Die Stammesgeschichte der Amphibien

Eocaecilia micropodia (© N. Tamura)

Eocaecilia micropodia (© N. Tamura)

Die rezenten Amphibien mit ihren drei großen Untergruppen Froschlurche, Schwanzlurche und Schleichenlurche werden zusammen mit ihren unmittelbaren fossilen Verwandten auch als moderne Amphibien (Lissamphibia) bezeichnet. Sie sind, wie auch die modernen Reptilien, die Vögel und die Säugetiere, evolutionäre Nachfahren einer bestimmten Gruppe von Knochenfischen, die im Oberdevon ab etwa 380 Millionen Jahren damit begann, ihren Lebensraum auf die Landflächen in der unmittelbaren Umgebung von Binnengewässern auszudehnen.

Triadobatrachus massinoti (© N. Tamura)

Triadobatrachus massinoti (© N. Tamura)

Innerhalb der Landwirbeltiere gelten die Amphibien als die ursprünglichste („primitivste“) Gruppe, unter anderem weil sie bei der Fortpflanzung auf Gewässer angewiesen sind, weil einige Teile ihres Skelettes nicht verknöchern und aufgrund der relativ geringen Leistungsfähigkeit ihrer Lungen und ihres Herz-Kreislaufsystems. Darin unterscheiden sie sich von den „höheren“ Landwirbeltieren, den Reptilien, Vögeln und Säugetieren, die zusammen als Amnioten bezeichnet werden.
In ihrer Ursprünglichkeit ähneln die modernen Amphibien tatsächlich den längst ausgestorbenen frühen Landwirbeltieren, die ebenfalls oft als „Amphibien“ bezeichnet werden. Jedoch ist die Vorstellung, die modernen Amphibien seien direkte Nachfahren der ersten Landwirbeltiere, überholt. Stattdessen handelt es sich um Formen, die den Fortpflanzungsmodus und die Lebensweise der ersten Landwirbeltiere zwar beibehalten haben und daher nach wie vor Gemeinsamkeiten mit diesen aufweisen, die aber, vor allem mit den Froschlurchen und den Schleichenlurchen, stark abgeleitete Vertreter hervorbrachten, die sich in vielen Aspekten von den frühen Landwirbeltieren unterscheiden.
Der Ursprung der modernen Amphibien, die erst in der frühen Trias, mehr als 100 Millionen Jahre nach den ersten Landwirbeltieren und mehr als 50 Millionen Jahre nach den ersten Amnioten in der Fossilüberlieferung auftauchen, ist eines der umstrittensten Themen in der Wirbeltierpaläontologie. Zwar konnte die Herkunft auf zwei Großgruppen früher Landwirbeltiere, die Temnospondylen („Schnittwirbler“) und die Lepospondylen („Hülsenwirbler“) eingegrenzt werden, aber aus welcher der beiden Gruppen die modernen Amphibien hervorgegangen sind und ob ihre Vorfahren tatsächlich in nur einer der beiden Gruppen zu suchen sind, ist weiterhin ungeklärt.

Gerobatrachus hottoni (© N. Tamura)

Gerobatrachus hottoni (© N. Tamura)

Gerobatrachus, ein unterpermischer Temnospondyle aus der Familie der Amphibamidae, zeigt eine Mischung von Frosch- und Schwanzlurchmerkmalen („Mosaikform“) und könnte dem gemeinsamen Vorfahren von Frosch- und Schwanzlurchen nahestehen. Czatkobatrachus aus dem Untertrias von Polen und Triadobatrachus aus Madagaska zeigen schon deutliche Froschmerkmale. Beide werden zu den Salientia gezählt, eine Überordnung der Amphibien, zu der die modernen Froschlurche und ursprüngliche fossile Formen gehören. Einige der rezenten Froschfamilien können anhand von Fossilfunden bis in den Jura und die Kreidezeit zurückverfolgt werden.

Schleichenlurche waren bis 1993 nur durch zwei fossile Wirbel aus der Oberkreide von Bolivien und dem Paläozän von Brasilien bekannt. 1993 wurde schließlich Eocaecilia beschrieben, ein Schleichenlurch aus dem Unterjura, der noch vier kurze Extremitäten mit jeweils drei Zehen hatte. Die Funde sind älter als die ältesten der Schwanzlurche und zeigen, dass die Schleichenlurche von vierbeinigen Vorfahren abstammen.

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