Ein Tag im Museum

Der Sonntag war schön genug und lud eigentlich zu einem Zoobesuch ein. Ich habe mir aber eingebildet, statt dessen ins Museum zu gehen. Die Planung existiert schon länger und zahlreiche Alternativen gab es zur Auswahl.
Auf meiner Liste der zu besuchenden Museen stehen derzeit einige, die auch in der Nähe liegen:
Urweltmuseum Kapustin (der Besuch dort war ja schon Teil der Wienreise, fiel dann aus Zeitmangel ins Wasser)
Das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart
Mammutheum und Südostbayerisches Naturkunde- und Mammut-Museum in Siegsdorf
Und dann kommt man in den Münchner Ubahnen an Hinweisen auf den TriassicPark in Waidring, Österreich nicht vorbei. Allerdings habe ich nach dem Besuch der Webseite Zweifel, ob sich der Weg lohnt. Für Kinder scheint das ein Abenteuer zu sein, für Erwachsene ohne Kinder mag das vielleicht nicht ganz so interessant sein (aber wer weiß..vielleicht kommen wir ja doch noch in die Nähe).
Nachdem ich mich dann für die Museen in Siegsdorf und das Urweltmuseum Kapustin entschieden hatte, kam die Überlegung auf, das Ganze auch mit einem Zoo- oder Wildparkbesuch zu verbinden. Der Wildpark Poing und der Raritätenzoo Ebbs wurden in die Überlegungen einbezogen, aber dann wieder verworfen.

Unser erstes Ziel war das Mammotheum in Siegsdorf.


Die Geschichte des Mammutheums beginnt bereits 1975, als Bernhard von Bredow in Siegsdorf die Knochen eines Mammuts findet. Erste Ausgrabungen mit einem Schulfreund finden im Winter ihre Unterbrechung, die erst 1985 wieder aufgenommen wurden, nachdem Bernhard von Bredow mit seinem Fund an die Öffentlichkeit ging.
Weitere sensationelle Funde folgten, u. a. das gut erhaltene Skelett eines Höhlenlöwen, Knochen von Wollnashörnern, Riesenhirschen, von Wölfen, Hyänen und von einem Wisent. Auch menschliche Überreste (Knochen und Werkzeuge) wurden gefunden und wiesen auf die Anwesenheit des Neandertalers hin.
1991 wurde das Mammutheum dann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es zeigt sieben Skelette einer Mammutfamilie, die vor 14.000 Jahren die unendlichen Weiten der russischen Tundra durchzog. Darunter befinden sich auch nur wenige Wochen alte Jungtiere (u. a. „Katharina die kleine“, ca. 1,5 Monate alt).Diese stammen aus Sevsk und sind eine der jüngsten, umfangreichsten und spektakulärsten Mammut-Skelett-Funde des 20. Jahrhunderts.
Auch die Skelette von Höhlenlöwe und Höhlenbär sind zu sehen, neben diversen anderen Fundstücken von Tieren und Menschen. Im anschließenden Steinzeitpark findet man weitere Mammutmodelle und einige andere prähistorische Tiere wie Indricotherium, Brontotherium und Elasmotherium.
Als wir das Museum am frühen Morgen (einige Minuten nach Öffnungsbeginn) betraten wurde uns erst einmal ein Teil eines Mammutstoßzahns in die Arme gelegt, da der Mammutfinder und Museumsbesitzer Bernhard von Bredow mit dem Putzen des Museums noch nicht fertig war. Immerhin haben wir so den ersten Eindruck eines echten Zahns bekommen, auch wenn er auf den ersten Blick eher wie ein Plastikteil aussah. Ungefragt erhielten wir eine ausführliche Führung durch das Museum und erfuhren so einiges über den Fund und die Jagdmethoden der Neandertaler.
Der Aufenthalt dort war länger als erwartet.
Wesentlich kürzer fiel der Besuch des Südostbayerischen Naturkunde- und Mammut-Museums aus, aber wir waren bereits vorgewarnt, dass es sich beim Mammutheum um ein Museum der anderen Art handelt. Im Naturkundemuseum griffen wir auf den Audioguide zurück, aber da mich Geologie nicht so sonderlich interessiert und es zur Sonderausstellung keinen Guide gab, kamen wir zügig durch.

