Ausgestorbene Insekten

Urania sloanus (William Swainson)

Urania sloanus (William Swainson)

Urania sloanus erreichte eine Flügelspanne von 64 bis 76 Millimetern. Sowohl die Vorderflügel als auch die Hinterflügel waren ziemlich lang und schmal. Die Flügeloberseite war tief schwarz. Auf den Vorderflügeln verliefen rechts und links je sechs bis sieben glänzend grüngoldene Querbinden. Die beiden mittleren Querbinden waren vorne zwei- oder manchmal dreigeteilt. Auf dem schwarzen Grund der Unterflügel befanden sich unregelmäßig eingerückte kupferrote, blaue und goldgrüne Querbinden. Die Zeichnung der Flügelunterseite entsprach der Oberseite. Die grünen Querbinden waren jedoch heller. Der Rand des Hinterleibes war mehr oder weniger goldgrün. Die Schwanzfortsätze waren schwarz mit ein paar smaragdgrünen Flecken.
Obwohl Urania sloanus tagaktiv war, wies ihn seine Flugtechnik als echten Nachtfalter aus. Einen der ausführlichsten Berichte über das Verhalten von Urania sloanus bei der Nahrungssuche verfasste Philip Henry Gosse im Jahre 1851. Besonders in der ersten Aprilwoche und manchmal im Juni konnte man große Schwärme an Avocado-Blüten beobachten. Die Falter erschienen kurz vor Sonnenaufgang und verblieben bis 8 oder 9 Uhr morgens an den Blüten. Die Tageshitze verbrachten die Schmetterlinge an Ruheplätzen, um nach dem Nachmittagsregen erneut aufzutauchen. Das Sonnenlicht brachte die schillernden Farben besonders zur Geltung.
Urania sloanus kam früher in den Blue Mountains sehr häufig vor. Seit 1894 oder 1895 wurde diese Art jedoch nicht mehr gesichtet und gilt heute als höchstwahrscheinlich ausgestorben. Obwohl der Verlust der Lebensräume beim Niedergang eine Rolle gespielt haben könnte, sind doch beträchtliche Flächen an Primärwald erhalten geblieben. Eine der Hauptfutterpflanzen der Raupen, Omphalea triandra, ist offenbar in den feuchten Wäldern der Insel noch weit verbreitet. Eine weitere Futterpflanze könnte Omphalea diandra gewesen sein, die früher im Portland Parish, einem der Hauptverbreitungsgebiete von Urania sloanus, vorkam, aber in jüngster Zeit in dieser Region nicht mehr nachgewiesen wurde. Durch den Verlust der Futterpflanzen für die Raupen ist die Population vermutlich so drastisch zusammengebrochen, dass letztendlich ein Aussterben der Art unvermeidlich war.

Agrotis laysanensis (englische Trivialnamen: Miller Moth, Miller, Laysan Noctuid Moth) ist ein ausgestorbener Nachtfalter aus der Familie der Eulenfalter. Er war auf der Hawaii-Insel Laysan endemisch.
Die Flügelspannweite der Falter betrug bei den Weibchen 42 Millimeter und bei den Männchen 36 Millimeter. Die Weibchen hatten gewöhnlich eine dunklere Färbung als die Männchen. Kopf und Patagia (paarige Struktur auf dem Pronotum, die die Basis der Vorderflügel bedeckt) waren holzbraun, der Thorax mehr grau und das Abdomen weißlich lederfarben. Die Vorderflügeloberseite war creme-lederfarben und hatte eine schwarzbraune bzw. graue Zeichnung. Das Wurzelfeld war weißlich. An der Costalader, am Innenrand und zwischen den beiden Rändern war eine unregelmäßige Reihe aus drei mehr oder weniger gebogenen Zeichnungselementen zu erkennen. Die Flügelmitte zeigte einen unregelmäßigen schwarzen länglichen Diskalfleck, der zu den Flügeladern hin von einer schwarzen, nahe den Zellspitzen tief einwärts gebogenen Haarlinie begrenzt war. Bei manchen Exemplaren verlief der Fleck bis zur Flügelbasis. Die äußere Querlinie war schwarz. Sie verlief schräg, war gezackt und grauweiß gerandet. Die kaum gebogene, weißlich ederfarbene, distal etwas dunkler gerandete Wellenlinie war jeweils an den Kreuzungspunkten mit den Flügeladern etwas einwärts gebogen. Der Bereich des Saumfeldes zwischen äußerer Querlinie und Saumlinie war etwas dunkler als der Außenrand. Die Hinterflügel waren hell holzbraun und hatten einen weißlich lederfarbenen Außensaum. Die Unterseite der Vorderflügel war weißlich creme-lederfarben. Ein schwaches Band verlief unterhalb der Mitte quer über beide Flügel.
Die Art kam nur auf der Insel Laysan (Nordwestliche Hawaii-Inseln, USA) vor. Die Insel hat subtropischen Klima. Falter und Raupen waren wahrscheinlich die Hauptnahrung für den ebenfalls ausgestorbenen Laysan-Rohrsänger.
1903 setzten Guanosammler Wildkaninchen auf Laysan aus. Diese zerstörten innerhalb von wenigen Jahren einen Großteil der Vegetation. Mit dem Verlust der Wirts- und Nahrungspflanzen wurde das Aussterben dieser Schmetterlingsart besiegelt. Der letzte Nachweis der Art stamm aus dem Jahr 1911.

