Jahren zwischen der frühesten Ablagerung dieser Biomarker und den ältesten fossilen Mikroalgen ein.
Extrem saubere Probenentnahme sollte die Kontaminationsfrage klären
Obendrein wies die Entdeckung unterschiedlicher Steroide auf ein gleichsam modernes Verbreitungsmuster verschiedener Algenspezies hin. “Es wurde zunächst spekuliert, dass dies eine bereits sehr frühe Auffächerung der Algen in verschiedene Arten andeuten könnte“, sagt Christian Hallmann. „Doch die Vermutungen, dass die Proben dieser Studien trotz umfangreicher Vorsichtsmaßnahmen kontaminiert sein könnten, häuften sich.” Das Problem dabei war, dass sämtliches archaisches Probenmaterial entweder nicht unter speziellen Bedingungen beprobt oder mehrere Jahre unter nicht-idealen Bedingungen gelagert wurde. „Die Kontaminationsfrage spaltete unsere Fachkollegen allmählich in zwei widerstreitende Lager”, so Hallmann.
Im Jahr 2012 entwickelte Hallmann daher in Zusammenarbeit mit Katherine French vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) eine Methode, um die ältesten Gesteine, die als steroidhaltig eingestuft wurden, auf extrem saubere Weise zu beproben. Zusammen mit Roger Buick von der University of Washington entnahmen die Wissenschaftler während des ‚Agouron Institute Drilling Projects (AIDP)’ im entlegenen australischen Outback über mehrere Wochen Gesteinsproben und ergriffen dabei bislang beispiellose Vorsichtsmaßnahmen, um Verunreinigungen zu vermeiden.
Nicht einmal ein Pikogramm-Mengen eukaryotischer Steroide
Diese Bohrkerne spalteten French, Hallmann sowie weitere Kollegen symmetrisch auf und analysierten sie in mehreren unabhängigen Laboren – mit erstaunlich einheitlichen Ergebnissen. „Wir befürchteten, im Labor feststellen zu müssen, dass die Proben trotz unserer exzessiven Bemühungen verunreinigt waren” so Hallmann. „Dann wäre der ganze Aufwand umsonst gewesen.” Doch die Proben waren extrem sauber; so sauber, dass die hochempfindlichen Massenspektrometer der verschiedenen Labors nicht einmal Pikogramm-Mengen eukaryotischer Steroide detektieren konnten. Die Vermutung, dass frühere Proben kontaminiert gewesen sein könnten, bestätigte sich.
Gleichzeitig fanden die Forscher in dem Gestein relativ große Mengen an sogenannten Diamondoiden und polyaromatischen Kohlenwasserstoffen. Hallmann nennt dies die Auspuff-Signatur, denn diese Moleküle treten auch in den Abgasen von Verbrennungsmotoren auf und deuten auf organisches Material hin, welches unter hohen Temperaturen verändert wurde. „Das gesamte organische Material in diesen Proben wurde im Laufe der Jahrmillionen durch Druck und Temperatur verändert und keine Biomarker-Moleküle hätten dies überlebt. „Daher können wir keine Aussagen mehr zur ursprünglichen biologischen Signatur des Materials machen”, sagt Hallmann.
Jedenfalls können die vermeintlich 2,7 Milliarden Jahre alten Steroidmoleküle nun nicht mehr als Beweis herhalten, dass Eukaryoten bereits viel früher entstanden sind, als Fossilienfunde belegen. Daher müssen nun die 1,5 Milliarden Jahre alten Mikrofossilien als ältester Nachweis eukaryotischen Lebens auf der Erde gelten – ein Erkenntnisgewinn, der nicht nur in den Geowissenschaften große Nachwirkung haben dürfte.
Biomarker bleiben ein wichtiges Instrument der präkambrischen Paläontologie
Die Ergebnisse tragen aber nicht nur zur Klärung bei, wann Eukaryoten entstanden sind, sie helfen auch, ein weiteres Rätsel zu lösen: Da alle Eukaryoten Sauerstoff benötigen, muss die Entwicklung der Sauerstoff-produzierenden (oxygenen) Photosynthese dem evolutionären Übergang zu den Eukaryoten vorausgegangen sein. Die Folgen dieser biochemischen Innovation, bekannt als „Sauerstoff-Krise“ (great oxidation event) veränderte den gesamten Planeten, weil sich in der Atmosphäre Sauerstoff anreicherte. Sie wird eindeutig auf 2,5 bis 2,4 Milliarden Jahre vor unserer Zeit datiert. Bislang ließ sich schwer erklären, wie die Eukaryoten schon mehrere 100 Millionen vorher entstanden sein konnten, wenn sie doch unbedingt Sauerstoff brauchen.
„Mit einem durchdachten Vorgehen haben wir in einer großen internationalen Kooperation eine der großen Fragen in der molekularen Geobiologie beantwortet” sagt Hallmann. Trotz der neuen Erkenntnisse, bleiben Biomarker in altem Gestein ein wichtiges Instrument für paläontologische Untersuchungen des Präkambrium, nicht zuletzt weil sedimentäre Steroide und andere Biomarker wesentlich spezifischer sind als Mikrofossilien. Im Gegensatz zum Archaikum enthalten die spät-präkambrischen Sedimentbecken der Erde eine Vielfalt an Gesteinen, deren organisches Material relativ gut erhalten ist und auf Biomarker untersucht werden kann. „Mit der Erkenntnis eines späteren eukaryotischen Aufkommens können wir jetzt unter neuen Vorzeichen und mit größeren Erfolgsaussichten an der wahren frühen Evolution der Algen arbeiten“.
