Neues aus Wissenschaft und Naturschutz (oder: Neues vom Dachverband Deutscher Avifaunisten)

06.07.2015, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Alarmierend: Seevögelbestände gehen weltweit zurück
Populationen von Seevögeln sind gute Indikatoren für langfristige und großräumige Veränderungen mariner Ökosysteme. In einer Untersuchung des Projektes „Sea Around Us“ der Universität von British Columbia und der Pew Charitable Trusts wurden nun die Entwicklungen der weltweiten Seevogelbestände 1950-2010 verglichen. Insgesamt wurden dabei Daten von mehr als 300 Seevogelarten aus 13 Familien und von über 350 Küstenabschnitten ausgewertet. Geschätzte 19 % der weltweiten Seevogelbestände konnten somit berücksichtigt werden, sodass die ermittelten Trends die reale Entwicklung widerspiegeln dürften. Die Ergebnisse geben Grund zur Sorge, denn es wurde festgestellt, dass die Bestände insgesamt um rund 70 % zusammengebrochen sind. Die größten Rückgänge wurden dabei bei Seevogelfamilien festgestellt, deren Arten vorwiegend weit verbreitet sind oder die sehr große Aktionsräume haben, was auf eine weltweite statt kleinräumige Gefährdung hinweist. So gab es bei den Seeschwalben, die insbesondere auf dem Zug enorme Entfernungen zurücklegen, die größten Rückgänge, gefolgt von Fregatt- und Sturmvögeln. Zunahmen konnten bei Sturmschwalben, Alken und Tölpeln verzeichnet werden. Die Ergebnisse wurden in der internationalen Online-Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht.
Paleczny, M., E. Hammill, V. Karpouzi & D. Pauly (2015): Population Trend of the World’s Monitored Seabirds, 1950-2010. PLOS ONE 10(6): e0129342. doi:10.1371/journal.pone.0129342

06.07.2015, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Sturmtaucher orientieren sich anhand von Gerüchen
Eine gemeinsam von Wissenschaftlern aus Großbritannien, Italien, Portugal und den Kapverden durchgeführte Studie an Sturmtauchern hat nun gezeigt, dass sich die Vögel bei ihren weiten Strecken über offenem Meer und ohne jegliche Landmarken offenbar anhand von Gerüchen orientieren. Bereits in vorherigen Studien war ermittelt worden, dass Sepiasturmtaucher bei Einschränkung ihres Geruchssinns Schwierigkeiten bei der Navigation haben, während eine magnetische Beeinflussung keine Effekte zeigte. Inwiefern olfaktorische Signale jedoch tatsächlich zur Rückkehr in die Brutkolonien genutzt werden, war bislang unbekannt.
Insgesamt 210 Kanarensturmtaucher, Sepiasturmtaucher und Kapverdensturmtaucher wurden im Rahmen der Untersuchung an ihren Brutplätzen mit kleinen GPS-Loggern besendert. Anschließend wurde der Brutplatz täglich erneut kontrolliert und der Logger nach Rückkehr des Vogels umgehend wieder entfernt. Verwendet wurden dabei Logger, die die Position des Vogels alle 10 Minuten aufzeichneten.
Es wurde angenommen, dass die Vögel bei Navigation per Geruchssinn nicht auf gerader Strecke zu ihrem Ziel gelangen, sondern je nach Intensität der Gerüche jeweils nur für bestimmte Zeit in eine Richtung geführt werden. Wird eine Geruchsspur verloren, ändern die Vögel ihre Richtung, bis eine neue Spur gefunden wurde, die ihnen die Richtung weist. Die Konzentrationen des vorwiegend von Phytoplankton erzeugten Dimethylsulfid und anderen biogenen Gerüchen variieren erwartungsgemäß im Raum, sind jedoch weitgehend beständig. Ihre Verteilung kann somit von langlebigen Vögeln wie Röhrennasen erlernt werden. In der unmittelbaren Umgebung der Kolonien wird vermutlich die visuelle Orientierung anhand von Landmarken oder Flugrichtungen anderer Vögel eingesetzt.