Das Südostbayerische Naturkunde- und Mammut-Museum Siegsdorf ist eines von über 800 nichtstaatlichen Museen in Bayern. Das Museum vermittelt Wissen über Landschaftsentstehung und geologischen Aufbau der Region Südostbayern und angrenzender österreichischer Gebiete, über Fauna und Flora der Eiszeiten sowie über den „Steinzeitmenschen“. Dabei konzentriert es sich auf die letzten 250 Millionen Jahre (Trias bis Quartär / Steinzeit). Hier findet man auch das Originalskelett des von Bernhard von Bredow gefundenen Mammuts.
Auslöser für die Gründung des Museums war der Fund eines Mammutskeletts im Jahre 1975. Finder sind die damaligen Schüler Bernard Bredow und Robert Omelanowsky aus Siegsdorf. Sie entdecken die Knochen des Skeletts im Gerhartsreiter Graben bei Siegsdorf. Erst 1985 wendet sich Bernard Bredow mit dem Fund an Fachleute und an die Gemeinde. Bei der anschließenden Bergung im Auftrag der Gemeinde Siegsdorf in der zweiten Jahreshälfte 1985 werden auch Knochen von Höhlenlöwe, Wolf, Riesenhirsch, Urrind und Wollnashorn gefunden. Die Gemeinde erhält von Bredow alle Fundrechte und im Januar 1987 wird ein von Bredow angefertigter Abguss des Mammuts der Öffentlichkeit präsentiert. Das rege Interesse daran führt Ende 1987 zu einem Architektenwettbewerb für die Einrichtung eines Siegsdorfer „Mammut-Museums“. Wenig später vermacht Josef Wührl, München, der Gemeinde seine Sammlung von Versteinerungen aus dem Siegsdorfer Umland: Der Gedanke eines umfassenderen Naturkundemuseums nimmt Gestalt an. Im Mai 1990 wird mit der konzeptionellen Planung und der Anschaffung von Exponaten begonnen und im März 1992 der Planungsauftrag erteilt. Knapp zwei Jahre nach dem ersten Spatenstich (21. Juni 1993) eröffnet das Museum am 13. Mai 1995.
Im Mai 2003 wird das Museum mit der Rauminstallation einer „Bärenhöhle“ im Obergeschoss ergänzt. Anlass ist die Entdeckung der ersten Höhlenbärenhöhle in den Bayerischen Alpen im Jahr 1996. Am Ende der „Bärenhöhle“ schließt die Steinzeit-Abteilung den Museumsrundgang räumlich und inhaltlich ab.
Aus den ständig erweiterten museumspädagogischen Angeboten wird 2004 das Thema Steinzeit unter dem Namen „SteinZeit Siegsdorf“ als touristisches Angebot im Dießelbachtal bei Eisenärzt, 6 km südlich von Siegsdorf, in Szene gesetzt. Nachempfundene Holzhütten und Feuerstellen geben den Besuchern und Kursteilnehmern Gelegenheit, sich mit steinzeitlichen Arbeitsweisen und Lebensbedingungen vertraut zu machen.
2010 wird die „SteinZeit Siegsdorf“ aus dem abgelegenen Dießelbachtal aus praktischen Gründen in den „SteinZeitGarten“ direkt an das Naturkundemuseum verlegt.
Die derzeitige Sonderausstellung „Vom Gletscherrand zum Meeresstrand. Ein erdgeschichtlicher Streifzug von München nach Verona“ ist noch bis zum 18. März 2017 zu sehen.

Nach dem Besuch im Museum gönnten wir uns noch ein Eis und entschieden uns heimzufahren ohne Zoo- bzw. Museumsbesuch. Weder Poing, noch Ebbs noch das Taufkirchner Urzeitmuseum laufen uns weg, es wird sich bestimmt noch die eine oder andere Gelegenheit dazu geben.

Mammutheum
Südostbayerisches Naturkunde- und Mammut-Museum Siegsdorf

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