Originalveröffentlichung:
Katherine L. French, Christian Hallmann, Janet M. Hope, Petra L. Schoon, John A. Zumberge, Yosuke Hoshino, Carl A. Peters, Simon C. George, Gordon D. Love, Jochen J. Brocks, Roger Buick, Roger E. Summons
Reappraisal of hydrocarbon biomarkers in Archean rocks
PNAS, 12. Mai 2015; doi: 10.1073/pnas.1419563112

26.05.2015, Stadt Wien
Wiener Tag der Artenvielfalt an der Alten Donau
5. und 6. Juni: Die Tier- und Pflanzenwelt entdecken und gemeinsam schnorcheln!
An einem der schönsten und beliebtesten Plätze Wiens findet am 5. und 6. Juni der diesjährige Wiener Tag der Artenvielfalt statt: An der Alten Donau, wo die Tier- und Pflanzenwelt vor der eigenen Haustüre erforscht werden kann. Neben stündlichen Führungen entlang der Alten Donau mit Expertinnen und Experten gibt es am Samstag ein Bastel- und Spieleprogramm für Kinder, Mitmach-Aktionen mit den Umweltspürnasen und eine Rätselrallye mit schönen Preisen. Und auch unterhalb der Wasseroberfläche kann die reiche Tier- und Pflanzenwelt im Rahmen von Schnorcheltouren entdeckt werden. Dazu ist vor Ort eine Anmeldung erforderlich, Kinder unter 14 Jahren dürfen nur mit einer erwachsenen Begleitperson teilnehmen, das Schnorchel-Set muss jeder selber mitbringen.
Am Vorabend, also am 5. Juni, können Nachtschwärmer den Forscherinnen und Forschern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und nachtaktive Tiere wie Fledermäuse oder Nachtfalter an der Alten Donau beobachten. Eine Biber-Expertin macht sich mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf nächtliche Spurensuche nach dem Biber und seinen Bauten.
Alte Donau-Stadtspaziergänge
Im Rahmen des EU-Projekts LIFE+ Alte Donau lädt die Abteilung Wiener Gewässer am Tag der Artenvielfalt auch zu geführten „Stadtspaziergängen“ an der Alten Donau. Dabei erfahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Wissenswertes über die Entstehung der Alten Donau, die Geschichte der Badekultur sowie über Schutz- und Pflegemaßnahmen der Stadt Wien.
Der „Geo-Tag der Artenvielfalt“ findet alljährlich im Juni in ganz Europa statt. In Wien veranstaltet ihn die MA 45 – Wiener Gewässer gemeinsam mit der Wiener Umweltschutzabteilung – MA 22. Die Veranstaltung findet im Rahmen des von der EU geförderten Projekts LIFE+ Alte Donau der MA 45 – Wiener Gewässer statt.
Tag der Artenvielfalt -Veranstaltungsinfos
o Die Veranstaltung ist kostenlos, keine Voranmeldungen notwendig.
o Datum: Freitag, 5. Juni und Samstag, 6. Juni 2015
o Ort: Alte Donau, Lagerwiese Kaiserwasser, 1220 Wien
Programm:
o Freitag, 5. Juni, ab 20 Uhr: Fledermaus, Biber & Co: Nachtaktive Tiere an der Alten Donau beobachten
o Samstag, 6. Juni, 13 bis 18 Uhr: Exkursionen, Schnorchel-Führungen und Kinderprogramm
Anreise:
o U1-Station Kaisermühlen, Vienna International Center, von dort kurzer Fußweg.
o Barrierefreier Zugang von der U-Bahn-Station über asphaltierte Wege. Die Veranstaltung findet auf einer ebenen Wiese statt.
Eine Veranstaltung der MA 45 – Wiener Gewässer gemeinsam mit der Wiener Umweltschutzabteilung – MA 22, im Rahmen des EU-Projekts LIFE+ Alte Donau.
Informationen: www.life-altedonau.wien.at

27.05.2015, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Chinesische Mauersegler fliegen bis nach Südafrika!
Eine gemeinsam von Wissenschaftlern aus China, Belgien, Schweden und Großbritannien durchgeführte Studie zeigt, dass am berühmten Sommerpalast in Peking brütende Mauersegler der Unterart pekinensis mehr als 13.000 km zurücklegen, um ihre südafrikanischen Überwinterungsgebiete zu erreichen, bevor sie dieselbe Strecke – ohne zwischenzeitlich auch nur einmal zu landen – im nächsten Frühjahr noch einmal überwinden. Während ihres gesamten Lebens dürften die kleinen Vögel damit mehr als 180.000 km zurücklegen – was etwa der halben Entfernung zwischen Erde und Mond entspricht.
Die Mauersegler erreichen Peking im April und starten ab Ende Juli nach der Brutzeit zu ihrer langen Reise nach Afrika. Sie fliegen dabei anfangs in west-nordwestlicher Richtung in die Mongolei, bevor sie das Tienschan-Gebirge auf der Nordseite passieren und dann südlich durch den Iran und Zentral-Arabien das tropische Afrika erreichen. Die rund drei Monate des Winters verbringen die Vögel daraufhin in Namibia und Südafrika, bevor sie ab Februar entlang einer ähnlichen Route wieder in Richtung China aufbrechen und nach dem Passieren von etwa 20 Staatsgrenzen Peking um Mitte April erreichen.
