Portrait: Brillenkauz

Brillenkauz (Zoo Basel)

Brillenkauz (Zoo Basel)

Brillenkäuze sind große, breitflügelige Eulen mit kräftigen, fast bis zu den Krallen befiederten Beinen und Zehen und großen Krallen. Die Körperlänge beträgt 43–52 cm, das Gewicht 571–982 g. Sie sind damit deutlich größer und annähernd doppelt so schwer wie ein Waldkauz. Wie bei allen Arten der Gattung Pulsatrix unterscheiden sich die Geschlechter bezüglich der Färbung nicht, die Art zeigt jedoch einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus bezüglich Körpergröße und Gewicht. So haben Weibchen der Nominatform eine Flügellänge von 318–350 mm, Männchen erreichen nur 305–335 mm. Weibchen der Unterart P. p. saturata wiegen 765-982 g, Männchen nur 591–761 g.
Die Färbung ist sehr kontrastreich. Bei adulten Vögeln der Nominatform sind die Oberseite des Rumpfes sowie die Oberflügeldecken einfarbig dunkelbraun, die Schwingen und der Schwanz sind auf diesem Grund blass graubraun gebändert. Über die Brust zieht sich ein breites, dunkelbraunes Querband, die übrige Unterseite des Rumpfes ist einfarbig blassgelb bis gelblich rotbraun. Die Tarsometatarsen und Zehen sind mehr weißlich rotbraun befiedert.
Augenbrauen, Nasenflügel und Wangenstreifen, die Unterkante des Gesichtsschleiers sowie die Kehle sind reinweiß, dass übrige Gesicht ist dunkelbraun. Der übrige Kopf und der Hals sind einfarbig schwärzlich braun und deutlich dunkler als die übrige Oberseite. Schnabel und Wachshaut sind gelblich hornfarben, die Schnabelspitze zeigt einen grünlichen Ton. Die unbefiederten Teile der Zehen sind weißlich oder blassgrau, die Krallen sind schwärzlich. Die Iris ist leuchtend gelb-orange.
Ausgeflogene Jungvögel unterscheiden sich erheblich von adulten Tieren. Der Gesichtsschleier ist mehr oder weniger herzförmig und einfarbig schwärzlich. Der übrige Kopf und der gesamte Rumpf sind einfarbig weiß. Die Oberflügeldecken sind auf weißem Grund graubraun gebändert, Schwingen und Schwanz sind auf braunem Grund hell gebändert. Das Adultkleid ist erst nach bis zu fünf Jahren ausgebildet.

Der Balz- und Revierruf beider Partner ist eine Folge anfangs aufsteigender und zum Ende hin leiserer und tieferer kehliger Klopflaute, etwa wie „pok-pok-bogbogbogbobobo“. Überwiegend von Weibchen ist außerdem ein zweisilbiger, kreischender Ruf ähnlich einer Dampfpfeife bekannt.
Das Verbreitungsgebiet des Brillenkauzes reicht von Südmexiko über Mittelamerika und große Teile des nördlichen Südamerikas unter Aussparung der Anden bis in den Norden Argentiniens. Das Gesamtverbreitungsgebiet umfasst etwa 12,7 Mio. km². Brillenkäuze bewohnen den geschlossenen Wald der Tropen und Subtropen mit großen und alten Bäumen, aber auch Plantagen und Baumhaine. Die Art kommt von Meereshöhe bis 1500 m Höhe vor.

Die Nahrung besteht in erster Linie aus kleinen Säugetieren, gelegentlich werden auch größere Säuger bis hin zur Größe von Opossums und Vögel bis zur Größe von Tauben und kleineren Eulen erbeutet. Zusätzlich werden auch Raupen und andere große Insekten verzehrt, mitunter auch Krabben und große Webspinnen. Die Jagd erfolgt wohl fast ausschließlich nachts. Die Vögel wechseln dabei von Ansitzwarte zu Ansitzwarte und beobachten den Boden, die Beute wird dann angeflogen und auf dem Boden gegriffen.

Brillenkauz (Luisenpark Mannheim)

Brillenkauz (Luisenpark Mannheim)

Die Brutbiologie im Freiland ist kaum untersucht. Zur Brut werden große Höhlen in Baumstämmen oder starken Seitenästen benutzt. Das Gelege umfasst im Normalfall zwei Eier, das nur vom Weibchen etwa 35 Tage lang bebrütet wird. Auch die Fütterung der Nestlinge erfolgt weitgehend durch das Weibchen, welches in dieser Zeit vom Männchen mit Beute versorgt wird. Die Jungvögel verlassen im Alter von ungefähr fünf oder sechs Wochen die Höhle, sie sind dann wie viele junge Eulen noch kaum flugfähig. Sie bleiben mehrere Monate von den Eltern abhängig, manchmal fast ein Jahr lang.

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