Die Ergebnisse der beloggerten Röhrennasen ergaben, dass 69 % der Vögel sich nach dem bei olfaktorischer Navigation zu erwartenden Muster bewegten. Nahezu alle Nahrungsflüge, die vier oder mehr Tage andauerten stimmten überein, bei kürzeren Ausflügen von weniger als zwei Tagen hingegen nur weniger als die Hälfte.
Nie zuvor konnten so konkrete Hinweise auf eine Orientierung per Geruchssinn an Wildvögeln gesammelt werden. Die Ergebnisse der Studie wurden in der jüngsten Ausgabe des Online-Fachjournals der Royal Society Proceedings B veröffentlicht.
Gelbschnabel-Sturmtaucher (Sepia-/Kanarensturmtaucher) treten als sehr seltene Ausnahmeerscheinungen im Herbst auch in der Nordsee auf. Von der Deutschen Avifaunistischen Kommission wurden seit 2010 vier Nachweise anerkannt, zuletzt aus dem September 2012. Seit 1977 existieren gerade einmal 22 anerkannte Nachweise für Deutschland.
Reynolds, A. M., J. G. Cecere, V. H. Paiva, J. A. Ramos & S. Focardi (2015): Pelagic seabird flight patterns are consistent with a reliance on olfactory maps for oceanic navigation. Proc. R. Soc. B 2015 282 20150468; DOI: 10.1098/rspb.2015.0468.

07.07.2015, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Über den Wolken: Neuer Höhenrekord beim Schreiadler
Ein in der Uckermark brütendes Schreiadlerweibchen hat einen neuen Höhen-Rekord für seine Art aufgestellt. Der Vogel „Marta“ ist mit einem GPS-Sender besendert, dessen Daten nun ausgewertet wurden: Beim Flug aus dem afrikanischen Winterquartier zurück nach Brandenburg legte der Vogel am 29. März über Äthiopien eine längere Strecke in Höhen über 4000 Metern zurück und erreichte dabei maximal 4532 Meter über dem Meeresspiegel. Laut Greifvogel-Experte Bernd-Ulrich Meyburg ist eine solche Flughöhe sehr ungewöhnlich und bislang noch nie bei Schreiadlern gemessen worden. Allerdings ermöglichen erst die von „Marta“ und ihrem Schreiadlermännchen „Ulf“ getragenen Prototypen neuester Sender derartige Messergebnisse, ältere Modelle erfassten nur bis 2000 Meter. Bekannt war daher bislang nur, dass Schreiadler um die 1000 Meter erreichen.
Warum Schreiadler „Marta“ so hoch flog, ist unklar. Kein Gebirgszug zwang den Vogel zu einem derartigen Höhenflug. Vermutlich bedeuteten der geringere Luftwiderstand oder günstige Höhenwinde einen ökonomischen Vorteil für die Vögel. Auch Schreiadlermännchen „Ulf“ flog ähnlich hoch und erreichte um die 4200 Meter.
Die Märkische Oderzeitung begleitet die beiden Adler aus der Uckermark seit ihrem Zug nach Afrika im Herbst 2014. Regelmäßig wird über die neuesten Entwicklungen berichtet. Über die Zugwege der beiden sowie weiterer besenderter Schreiadler informiert auch die Internetseite der Weltarbeitsgruppe Greifvögel e.V..

07.07.2015, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Hervorragende Brutsaison für britische Rosenseeschwalben
Mit mehr als 100 aktuell auf Coquet Island brütenden Rosenseeschwalben, verläuft die Brutsaison für den seltensten in Großbritannien brütenden Seevogel bislang sehr erfreulich. Das Erreichen einer dreistelligen Anzahl von Brutpaaren ist das Ergebnis 15-jähriger, intensiver Schutzmaßnahmen auf der Insel in der Grafschaft Northumberland.
