5. Zooreise 2016 – Tag 4: Eine Reise durch die Zeit

Am Tag unserer Heimkehr standen nicht nur Zoos auf dem Programm. Zum einen wollen wir die Augusta Raurica besuchen, zum anderen das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen. Zoobesuche waren im Römischen Haustierpark (als Teil von Augusta Raurica) und im Reptilienzoo Unteruhldingen vorgesehen.
Unteruhldingen hatte ich mir für nächstes Jahr vorgenommen, aber der Rückweg von Mulhouse hat einen Besuch einfach angeboten. Auch wenn das bedeutete, mitten in den Sommerferien, an einem heißen Tag, der zum Baden einlud, in einer Touristengegend unterwegs zu sein. Allerdings hätte es auch schlimmer sein können.
Nach einem unbefriedigenden Frühstück im IBIS fuhren wir los (Nebenbei bemerkt: Unter unserem Bett fanden wir den Plastikhalter für ein Namensschild … wer weiß, wann dort das letzte Mal geputzt wurde).

Theater (Augusta Raurica)

Theater (Augusta Raurica)

Augusta Raurica, auch als Colonia Augusta Rauricorum bekannt, ist eine Siedlung aus römischer Zeit am Südufer des Rheins einige Kilometer östlich von Basel, die zur Provinz Gallia Belgica und später zur Provinz Germania superior gehörte. An dieser Stelle liegen heute die Gemeinden Augst, welche zum Kanton Basel-Landschaft gehört, und Kaiseraugst, die auf dem Kantonsgebiet Aargau liegt. Der grösste Teil der erhaltenen Anlagen steht in Augst. Die Ausgrabungen und Rekonstruktionen alter Gebäude sind noch in vollem Gange.
Gegründet wurde eine Kolonie im Gebiet der Rauriker zum ersten Mal am 21. Juni wohl des Jahres 44 v. Chr. durch Cäsars Feldherrn Lucius Munatius Plancus. Allerdings konnten aus dieser frühen Zeit keine Funde nachgewiesen werden. Es gilt deshalb als sicher, dass die Kolonie entweder als Folge der Bürgerkriege nach Cäsars Tod über den formalen Gründungsakt gar nicht hinauskam oder dass Plancus‘ Kolonie nicht in Augst, sondern in Basel gegründet wurde.

Theater (Augusta Raurica)

Theater (Augusta Raurica)