Die Tobias-Köcherfliege wurde nach dem deutschen Entomologen Wolfgang Tobias von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung benannt, der sie 1972 als erster untersucht hatte. Wissenschaftlich beschrieben wurde sie 1977 vom österreichischen Entomologen Hans Malicky anhand von alten Museumsexemplaren, die zuvor für Hydropsyche exocellata gehalten worden waren.
Der Körper war dunkelbraun, die Beine waren heller. Die Vorderflügel waren einheitlich fahlbräunlich und ohne Zeichnung. Die Hinterflügel waren etwas heller. Die Vorderflügellänge betrug 11 bis 13 mm. Die Augen waren genauso groß wie bei Hydropsyche exocellata, daher sind die Arten immer wieder verwechselt worden. Unterschiede gibt es vor allem hinsichtlich des Kopulationsapparates. Der Aedeagus ist bei H. exocellata bauchig aufgetrieben und die Vorderflügel sind zudem deutlich hell und dunkler grau gescheckt. Die Larven der Tobias-Köcherfliege sind nicht bekannt.
Alle dokumentierten Vorkommen waren an Terrassen des Mittelrheins zwischen Köln und Mainz. Nach Malickys Forschungsarbeit wurde die Art zwischen 1906 und 1914 und in den 1920er-Jahren noch häufiger beobachtet. Der letzte Nachweis stammt aus dem Jahre 1938. Neuere Untersuchungen von W.Tobias (1999) an altem Sammlungsmaterial von W.Döhler (1891–1988) zeigten jedoch, dass H.tobiasi in den 1930er-Jahren auch am Main bei Klingenberg vorkam. 1980 unternahm Hans Malicky Suchexpeditionen an den Rheinufern bei Bonn, Bad Säckingen, Wiesbaden-Schierstein, Oppenheim und Ingelheim am Rhein, die jedoch erfolglos blieben. Im 20. Jahrhundert wurde der Rhein durch städtische und industrielle Verschmutzung stark beeinträchtigt, was zum Verschwinden vieler Köcherfliegenarten führte.