Rosenseeschwalben litten im 20. Jahrhundert unter weltweiten Bestandsrückgängen und waren in Großbritannien ohnehin stets nur wenig häufig. Aktuell befindet sich auf Coquet Island die einzige regelmäßig besetzte Brutkolonie des Vereinigten Königreichs. Mit der Bereitstellung von bereits in Südirland bei Rosenseeschwalben erfolgreich eingesetzten Nisthilfen auf eigens geschaffenen Kiesterrassen durch die Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) begann im Jahr 2000 eine beispielhafte Erfolgsgeschichte. Bereits im ersten Jahr nach der Errichtung stieg die Zahl der Brutpaare von 24 auf 34 an. Die Nisthilfen schützten die Jungvögel maßgeblich vor Prädatoren wie Heringsmöwen, sodass die Kolonie fünf Jahre später schon 92 Paare umfasste. Doch auch vor Störungen und Eierdieben ist die Kolonie seitdem geschützt: Rund um die Uhr wird die Kolonie von RSBP-Mitarbeitern und freiwilligen Helfern bewacht. Es muss außerdem dauerhaft gewährleistet werden, dass sich keine Säugetiere wie Ratten auf der Insel ausbreiten und die Kolonie gefährden.
Die britischen Naturschützer hoffen nun auf eine erfolgreich verlaufende Brutsaison und darauf, dass die große Zahl von Nachkommen dazu führt, dass sich Kolonien auch in anderen Gebieten entlang der Küste Northumberlands etablieren.
Rosenseeschwalben sind in Deutschland eine extreme Ausnahmeerscheinung und seit 1977 insgesamt erst sechsmal nachgewiesen worden. Der letzte Nachweis der Art stammt aus dem April 2001 von der Hallig Hooge an der Westküste Schleswig-Holsteins. Ein Jahr zuvor startete eine 1996 als Jungvogel in einer irischen Brutkolonie beringte Rosenseeschwalbe einen Brutversuch mit einer Flussseeschwalbe auf der unbewohnten ostfriesischen Insel Minsener Oog, der jedoch scheiterte. Ein neuer Nachweis einer Rosenseeschwalbe in Deutschland würde sicher für große Aufmerksamkeit unter den Vogelbeobachtern sorgen.

08.07.2015, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Winzige GPS-Logger revolutionieren die Erforschung kleinerer Zugvogelarten

Pieperwaldsänger brüten in den Waldgebieten des östlichen Nordamerikas. Die nur etwa 20 Gramm leichten Vögel sind Langstreckenzieher, deren Überwinterungsgebiete von Mexiko bis in den Norden von Südamerika reichen. Aufgrund der geringen Größe der Art war es bislang nicht möglich, die Zugwege und zurückgelegten Strecken per Datenlogger zu erforschen. Prototypen einer neuen, in Kanada entwickelten GPS-Technologie konnten nun vom Zugvogelforschungszentrum des amerikanischen Smithsonian Conservation Biology Institute (SCBI) erstmals getestet werden. Mit einem Gewicht von weniger als einem Gramm sind die Datenlogger, die die Vögel wie einen Rucksack tragen, die leichtesten jemals produzierten. Die bislang kleinsten GPS-Logger wogen rund 12 Gramm und ließen daher nur eine Besenderung von Tieren bis minimal 250 Gramm zu. Derart kleine und leichte Logger waren bisher nur als sogenannte Helldunkel-Geolokatoren im Einsatz, die durch Aufzeichnung von Datum und Tageslänge die ungefähre Position der Vögel aufzeichnen konnten. Die neuen GPS-Logger sind jedoch weitaus präziser: Während bisherige Technologien den Aufenthaltsort der Vögel nur auf etwa 150-200 Kilometer genau bestimmen konnten, erreichen die neuen Logger eine Genauigkeit von etwa 10 Metern.
