Die Stammesgeschichte der Gänsevögel

Graugans (Tierpark Hellabrunn)

Graugans (Tierpark Hellabrunn)

Obwohl aus der Kreide fragmentarische Fossilfunde bekannt sind, die manchmal für Gänsevögel gehalten wurden, stammt der älteste zweifelsfreie Gänsevogel aus dem Paläozän. Es ist Presbyornis, der nach den Analysen von Livezey mit den Entenvögeln näher als mit den Wehrvögeln verwandt ist. Der fossile Vogel wurde zunächst für einen Verwandten der Säbelschnäbler oder der Flamingos gehalten, ehe ihn Harrison und Walker 1976 in die Nähe der Gänsevögel stellten.
Aus dem Paläozän und Eozän ist ausschließlich Presbyornis bekannt. Erst im Oligozän tauchen weitere fossile Gänsevögel auf, doch scheinen sie in dieser Zeit rar gewesen zu sein. Im Miozän kam es zu einer explosiven Radiation mit Herausbildung der heute bekannten Typen.

Chaunoides antiquus ( Geraldo Franca Jr)

Chaunoides antiquus (Geraldo Franca Jr)

Fossilfunde der Wehrvögel sind äußerst rar. Lange Zeit bestand das älteste Fossil aus Überresten eines Halsband-Wehrvogels, die man in Argentinien gefunden hatte, und die auf ein Alter von 20.000 Jahren datiert wurden. In den 1990ern wurde jedoch mit Chaunoides antiquus bei Taubaté in Brasilien erstmals eine fossile Art entdeckt; diese lebte an der Schwelle zwischen dem Oligozän und dem Miozän. Ferner sind aus dem Eozän Fossilfunde aus England und Wyoming bekannt, die als Wehrvogel-Überreste gedeutet wurden, was aber aufgrund der fragmentarischen Überlieferung fragwürdig ist.

Entenvögel sind seit dem Oligozän bekannt, doch sind Fossilien aus dieser Zeit extrem rar. Erst im Miozän kam es zu einer explosiven Radiation. Alle großen rezenten Tribus sind bereits aus dem Miozän belegt.
Die zwei Gattungen Mionetta und Dendrochen sind aus dem Miozän Nordamerikas und Europas bekannt und ähnelten rezenten Pfeifgänsen. Mionetta blanchardi nistete wohl an Kalksteinklippen in Frankreich, Dendrochen robusta an Flüssen der subtropischen Savannen von South Dakota.
Die Moa Nalos spalteten sich vermutlich vor über drei Millionen Jahren von den übrigen Schwimmenten (Anantini) ab. Das heißt, dass sie vermutlich damals Kauai und/oder Oahu erreichten und später eine Art, die noch nicht ganz flugunfähig war, nach Molokai auswanderte, von wo aus sie im Pleistozän zu Fuß auf die Inseln Lanai und Maui auswandern konnte, die damals mit Molokai eine zusammenhängende Insel bildeten. Hawaii konnte sie nie besiedeln, da sie bei der Entstehung dieser Insel längst völlig flugunfähig war.
Sie wurden etwa vor 1600 Jahren als eine der ersten Vogelarten der Inselgruppe von den polynesischen Siedlern ausgerottet.

Neben den heute noch lebenden Familien (Entenvögel, Wehrvögel und Spaltfußgänse) existieren noch einige ausgestorbene Familien:
Presbyornithidae mit vier fossilen Arten des Paläozäns und Eozäns, die zur Gattung Presbyornis gezählt werden.
Romainvillidae, einzige bekannte Art ist Romainvillia stehlini aus dem Eozän/Oligozän, gänsegroß, vermittelt morphologisch zwischen Spaltfuß- und Pfeifgänsen.
Cygnopteridae mit drei Arten in der Gattung Cygnopterus aus dem Oligozän und Miozän; sie wurden oft für fossile Schwäne gehalten, verdienen nach Ansicht des Ornithologen Bradley C. Livezey aber den Rang einer eigenen Familie.
Brontornithidae mit der einzigen bekannten Gattung Brontornis, einem flugunfähigen Riesenvogel aus dem Miozän von Südamerika, der in vielen, vor allem älteren Publikationen aber den „Terrorvögeln“ (Phorusrhacidae) zugeordnet wird.
Paranyrocidae mit der einzigen bekannten Art Paranyroca magna, einem schwanengroßen Vogel des Miozäns Nordamerikas.

Auch die Donnervögel werden zu den Gänsevögeln gezählt. Es gibt keine rezenten Nachfahren.

Der Abdruck von Chaunoides antiquus geschieht mit freundlicher Genehmigung von Geraldo Franca Jr.

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