Zu einer dauerhaften Koloniegründung kam es erst im Gefolge der Eroberung der Zentralalpen unter Kaiser Augustus um 15 v. Chr. Der bislang älteste bekannte Fund konnte durch Dendrochronologie auf das Jahr 6 v. Chr. datiert werden.
Die Grabinschrift des Munatius Plancus nennt als Namen nur das lapidare Colonia Raurica. Eine – allerdings nur fragmentarisch erhaltene – Inschrift aus augusteischer Zeit spricht von der Colonia P[aterna] (?) M[unatia] (?) [Felix] (?) [Apolli]naris [Augusta E]merita [Raur]ica (Buchstaben zwischen eckigen Klammern ergänzt). Wie das emerita zeigt, hätte es sich also um eine Veteranenkolonie gehandelt.
Abgesehen von diesem verstümmelten Zeugnis findet man die erste sichere Bezeugung des Beinamens Augusta erst beim Geographen Ptolemäus um 150 n. Chr. in griechischer Form als Augústa Rauríkon (=lat.: Augusta Rauricorum).
Damit fügt sich Augusta Raurica in einen grösseren Zusammenhang von augusteischen Koloniegründungen, denn auch noch zwei andere wichtige Stützpunkte des augusteischen Eroberungsplanes tragen den Beinamen des ersten Kaisers: Augusta Praetoria am Südfuss des Grossen St. Bernhard-Passes, aus dem heute Aosta geworden ist, und Augusta Vindelicum, das heutige Augsburg als Vorposten gegen die Donau. Diese drei Augustae bilden die Ecken eines Dreiecks, das sich über die von Augustus eroberten Alpen legte und seine breite Basis vom Rheinknie bis zur Donau gegen das unbesetzte Germanien wandte.
Es hat sich während der Ausgrabungen gezeigt, dass die Stadt auf einer Hochfläche ruht, nicht weit vom Rhein entfernt. Die Ergolz und der Violenbach haben aus der Terrasse ein Dreieck herausgefressen, dessen Basis am nördlichsten Rand des Juras liegt und etwa 1 km breit ist. Die „Spitze“ des Dreiecks schaut rheinwärts gegen Norden und bildet einen Kopf, der Kastelen heisst, also an eine Burg (Kastell) gemahnt. Von der Basis bis zum Scheitel des Dreiecks messen wir ebenfalls rund 1 km. In diese Hochfläche, die nach Westen, Norden und Osten von steilen Böschungen umgeben ist, wurde die Stadt gebaut. Die Geometer hatten zunächst nach den Angaben des Stadtplanarchitekten, der den Grundriss und Umfang der neuen Stadt entworfen hatte, auf dem Gelände abgesteckt. Jedes wichtige öffentliche Gebäude erhielt seinen Platz angewiesen, in erster Linie der Tempel des obersten Himmelsgottes Jupiter mit dem Hauptaltar vor dem heiligen Zentralpunkt, von dem aus das Strassennetz einvisiert wurde. Der Architekt, der den Auftrag erhielt, den Plan zu entwerfen, legte zunächst durch das Dreieck eine Längsachse, die 36° von der Nordrichtung nach Westen abwich und zur Hauptstrasse der Stadt ausgebaut wurde. In Abständen von 55 Meter legte er parallel dazu weitere Längsstrassen. Dann teilte er die Längsachse in 16 gleiche Teile zu 66 m (225 röm. Fuss) und zog durch die Schnittpunkte Querlinien, von denen er 10 zu Querstrassen machte. So erhielt er ein rechtwinkliges Strassennetz und Stadtquartier von rund 50 auf 60 Metern. Die Strassen wurden mit einem soliden Bett von Kies und beidseitig mit Wassergräben versehen. Die wichtigeren Strassen säumten gedeckte Fussgängerwege hinter Säulenreihen ein.
Die Grenzen der Colonia Raurica sind nicht mehr mit absoluter Sicherheit festzustellen. Man glaubt, sie rückschliessend aus dem Umfang des frühmittelalterlichen Augstgaues ablesen zu können. Demnach hätte die Kolonie von Basel rheinaufwärts bis zur Aaremündung gereicht, dann aareaufwärts bis zur Mündung der Sigger unterhalb von Solothurn, hinüber an die Lüssel und dann dem Verlauf des Flüsschens Birs folgend wieder bis Basel. Das scheint aber nur bedingt richtig zu sein. Nach neuesten Forschungen stehen nämlich Gutshöfe mit Ziegelstempeln der Windischer Legionen auch in verwaltungsrechtlicher Abhängigkeit von Vindonissa. Solche reichen aber über den Bözberg hinüber bis nach