Bei der Besenderung der nur kohlmeisengroßen Pieperwaldsänger wurden die neuen GPS-Logger so programmiert, dass diese sich alle 28 Tage automatisch für 70 Sekunden aktivierten und die exakte Position der Vögel aufzeichneten. Auf diese Weise ließen sich zwischen Wegzug und Heimzug trotz geringer Batterieleistung 8-10 verschiedene Aufenthalsorte der Vögel ermitteln. Insgesamt 24 männliche Pieperwaldsänger statteten die Wissenschaftler des SCBI in den Bundesstaaten Maryland und New Hampshire mit den neuen GPS-Loggern aus. Es wurden lediglich Männchen besendert, da diese eine hohe Standorttreue aufweisen und ein Wiederfang der Vögel zum Auslesen der Logger notwendig war. Die Vögel trugen die Sender für rund ein Jahr von Juni 2013 bis Mai 2014. Daten von fünfzehn dieser Sender ließen sich schließlich auswerten. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Überwinterungsgebiete der Vögel nicht überschnitten. Während die Brutvögel aus Maryland Florida und Kuba zur Überwinterung nutzten, zogen alle in New Hampshire besenderten Vögel bis nach Haiti und in die Dominikanische Republik.
Die Ergebnisse der Pieperwaldsänger-Studie zeigen, dass durch die neue Technologie Rast- und Überwinterungsgebiete sehr genau definiert und dadurch wichtige Erkenntnisse zum Schutz der Vogelarten gewonnen werden können. Insbesondere das Gewicht bzw. die Präzision von Sendern und Loggern war bislang ein großes Problem in der Vogelforschung. Mit der neuen Methode lassen sich durch weitere Studien an standorttreuen Zugvogelarten in den nächsten Jahren sicher viele neue Erkenntnisse gewinnen. So planen die Wissenschaftler des SCBI bereits die Besenderung von Walddrosseln, Roststärlingen und Knutts. Auch die technische Entwicklung ist mit den neuen Loggern längst nicht abgeschlossen. Ziel ist es nun, die Zahl der aufgezeichneten Standorte der Vögel auf bis zu 50 zu erhöhen. Ein Nachteil ist außerdem der Wiederfang der Vögel zum Auslesen der aufgezeichneten Daten. Automatisch und unmittelbar übertragende Sender, die keinen erneuten Fang der Vögel nötig machen, stehen daher ebenfalls im Fokus der Entwickler.
Die Ergebnisse der Studie an Pieperwaldsängern sind in der wissenschaftlichen Online-Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht worden, die von der Verlagsgruppe der renommierten Zeitschrift Nature herausgegeben wird.
Hallworth, M. T. & P. P. Marra (2015): Miniaturized GPS Tags Identify Non-breeding Territories of a Small Breeding Migratory Songbird. Sci. Rep. 5, 11069; doi: 10.1038/srep11069.

08.07.2015, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Trends häufiger Vogelarten Dänemarks zur Brutzeit und im Winter 1975-2014 veröffentlicht
Die Dänische Ornithologische Vereinigung (Dansk Ornitologisk Forening, DOF) hat in ihrem 16. Bericht Bestandstrends für 108 Brutvogelarten sowie 78 in Dänemark überwinternde Vogelarten veröffentlicht. Die Ergebnisse basieren auf den Daten jahrzehntelanger Punkt-Stopp-Zählungen der häufigen Vogelarten. Bei diesen Zählungen erfassen Ehrenamtliche an vielen Stellen in ganz Dänemark zweimal pro Jahr an jeweils 10-20 Punkten entlang einer Route die Vögel. Ein Termin fällt dabei auf den Winter (20.12.-20.01.), eine weitere Zählung wird während der Brutzeit durchgeführt (1.05.-15.06.). In dem Bericht werden für alle Arten werden sowohl langfristige (1975-2014) als auch kurzfristige (2005-2014) Bestandstrends angegeben und Trenddiagramme gezeigt. Die Daten der Zählungen wurden dabei mit Hilfe der Analyse-Software TRIM (TRends and Indices for Monitoring data) ausgewertet.