Das Projekt begann im Mai 2014, als insgesamt 31 Mauersegler im Rahmen eines Beringungsprojektes der China Birdwatching Society am Sommerpalast in Peking mit ultra-leichten Geolokatoren ausgestattet wurden. Die von Wissenschaftlern aus Schweden und Großbritannien bereitgestellten Sender ermitteln anhand von Zeitpunkt von Mittag (größte Helligkeit) und Mitternacht die geographische Länge sowie aus der Tageslichtdauer und der Nachtlänge die geographische Breite. Von 13 bislang im Frühjahr 2015 im Brutgebiet wiedergefangenen Vögeln ließen sich die Daten der Sender auslesen und mithilfe spezieller Software analysieren.
Bisher gab es zu den Aufenthaltsorten der Segler außerhalb der Brutzeit lediglich Vermutungen. Dank der jüngsten Erkenntnisse wurde nun zum ersten Mal bekannt, welche Distanzen die Vögel zurücklegen, welche Routen sie fliegen und welche Überwinterungsgebiete genutzt werden. Der Zugweg zwischen China und Afrika ist unter den Vögeln höchst ungewöhnlich und war bislang nur vom Amurfalken bekannt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die nahezu ihr gesamtes Leben fliegenden Segler selbst in enormer Entfernung liegende Nahrungsgründe entdecken und nutzen können. Sie sollen nun auch zum Verständnis beitragen, wie sich Zugwege von Langstreckenziehern wie den Mauerseglern entwickelt haben und wie die Vögel dadurch die günstigsten lokalen Bedingungen und die beste Nahrungsverfügbarkeit nutzen können.
Wie in vielen weiteren Teilen der Welt, sind die Bestände der Segler in Peking dramatisch zusammengebrochen. Man geht von Rückgängen um 60 % innerhalb der letzten 30 Jahre aus. Mit dem besseren Verständnis der Zugwege der Vögel lassen sich die Gründe dieser Rückgänge nun hoffentlich leichter ermitteln und durch gezielte Schutzmaßnahmen aufhalten. Auch unter den Besuchern des berühmten Sommerpalastes in Peking kann durch die Veranschaulichung dieser beeindruckenden Leistungen das Verständnis für die Natur und die Notwendigkeit ihres Schutzes hoffentlich gesteigert werden. Eine ausführliche Analyse der Daten soll im Laufe des Jahres mit einer wissenschaftlichen Publikation abgeschlossen werden.

27.05.2015, Universität Wien
Gleichgewichtsorgan der Hörnchen unterscheidet sich je nach Bewegungsart
WissenschaftlerInnen um Cathrin Pfaff von der Universität Wien untersuchten Eichhörnchen und ihre nahen Verwandten und fanden heraus, dass der Durchmesser der Bogengänge des Innenohres je nach Bewegungsweise der Tiere variiert: Gleithörnchen haben deutlich dünnere und somit weniger sensitive Bogengänge im Innenohr als am Boden lebende Tiere – obwohl erstere mehr Informationen über ihre Lage im Raum benötigen. Die ForscherInnen vermuten, dass sich dies als Anpassung an einen zu großen Informationsfluss ins Gehirn erklären lässt. Ihre Ergebnisse werden aktuell im Fachjournal „Proceedings of the Royal Society B“ veröffentlicht.
Das Innenohr der Wirbeltiere hat zwei wichtige Aufgaben: Zum einen ist es mit der Gehörschnecke für das Hören verantwortlich und zum anderen nehmen drei Bogengänge das Gleichgewicht und die Lage des Körpers im Raum wahr. Da sich das Innenohr im hinteren Bereich des Kopfes befindet kann es mittels Geräten wie dem Mikro-Computertomographen untersucht werden: Dies kommt vor allem bei seltenen Fossilien zum Tragen.
Forschungsobjekt von Cathrin Pfaff vom Institut für Paläontologie der Universität Wien und ihren KollegInnen aus Bonn und Frankfurt war vornehmlich eine einzelne Gruppe von Nagetieren, die Hörnchenartigen. Die Vertreter dieser Tierart sind sehr nah miteinander verwandt, zeigen jedoch unterschiedliche Lebens- und Bewegungsweisen: „Sie können auf Bäumen leben, wie das einheimische Eichhörnchen, oder aber auf dem Boden, wie der Präriehund, oder sogar von Baum zu Baum gleiten wie das Gleithörnchen“, erklärt die Biologin.
Ziel war es, den Zusammenhang zwischen den anatomischen Anpassungen der Bogengänge im Innenohr und der Bewegungsweise der Tiere besser zu verstehen. Dabei stellte sich heraus, dass die Dicke der Bogengänge je nach Bewegungsweise der Tiere unterschiedlich ist. „Bodenlebende Hörnchen haben deutlich dickere Bogengänge als gleitende und baumlebende Arten“, stellte Pfaff fest.
