Die Entwicklung der Amphibien

Entwicklungszustände der Eier und Larven des Grasfrosches. 1 Eier nach dem Legen. 2 Dieselben wenig später. 3 Larve im Ei. 4, 5 Dieselbe nach Durchbrechung der Hülle. 6 bis 12 Weiterentwickelung der Larve bis zur Verwandlung. (Brehms Tierleben)

Entwicklungszustände der Eier und Larven des Grasfrosches. 1 Eier nach dem Legen. 2 Dieselben wenig später. 3 Larve im Ei. 4, 5 Dieselbe nach Durchbrechung der Hülle. 6 bis 12 Weiterentwickelung der Larve bis zur Verwandlung. (Brehms Tierleben)

Bereits in der Schule lernt man die Entwicklung der heimischen Frösche und Kröten kennen. Sie paaren sich im Wasser, legen Eier aus denen Kaulquappen schlüpfen, die mit Kiemen unter Wasser atmen. Die Kiemen werden durch Lungen ersetzt und die Entwicklung zum Lurch nimmt Gestalt an. erst entwickeln sich die Hinterbeine, dann die Vorderbeine, der Schwanz bildet sich (zumindest bei Froschlurchen) zurück und schließlich erobern die kleinen Tiere das Land.
Manche Arten können ihr Leben lang im Larvenstadium verbringen, wie etwa der Axolotl, und in diesem auch ihre Geschlechtsreife erreichen. Dies wird auch Neotenie genannt.

Entwicklung des Antillen-Pfeiffrosches. 1 bis 4 Keimling im Ei. 5, 6, 7 Das Fröschchen am ersten Tage seines Lebens. Dreimal vergrößert (Brehms Tierleben)

Entwicklung des Antillen-Pfeiffrosches. 1 bis 4 Keimling im Ei. 5, 6, 7 Das Fröschchen am ersten Tage seines Lebens. Dreimal vergrößert (Brehms Tierleben)

Einige Amphibienarten weichen von der üblichen Entwicklung ab. Nur sehr wenige, wie der im Gebirge beheimatete Alpensalamander, sind lebendgebärend (vivipar) und bringen bereits fertig entwickelte Junge zur Welt. Manche anderen Amphibien, wie etwa die Antillen-Pfeiffrösche oder viele Lungenlose Salamander, haben sich ebenfalls unabhängig von offenen Gewässern gemacht, indem bei ihnen eine direkte Larvenentwicklung innerhalb der Eier stattfindet. Hier schlüpfen also fertige Jungtiere aus den an Land abgelegten Eiern.
Ein bizarres Beispiel für ungewöhnliche Formen der Brutpflege und Larvenentwicklung bei Amphibien waren die kleinen, erst seit 1972 bekannten, inzwischen jedoch als ausgestorben geltenden Magenbrüterfrösche aus Ostaustralien: Die Weibchen nahmen befruchtete Eier (evtl. junge Larven) mit dem Maul auf, verschluckten sie und spuckten nach mehreren Wochen Entwicklungszeit „fertige“ Jungfrösche aus. Hier wurde der Magen quasi zu einem Uterus umfunktioniert, in dem die Kaulquappen heranwuchsen; ein Larvengewässer wurde nicht benötigt.

Kehl/Brutsack des Darwin-Nasenfroschs ( George Bond Howes)

Kehl/Brutsack des Darwin-Nasenfroschs ( George Bond Howes)

Ähnlich verhält es sich beim chilenischen Darwin-Nasenfrosch: Es ist allerdings das Männchen, das die befruchteten Eier in seinen Kehlsack aufnimmt. Die Kaulquappen schlüpfen dort, werden durch ein zähflüssiges Sekret, das vor Ort gebildet wird, ernährt und verlassen schließlich als umgewandelte Frösche das Innere des Vaters durch das Maul.
Ungewöhnlich sind auch die Wabenkröten. Beim Paarungsakt schwimmen die Kröten „Loopings“, so dass die ins Wasser abgegebenen Eier auf dem Rücken des Weibchens landen. Dort werden sie vom Männchen mit den Hinterfüßen festgetreten. Mit der Zeit umschließt die Rückenhaut des Weibchens jedes einzelne Ei mit einer Wabe. In diesen Kammern wachsen dann die Kaulquappen heran. Allerdings befindet sich das Weibchen währenddessen in einem Gewässer.
Bei den Geburtshelferkröten verkürzt sich die aquatische Phase der Larven dadurch, dass die Männchen die Eier um die Hinterbeine gewunden mit sich herumtragen und schließlich relativ weit entwickelte Kaulquappen ins Wasser entlassen.
Manche Arten, beispielsweise aus der Familie Neuseeländische Urfrösche (Leiopelmatidae), verzichten auf die so genannte indirekte Larvenentwicklung, also die freie Larvenphase im Wasser, indem sie ihre Eier an Land deponieren. Dort vollzieht sich dann die embryonale und larvale Entwicklung innerhalb der Eihüllen – es schlüpfen daraus schließlich die fertigen Frösche. Eine ganze Reihe weiterer Froschlurche verfährt ebenfalls so.
Bei der Baumsteiger-Gattung Dendrobates werden die an Land deponierten Gelege von einem Elterntier feuchtgehalten. Nach dem Schlüpfen erfolgt ein Transport der Kaulquappen auf dem Rücken der Eltern zu einer geeigneten Wasseransammlung. Hier sind sie dann sich selbst überlassen. Bei der Gattung Oophaga (z. B. Erdbeerfröschchen) werden die Larven einzeln in Wasseransammlungen wie etwa in Blattachseln von Bromelien oder Bananen transportiert. Das Weibchen sucht diese im Abstand von wenigen Tagen immer wieder auf. Es setzt sich dann in die Wasseransammlung und wird durch Schlängelbewegungen der Kaulquappe dazu angeregt, einzelne Nähreier abzugeben. Von diesen ernährt sich die Larve ausschließlich.

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