Mit 18,8 % pro Jahr ist der Sandregenpfeifer unter den Brutvögeln kurzfristig am stärksten zurückgegangen. Auch die Bestände von Austernfischer, Blässhuhn, Zwergtaucher und Zaunkönig sind um mehr als 10 % pro Jahr eingebrochen. Die größte Zunahme der Brutbestände war beim Gartenrotschwanz zu verzeichnen (+9,4 %). Ebenfalls erfreulich zugenommen haben Wiesenschafstelze, Kolkrabe, Birkenzeisig und Graugans. Bei den in Dänemark überwinternden Arten fallen vor allem die stark negativen Trends von Wiesenpieper (-31,8 %) und Berghänfling (-29,3 %) auf. Ebenfalls kurzfristig um mehr als 15 % pro Jahr zurückgegangen sind die Zahlen von Seidenschwanz und Kornweihe. Einen stark positiven Trend zeigen hingegen Graugans und Kernbeißer. Ergänzend zu den Bestandstrends der einzelnen Arten werden in dem Bericht auch Trends für Indikator-Arten der Agrarlandschaft und der Wälder dargestellt. Der Bericht kann kostenlos auf der Internetseite der Dänischen Ornithologischen Vereinigung (DOF) heruntergeladen werden.

10.07.2015, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Neuer Bundesverband für Fledermauskunde Deutschland e.V. (BVF) gegründet
Im Rahmen der 12. bundesweiten Fledermausfachtagung (BAG 2015) vom 20.- 22. März 2015 in Erfurt wurde der neue Bundesverband für Fledermauskunde Deutschland e.V. (BVF) erstmals vorgestellt. Unter ihm versammeln sich ca. 2500 Mitglieder an Fledermäusen und deren Schutz interessierter Vereine und Fördermitglieder. Ziel des BVF ist es, eine übergreifende, verbandsneutrale Vertretung der Fachinteressen aller Fledermausschützer in Deutschland zu schaffen, um gemeinsame Ziele und Interessen zukünftig einheitlich und auf Bundesebene aber auch international vertreten zu können. Es soll auch der Austausch und die Zusammenarbeit verschiedener mit Fledermäusen befasster Vereine und Gruppen ausgebaut werden.
Am 03.10.2015 findet in der Staatlichen Vogelschutzwarte Thüringen in Weinbergen OT Seebach die erste Mitgliederversammlung statt, bei der die Bearbeitung und Umsetzung der Schwerpunktthemen diskutiert werden soll. Interessierte sind herzlich zur Teilnahme und zur Mitarbeit eingeladen.
Das vorläufige Programm der Delegiertenversammlung, aber auch zahlreiche Informationen zur Entstehung, den Zielen und der aktuellen Arbeit des BVF finden Sie auf der neuen Internetseite www.bvfledermaus.de. Dort kann man sich auch für einen Newsletter registrieren, um regelmäßig über Neuigkeiten informiert zu werden.
Der Dachverband Deutscher Avifaunisten gratuliert allen Beteiligten zur Gründung des neuen Dachverbandes und wünscht bei Erforschung und Schutz der Fledermäuse in Deutschland viel Erfolg.

10.07.2015, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Großbritanniens berühmtester Kuckuck auf dem Zug durch Deutschland
Die Brutbestände des Kuckucks sind in den vergangenen 25 Jahren bedrohlich zurückgegangen. In England brach der Bestand um rund drei Viertel zusammen. Bereits seit vier Jahren erforschen Wissenschaftler des British Trust for Ornithology (BTO) daher das Zugverhalten von in Großbritannien brütenden Kuckucken. Es konnte dabei ermittelt werden, dass die Vögel auf dem Wegzug zwei unterschiedliche Routen gen Süden wählen: Zum einen westlich durch Spanien, Marokko und Westafrika, darüber hinaus aber auch auf einer zentral-mediterranen Route über Italien und die Zentralsahara. Auch das Überwinterungsgebiet war unbekannt, bis die ersten Kuckucke 2011 den Regenwald im Kongo erreichten.
Der nach dem Fernsehmoderator Chris Packham benannte Vogel „Chris“ wurde bereits im ersten Jahr in der Grafschaft Suffolk mit einem Satellitensender ausgestattet. Seitdem lässt sich seine Route quasi lückenlos verfolgen. Es ist beeindruckend zu sehen, welche Wege die Vögel während ihres Lebens zurücklegen und welche Strapazen sie dabei auf sich nehmen müssen. „Chris“ hat in den letzten Jahren insgesamt 28 Länder besucht, die Sahara achtmal überquert und erreichte während des Zuges Geschwindigkeiten von annähernd 100 km/h. Mit fünf Jahren hat der Vogel bereits ein für Kuckucke stolzes Alter erreicht. Der Altersrekord für Kuckucke liegt bei sieben Jahren. Auch dem Sender war nur eine Lebensdauer von zwei bis drei Jahren vorausgesagt worden. Es ist umso erfreulicher, dass sich die Route auch weiterhin verfolgen lässt. Aktuell hält sich Großbritanniens berühmtester Kuckuck auf dem Durchzug in Deutschland auf. Seine bislang letzte Ortung stammt vom 7.7. aus der Nähe von Regensburg. Es handelt sich um die bislang östlichste Position, die von dem Vogel in den letzten fünf Jahren aufgezeichnet wurde.