Frick und dem zugehörigen breiten Tal der Sisseln, das im Westen durch die jäh zum Rhein abfallende Mumpferfluh begrenzt wird. Aus den geographischen Gegebenheiten kann deshalb gefolgert werden, dass die Colonia Raurica östlich bis zum heutigen Mumpf, (mons firmans = Schlussberg) reichte. Bemerkenswerterweise lag an dieser Stelle ebenfalls eine Rhein-Insel mit einer anderen römischen Siedlung, die der heutigen Stadt Bad Säckingen entspricht (die Namensetymologie steht in Beziehung zur Diokletianischen Provinz Maxima Sequanorum; der nördliche Rheinarm, der die Insel vom deutschen Festland trennte, wurde 1830 zugeschüttet). Auf der Westseite dürfte, wie oben angeführt, in der Nähe der Birsmündung bei Basel eine Grenzstation gelegen haben. Frührömische Brandgräber, die 1937 bei der Kirche von Neuallschwil gefunden worden sind, deuten darauf hin, dass auch an der nördlichen ins Elsass (Richtung Blotzheim) führenden Landstrasse ein solcher Posten lag.
Im Grossen und Ganzen hat damit die Colonia Raurica den Kanton Basel, das untere Fricktal und den östlichen Jurateil des Kantons Solothurns umschlossen. Dies ergibt ein Territorium von rund 700 km².
Der Ort entwickelte sich in der Folge zu einer recht ansehnlichen römischen Stadt auf der Nordseite der Alpen mit ca. 10’000–15’000 Einwohnern. Zur Zeit der höchsten Blüte während der langen Friedenszeit vom 1. bis zum 3. Jahrhundert hatte Augusta Raurica alles, was zum römischen Leben gehört. Das Handwerk blühte: So räucherte man Schinken und Speck für den Export in andere Gegenden des Römischen Reiches. Es gab ein Theater, ein Amphitheater, ein Hauptforum, verschiedene kleinere Foren, einen Aquädukt, diverse Tempel sowie mehrere öffentliche Bäder.
Ein starkes Erdbeben zerstörte um das Jahr 250 die Stadt in erheblichem Maße. Hinzu kamen später weitere Zerstörungen durch Einfälle der Alamannen und/oder marodierende römische Truppen in der Zeit des Limesfalls. In der Folge bildeten sich zwei neue Siedlungen, „die beiden Augst“: einerseits die erheblich verkleinerte Siedlung auf dem Augster Kastellenhügel und andererseits der wichtigere Stützpunkt am Rhein (das mit einer Stadtmauer umgebene Castrum Rauracense). Sie beide bilden gewissermassen den Kern der heutigen Ortschaften Augst und Kaiseraugst.
Beide bildeten aber zunächst eine Ortschaft mit dem Namen Augst. Im Jahre 1442 aber wurde diese Ortschaft entlang der Flüsse Ergolz und Violenbach geteilt. Westlich der Grenze verblieb das Gebiet im Herrschaftsbereich von Basel, das sich 1501 als Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft anschloss. Augst wurde 1833 schliesslich Teil des Kantons Basel-Landschaft.
Der östlich von Ergolz und Violenbach liegende Teil kam unter habsburgische Herrschaft. Zur besseren Unterscheidung wurde dieser Ort nun wegen der Zugehörigkeit zum Heiligen Römischen Reich mit dem Namen Kaiseraugst versehen. Dieser Ort kam erst 1803 zur Schweiz, nachdem die habsburgischen Herrschaftsgebiete in den napoleonischen Kriegen verloren gegangen waren.
Das Amphitheater Augusta Raurica wurde 200 n. Chr. gebaut und bot für 6000 Zuschauer Platz. Das Amphitheater wurde aber nach bereits siebzig Jahren aufgegeben. Heutzutage dient das verbleibende Amphitheater (wurde am gleichen Ort wiederaufgebaut) als Freilichtbühne für Konzerte und Volksfeste. Außerdem ist heute eine Multimediaschau installiert worden.
Wir haben nur einen Teil von Augusta Raurica besucht.Der Römische Haustierpark ist Teil des Gelände und zeigt einige seltene Haustiere, bzw. solche, die man auch in der damaligen Zeit erwarten konnte. Leider hatten sich die meisten Tiere in den Schatten zurück gezogen und waren nicht zu sehen… Im Großen und Ganzen bietet das Gelände jedoch genug interessantes. Kostenpflichtig ist nur das Museum und P1 (die anderen Parkplätze scheinen kostenfrei zu sein).


