Wissenswertes über Therianthropie

Therianthropie (von altgr. θηρίον therion „wildes Tier“ und ἄνθρωπος anthrōpos „Mensch“) bezeichnet die Verwandlung (so genannte Theriomorphose) eines Menschen in ein Tier oder in ein Wesen, das sowohl menschliche als auch tierische Eigenschaften besitzt. Sie geschieht entweder im Rahmen von Mythen oder rein spirituell.
Die bekannteste Form der Therianthropie ist die Verwandlung in einen Werwolf, auch als Lykanthropie bekannt. Der Begriff wird häufig auch auf andere Tiere ausgedehnt und damit gleichbedeutend zu Therianthropie verwendet. Weitere Beispiele sind bestimmte totemistische Ideen im Schamanismus oder die Darstellungen des ägyptischen Gottes Ra als Mensch mit Falkenkopf.
Im Mittelalter und bei vielen sogenannten „Naturvölkern“ gehörte Therianthropie zum Weltbild der Menschen. Im Zuge der Aufklärung wurden Menschen, die glaubten, sich in ein Tier verwandeln zu können, zunehmend als psychisch krank eingeordnet und dadurch der Begriff klinische Lykanthropie geprägt. Heutzutage wird ein Mensch, der sich im Sinne einer sozialen Identifikation als therianthrop bezeichnet, in der Medizin nicht als krank angesehen, sofern diese Identifikation das normale Leben der Person und ihrer Umgebung nicht beeinträchtigt.
Furries sind eine Art von Subkultur der Therianthropen, Menschen, die sich in (mehr oder weniger) realistische (meist sehr aufwändige) Kostüme (sogenannte Fursuits) zwängen. Aber nicht alle Furries nutzen Fursuits, manche Furries erfreuen sich an anthropomorphen Tieren in Schrift, Bild und Ton.
Furries werden im Beutelwolf-Blog nicht ignoriert, sie haben (inzwischen) einen festen Platz, auch wenn sich Beiträge zum Thema, meist auf Youtube-Videos beschränken.
Unter Petplay (engl. Pet = (Haus-)Tier, play = Spiel), Animal Play (engl. Animal = Tier) oder auch Zoomimik versteht man ein erotisches Rollenspiel, bei dem mindestens ein Partner die Rolle eines Tieres spielt. Üblicherweise wird das Petplay zu den Sexualpraktiken des BDSM gezählt. Klassische Elemente des BDSM, beispielsweise Machtgefälle, Unterwerfung, sexuell stimulierende Erniedrigung und sadomasochistische Praktiken können Bestandteil des Spieles sein. Diese Rollenspiele finden grundsätzlich zwischen einvernehmlichen Partnern statt. Nicht zum Petplay gehört der sexuelle Umgang mit echten Tieren, was als Sodomie oder Zoophilie bezeichnet wird. Ebenfalls abgegrenzt vom Petplay im BDSM werden die Furries, bei denen zwar anthropomorphe Tiere im Mittelpunkt stehen, allerdings nicht zwangsläufig in einem sexuellen Kontext.

Jupiter und Lycaon ( Jan Cossiers)

Jupiter und Lycaon ( Jan Cossiers)