In diesem Jahr wurden weitere acht Kuckucke mit Satellitensendern ausgestattet. Die Namen der Kuckucke wurden diesmal durch einen Schulwettbewerb vergeben. Auf diese Weise konnte auf die alarmierenden Rückgänge der Vögel aufmerksam gemacht und die Bedeutung des Forschungsprojektes vermittelt werden. Insgesamt wurden seit 2011 im Rahmen des Projektes 55 Kuckucke besendert. Aktuell lassen sich die Routen von 18 Vögeln nahezu in Echtzeit auf der Internetseite des BTO verfolgen.
Jeder der besenderten Kuckucke erzählt seine eigene Geschichte. So traf Kuckuck „Fred“ erst am 20. Mai am Brutplatz im berühmten Sherwood Forest in der Grafschaft Nottinghamshire ein. Nur drei Wochen später, am 10. Juni, wurde der Vogel dann bereits auf dem Wegzug in Nordfrankreich geortet. Die aktuellen Positionen der Kuckucke lassen sich unter www.bto.org/cuckoos verfolgen. Dort stehen zu jedem Vogel auch weitere Informationen zum Beringungsort und den bisherigen Aufenthaltsorten bereit.
Doch nicht nur in Großbritannien laufen Projekte mit besenderten Kuckucken. Im Rahmen eines internationalen Satelliten-Telemetrie-Projektes des Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) lassen sich auch die Wege einiger deutscher sowie weißrussischer Kuckucke verfolgen. Der bei Straubing in Niederbayern besenderte Vogel „Reinhard“ ist dabei als erster in Richtung Süden aufgebrochen. Die Routen von „Reinhard“ und sechs weiteren Kuckucken lassen sich verfolgen unter www.lbv.de/unsere-arbeit/vogelschutz/kuckuck/satelliten-telemetrie-kuckuck-wo-bist-du.html

09.07.2015, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Klimawandel ist mitverantwortlich für den starken Rückgang an Hummelarten in Europa und Nordamerika
Der Klimawandel verringert die Lebensräume von Hummeln, die zu den wichtigsten Bestäubern gehören. Das schlussfolgert ein internationales Forscherteam nach der Auswertung von Langzeitdaten aus Europa und Nordamerika. Die Südgrenze der Verbreitung der meisten Hummelarten habe sich auf beiden Kontinenten innerhalb eines Jahrhunderts bis zu 300 Kilometer nach Norden verschoben, die Nordgrenze dagegen nicht, schreibt das Forscherteam in der aktuellen Ausgabe des Fachblattes Science. Eigenen Angaben zufolge wurden die Auswirkungen des Klimawandels auf die Verbreitungsgrenzen bisher noch nie in diesem Umfang auf zwei Kontinenten untersucht.
Wie bereits bei anderen Tier- und Pflanzenarten beobachtet, verringert der Klimawandel auch die Lebensräume von Hummeln, die zu den wichtigsten Bestäubern gehören. Das schlussfolgert ein internationales Forscherteam nach der Auswertung von Langzeitdaten aus Europa und Nordamerika. Die Südgrenze der Verbreitung der meisten Hummelarten habe sich auf beiden Kontinenten innerhalb eines Jahrhunderts bis zu 300 Kilometer nach Norden verschoben, die Nordgrenze dagegen nicht, schreibt das Forscherteam in der aktuellen Ausgabe des Fachblattes Science. Eigenen Angaben zufolge wurden die Auswirkungen des Klimawandels auf die Verbreitungsgrenzen bisher noch nie in diesem Umfang auf zwei Kontinenten untersucht. An der Studie, die von der Universität Ottawa in Kanada geleitet wurde, war auch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) maßgeblich beteiligt.
