Ausgestorbene Katzen

Balitiger, Kap-Löwe und Sansibar-Leopard sind ausgestorbene Katzen der Neuzeit, aber bereits vorher gab es Katzenarten, die ausgestorben sind, wenn auch nicht durch das Zutun des Menschen. Die bekanntesten Vertreter davon waren die Säbelzahnkatzen und der Höhlenlöwe, aber es gab noch zahlreiche andere.

Die Amerikanischen Geparden (Miracinonyx) lebten vom späten Pliozän bis zum späten Pleistozän (Jungpleistozän) 1.800.000 bis 11.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung endemisch in Nordamerika. Sie sind nur durch Skelett-Bruchstücke bekannt.
Die Amerikanischen Geparde wurden zu Beginn als frühe Vertreter der Pumas angesehen, in den 1970er Jahren aber als nahe Verwandte des Gepards neu klassifiziert. Diese Theorie geht davon aus, dass sich die Vorfahren des Gepards aus der Linie der Pumas auf dem amerikanischen Kontinent (die Neue Welt) entwickelten und über die Beringbrücke wieder in die Alte Welt (vor allem Asien und Afrika) wanderten.
Andere Forschungen, wie etwa die von Ross Barnett, welche die Untersuchung der mitochondrialen DNA der Knochenfunde sowie eine neue Analyse der Morphologie mit einschloss, sehen die Amerikanischen Geparde als unmittelbare Verwandte des Pumas, die Gepard-ähnliche Merkmale aufgrund von konvergenter Evolution entwickelten. Puma und Amerikanischer Gepard seien dieser Analyse zufolge die Schwestergruppe des Jaguarundis, einer eher kleinkatzenähnlichen südamerikanischen Art. Erst diese Dreiergruppe sei Schwestergruppe des altweltlichen Gepards. Der vermutete amerikanische Ursprung der Geparde wäre damit hinfällig, denn die amerikanische Gepardenlinie hätte sich demnach erst in der Neuen Welt (vor etwa 3 Millionen Jahren) von der Puma-Linie getrennt, wohingegen diese sich deutlich vorher (vor mehr als 6 Millionen Jahren) und noch außerhalb Amerikas von der altweltlichen Gepardenlinie trennte.
Es wurden bisher zwei Arten amerikanischer Geparden ebschrieben: Miracinonyx trumani und Miracynonix inexpectatus. Teilweise wird auch eine dritte Art Miracinonyx studeri angeführt, diese gilt jedoch als jüngeres Synonym für Miracynonix trumani. Beide Arten waren dem heutigen Gepard sehr ähnlich, mit verkürzten runden Schädeln und vergrößerten Nasengängen für einen größeren Atemdurchsatz sowie speziell für schnelles Rennen proportionierte extrem lange Gliedmaßen und einem langen Schwanz. Ebenso soll das Gebiss gegenüber anderen Katzen stark verkleinert und relativ schwach gewesen sein. Dennoch wurden die Ähnlichkeiten nicht durch einen direkten gemeinsamen Vorfahren vererbt, sondern waren das Ergebnis von entweder paralleler oder konvergenter Evolution.
Durch genetische und immunologische Untersuchungen konnte ermittelt werden, dass die heutigen Geparde wahrscheinlich alle von einer sehr kleinen Stammgruppe abstammen, die vor etwa 10.000 Jahren gelebt hat. Damals starb der Amerikanische Gepard aus, und der gewöhnliche Gepard in Afrika und Asien entging diesem Schicksal offenbar nur knapp. Er breitete sich jedoch in den Savannen Afrikas und Asiens wieder aus und konnte daher bis in unsere Zeit überleben. Diese Untersuchung genießt in Fachkreisen hohes Ansehen und wird mittlerweile als klassisches Beispiel in der Populationsgenetik benutzt.
Die genauen Gründe, die zum Aussterben der Amerikanischen Geparde geführt haben oder geführt haben könnten, sind trotz aller Forschung dazu bislang nicht abschließend aufgeklärt. Einige Experten vermuten zusätzlich zum genannten genetischen Flaschenhals durchaus auch weitere Einflüsse wie einsetzende Klimaveränderungen und eine verstärkte Nahrungskonkurrenz. Dafür spricht etwa der Umstand, dass etwa 10.000 Jahren vor unserer Zeitrechnung, während der Quartären Aussterbewelle, etliche andere Großtierarten Amerikas ausgestorben sind, wie etwa der Amerikanische Löwe.