Der Grund für diese Anpassung liegt in der eigentlichen Aufgabe des Innenohres: Als Gleichgewichtsorgan ist es sensitiv gegenüber Veränderungen der Lage im Raum. Mittels mathematischer Gleichungen berechneten die WissenschaftlerInnen einen Sensitivitätsindex für jedes untersuchte Tier. Fazit: Jene Hörnchen, die auf dem Boden leben, haben sensitivere Bogengänge als baumlebende und gleitende Arten. „Gleitende Arten haben unserer Einschätzung nach deswegen dünnere Bogengänge im Innenohr, weil sie durch das Gleiten von Baum zu Baum sehr viel mehr Information über die Lage im Raum benötigen. Ihre dadurch geringere Sensitivität im Innenohr könnte also als Schutzmechanismus des Gehirns dienen“, schließt die Forscherin.
Publikation in „Proceedings of the Royal Society B“:
Cathrin Pfaff, Thomas Martin, Irina Ruf: Bony labyrinth morphometry indicates locomotor adaptations in the squirrel-related clade (Rodentia, Mammalia). In: Proceedings of the Royal Society B (27. Mai 2015).
DOI: http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2015.0744

27.05.2015, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Pilz aus Europa tötet Millionen Fledermäuse in Nordamerika
Der aus Europa stammende Pilz Pseudogymnoascus destructans verursacht in den USA und in Kanada ein Massensterben von Fledermäusen. Der Pilz löst das White-Nose-Syndrom (WNS) aus. Ein internationales Wissenschaftlerteam konnte jetzt eine genetische Verbindung nachweisen, die die europäische Herkunft des Pilzes belegt. Die Studienergebnisse wurden in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Current Biology“ veröffentlicht. An dem Forschungsprojekt war der Greifswalder Wissenschaftler Dr. Sébastien Puechmaille vom Zoologischen Institut und Museum federführend beteiligt.
Unterstützt wurde die Studie vom Royal Veterinary College/Zoological Society of London, der British Veterinary Zoological Society und Bat Conservation International.
Beim White-Nose-Syndrom (WSN) handelt es sich um eine Krankheit, die erstmalig im Jahr 2006 bei Fledermäusen in Nordamerika festgestellt wurde. Laut Schätzungen starben seitdem mehr als fünf Millionen dieser Tiere in großen Teilen von Nordostamerika und Kanada an dieser Krankheit. Die Krankheit wurde nach dem weißen Pilz, Pseudogymnoascus (Geomyces) destructans, benannt, der die Schnauze, die Ohren und die Flügel von überwinternden Fledermäusen befällt.
Der Pilz hat sich schnell in der gesamten Region verbreitet, was zu einem Massensterben führte. Teilweise starben bis zu 99 Prozent der Tiere. Es gibt weder eine Behandlungsmethode noch eine andere Möglichkeit, die Krankheit aufzuhalten. Wissenschaftler und Naturschützer vermuteten bereits, dass der Pilz aus Europa stammt und durch menschliche Aktivität nach Nordamerika eingeschleppt wurde. Dies wurde nun durch neue genetische Forschungen der Universität Greifswald, die zusammen mit dem Royal Veterinary College (RVC) und dem University College Dublin durchgeführt wurden, bestätigt. Der Pilz stammt aus Europa und kam wahrscheinlich durch menschliche Aktivität, wie Migration und Landwirtschaft, in die USA und Kanada.
In der Studie wurde die Herkunft des Pseudogymnoascus destructans auf molekularer Ebene untersucht. Dies ermöglichte den Forschern, die genetische Ähnlichkeit zwischen dem europäischen und dem amerikanischen Pseudogymnoascus destructans zu untersuchen und zu beurteilen, ob Europa die Quelle der jüngsten Einführung des Erregers in Nordamerika ist.
In der europäischen Fledermauspopulation wurde im Vergleich zur nordamerikanischen Population eine größere Vielfalt des Pilzes festgestellt. Das beweist seine lange Präsenz in Europa und unterstützt nachdrücklich die These, dass der Pilz von Europa in die östliche Region der USA eingeführt wurde.
Stefania Leopardi vom RVC, eine der Forscherinnen des Projekts, sagt: „Angesichts der Tatsache, dass keine Fledermaus zwischen Nordamerika und Europa migriert, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Pilz durch anthropogene Aktivitäten in Nordamerika eingeführt wurde. Die Einfuhr neuer Erreger stellt eine unerwünschte Folge der Globalisierung und der bislang nie da gewesenen Bewegung von Menschen, Tieren und landwirtschaftlichen Produkten, dar.“
Bei europäischen Fledermäusen führt der Pilz nicht zu dem gleichen Massensterben wie in Nordamerika. Einheimische, europäische Fledermäuse sind anscheinend resistent, was sich aus der Koevolution mit dem pathogenen Pilz ergibt. Dies stellte einen weiteren wesentlichen Faktor dafür dar, dass Europa als Herkunft des Erregers vermutet werden kann. „Der Nachweis, dass die nordamerikanische Population des Pseudogymnoascus destructans aus Europa stammt, stellt einen ersten wichtigen Schritt dar, um die Faktoren, welche dem Entstehen dieser verheerenden Krankheit zugrunde liegen, besser zu verstehen. Unsere Studie ebnet den Weg für künftige Forschung, um den genauen Ursprungsort in Europa festzustellen. Diese Information wird wahrscheinlich die genaue Art der menschlichen Aktivität aufzeigen, welche für die Einführung verantwortlich ist,“ sagt Dr. Sebastien Puechmaille von der AG Angewandte Zoologie und Naturschutz an der Universität Greifswald und Seniorautor dieses Artikels.