Die Frage, wie sich der Klimawandel auf die verschiedenen Tier- und Pflanzenarten bis hin zu den Ökosystemen und deren Dienstleistungen auswirkt, wird mit zunehmender Erwärmung immer bedeutsamer. Einen weiteren Beleg, dass der Klimawandel zu einer deutlichen Verschiebung der Lebensräume führt und Lebensgemeinschaften aus verschiedenen Tiergruppen auseinander reißen kann, liefert jetzt ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Kanada, den USA, UK, Belgien und Deutschland.
Für ihre Studie werteten sie rund 423.000 Beobachtungen von insgesamt 67 Europäischen und Nordamerikanischen Hummelarten aus, die seit dem Jahr 1901 gemacht wurden. Dabei wurden die Unterschiede in den nördlichen und südlichen Ausbreitungsgrenzen der einzelnen Arten, die höchste und kälteste Temperatur des Verbreitungsgebietes sowie die durchschnittliche Höhe über dem Meeresspiegel bestimmt. Anschließend verglich das Team die Daten von 1901 bis 1974 mit drei Zeiträumen in den elf Jahren danach und bestimmte die Trends der Hummelarten. Zusätzlich wurde die Wirkung von Landnutzungs-Faktoren (z.B. Pestizideinsatz) einbezogen.
Trotz deutlicher Unterschiede in der Landnutzung zwischen Nordamerika und Nordeuropa wurden keine Unterschiede im Hinblick auf die Verschiebung der Arealgrenzen der Hummeln beobachtet.
Deutliche Unterschiede gab es dagegen bei der Ausbreitung der Hummeln in vertikaler Richtung. Während sie seit 1974 vor allem im südlichen Europa im Schnitt 300 Meter höher in die Gebirge gewandert sind, taten die Hummeln dies im südlichen Nordamerika nur zirka 200 Meter, was an der unterschiedlichen geografischen Ausrichtung der Gebirgsketten liegen könnte.
„Im Gegensatz zu anderen Tiergruppen hat es keine Veränderungen bei den nördlichen Verbreitungsgrenzen von Hummeln in Europa oder Nordamerika gegeben. Obwohl sich deren Lebensräume mit rund +2,5 Grad Celsius deutlich erwärmt haben, haben es die Hummeln nicht geschafft, mit der Erwärmung mitzuziehen“, erklärt Dr. Oliver Schweiger vom UFZ, der die Studie mit verfasst hat. Damit wird klar, dass auch Hummeln nicht mit dem Tempo des Klimawandels mithalten können. Da sie zu den wichtigsten Bestäubern gehören, könnte das gravierende Auswirkungen auf den Ertrag von Agrargütern haben. Oliver Schweiger war gemeinsam mit Prof. Pierre Rasmont von der Universität Mons in Belgien für die Koordination der Datensammlung der zirka 240.000 Beobachtungen in Europa verantwortlich.
2012 war Schweiger bereits an einer Studie beteiligt, die zeigte, dass in Europa Schmetterlinge im Durchschnitt 135 Kilometer und Vögel sogar 212 Kilometer gegenüber der Temperaturerhöhung und der Verschiebung ihrer Lebensräume zurückliegen.
„Wir haben bereits rund 300 Kilometer der Verbreitungsgebiete von Hummeln im Süden Europas und Nordamerikas verloren. Umfang und Tempo dieser Verluste sind beispiellos. Wir brauchen deshalb neue Strategien, diesen Arten zu helfen, mit den Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels zurechtzukommen. Vielleicht, in dem wir sie aktiv unterstützen, in nördliche Gebiete wandern zu können“, fordert Prof. Jeremy T. Kerr von der Universität Ottawa, der die nun im Magazin Science publizierte Studie geleitet hat. Tilo Arnhold
Publikation:
Jeremy T. Kerr, Alana Pindar, Paul Galpern, Laurence Packer, Simon G. Potts, Stuart M. Roberts, Pierre Rasmont, Oliver Schweiger, Sheila R. Colla, Leif L. Richardson, David L. Wagner, Lawrence F.Gall, Derek S. Sikes, Alberto Pantoja (2015): Climate change impacts on bumblebees converge across continents. Science. 09 July 2015.
