Mensch und Höckerschwan

Höckerschwan (Zoo Augsburg)

Höckerschwan (Zoo Augsburg)

Die Eleganz der Schwäne übt auf den Menschen eine besondere Wirkung aus.
In der Heraldik ist der Schwan, bzw. der Hockerschwan, ein beliebtes Motiv.
Durch seinen typisch s-förmig gebogenen Hals, dem sprichwörtlichen Schwanenhals, ist er im Wappen als gemeine Figur leicht erkennbar.
Die Darstellung reicht vom schwimmenden Tier bis zum fliegenden. Wird er schwimmend gezeigt, sind die Flügel leicht flugbereit und die Beine nicht sichtbar. Die auffliegende Form mit weit ausgebreiteten Flügeln ist im Wappen besonders eindrucksvoll und wird im Oberwappen fortgeführt.

Auch in der Mythologie ist der Schwan sehr häufig zu finden.Der Schwan gilt in vielen Kulturen als Sinnbild für Unschuld, Reinheit, Anmut, Liebe und Schönheit. Der Volksglaube besagt, dass sich Engel manchmal in einen Schwan verwandeln, um den Menschen nahe zu sein.
So hat sich Göttervater Zeus der Leda in Schwanengestalt genähert und sie geschwängert, woraufhin sie zwei Eier legte, aus denen vier Kinder entsprangen, unter anderem die schöne Helena. Die Geschichte von Zeus und Leda wurde schon in ältesten Zeiten in einer anderen Version überliefert, nach der sich Zeus nicht in Leda, sondern in Nemesis verliebt habe. Um den Nachstellungen des Liebhabers zu entkommen, verwandelte Nemesis sich in vielerlei Tiere, zuletzt in eine Gans. Sogleich war Zeus in Gestalt eines schönen Schwanes zur Stelle, verführte und schwängerte sie. Eine weitere Sage erzählt von Kyknos, dem Geliebten des Phaeton. Über den Tod seines Freundes war er so untröstlich, dass er jahrelang am Ufer des Eridanus auf und ab wanderte, bis er schließlich als Schwan an den Himmel versetzt wurde
Auch die Keltische Mythologie verwendet in ihrer Symbolik sehr häufig Schwäne, die in Wahrheit verzauberte Menschen sind. Ein Beispiel hierfür sind die Kinder des Lir, die 900 Jahre in Schwanengestalt umherirrten. Das Motiv wird auch in der Lohengrin-Geschichte aufgegriffen, wo der Schwan der verschollene Herzog von Brabant ist.

Einige Märchen befassen sich mit Schwänen, etwa „Die wilden Brüder“ von Hans Christian Andersen oder „Die sechs Schwäne“ der Gebrüder Grimm.

In Großbritannien hatte der Höckerschwan seit spätestens 1186 königlichen Status und 1361 wurde der erste Schwanenmeister ernannt. 1482 wurde durch ein vom Parlament verabschiedetes Gesetz, den Act of Swans, festgelegt, dass nur Landbesitzer ab einer gewissen Größe Schwäne besitzen können. Von ursprünglich 900 Besitzberechtigten sind nur mehr drei verblieben: die Hochehrwürdige Gesellschaft der Färber, die bei der jährlichen Schwanenzählung, dem Swan-Upping im Juli die Schnäbel mit einer Kerbe markieren, die Hochehrwürdige Gesellschaft der Winzer, die ihre Schwäne mit zwei Kerben versieht, und der Monarch, dem alle unmarkierten Tiere gehören. Dies alles ist aber heutzutage nur noch von zeremonieller Bedeutung. Der königliche Besitz von Schwänen kommt nicht auf Orkney und den Shetland Inseln zur Anwendung, wo noch das auf die Wikinger zurückgehende Udal Law Geltung hat, gemäß welchem Schwäne im Volkseigentum stehen.

Seit 1971 besitzt der Höckerschwan durch den Creatures and Forest Law Act weiteren Schutz.

Höckerschwan (EGApark Erfurt)

Höckerschwan (EGApark Erfurt)

In Hamburg wird der Höckerschwan wie ein Wappentier betrachtet. Er wird immer mit der Alster in Verbindung gebracht und ist im Logo der Alster-Touristik GmbH deutlich zu erkennen. Es gibt sogar extra einen „Schwanenvater“, der sich seit dem 17. Jahrhundert um die Alsterschwäne kümmert. Zu seinen Aufgaben gehört es, die Schwäne der Alster und der umliegenden Kanäle im Herbst einzufangen, zu ihrem Winterquartier, dem Eppendorfer Mühlenteich zu bringen, dort mit Nahrung zu versorgen und im Frühjahr wieder auszusetzen.
In Deutschland unterliegt der Höckerschwan dem Jagdrecht und darf in der Regel vom 1. November bis zum 20. Februar des folgenden Jahres geschossen werden. Einzelne Bundesländer wie die Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin verzichten auf eine Jagdzeit. Auch in Österreich gehören die Höckerschwäne zu den jagdbaren Tierarten. In der Schweiz dürfen hingegen Höckerschwäne nur mit Ausnahmegenehmigungen bejagt werden, falls diese Schäden verursachen. In Deutschland werden jedes Jahr mehrere Tausend Höckerschwäne geschossen. Es liegen anscheinend zurzeit keine bundesweiten Abschusszahlen vor. In Bayern wurden im Jagdjahr 2010/11 657 Höckerschwäne in der Streckenliste geführt. In Schleswig-Holstein waren im Jagdjahr 2010/11 676 Höckerschwäne auf der Streckenliste. In den Jagdjahren 2008/09 und 2009/10 waren 473 bzw. 752 Höckerschwäne in der Jagdstrecke Schleswig-Holsteins aufgeführt. Meist dürfen wie z. B. in Schleswig-Holstein Höckerschwäne nur per Kugelschuss gejagt werden.

In der Streckenliste sind jeweils auch das Fallwild (Todfund ohne Jagdeinwirkung) enthalten. Der Anteil des Fallwildes an der Jagdstrecke schwankt sehr stark. Im Jagdjahr 2010/11 enthielt z. B. die Jagdstrecke in Schleswig-Holstein 22 Prozent Fallwild.

Der Naturschutz fordert in Mitteleuropa einen Jagdverzicht auf den Höckerschwan wegen Verwechselungsgefahr mit Singschwan und Zwergschwan. Da Mitteleuropa große Bedeutung als Rastgebiet für Singschwan und Zwergschwan hat, soll ein irrtümlicher Abschuss dieser Arten ausgeschlossen werden.

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