Portrait: Sumatra-Orang-Utan

Sumatra-Orang-Utan (Zoo Leipzig)

Sumatra-Orang-Utan (Zoo Leipzig)

Sumatra-Orang-Utans unterscheiden sich von ihren borneanischen Verwandten unter anderem im Fell, das meist heller und rötlicher gefärbt ist und in einem etwas zierlicheren, leichteren Körperbau. Die Backenwülste insbesondere der älteren Männchen sind etwas kleiner, sie liegen flacher am Kopf und sind oft mit weißen Haaren bedeckt. Der Bart, den beide Geschlechter tragen, ist in der Regel etwas länger, der Kehlsack ausgewachsener Männchen hingegen kleiner. Mit den Borneo-Orang-Utans teilen sie den an eine baumbewohnende Lebensweise angepassten Körperbau: die Arme sind sehr lang, die Hände hakenförmig, der Daumen kurz und nahe an der Handwurzel lokalisiert, die Beine kurz und sehr beweglich und die Füße handähnlich.

Sumatra-Orang-Utans sind tagaktive Waldbewohner, zur Nachtruhe errichten sie ein Blätternest, das in der Regel nur einmal verwendet wird. Sie klettern langsam mit allen vier Gliedmaßen oder schwingen auf den Ästen. Im Gegensatz zu ihren borneanischen Verwandten kommen sie nur selten auf den Boden, vermutlich aufgrund der Bedrohung durch ihren wichtigsten Fressfeind, den Sumatra-Tiger.
Sie sind meist allein anzutreffen, führen aber keine strikt einzelgängerische Lebensweise. Männchen und Weibchen versuchen, feste Territorien zu etablieren, wobei das Revier des Männchens das mehrerer Weibchen überlappt. Sie sind sozialer als Borneo-Orang-Utans, manchmal schließen sich zwei Weibchen für mehrere Tage zur Nahrungssuche zusammen. Es gibt für diese Art Beobachtungen von größeren Gruppenbildungen und auch zeitweiligen Zusammenschlüssen eines Männchens mit einem Weibchen und deren Jungtieren. Insbesondere jüngere Tiere können aber kein Territorium errichten, sondern verbringen ihr Leben als „Wanderer“, die ohne Revier ständig umherstreifen.

Vermutlich aufgrund der sozialeren Lebensweise ist der Werkzeuggebrauch bei ihnen deutlich häufiger als bei ihren borneanischen Verwandten. Man hat aber Tiere dabei beobachtet, wie sie Holzstöcke dazu verwendet haben, um damit zu graben, zu kämpfen oder sich zu kratzen. Vor Regen und praller Sonne schützen sie sich mit großen Blättern, die sie über ihren Kopf halten.
Sumatra-Orang-Utans sind überwiegend Pflanzenfresser, die sich hauptsächlich von Früchten (etwa Feigen), aber auch von Blättern, jungen Trieben und Baumrinde ernähren. In größerem Ausmaß als Borneo-Orang-Utans nehmen sie aber auch Insekten und andere fleischliche Nahrung zu sich. Belegt ist beispielsweise das Erbeuten und Verzehren von Sunda-Plumploris.

Sumatra-Orang-Utan (Zoom Gelsenkirchen)

Sumatra-Orang-Utan (Zoom Gelsenkirchen)

Sumatra Orang-Utans erreichen die Geschlechtsreife erst sehr spät. Weibchen erreichen die Geschlechtsreife mit sechs bis acht Jahren, Männchen hingegen erst mit rund zehn Jahren. In der Regel kommt es zur ersten Fortpflanzung ab dem zwölften bis fünfzehnten Lebensjahr.
Die Paarungszeit ist in den tropischen Lebensräumen an keine bestimmte Jahreszeit gebunden und kann ganzjährig erfolgen. Mit einer Fortpflanzungsrate von rund 6 Jahren pflanzen sie sich nur sehr langsam fort. Sumatra Orang-Utans leben polygam.
Ein Männchen bemüht sich meist drei bis acht Tage um eine potentielle Partnerin. Nach der Paarung vertreibt das Weibchen das Männchen aus ihrem Revier.
Nach einer Tragezeit von 235 bis 260 Tagen bringt das Weibchen ein Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind äußerst selten, kommen gelegentlich aber vor. Die ersten Wochen klammert sich das Jungtier am Bauch der Mutter fest. Bereits nach einem Monat bekommt das Jungtier neben der Muttermilch einen vorgekauten Pflanzenbrei zugefüttert. Brüste sind nur während der Stillzeit entwickelt. Die vollständige Entwöhnung wird frühestens mit drei Jahren vollzogen. Die Jugendlichen bleiben bis zur Geschlechtsreife bei der Mutter und lernen während dieser Zeit alles was sie für ein selbständiges Leben benötigen. Der Nachwuchs der Orang-Utans haben die längste Jugendzeit aller Primaten.

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