Die Studie wurde u.a. gefördert von: National Science and Engineering Research Council of Canada strategic network (CANPOLIN: Canadian Pollination Initiative) und der Europäischen Union (FP7, Projekt STEP – Status and Trends of European Pollinators).

10.07.2015, Deutsche Wildtier Stiftung
Tod im Getreidefeld durch Achterbahn-Sommer
Deutsche Wildtier Stiftung befürchtet: Hamsterbacken bleiben leer
Schwarze Knopfaugen, rosa Nase, glänzendes Fell, 30 Zentimeter groß und rund 500 Gramm schwer: So sieht der europäische Feldhamster (Cricetus cricetus) aus, wenn er gut gegessen hat. Aber das ist heute leider kaum der Fall! „Noch bis in die 1980er Jahre hinein wurde der nachtaktive Nager auf den Getreidefeldern als Plage bekämpft – heute ist der Feldhamster unser absolutes Sorgenkind. Er gehört zu den am stärksten bedrohten Säugetierarten in Deutschland“, sagt Peer Cyriacks, Biologe der Deutschen Wildtier Stiftung.
Ein großes Problem des Sommers 2015: Durch die trocken-heiße, dann aber wieder nasse Witterung ist das Getreide in diesem Jahr besonders früh reif und muss geerntet werden. Auch auf dem Gut der Deutschen Wildtier Stiftung werden Ernteeinbußen erwartet. Die Hitze hat die Böden stark strapaziert. Die Pflanzen sind trocken, das Getreide ist notreif. Äcker in Sachsen-Anhalt, Hessen und Bayern sind ebenfalls von der Hitzewelle geschwächt.
Für den Feldhamster sind frühe Ernten eine Katastrophe. Dr. Ulrich Weinhold vom Institut für Faunistik und Partner der Deutschen Wildtier Stiftung im Hamsterschutz, kennt die Ökologie des Feldhamsters ganz genau: „Je später die Ernte, desto mehr Zeit hat der Feldhamster, seinen Nachwuchs groß zu ziehen. Vor allem der zweite Wurf der Muttertiere, der jetzt im Juli auf die Welt kommt, hat immer das Pech, seine ersten selbständigen Schritte auf abgeernteten Feldern machen zu müssen. In der Regel überleben das die wenigsten, denn sowohl Nahrung als auch Deckung fehlen nach der Ernte vollständig.“
Dabei ist der Feldhamster ohnehin schon ein Opfer der intensiven Landwirtschaft. Die Umstellung von Sommer- auf Wintergetreide und die damit verbundenen frühen Erntetermine, der Einsatz von Pestiziden und moderne und effizient arbeitende Maschinen machen es dem scheuen Tier sowieso schon schwer, in kurzer Zeit die Hamsterbacken voll zu kriegen. Biologe Peer Cyriacks: „Deshalb unterstützt die Deutsche Wildtier Stiftung Projekte zum Schutz des Feldhamsters: Landwirte erhalten einen finanziellen Ausgleich dafür, wenn sie einen Teil ihrer Flächen hamsterfreundlich bewirtschaften und Pflanzen wie die Luzerne anbauen, die dem Hamster nahrhaftes Futter und Deckung bieten.“ Eine weitere Schutzmaßnahme sind Getreidestreifen, die bis zum Herbst auf den Feldern verbleiben. Bis zum Winterschlaf bieten diese Getreideinseln vielen Tieren Nahrung und Deckung, so auch dem Feldhamster. Hier können die Feldhamster ausreichend Vorräte für den Winterschlaf hamstern, die sie in ihrer Speisekammer unterm Acker einlagern. Patenschaften für den Feldhamster machen dieses Projekt möglich – damit sie auch im nächsten Frühjahr wieder aus dem Winterschlaf erwachen.

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