Das White-Nose-Syndrom hat nicht nur verheerende Auswirkungen auf die Fledermauspopulation, es hat zudem weit reichendere Konsequenzen für das gesamte Ökosystem der Region. Bei überwinternden Fledermäusen in Nordamerika handelt es sich größtenteils um insektenfressende Fledermäuse, die eine wesentliche Rolle im Bereich der Insekten- und Schädlingsbekämpfung sowie der Bestäubung von Pflanzen spielen. Die Krankheit kann daher ein empfindliches Gleichgewicht stören, was ökologische Auswirkungen hat, die über den Verlust einer einzelnen Spezies hinausgehen.
Weitere Informationen
Dieser Artikel wurde in Current Biology veröffentlicht. [Leopardi, S., Blake, D., Puechmaille, S.J., 2015. White-Nose Syndrome fungus introduced from Europe to North America. Current Biology 25, R217-219 http://batlab.ucd.ie/~spuechmaille/papers/Leopardi_Blake-2015-White-Nose_Syndrome_fungus_introduced.pdf America DOI: 10.1016/j.cub.2015.01.047]. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960982215000792

27.05.2015, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
Leicoma Schwein: Züchter, Halter, Verarbeiter und Vermarkter gesucht
Eine Interessensgemeinschaft versucht, die am meisten gefährdete deutsche Schweinerasse zu erhalten. Das Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) sucht Unterstützer für die Initiative. Das Leicoma Schwein zeichnet sich durch hohe Fleischqualität sowie Robustheit aus. Einige Bundesländer bieten bereits Förderung für die vom Aussterben bedrohte Schweinerasse an.
Laut der Roten Liste einheimischer Nutztierrassen der BLE ist das Leicoma Schwein die am meisten gefährdete einheimische Schweinerasse. Daher soll schnellstmöglich ein Zuchtprogramm zum Erhalt dieser vielversprechenden Schweinerasse starten. Es bildet sich derzeit eine Interessensgemeinschaft, welche die Zucht, Haltung und Vermarktung des Leicoma Schweins voranbringen möchte. Hierfür werden interessierte Züchter, Schweinehalter sowie Verarbeiter und Vermarkter gesucht. Auch wird seit jüngstem in Sachsen-Anhalt und in Nordrhein-Westfalen eine Förderung für das Leicoma Schwein angeboten.
Das Leicoma Schwein – eine Rasse für den Premiummarkt
Das herausragende Merkmal der Schweinerasse ist die hohe Fleischqualität, welche ideal für die Erzeugung von Qualitätsschweinefleisch im Hochpreissegment ist. Diese günstige Eigenschaft hat das Leicoma Schwein vom Duroc Schwein geerbt, das maßgeblich an der Entstehung der Leicoma Rasse beteiligt war. Ein weiterer Vorzug des Leicoma Schweins ist seine Robustheit.
Landwirtschaftlicher Strukturwandel bedroht einheimische Rassen
Trotz dieser Vorzüge ist das Leicoma Schwein heute vom Aussterben bedroht. Die Rasse wurde in Mitteldeutschland gezüchtet, einer Region mit den fruchtbarsten Böden Deutschlands. Ab den 1990er-Jahren gaben viele Betriebe die Schweinezucht aufgrund geänderter ökonomischer Rahmenbedingungen auf. Sie spezialisierten sich auf den Marktfruchtanbau, der durch die sehr guten Böden begünstigt wurde. Damit nahm der Bestand des Leicoma Schweins rasch ab. Heute stehen die letzten Zuchttiere dieser Rasse auf nur noch einem Betrieb in Kleinleitzkau (Sachsen-Anhalt).
Damit ist das Leicoma Schwein vom Aussterben bedroht. Grundlage für diese Bewertung sind die jährlichen Erhebungen der Zuchttierbestände aller in Deutschland laut dem Tierzuchtgesetz gezüchteten Nutztierrassen. Basierend auf diesen Zahlen stuft der Fachbeirat Tiergenetische Ressourcen die einheimischen Rassen in jeweils eine von vier Gefährdungskategorien ein. Ziel ist die Erhaltung einheimischer Nutztierassen als Ressource für eine innovative Tierzucht und als Kulturgut.
Kontakt
Wer Interesse hat, die Erhaltung des Leicoma Schweins aktiv zu unterstützen, kann sich an das Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) der BLE wenden: ibv@ble.de oder telefonisch unter 0228/ 68 45 -3694.
Nähere Informationen zu gefährdeten einheimischen Nutztierrassen gibt es unter http://www.genres.de/haus-und-nutztiere/gefaehrdung/. Daten zur Bestandssituation sämtlicher, in Deutschland gezüchteter Rassen finden sich in der Zentralen Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen in Deutschland bei der BLE (TGRDEU) unter http://tgrdeu.genres.de.

28.05.2015, Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern
Backhaus: Erhalt der biologischen Vielfalt geht uns alle an
Heute wurde in zwei Pilotbetrieben in Walkendorf, Landkreis Rostock, veranschaulicht, wie das Projekt ‚Landwirtschaft für Artenvielfalt‘ am konkreten Beispiel funktioniert.
