Wissenswertes über Mastodonten

Amerikanisches Mastodon  (© N. Tamura)

Amerikanisches Mastodon (© N. Tamura)

Die Mastodonten (Mastodontoidea) sind ein nicht mehr gebräuchliches Taxon für eine Überfamilie der Rüsseltiere. In dieser Gruppe wurden ursprünglich die Familien der Gomphotherien (Gomphotheriidae), Echten Mastodonten (Mammutidae) und Stegodonten (Stegodontidae) zusammengefasst. Eingeführt wurde die Bezeichnung Mastodontoidea für diese Gruppe von Henry Fairfield Osborn (1857–1935) im Jahr 1921. Zurück geht sie auf Mastodon, die ursprünglich 1817 von Georges Cuvier (1769–1832) für ein heute als Gomphotherium angustidens bezeichnetes Rüsseltier der Gomphotherien verwendet wurde (allerdings hatte Cuvier dieses bereits 1806 als mastodonte à dents étroites beschrieben). Der Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet μαστός (mastos, Brust) und οδον (odon, Zahn). Er bezieht sich auf die durch Höcker geprägten Backenzähne, die seitlich betrachtet an die Brüste einer Frau erinnern („Brustzähner“).
Eine Gemeinsamkeit innerhalb der Gruppe der Mastodonten war ihr schon deutlich elefantenartiges Aussehen, wobei sie insgesamt eher länglicher und niedriger gebaut waren sowie längere und flachere Schädel besaßen. Frühe Formen waren allerdings relativ klein und recht kurzbeinig. Des Weiteren unterschied sie ihr höckeriger Zahnbau deutlich von den Elefanten mit ihren lamellenartigen Zähnen. Außerdem wiesen zahlreiche Vertreter im Gegensatz zu heutigen Elefanten sowohl im Unter- als auch im Oberkiefer verlängerte Stoßzähne auf, die sich aus den Schneidezähnen entwickelt hatten.
Aufgrund kladistischer Untersuchungen werden die Mastodonten heute verschiedenen Überfamilien zugewiesen. Die Echten Mastodonten gehören nun der Überfamilie Mammutoidea, die Gomphotherien der Überfamilie Gomphotherioidea und die Stegodonten der Überfamilie Elephantoidea an. Letztere umfasst auch die heutigen Elefanten. Alle drei Überfamilien gehören zu den Elephantimorpha. Der Begriff Mastodon wird heute nur noch für das Amerikanische Mastodon verwendet, während die Echten Mastodonten in der Fachsprache Mammutiden heißen.

Die Echten Mastodonten oder Mammutiden (Mammutidae) sind eine ausgestorbene Familie der Rüsseltiere (Proboscidea) aus Neogen und Quartär. Innerhalb dieser stellen sie eine sehr urtümliche Form dar. Sie waren über die gesamte Alte Welt bis nach Amerika verbreitet und starben dort erst zum Ende des Pleistozäns vor ca. 10.000 Jahren aus.

Der Körperbau der Echten Mastodonten ähnelte dem der Elefanten, war jedoch länger und niedriger. Charakteristisch war die fliehende Stirn. Wie die Gomphotherien hatten die Echten Mastodonten deutlich zygodonte Backenzähne, die aus einzelnen Leisten mit je einem zitzenförmigen Zahnschmelzhöcker an deren Enden bestanden. Dabei wiesen die Milchmolaren und die beiden ersten Dauermolaren jeweils drei Leisten (trilophodont) auf, während der letzte Molar vier besaß. Die Zahnmorphologie lässt auf eine laubfressende Ernährungsweise schließen. Frühe Vertreter der Echten Mastodonten besaßen noch vier Stoßzähne, je ein Paar im Ober- und Unterkiefer, die sich wie bei allen Rüsseltieren aus dem jeweils zweiten Schneidezahn jedes Kieferbogens bildeten. Späte Formen wiesen nur noch Oberkieferstoßzähne auf, während die unteren durch die Verkürzung des Unterkiefers reduziert und später nicht mehr ausgebildet wurden.