Lykanthropie (altgr. λύκος lýkos „Wolf“ und ἄνθρωπος ánthrōpos, „Mensch“) bezeichnet die Verwandlung eines Menschen in einen Werwolf (Wolfsmenschen), wie sie in Sage, Märchen und Fiktion vorkommt. Der Begriff wird gelegentlich auch im Zusammenhang mit Vampirismus verwendet.
Als Lykanthropie oder als Zooanthropismus wird auch die Wahnvorstellung eines Menschen bezeichnet, sich in ein Tier zu verwandeln, die als seltenes Symptom bei psychiatrischen Erkrankungen auftreten kann.
Im alten Griechenland gab es die Sage von König Lykaon von Arkadien, der wegen Opferung seines Kindes von Zeus in einen Wolf verwandelt wurde.
In der frühen Neuzeit wurde innerhalb Europas oftmals Hexerei für die Lykanthropie verantwortlich gemacht.
Die Legende besagt, dass der Werwolf, wenn er als Mensch wandelte, seine Wolfshaut innen tragen konnte.
Im 15. und 16. Jahrhundert wurde die Lykanthropie monographisch bearbeitet. Sie wurde als Teufelsbesessenheit angesehen. Somit war der Werwolf nach dem Malleus maleficarum kein echtes Tier und kein verwandelter Mensch, sondern ein durch den Teufel erschaffenes Trugbild. Thomas von Aquin sah in den Werwölfen dämonenerzeugte Scheinwesen, welche sich mit der Teufelsbesessenheit vereinbaren lassen. Eine tatsächliche Verwandlung hielt er für unvereinbar mit den göttlichen Naturgesetzen.
Der im 17. und frühen 18. Jahrhundert auftretende verjüngte Vampirismus wird oft als Fortsetzung der Lykanthropie angesehen. Die Verwandtschaft zwischen Werwolf und Vampir wird in der Bezeichnung „wudodalak“ in allen seinen Unterarten deutlich. Das in griechischen und slawischen Sprachen gleichermaßen für Werwolf und Vampir gebräuchliche Wort „wurdalak“ bedeutet wolfhaarig. In Serbien „vukodlak“, in Polen „wilkolak“, In Bulgarien und Slowenien „vrkolak“ und in Weißrussland heißt es „wawkalak“. In Vampirsagen verwandelt sich der zum Werwolf mutierte Mensch nach seinem Tod in einen Vampir, eine umgehende Leiche.
Für die Vorstellung der Lykanthropie sind unterschiedliche Ursachen angenommen worden:
Die Religionsethnologie sieht in der Lykanthropie eine in psychopathologische Bereiche dringende Zerfallserscheinung der alten Wolfsmythologie. Heutzutage spricht man von einer Form der Geisteskrankheit.

Werwolf (Lucas Cranach)

Werwolf (Lucas Cranach)

Das Phänomen der Hypertrichose, welches meist auf genetischen Ursachen beruht, führt zu einer starken Überbehaarung. Die Betroffenen werden manchmal auch als „Wolfsmenschen“ bezeichnet. In früheren Jahrhunderten waren so genannte Haarmenschen in vielen Fällen der Schaulust ihrer Umgebung ausgesetzt. Es ist anzunehmen, dass viele sich nur bei Nacht aus dem Haus wagten oder von ihren Eltern herausgelassen wurden. Somit waren sie nur bei Vollmond zu sehen.
Der Wolf wurde in verschiedenen Kulturen stark mit sexueller Symbolik belegt. Ein Beispiel wäre etwa das Märchen von Rotkäppchen, in dem viele Interpretationen die Darstellung der männlichen Sexualität in der Gestalt des Wolfs sehen. Sexualität lässt die „animalische Seite“ des Mannes hervortreten, er „wird zum Tier“, nämlich zum Wolf.
Als sekundäres Wahnsymptom kann die gefühlte Gewissheit, sich in ein Tier zu verwandeln oder bereits verwandelt zu sein bei schizophrenen Psychosen, schizoaffektiven Psychosen, Demenz sowie seltener bei Persönlichkeitsstörungen und als Folge der Einnahme psychotroper Substanzen auftreten. Das Phänomen gilt als eins der ältesten beschriebenen psychiatrischen Symptome und tritt weltweit auf, allerdings vergleichsweise selten. Dabei ist die Ausprägung, z.B. bei der Art des Tieres, stark abhängig von kulturellen Faktoren. Die Behandlung zielt auf die Grunderkrankung ab und basiert auf medikamentöser Therapie und Psychotherapie. Dabei gilt die klinische Lykanthropie als kurzfristiges Symptom, das in der Regel bald abklingt.