„Landwirtschaft für Artenvielfalt“ ist ein gemeinsames Vorhaben von WWF und Biopark, EDEKA und dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MV, für das das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) Naturschutzstandards für die Landwirtschaft entwickelt hat.
„Die biologische Vielfalt zählt mit zu den wertvollsten Gütern unserer Erde. Diesen Schatz zu erhalten, gehört zu den größten Herausforderungen, vor denen wir weltweit stehen. Dabei kommt der Landwirtschaft und letztendlich uns Verbrauchern eine zentrale Rolle zu, um das Aussterben von immer mehr Pflanzen und Tieren zu verhindern“, unterstrich Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, heute in Walkendorf.
Gerade erst hat das Bundesamt für Naturschutz seinen Artenschutz-Report vorgestellt. In der Roten Liste Deutschlands wurden mehr als 32.000 heimische Tiere, Pflanzen und Pilze hinsichtlich ihrer Gefährdung untersucht. Ergebnis zeigt ernüchterndes Bild für Deutschland: rund 31% der Arten wurden als bestandsgefährdet eingestuft, 4% sind bereits ausgestorben. „Kurz um, der Zustand der Artenvielfalt in Deutschland ist alarmierend. Mecklenburg-Vorpommern hat vor diesem Hintergrund eine ganz besondere Verantwortung insbesondere für Arten, die nur oder hauptsächlich nur hier vorkommen“, hob der Minister hervor. Dazu zählen z.B. das Wismarer Hügelfingerkraut oder der Schreiadler.
Das Vorhaben ‚Landwirtschaft für Artenvielfalt‘ soll einen Beitrag dazu leisten, den Erhalt der biologischen Vielfalt zu stärken. Hierzu wenden die Landwirtschaftsbetriebe Maßnahmen aus einem Katalog von Naturschutzmaßnahmen an. Die landwirtschaftlichen Produkte werden vom teilnehmenden Lebensmitteleinzelhändler garantiert abgenommen, wobei die auflaufenden Mehrkosten vergütet werden. „Letztlich liegt es an uns diesen Mehraufwand auch zu honorieren. In Italien werden rund 19 und in Deutschland nur knapp 10 % des Einkommens für Lebensmittel ausgeben. Das zeigt, dass wir einen neuen Zugang, eine neue Wertschätzung für die Lebensmittel entwickeln müssen. Denn eins muss uns klar sein: Wir wollen hohe Qualität aus der Region aus einer nachhaltigen und bäuerlichen Landwirtschaft. Dafür steht das Projekt ‚Landwirtschaft für Artenvielfalt‘“, machte Dr. Backhaus deutlich.
Zu den heute vorgestellten Maßnahmen zählen:
Maßnahmenkombination: Überjährige Streifen sowie Eingeschränkte Nutzung von Teilflächen im Grünland Zielarten: Braunkehlchen, Feldhase, Insekten, Wiesenflora
Maßnahmenkombination: 8 Wochen Ruhephase während der Brutzeit im Grünland, Walzen / Schleppen nicht vom 10.4. bis 31.7. sowie reduzierte Düngung Zielarten: Wiesenvögel, Feldhase, Insekten, Wiesenflora
Mosaiknutzung im Grünland Zielarten: Greifvögel (Schreiadler), Weißstorch, Insekten
Amphibienstreifen im Grünland und Acker Zielarten: Amphibien, Insekten
Ungemähte Streifen im Kleegras – Stehenlassen von Teilflächen Insekten, Feldvögel, Greifvögel, Feldhase, Amphibien
Mehr Informationen erhalten Sie auf: http://www.landwirtschaft-artenvielfalt.de

28.05.2015, Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz
Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Wolfsmanagements in Niedersachsen: Wolfsbüro beim NLWKN, intensivere Überwachung des Rudels in Munster, schnellere Rissbeurteilung, bundesweite Monitoring- und Kompetenzzstelle, neues Internetportal
Der Niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel und die Umweltstaatssekretärin Almut Kottwitz haben heute (Donnerstag) in Hannover die konstruktive Unterstützung durch die ehrenamtliche Arbeit der Wolfsberaterinnen und Wolfsberater und den koordinierenden Einsatz der Landesjägerschaft gelobt.
Mit dem Wolfskonzept, der Kooperation zwischen Land und Landesjägerschaft, dem finanziellen Ausgleich von Nutztierrissen und der Förderung von Präventionsmaßnahmen seien wichtige Voraussetzungen für den Umgang mit dem Wolf geschaffen worden.
Das Wolfskonzept aus dem Jahr 2010 sei nicht mehr in allen Punkten aktuell und werde daher überarbeitet, sagte der Minister. Das Wolfskonzept wird noch in diesem Jahr unter Einbindung des Arbeitskreises Wolf aktualisiert. Zur Weiterentwicklung des Konzepts und zum Erhalt und zur Förderung der Akzeptanz für den Wolf in der Bevölkerung würden die Auswertung nationaler und internationaler Erfahrungen, die Schulungs- und Informationsveranstaltungen und die Beratungstätigkeit weiter intensiviert.
Angesichts neuer Herausforderungen durch die wachsende Wolfspopulation und vermehrte Nahbegegnungen zwischen Mensch und Wolf, erläuterte der Minister die Maßnahmen seines Hauses:
– Anfang Juli nimmt das neue Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) seine Arbeit auf. Das Wolfsbüro ist personell mit drei Stellen ausgestattet. Neben der Bearbeitung der Meldungen über Nutztierrisse einschließlich der Auszahlungen sowie der Bearbeitung von Anträgen auf Präventionsmaßnahmen soll auch eine Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit und der Beratungstätigkeit erfolgen.