Mastodon (Landesmuseum Hessen Darmstadt)

Mastodon (Landesmuseum Hessen Darmstadt)

Die ersten Echten Mastodonten entwickelten sich in Afrika aus dem Palaeomastodon. Molekulargenetischen Untersuchungen zufolge spalteten sie sich bereits im oberen Oligozän vor 26 Millionen Jahren von der Entwicklungslinie zu den heutigen Echten Elefanten ab. Der erste Fossilnachweis mit Eozygodon stammt aus dem unteren Miozän vor rund 22 Millionen Jahren. Aus diesem entwickelte sich später Zygolophodon. Diese Rüsseltiergattung erreichte vor rund 20 Millionen Jahren mit der allmählichen Schließung des Tethys-Ozeans und der Bildung einer Landbrücke zwischen Afrika und den nördlichen Kontinentalmassen auch Eurasien und letztendlich Amerika. Sie besaß vier Stoßzähne, wobei die oberen nach unten gebogen waren, während die deutlich kleineren unteren einen geraden Verlauf hatten. Im Laufe der Entwicklung reduzierten sich aber die unteren Stoßzähne, während die Molaren eine stärker zygodonte Form annahmen. In Mitteleuropa sind Funde der Art Zygolophodon turicensis aus Elgg (Kanton Zürich) und Esselborn (Rheinland-Pfalz) bekannt.

Die Mastodonten aus dem späten Miozän beginnend vor rund 10 Millionen Jahren werden der Gattung Mammut zugerechnet. Diese besaßen nur noch zwei obere Stoßzähne. Der Gattungsname Mammut kann zur Verwechslung mit Mammuthus führen, dem Gattungsnamen des Mammuts, einer ausgestorbenen Gruppe der Elefanten (Elephantidae). Eine der größten Formen war die eurasische Art Mammut borsoni aus dem Miozän und dem Pliozän. Sie erreichte eine Schulterhöhe von 3,5 bis knapp 4 m. Bemerkenswert sind die extrem langen, kaum gebogenen Stoßzähne dieser Art. Ein kürzlich entdecktes Skelett aus Makedonien (Griechenland) wies Stoßzähne mit einer Länge von 4,5 m auf. Aus Deutschland stammen Funde aus Kaltensundheim (Thüringen), wo 1958 ein Teilskelett und zwischen 1976 und 1978 ein nahezu vollständiges Skelett geborgen wurde. Mit Mammut borsoni starb in Eurasien im frühen Pleistozän vor etwa 2,5 bis 2 Millionen Jahren der letzte Vertreter der Echten Mastodonten aus. Das Aussterben der Rüsseltiere wird mit der in dieser Zeit zunehmenden Abkühlung des Klimas und der Ausbreitung von Steppen in Eurasien erklärt, die den spezialisierten Blattfressern die Nahrungsgrundlage entzogen.
In Amerika existierten die Mastodonten aber wesentlich länger. Das Amerikanische Mastodon (Mammut americanum) lebte bis vor etwa 10.000 Jahren in Nordamerika und gehörte zu den letzten Angehörigen einer ganzen Gruppe von urtümlichen Rüsseltieren. Es erreichte eine Schulterhöhe von etwa 2,5 m und besaß als Anpassung an das kühle bis kalte Klima ein Fell. Die Stoßzähne waren deutlich nach oben geschwungen. Nachgewiesen ist es von zahlreichen Fundstellen in Kanada und den USA, aber auch von einigen Stellen in Mittelamerika, wie Funde aus Mexiko und Honduras belegen.

Amerikanisches Mastodon (Charles R. Knight)

Amerikanisches Mastodon (Charles R. Knight)

Der Name Mastodon leitet sich aus dem Griechischen μαστός (mastos, Zitze oder Brust) und οδον (odon, Zahn) her und bezieht sich auf den besonderen Zahnaufbau. Eingeführt wurde er offiziell 1817 von dem französischen Paläontologen Georges Cuvier. Er verwendete ihn aber für ein Tier, das heute als Gomphotherium angustidens bezeichnet und den moderneren Rüsseltieren aus der Gruppe der Gomphotherien zugerechnet wird. Aufgrund dessen wird dieser Begriff heute in der Fachliteratur nur noch selten gebraucht und bezieht sich meist auf das Amerikanische Mastodon, als Rüsseltiergruppe werden die Echten Mastodonten von Fachleuten Mammutiden genannt. Die Bezeichnung Mammut (nicht zu verwechseln mit Mammuthus, der Gattung der Mammuts), von dem sich der Fachbegriff ableitet, geht auf Johann Friedrich Blumenbach zurück, der in seinem Handbuch der Naturgeschichte aus dem Jahr 1799 erstmals das Amerikanische Mastodon als Mammut ohioticum erwähnte.

Zur Familie der Echten Mastodonten gehören folgende Gattungen:
Losodokodon Rasmussen & Gutiérrez, 2009
Eozygodon Tassy und Pickford, 1983
Zygolophodon Vacek, 1877
Mammut Blumenbach, 1799

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