Der St.-Helena-Riesenohrwurm, auch als St.-Helena-Ohrwurm bezeichnet, ist eine Ohrwurmart, die auf der abgeschiedenen Insel St. Helena im Zentralatlantik vorkommt oder vorkam. Er wurde 1798 vom dänischen Zoologen Johann Christian Fabricius entdeckt und beschrieben. Seit 1967 wurde er nicht mehr nachgewiesen. Trotzdem hoffen viele Wissenschaftler, dass er noch in einigen entlegenen Gebieten St. Helenas überlebt haben könnte.
Der St.-Helena-Riesenohrwurm ist der größte Ohrwurm der Welt. Er wird bis zu 84 mm lang. Davon entfallen 50 mm auf die Körperlänge und 34 mm auf die Länge der Greifzangen. Der Körper ist glänzend schwarz mit rötlichen Beinen sowie kurzen Deckflügeln. Die Hinterflügel fehlen. Die Art hat große morphologische Ähnlichkeit mit dem allerdings nur 28 mm langen Sandohrwurm (Lapidura riparia), der ebenfalls auf St. Helena vorkommt.
Labidura herculeana bewohnte tiefe Erdhöhlen, die er nur nachts oder bei Regen verließ. Seine Nahrung bestand vermutlich aus Pflanzen. Zu seinen Fressfeinden zählten vermutlich der ausgestorbene St.-Helena-Wiedehopf sowie eingeschleppte Mäuse und Ratten.
Der St.-Helena-Riesenohrwurm lebt oder lebte in Flachlandgebieten, in „Gumwood Tree“-Wäldern oder in Seevogelkolonien auf Geröllplätzen. Vorkommen sind von Horse Point und Prosperous Bay sowie von der Eastern Arid Area auf St. Helena bekannt.
Der St.-Helena-Riesenohrwurm wurde lange Zeit von der Wissenschaft ignoriert. 1913 sammelte der französische Naturforscher Guy Babault das zweite Exemplar (nach dem Typusexemplar von 1798), welches sich heute im Muséum national d’histoire naturelle in Paris befindet. Anschließend geriet die Art erneut in Vergessenheit, bis die britischen Ornithologen Douglas Dorward and Philip Ashmole im Jahre 1962 auf der Suche nach Vogelknochen in der Prosperous Bay einige enorme Greifzangen fanden. Der Zoologe Arthur Loveridge bestätigte später, dass diese Greifzangen zu einem riesigen Ohrwurm gehörten.
1965 entdeckte eine belgische Expedition in einem kleinen Areal in der Gegend von Horse Point im Nordosten von St. Helena lebende Individuen. Bis 1967 wurden etwa 40 Exemplare gesammelt, seitdem gilt die Art als verschollen. Vermutlich hat die Verfolgung durch Mäuse und Ratten, die Zerstörung der „Gumwood Tree“-Wälder sowie die Konkurrenz mit dem eingeschleppten Hundertfüßer Scolopendra morsitans zu seinem Verschwinden beigetragen.
Suchexpeditionen des Londoner Zoos in den Jahren 1988 und 1993 sowie weitere Suchen im Jahre 2003 durch Philip Ashmole und 2006 durch Howard Mendel blieben ohne Erfolg. 1995 wurde in der Prosperous Bay die subfossile Greifzange eines Weibchens gefunden.

Aplothorax burchelli stammt vermutlich von südafrikanischen Laufkäfern ab, die im Pliozän St. Helena erreichten.
Aplothorax burchelli erreichte eine Länge von 29 bis 38 Millimetern und war flugunfähig. Die Art wies Ähnlichkeiten mit den Käfern der Gattung Carabus auf, von denen sie sich hauptsächlich in der Form des glatten und gewölbten Halsschildes ohne aufgeworfenen Rand und ohne Eindrücke an den Hinterecken unterschied. Der Kopf war groß und fast so breit wie das Halsschild. Der Käfer war komplett schwarz gefärbt. Die Fühler waren in der Mitte verdickt und am dritten Glied verlängert. Die Kiefer waren kurz und robust. Die halbzylindrischen Deckflügel waren flach und an der Basis abgerundet. Die Beine waren lang, wobei die Vorderfüße beim Männchen nicht erweitert waren. Die vier vorderen Tarsi waren unterseits mit Haarfilz bedeckt.
Aplothorax burchelli war endemisch am Horse Point Plain im äußersten Nordosten von St. Helena. Die Art war nachtaktiv und wurde nur während der Regenzeit beobachtet.
Nachdem Thomas Vernon Wollaston 1875/76 vergeblich nach der Art suchte, galt sie lange als verschollen, bis sie 1965/66 und 1967 einschließlich der Larven wiederentdeckt wurde. Bei erneuten Suchen in den Jahren 1988 und 1993 wurde jedoch kein Exemplar mehr nachgewiesen.

Mecodema punctellum war ein großer schwarzer Laufkäfer, der auf der neuseeländischen Insel Stephens Island endemisch war. Er war flugunfähig und erreichte eine Länge von 38,5 Millimeter und eine Breite von 11,7 Millimeter
Über seinen Lebensraum ist nichts bekannt. Vermutlich kam er in feuchten Wäldern vor und suchte unter der Rinde großer morscher Baumstämme Schutz. Seine Lebensweise war räuberisch und seine Nahrung bestand aus Schnecken.
Mecodema punctellum wurde 1916 entdeckt und 1931 zuletzt nachgewiesen. Nachdem Suchen in den Jahren 1961, 1971, 1974 bis 1976, 1981, 1990, 1996 auf Stephens Island und 1997 auf D’Urville Island fehlgeschlagen sind, gilt er nun als ausgestorben. Der Grund für sein Verschwinden ist vermutlich Lebensraumzerstörung, da große, morsche Baumstämme auf Stephens Island nicht mehr vorhanden sind.