– Die intensivere Überwachung des Munsteraner Rudels, das durch wiederholte Sichtungen von weniger scheuen Wölfen aufgefallen ist, wurde bereits vor einigen Wochen vom Ministerium veranlasst. Das verstärkte Monitoring wird ab sofort vor Ort auch personell zusätzlich unterstützt. Außerhalb des Truppenübungsplatzes erfolgt das Monitoring in Kooperation mit der Landesjägerschaft Niedersachsen, auf dem Truppenübungsplatz selbst werden zusätzliche Experten eingesetzt.
– Die Verfahren und Abläufe zur Feststellung der Verursacher von Nutztierrissen sollen beschleunigt werden. Dabei wird insbesondere geprüft, inwieweit die Rissbegutachtung durch die Hinzuziehung von Veterinären der Landkreise (zum Beispiel in Tierkörperbeseitigungsanstalten) erfolgen kann und so in der Regel die amtliche Feststellung des Verursachers allein auf Grundlage des Rissgutachtens des Veterinärs erfolgen kann. Auch die Beschleunigung von DNA-Analysen durch ein Institut des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) wird geprüft.
– Maßgeblich auf Initiative Niedersachsens wurde in der vergangenen Woche auf der Umweltministerkonferenz die Einrichtung einer bundesweiten Dokumentations- und Beratungsstelle erörtert und befürwortet. Der Bund hat die Einrichtung der Stelle zugesagt. Dort sollen alle Beobachtungen und Bewertungen zu Wolfssichtungen zusammengeführt und über einen bundeseinheitlichen Umgang mit auffälligen Wölfen beraten werden.
– Als zentrale Plattform für Informationen im Internet geht Anfang Juni ein neues Internetportal unter dem Titel „Der Wolf in Niedersachsen“ an den Start.
Minister Wenzel abschließend: „Ich bin überzeugt, dass die Einrichtung des Wolfsbüros im NLWKN einen wichtigen Beitrag für das konfliktarme Zusammenleben von Wolf und Mensch leisten wird. Auch das intensivere Monitoring, die beschleunigte Bearbeitung von Rissvorfällen und neue Angebote für die Öffentlichkeitsarbeit werden das Wolfsmanagement in Niedersachsen verbessern. Bei allen Maßnahmen im Umgang mit dem unter Artenschutz stehenden Wolf steht für die Landesregierung die Sicherheit der Menschen immer an erster Stelle!“

28.05.2015, Nationalpark Hohe Tauern
Bartgeier-Wiederansiedlung in Europa – erfolgreiche Freilassung im Nationalpark Hohe Tauern
In der Großglocknergemeinde Kals wurden am 28.5.2015 im Nationalpark Hohe Tauern zwei Bartgeier freigelassen und damit ein weiterer Impuls für eines der erfolgreichsten Wiederansiedlungs- und Artenschutzprojekte gesetzt. Das Ziel einer stabilen Bartgeier-Population im Alpenraum rückt immer näher.
„Es freut mich, dass durch die langjährige und hartnäckige Arbeit zahlreicher Partner wie unter anderem der EGS Österreich (Anm.: Verein österr. Eulen- und Greifvogelgesellschaft), des Alpenzoo Innsbruck und dem Nationalpark Hohe Tauern der ursprünglich vom Menschen ausgerottete Bartgeier wieder im Alpenraum heimisch wird“, nahm Tirols Landeshauptmann-Stellvertreterin und Naturschutz-Landesrätin Ingrid Felipe Bezug zur nun fast drei Jahrzehnte andauernden Wiederansiedlungsarbeit im Alpenraum und Mitteleuropa.
Die beiden am 28.5.2015 in Kals am Großglockner freigelassenen Bartgeier „Lea“ und „Fortuna“ stammen aus Zuchten des Zoos von Ostrava (Tschechien) und aus Haringsee (Österreich). Obwohl die Namen anderes suggerieren, handelt es sich bei beiden Freilassungstieren um männliche Junggeier, die den derzeitigen Überschuss an weiblichen Tieren in den Ostalpen ausgleichen sollen. Zahlreiche nachgewiesene erfolgreiche Brutversuche in den Ostalpen sind Indizien für eine sich etablierende und zukünftig selbst erhaltende Population im Alpenraum.
Die Österreichischen Lotterien haben als Sponsor die Patenschaft für „Fortuna“ übernommen. „Für die Österreichischen Lotterien gehört es seit der Gründung vor nunmehr bald 30 Jahren zur Unternehmensphilosophie, Initiativen zu fördern, die gut für unsere Gesellschaft und einen bewussten Umgang mit unserem Lebensraum sind.“, berichtet Dr. Karl Stoss, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Lotterien und Präsident des Vereins der Freunde des Nationalpark Hohe Tauern.
Bis „Lea“ und „Fortuna“ ihre ersten Flugversuche im Kalser Dorfertal unternehmen und schlussendlich dann ihren Horst verlassen, können Interessierte im Dorfertal die Bartgeierbeobachtungsstation des Nationalparks Hohe Tauern besuchen und unter fachkundiger Anleitung die jungen Geier im Horst und später bei ihren ersten Flugversuchen beobachten.