Der Trinil-Tiger Panthera tigris trinilensis ist eine ausgestorbene Unterart des Tigers. Er lebte während des Pleistozäns auf der indonesischen Insel Java und gehörte zur sogenannten Trinilfauna. Die Unterschiede zum zeitgleich auf dem asiatischen Kontinent verbreiteten Panthera tigris acutidens und zu den heute lebenden Unterarten des Tigers sind groß genug, um ihn als eigenständige fossile Unterart zu klassifizieren. Er ist wahrscheinlich kein direkter Vorfahre des Java-Tigers, der vermutlich von erst wesentlich später aus China zugewanderten Tieren abstammt. Vermutlich war der Trinil-Tiger im Durchschnitt etwas kleiner als der in seiner Größe etwa dem Südchinesischen Tiger entsprechende Panthera tigris acutidens. Einige Exemplare aus Ngandong und Watoealang waren jedoch sehr groß und erreichten die Maße des Indischen Tigers.
Im Gegensatz zum Festland sind die Funde fossiler Tiger auf Java ziemlich zahlreich und sie gehören neben denen Ostchinas zu den am besten bekannten. Der Trinil-Tiger wurde 1908 von Eugène Dubois beschrieben. Das Typusexemplar entstammt den 1,2 Millionen Jahre alten Ablagerungen aus der Gegend von Trinil. An derselben Fundstelle hatte Dubois zuvor schon den Java-Menschen entdeckt. Heute befindet sich dieses Exemplar im Museum für Naturgeschichte Naturalis in Leiden.

Puma pardoides kam im frühen Pleistozän in Eurasien vor.
Puma pardoides wurde erstmals im Jahr 1846 unter dem Namen Felis pardoides in England beschrieben. Erst kürzlich wurde erkannt, dass sie mit der Art Viretailurus schaubi (ursprünglich Panthera schaubi) identisch sein dürfte und tatsächlich in die Gattung der Pumas (Puma) einzureihen ist. Puma pardoides ist vom Beginn bis zum Ende des frühen Pleistozän, vor 2.100.000 bis 800.000 Jahren in Europa, Georgien und Zentralasien (Mongolei) nachgewiesen. In Deutschland kam die Art vor etwa einer Million Jahren vor, fossile Überreste wurden in Untermaßfeld gefunden. Im Gegensatz dazu sind Pumas frühestens vor 400.000 Jahren in Amerika nachgewiesen. Man nimmt daher an, dass die Gattung Puma von Eurasien her kommend Amerika besiedelte, wo der heutige Puma noch immer lebt.
Puma pardoides war ähnlich groß, teilweise etwas größer als ein heutiger Puma. Das Exemplar aus Untermaßfeld wird auf 40–45 kg geschätzt, Männchen aus dem frühesten Pleistozän Europas dürften sogar 60–100 kg auf die Waage gebracht haben. Zu den typischen Beutetieren zählten vermutlich kleinere und mittelgroße Huftiere, wie der Hirsch Cervus nestii, Rehe und Wildschweine. Auch die Kälber von größeren Hirscharten, wie Eucladoceros kommen als mögliche Beute in Frage. Zeitgleich kamen mehrere andere große Katzen in Europa vor, denen der Europäische Puma sicher unterlegen war. Darunter waren der Europäische Jaguar sowie die großen Säbelzahnkatzen Megantereon und Homotherium.