„Ailuranthropie“ setzt sich aus den griechischen Wörtern αἴλουρος ailouros ‚Katze‘ und ἄνθρωπος anthropos ‚Mensch‘ zusammen. Ailuros ist auch der griechische Name für Bastet, die ägyptische Katzengöttin. Der Begriff ist eine eher unbekannte Beschreibung für die feline Form der Therianthropie, dem Glauben, sich in ein Tier – hier speziell in eine Katze – zu verwandeln.
Der Begriff Werkatze ist ein Sammelbegriff, der sich auf alle Arten von Katzen bezieht, sowohl Hauskatzen, Tiger, Löwen, Leoparden, Luchse, als auch jede andere Art von anthropomorpher Kreatur mit katzenähnlichen Erscheinungsbild beziehen kann. Normalerweise können sich Werkatzen nur in eine bestimmte Katzenart und nicht in verschiedene Arten verwandeln.
Als Unterart der Werkatzen ist der Katzenmensch ein Mischwesen aus Mensch und Katze, das sich aus einer Katze entwickelt hat und deren Erscheinungsform von jeder Art von anthropomorphen Wesen mit katzenähnlichem Erscheinungsbild bis hin zum Menschen mit katzenartigem Benehmen gefächert ist. Der bekannteste Vertreter ist wahrscheinlich Der gestiefelte Kater, der neben seinem englischen „Verwandten“ (Dick Whittingtons Kater) auch einige weibliche „Verwandte“ hat.

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2 Kommentare zu Wissenswertes über Therianthropie

  1. Felidis sanguinis sagt:

    Ich bin zufällig Therianthrop!

    Und ich muss zwei Dinge zu diesem Artikel sagen:

    1. Der Wolf hat Rotkäppcheen gefressen nicht sexuell………

    Es geht in dem Märchen um den gefählichen, bösen Wolf, nicht um s*xualität

    2. Wir Therianthropen sind nicht das gleiche wie Furry

    Und mit Petplay und BDSM hab ich auch nichts am Hut, Ich bin Asexuell!

    Und wir Therianthr. haben eine Tierseele in uns, wir verwandeln uns nicht…
    Jedenfalls kenne ich keinen der das kann…

    • Martin sagt:

      Danke für deinen Kommentar, bzw. deine Richtigstellungen.
      Dazu kann ich mich wie folgt äußern:

      1. Der Wolf hat Rotkäppchen gefressen. Das ist korrekt, und so kann man das auch lassen. ABER (und das trifft nicht nur auf Rotkäppchen zu), man kann auch in vielen Dingen einen sexuellen Subtext hineininterpretieren. Der Wolf ist stark und dominant und zeugt seine Überlegenheit durch das Fressen des Rotkäppchens/der Großmutter. Und sobald irgendeine Art von Dominanz in Geschichten auftaucht kann man etwas sexuelles hinein interpretieren.
      Texte werden auseinander genommen und analysiert, aber da die Urheber nicht mehr unter uns weilen (und meist auch nicht bekannt sind) kann man nur spekulieren.
      Ich gebe in dem Text auch nicht meine Meinung wider (für mich hat der Wolf in Rotkäppchen nichts sexuelles, das sehe ich wie du)

      2. Wollte ich weder Furrys, noch Petplay, noch BDSM mit Therianthropie gleichsetzen. Da wurde die Zusammenstellung des Artikels vielleicht unglücklich gewählt.
      Ich kenne aber Furries aus meiner Vergangenheit, die eine Tierseele in sich hatten und diese durch ihre Furrykostüme (hin und wieder) zur Geltung brachten.
      Das eine schließt das andere nicht unbedingt aus, aber nicht jeder Theriantrop ist ein Furry und nicht jeder Furry ein Theriantrop.
      Und das mit der Verwandlung ist Aberglaube, Wahnvorstellung oder der Glaube aus einer anderen Zeit. Das hätte ich vielleicht auch klarer ausdrücken sollen. Ich habe mich in diesem Artikel auch nicht auf die Neuzeit bezogen (sieht man von Furries und Petplay ab, was aber wie gesagt nicht mit T. gleichzusetzen ist) und die Einteilung in die Kategorie KRYPTOZOOLOGIE eher eine Nähe zu Werwolf und anderen nicht existenten Wesen nahelegt, als zu real existierenden Menschen mit Tierseele.
      Ich wollte damit niemandem zu nahe treten, oder ein falsches Bild vermitteln.

      Liebe Grüße
      Martin

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