29.05.2015, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Einfluss des Klimawandels auf Vogelarten nimmt zu – Monitoringbericht der Bundesregierung zum Klimawandel vorgestellt
teigende Temperaturen, feuchtere Winter und häufigere Wetterextreme wirken sich zunehmend auf die deutsche Gesellschaft aus. Betroffen sind unter anderem die Energieversorgung, die Landwirtschaft und die Gesundheitsvorsorge. Das ist das Ergebnis des bislang umfassendsten Berichts der Bundesregierung zur Anpassung an den Klimawandel. Anhand von Daten aus 15 verschiedenen Gesellschaftsbereichen zeigt der Bericht der Interministeriellen Arbeitsgruppe „Anpassungsstrategie der Bundesregierung“ auf, welche Veränderungen sich durch den Klimawandel heute schon feststellen lassen und welche Gegenmaßnahmen bereits greifen.
Die Zahl der so genannten „Heißen Tage“ pro Jahr mit Temperaturen über 30 Grad in Deutschland ist seit 1951 von drei auf acht gestiegen. Die über längere Zeiträume andauernden Hitzewellen können sich vielfältig auswirken. So mussten im Sommer 2003 über 30 europäische Kernkraftwerke ihre Stromproduktion drosseln, weil aufgrund der Trockenheit nicht genügend Kühlwasser zur Verfügung stand. Steigende Temperaturen führen auch zu steigenden Gesundheitsrisiken, da die Hitze Menschen stark belasten kann. In bestimmten Regionen Süddeutschlands breiten sich zudem neue wärmeliebende Insekten wie die Tigermücke aus. Sie können schwere Krankheiten wie Malaria oder Dengue-Fieber übertragen. In der Landwirtschaft führen Trockenstress oder Extremereignisse wie Stürme, Starkregen und Hagel zu großen Qualitätsschwankungen und Ertragseinbußen. Mit diesen und weiteren Details zeichnet der erste „Monitoringbericht der Bundesregierung zur Anpassung an den Klimawandel“ ein klares Bild von den Folgen des Klimawandels in Deutschland und erläutert den aktuellen Stand geeigneter Anpassungsstrategien.
Der Bericht greift auch den Einfluss des Klimawandels auf Vögel auf, die auf Veränderungen ihrer Umwelt vergleichsweise sensibel reagieren. Die Zusammensetzung von Vogelartengemeinschaften kann sich in Abhängigkeit von Umwelteinflüssen stark verändern. In der Regel sind diese Veränderungen Ergebnis des Zusammenwirkens vieler unterschiedlicher Einflussfaktoren. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen jedoch, dass Klimaveränderungen hierbei eine entscheidende Rolle spielen können.
Vögel haben in der Brutzeit artspezifische Temperaturansprüche. Nehmen bedingt durch den Klimawandel die Temperaturen in der Brutzeit im langfristigen Mittel zu, dann finden wärmeliebende Arten bessere Bedingungen vor und werden im Vergleich zu anderen Vogelarten häufiger. Umgekehrt werden kälteliebende Arten im Vergleich zu anderen Vogelarten seltener. In den Jahren 1990 bis 2010 lässt sich eine solche Entwicklung anhand von 88 in Deutschland häufig vorkommenden Brutvogelarten beobachten. Wie der vom Dachverband Deutscher Avifaunisten nach dem Vorbild einer französischen Forschergruppe um Vincent Devictor (Devictor et al. 2008) für Deutschland modifizierte Temperaturindex häufiger Brutvogelarten zeigt, haben sich in diesem Zeitraum die relativen Häufigkeiten der betrachteten Vogelarten zu Gunsten wärmeliebender Arten bzw. zu Ungunsten kälteliebender Arten in statistisch signifikanter Weise verschoben. Diese Befunde lassen sich auch anhand der Verschiebungen von Häufigkeiten und Verbreitungsgebieten einzelner Arten nachvollziehen, wie z.B. anhand der Arealzugewinne des klimasensitiven Bienenfressers. Diese und weitere spannende Veränderungen der Vogelwelt der letzten Jahrzehnte können auch im neu erschienenen Atlas Deutscher Brutvogelarten nachvollzogen werden.
Zur Berechnung des Temperaturindex wird jeder der 88 Arten ein artspezifischer Temperaturanspruchswert zugeordnet, der aus der durchschnittlichen Temperatur (März-August) für den Referenzzeitraum 1961-1990 innerhalb des europäischen Verbreitungsgebiets der Art ermittelt wird. Diese artspezifischen Temperaturanspruchswerte gehen – nach der relativen Häufigkeit der Art im jeweiligen Jahr gewichtet – in die Berechnung des Indexwerts ein. Je stärker der Temperaturindex häufiger Brutvogelarten langfristig zunimmt, desto stärker verschieben sich die relativen Häufigkeiten der Arten untereinander zugunsten wärmeliebender Arten und desto stärker ist der Einfluss eines Temperaturanstiegs auf die betrachtete Gruppe der Vögel. Die gezeigten Indexwerte sind auf ganz Deutschland bezogen, d. h. Aussagen zu einer veränderten Zusammensetzung regionaler Brutvogelgemeinschaften sind hiermit nicht möglich.
Zum Bericht

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