Panthera zdanskyi (nach dem Fundort auch als Longdan-Tiger bezeichnet) ist eine ausgestorbene Großkatzenart, dessen fossile Überreste 2004 in der Gansu-Provinz im nordwestlichen China entdeckt wurden. Die nach dem österreichischen Paläontologen Otto A. Zdansky benannte Großkatze wurde 2011 beschrieben und gilt als ältester bekannter Verwandter des Tigers.
Der Holotypus BIOPSI 00177 von Panthera zdanskyi besteht aus einem nahezu kompletten Schädel und einem Unterkiefer. Der Paratypus IVPP 13538 umfasst das Rostrum, das Zwischenkieferbein, den Oberkiefer und den Großteil des Gebisses, das ursprünglich der Art Panthera palaeosinensis zugeordnet wurde. Die Terra typica ist der Osthang des Longdan, der südlich des Autonomen Kreises der Dongxiang gelegen ist. Das Alter des Materials wird auf das Gelasium, die älteste Epoche des Pleistozäns zwischen 2,55 und 2,16 Millionen Jahre datiert. Der Schädel ist der älteste Großkatzenschädel, der je zu Tage gefördert wurde.

Der Mosbacher Löwe (Panthera leo fossilis) ist eine ausgestorbene Großkatze des frühen und mittleren Pleistozän. Die Namensgebung erfolgte aufgrund fossiler Funde in Mosbach, nahe Wiesbaden. Erstbeschreiber war der Paläontologe Wilhelm von Reichenau (1906). Zahlreiche Reste des Mosbacher Löwen, wie Kieferteile oder Zähne, befinden sich heute im Magazin des Naturhistorischen Museums in Mainz.
Mit einer Kopf-Rumpflänge von bis zu 2,40 Meter waren die Mosbacher Löwen etwa um einen halben Meter länger als die heute in Afrika vorkommenden Löwen und erreichten damit fast die Ausmaße des Amerikanischen Löwen.
Die meisten Funde dieser Großkatze stammen aus den Mosbacher Sanden. Diese Fundstelle verdankt ihren Namen dem ehemaligen Dorf Mosbach zwischen Wiesbaden und Biebrich, das 1926 zusammen mit Wiesbaden-Biebrich in Wiesbaden eingemeindet wurde. Hier wurden allerdings nur Bruchstücke von Schädeln und Unterkiefern, Zähne und andere Knochenfragmente gefunden. Bei Mauer (nahe Heidelberg) wurde um 1885 ein nahezu kompletter Oberschädel gefunden, der sich heute im Urgeschichtsmuseum von Mauer befindet. Der Schädel wurde 1912 von Adolf Wurm beschrieben. Im gleichen Sediment fand sich der rund 600.000 Jahre alte Unterkiefer von Mauer, der Homo heidelbergensis zugeordnet wird. Die ältesten Funde von Panthera leo fossilis in Europa stammen aus Isernia in Italien und sind etwa 700.000 Jahre alt. Ein 1,75 Millionen Jahre alter Löwen-Unterkiefer aus der Olduvai-Schlucht in Kenia zeigt eine frappierende Ähnlichkeit mit den Mosbacher Löwen.
Aus dem Mosbacher Löwen entwickelte sich der Höhlenlöwe (Panthera leo spelaea), der zum ersten Mal vor etwa 300.000 Jahren auftritt.
Die Mosbacher Löwen gelten als die größten Löwen Europas und jagten während der Cromer-Warmzeit vor etwa 600.000 Jahren. In jungpleistozänen Ablagerungen des Rheins von Hessenaue bei Darmstadt wurde das Schienbein eines Löwen gefunden, das trotz einer schweren Entzündung des Knochenmarks, die das Tier sicherlich jagdunfähig machte, später wieder verheilt ist. Das Tier muss demnach noch längere Zeit mit dieser Behinderung überlebt haben. Das legt nahe, dass dieses Tier von Artgenossen an der Beute geduldet oder gar mit Futter versorgt wurde. Möglicherweise war der Mosbacher Löwe also ähnlich wie heutige Löwen ein Rudeltier. Dies ist aber umstritten, weil der Mosbacher Löwe im Gegensatz zum Höhlenlöwen ein primitiveres Gehirn besaß.