Die Felsengebirgsschrecke oder Rocky-Mountain-Heuschrecke war die größte Heuschrecke, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Mittleren Westen der USA und Teilen Kanadas verbreitet war. Sie gilt heute als ausgestorben. Die letzte Sichtung eines lebenden Exemplares erfolgte 1902.
Die Felsengebirgsschrecke suchte bevorzugt Präriegegenden heim, war aber auf beiden Seiten der Rocky Mountains zu finden. Gute Brutbedingungen fanden die Schrecken in sandigen Gebieten, wo sie bei heißen und trockenen Klimabedingungen sehr gut gediehen. In Dürrezeiten konzentriert die Prärievegetation ihren Zucker im Strunk, was für die Schrecken eine hervorragende Nahrungsquelle darbot. Durch die Hitze wuchsen die Tiere schnell und sie bewegten sich vermutlich auf dem Jetstream, der durch das zentrale Nordamerika strich.
Die Schwärme waren von größerem Ausmaß, als sie je bei anderen Heuschrecken gesichtet worden waren. Ein berühmter Bericht von A. L. Child aus dem Jahr 1875, den Charles Riley 1880 im Second annual report of the United States Entomological Commission veröffentlichte, schätzt einen Schwarm, der in fünf Tagen über Plattsmouth, Nebraska, hinwegzog, auf eine Länge von 3000 Kilometer (1880 Meilen) bei einer Breite von 175 Kilometer (110 Meilen). Das entspräche mit etwa 520.000 km² mehr als der Fläche Kaliforniens. Der Schwarm bestand aus geschätzten 12,5 Billionen Individuen, mit einer Masse von 27,5 Millionen Tonnen.
Konservierte Überreste der Tiere wurden in Gletschern in Montana und Wyoming gefunden, dies war das Resultat der Überquerung der Rocky Mountains durch die Schwärme. Die Tiere vom Knife Point Gletscher im nordwestlichen Wyoming wurden mit der Radiokarbon-Methode auf Anfang des 17. Jahrhunderts datiert.
Bis heute ist nicht befriedigend geklärt, wieso die Felsengebirgsschrecke ausstarb. Einige Theorien gehen von der Annahme aus, dass das Pflügen und Bewässern der Felder durch Siedler den natürlichen Lebenszyklus der Heuschrecken empfindlich gestört habe. Die letzten großen Schwärme entstanden in den 1870er Jahren. Etwa 30 Jahre später starb die Art aus; das letzte lebende Tier wurde 1902 im Süden Kanadas gefunden. Wäre die Heuschrecke nicht ausgestorben, hätte sie die nordamerikanische Landwirtschaft wahrscheinlich stark beeinträchtigt.
Da die Wanderphase von Heuschrecken sich nur unter hohen Populationsdichten ausbildet, gab es Spekulationen, die Rocky-Mountain-Schrecke könne möglicherweise unter solchen Bedingungen aus der solitären Phase von noch existierenden verwandten Kurzfühlerschrecken gezüchtet werden, aber entsprechende Versuche blieben erfolglos. Wie DNA-Untersuchungen anhand von Museumsexemplaren nahelegen, war die Felsengebirgsschrecke wohl eine deutlich von den anderen Spezies abgegrenzte Art und ist damit definitiv ausgestorben.

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2 Kommentare zu Ausgestorbene Insekten

  1. Paul sagt:

    Normalerweise interessieren sich die Menschen ja eher für Dinosaurier. Der sehr informative Beitrag trägt hoffentlich dazu bei, das Interesse für ausgestorbene Insekten zu wecken.

    • Martin sagt:

      Dinosaurier sind groß und faszinierend in ihrem Erscheinungsbild. Insekten sind Insekten und nicht überall beliebt. Dass es sich um faszinierende und teilweise sehr interessante und außergewöhnliche Tiere handeln, wird meist übersehen. Und so sterben viele Insekten aus, ohne dass die Menschheit je davon erfährt…
      Aber es ist auch nicht so leicht die Abneigung gegen Wespen und Fliegen (ganz zu schweigen von Flöhen und Bettwanzen) zu verdrängen und die Faszination der Sechsbeiner in den Vordergrund des Interesses zu stellen.

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