Europhippus und der Windjäger

Eurohippus messelensis (Senckenberg Museum Frankfurt)

Eurohippus messelensis (Senckenberg Museum Frankfurt)

Eurohippus lebte in den tropischen Wäldern, was vor allem die Funde aus der Grube Messel zeigen, wo anhand der exzellent erhaltenen Flora das Habitat der Art rekonstruiert werden kann. Hier lebten die Tiere als Buschschlüpfer, wie ihre Körperform annehmen lässt. Dabei ernährten sie sich hauptsächlich von weicher Pflanzenkost (browsing), was die niederkronigen Backenzähne mit ihrer teils höckrigen Oberflächenstruktur beweisen. Untersuchungen der ebenfalls hervorragend überlieferten Mageninhalte aus Messel ergaben Blattreste von wenigstens zwölf verschieden Arten von Lorbeergewächsen, darüber hinaus konnten fünf weitere Pflanzenfamilien, so Hickorynussbaum, Feigen, Myrten- und Hundsgiftgewächse, ermittelt werden. Weitere Untersuchungen ergaben auch unzählige Samenkörner von Weinrebengewächsen. Dies zeigt, dass auch Früchte noch einen erheblichen Anteil im Nahrungsspektrum hatten. Die aufgenommene Nahrung wurde möglicherweise wie bei den heutigen Pferden im Enddarm unter Beteiligung zahlreicher Mikroorganismen verdaut. Darauf lässt der Befund eines Tieres aus der Grube Messel schließen, der zwar der nahe verwandten Gattung Hallensia angehört, der aber durch Bakteriennachzeichnung der inneren Organe (Bakteriographie) auf einen großen Blinddarm schließen lässt.
Weiterhin konnte nachgewiesen werden, dass Eurohippus wie heutige Pferde nur jeweils ein Fohlen zur Welt brachten, was typisch ist für einen engen Sozialverband während der Aufzuchtszeit und als k-Strategie in der Fortpflanzung bezeichnet wird. Bei insgesamt acht vollständigen Skelettfunden aus der Grube Messel fanden sich Reste eines jeweils singulären Fötus. Ein ähnlicher Befund fand sich bei einem Tier der Gattung Propalaeotherium im Eckfelder Maar, so dass dies als typisch für die frühesten Pferde angesehen werden kann. Weiterhin ist durch die bakterielle Nachzeichnung der ehemaligen Weichteile bekannt, dass Eurohippus eine quastenförmige Schwanzbehaarung besaß und die Ohren eher kurz wie beim Wildpferd waren und nicht so lang und tütenförmig wie bei den heutigen Eseln und Zebras.

Und heute? Aus den kleinen Huftieren wurde ein wichtiger Begleiter des Menschen: Lange Reisen wurden einfacher, neue Angriffs- und Kriegstechniken wurden möglich, im Mittelalter begann die Nutzung des Pferdes als Arbeitstier. Pferde liefern Fleisch, Leder und Milch (die auch in der Kosmetik Verwendung findet). Und natürlich nicht zu vergessen das Rosshaar, das u. a. Verwendung als Polstermaterial und als Bespannung von Streichbögen findet.
Die moderne Technik hat in vielen Teilen der Welt das Pferd ersetzt oder es zum puren Freizeit- und Sport-„Gerät“ degenerieren lassen. Doch nach wie vor gibt es Völker, die stolz darauf sind, von Reitervölkern abzustammen und das Pferd mehr als Gefährten (oder teures Besitztum) sehen.
Auch in der fantastischen Literatur (und den alten Legenden und Sagen) spielen Pferde eine große Rolle.
Einhörner und der Pegasus sind beliebte Motive in Literatur und Kunst, aber das fantastische Reich der Pferde ist viel viel größer.

Langer Rede, kurzer Sinn: Anfang Juli erscheint eine Anthologie mit 13 fantastischen Pferdegeschichten:
Hannah Steenbock, Sabrina Hubmann & Markus Skerhut (Hrsg.)
WINDJÄGER
und andere fantastische Pferdegeschichten
Fantasy 17
p.machinery, Murnau, Juni 2015, 192 Seiten, Paperback
ISBN 978 3 95765 033 7 – EUR 8,90 (DE)
als eBook: in Vorbereitung

Mehr Informationen folgen …

Und warum das Ganze?
Ich bin selbst mit einer Geschichte vertreten, neben Maren Frank (gestorben 2012), Chris Lind, Linda Budinger …
Es wird (vermutlich) keine Rezension auf dem Beutelwolf-Blog geben, aber da die Anthologie mit tierischer Thematik ist und meine Autorenseite brach liegt und demnächst ganz vom Netz genommen wird, wird man in diesem Blog bestimmt noch öfter von den WINDJÄGERN lesen.

Und was haben die WINDJÄGER mit Eurohippus zu tun? Nun ja … einen direkten Zusammenhang gibt es nicht, ich wollte nur auf ungewöhnliche Weise auf das Buch hinweisen.

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