Der Europäische Jaguar, auch Eurasischer Jaguar (Panthera gombaszoegensis) war eine Großkatzenart, die während des Pleistozäns den europäischen Kontinent bewohnte und bis nach Zentralasien vorkam. Teilweise wird er (als Panthera onca gombaszoegensis) als Unterart seines nächsten lebenden Verwandten, des heutigen Jaguars, angesehen.
Der Europäische Jaguar war etwas größer als der rezente Jaguar, die Gewichtsangaben liegen im Durchschnitt bei 130 kg, schwanken aber zwischen 90 und 210 kg. In seinem Körperbau ähnelte er ansonsten aber dem heutigen Verwandten und war daher eine sehr robuste Großkatze. Im Unterschied zu pleistozänen Löwen und Tigern fällt er durch die Backenzähne auf, die bezogen auf den Unterkiefer kürzer und niedriger als bei den anderen beiden Großkatzen sind. Schlüsse auf das Verhalten des Tieres können nur schwer gezogen werden. Aufgrund seiner nahen Verwandtschaft mit dem Jaguar wird angenommen, dass es ebenfalls einzelgängerisch lebte und auf vergleichbare Beutetiere Jagd machte. Außerdem lassen die Funde verschiedener Fundstellen annehmen, dass die Großkatze häufig in Wassernähe anzutreffen war, ebenso wie sein rezenter Verwandter.
Einer der frühesten Nachweise des Europäischen Jaguars findet sich in Olivola in Italien und ist etwa 1,6 Millionen Jahre alt, die Form wird als Panthera (onca) toscana bezeichnet. Noch älter sind die Funde von Dmanisi in Georgien mit über 1,8 Millionen Jahren. West- oder Zentralasien ist möglicherweise auch das Ursprungsgebiet des Europäischen Jaguars, von dem aus er nach Europa einwanderte. Damit ist er eine der ersten Großkatzen in Europa und dort deutlich früher heimisch als die viel populäreren Löwenarten wie der Mosbacher Löwe oder der Höhlenlöwe, deren Vorfahren erst später aus dem afrikanischen Raum einwanderten. Etwa zur selben Zeit betrat die Jaguarart auch amerikanischen Boden und entwickelte sich dort über Panthera (onca) augusta zur heutigen Form. Weitere Fossilien aus dem frühen und mittleren Pleistozän sind aus Deutschland (Untermaßfeld), Großbritannien (Westbury-Sub Mendip), Frankreich und Spanien (Atapuerca) sowie den Niederlanden (Tegelen) bekannt. In Zentralasien wurden Funde in Tadschikistan (Lachuti) entdeckt, die zu den jüngsten Funden gehören, während in der Kaukasusregion weiterhin solche aus Georgien (Achalkalaki) berichtet wurden. Die Jaguarform starb vermutlich vor 400.000 Jahren aus.

Adelphailurus kam während des späten Miozäns im westlichen Nordamerika vor. Einzige bekannte Art ist Adelphailurus kansensis, die vor allem durch ein Oberkieferfragment aus dem Edson Quarry im US-Bundesstaat Kansas bekannt ist.
Fossilmaterial von Adelphailurus wurde bisher nur spärlich und fragmentarisch gefunden. Die zu der Gattung gerechneten Funde lassen auf eine mit dem heutigen Puma vergleichbare Größe schließen. Die Bezahnung weist die Gattung als primitives Mitglied der Metailurini aus. So besaß Adelphailurus im Oberkiefer zwei Prämolaren, ein Merkmal, das sich nur bei frühen Katzen findet. Der Eckzahn besaß sowohl eine vordere als auch eine hintere Schneidkante. Postcraniale Skelettelemente sind kaum überliefert, so liegen bisher Reste vom Oberarmknochen, Speiche, Elle und vereinzelt Fingerglieder vor.
Paläoökologische Untersuchungen ergaben, dass Adelphailurus im späten Miozän (lokalstratigraphisch Hemphilium genannt) vor 9 bis 4,9 Millionen Jahren in einer savannen- oder steppenartigen offenen Landschaft lebte, die von zahlreichen großen Pflanzenfressern bewohnt war. Der Lebensraum ähnelte dem der heutigen Serengeti, ohne aber deren hohe Biodiversität zu erreichen.

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