Das Römermuseum Augst beherbergt die wichtigsten Funde aus den Ausgrabungen in Kaiseraugst und Augst und vermittelt die reiche Geschichte der römischen Stadt Augusta Raurica. Neben dem Museum befinden sich weitere Ausstellungsräume und mehr als zwanzig Freilichtschauplätze im gesamten Gebiet der Gemeinden Kaiseraugst und Augst. Das bedeutendste Ausstellungsstück ist der Silberschatz von Kaiseraugst.
Durch die Spende eines Basler Mäzens konnte 1954/1955 neben dem Museum ein römisches Wohnhaus im Massstab 1:1 rekonstruiert und komplett mit Originalgegenständen bzw. Kopien aus römischer Zeit möbliert werden. Da der Aufbau eines kompletten Häusergevierts, einer Insula, aus finanziellen Gründen nicht in Frage kam, beschränkte man sich auf einen repräsentativen Ausschnitt daraus, nämlich ein Haus mit Gewerbeläden gegen die Strasse hin und dahinter liegenden Privaträumen.

Nach Augusta Raurica fuhren wir weiter nach Unteruhldingen …
Der Reptilienzoo Unteruhldingen liegt direkt an einem großen Parkplatz, von dem man auch ohne weiteres (nach einem Fussmarsch von ein paar Minuten) zum Pfahlbaumuseum gelangt.
Im Reptilienzoo blieben wir etwas länger als geplant, nachdem wir noch den Fütterungen einiger Echsen beiwohnten. Smaragdeidechsen, Stachelschwanzwarane und Bartagamen wurden mit Heimchen gefüttert… und alle drei Echsenarten reagierten anders auf die Fütterung (die Bartagamen hätten sich lieber gleich in den Heimchentopf gesetzt, das Stachelschwanzwaranweibchen hätte sich auch an den Heimchen des Männchens bedient und die Smaragdeidechse machte etwas auf Diva). Vielleicht wurden auch noch andere Echsen gefüttert, aber während der Bartagamenfütterung machten wir uns auf den Weg zum Pfahlbaumuseum.


Das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen ist ein Freilichtmuseum, das archäologische Funde und Nachbauten von Pfahldörfern aus der Stein- und Bronzezeit präsentiert. Es stellt den touristischen Anziehungspunkt in der Gemeinde mit jährlich über 270.000 Besuchern dar. Die ersten Pfahlbauten waren Rekonstruktionen aus dem Jahr 1922, die auf Grundlage der Ausgrabungen im Moor bei Bad Schussenried und am Federsee gestaltet wurden. Die Idee zur Errichtung der ersten beiden Häuser in Unteruhldingen wurde vom örtlichen Bürgermeister Georg Sulger, vom Überlinger Stadtarchivar Victor Mezger und vom dortigen Amtsvorstand Hermann Levinger 1921 gefasst und unterstützt nach einem Vortrag Hans Reinerths über die Ausgrabungen am Federsee. Das Museum befindet sich seit seiner Gründung im Jahre 1922 in der Trägerschaft des Vereins für Pfahlbau- und Heimatkunde e. V., mit aktuell 610 Mitgliedern. Der wegen seiner Nazi-Vergangenheit umstrittene Archäologe Hans Reinerth leitete nach 1945 bis 1990 das Museum in Unteruhldingen. Seit 1990 ist der Archäologe Gunter Schöbel für das Museum mit angegliedertem Forschungsinstitut verantwortlich. 1996 erfolgte der Ausbau eines neuen Museums mit Archiv- und Ausstellungsräumen. Der Bestand an rekonstruierten Pfahlbauhäusern wuchs auch durch die Unterstützung mehrerer europäischer Projekte von 13 auf inzwischen 23.
Die Pfahlbauten gehören zum 2011 geschaffenen UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen.
Der Besuch des Museums ist absolut empfehlenswert. Während unseres Aufenthalts veranschaulichte die Living History Gruppe „Aurea Aetas“ in authentischer Kleidung das Leben in der späten Bronzezeit (Urnenfelderzeit) 1100 – 800 v. Chr.
(Und neben der Pfahlbauten schwimmen Haubentaucher, Zwergtaucher und Teichhühner über den See).
Auf dem Weg zu den Pfahlbauten (und auf dem Rückweg natürlich auch) kamen wir an einer Minigolf/Pitpatanlage vorbei… An sich wäre das nichts Ungewöhnliches, aber vermutlich gehöre ich zu den wenigen Menschen, die von Pitpat noch nie etwas gehört hat.
Pit-Pat ist ein Freizeitsport aus einer Kombination aus Minigolf und Billard, auch Hindernis-Billard genannt. Es wurde von den Gebrüdern Wagner aus Ingolstadt 1984 entwickelt. Es wurden Anlagen im Mutterland Deutschland und Österreich sowie in den Niederlanden, Belgien, Schweden, Frankreich, Italien, Spanien, Dänemark und in der Schweiz aufgestellt und betrieben.
Zu unterscheiden sind Indoor- von wetterfesten Outdooranlagen, diese finden sich häufig in Kombination mit anderen Golfspielvarianten wie Minigolf, Adventuregolf und Swingolf.
Das Spiel umfasst 18 verschiedene Tische mit Hindernissen, wie zum Beispiel schräge Hürden, Zweisprung, Raute und Ähnlichem. Ziel ist es, mit wenigen Stößen des Spielstockes (Queue) den Hartgummiball in das Loch des jeweiligen Tisches zu stoßen. Es gibt Bälle in 4 Härtegraden, die den jeweiligen Tischen zugeordnet sind. Der Spieler mit den wenigsten Versuchen hat das Spiel gewonnen.
Von unserem Parkplatz hätte man auch das Traktormuseum erreichen können, aber daran ist mein Interesse eher gering.

Römischer Haustierpark Augst
Reptilienhaus Unteruhldingen

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