Tasmanien

Tasmanien (NASA)

Tasmanien (NASA)

Tasmanien (englisch Tasmania, in der rekonstruierten Aborigines-Sprache Palawa Kani Lutriwita und in australisch-englisch häufig Tassie; bis 1853 Van-Diemens-Land) ist eine Insel am östlichen Rand des Indischen Ozeans, die sich ungefähr 240 km südlich des australischen Festlands befindet. Der Begriff steht außerdem für den gleichnamigen australischen Bundesstaat, der über die Hauptinsel Tasmanien hinaus auch mehrere kleine, meist unbewohnte Inselgruppen in der Region umfasst. Seine Hauptstadt und größte Stadt ist Hobart, die zweitgrößte Stadt Launceston.
Als größte Insel des Australischen Bundes umfasst Tasmanien mit 68.400 km² (ohne vorgelagerte Inseln 64.519 km², 296 km Nord-Süd-Ausdehnung und 315 km von Ost nach West) 0,89 % der Gesamtfläche Australiens. Die Bass-Straße, welche die Insel vom australischen Festland trennt, wird im Nordwesten durch King Island, an der Nordostspitze von Flinders Island flankiert. Landschaftlich dominieren Gebirge und Hochebenen bis circa 1600 m Höhe die Insel. Die höchste Erhebung ist der Mount Ossa (1617 m).
Tasmanien liegt zwischen 40° und 44° südlicher Breite sowie zwischen 144° und 149° östlicher Länge. Die Insel liegt auf der Südspitze des australischen Kontinentalschelfs und ist annähernd so groß wie Irland. Sie ist die weitaus größte der über hundert Inseln des Bass-Archipels.
Es gibt dort noch relativ viele naturbelassene Landschaftstypen. Etwa ein Viertel der Insel ist als UNESCO-Weltnaturerbe ausgewiesen, zu 37 % besteht die Insel aus Nationalparks. Besonders eindrucksvoll sind die Landschaft am Cradle Mountain sowie die unberührte und teilweise schwer zugängliche Wildnis des Südwestens.
Auch die 1300 km südlich gelegene Macquarieinsel gehört zum Bundesstaat Tasmanien.
Das tasmanische Klima ist ozeanisch. Die Winter fallen dadurch relativ mild aus. Andererseits ist die Insel eine der wenigen Landmassen im Bereich der sogenannten Roaring Forties. Alle Jahreszeiten lassen sich, besonders auf den Hochebenen, an einem Tag durchleben. Obwohl Tasmanien auf dem gleichen Breitengrad liegt wie Istanbul, Rom und Barcelona auf der Nordhalbkugel, ist das Klima vergleichsweise etwas kühler. Aufgrund der Bergketten im Westen der Insel fällt an der Westküste deutlich mehr Niederschlag, weshalb dort viele unterschiedliche Regenwald-Formen die Landschaft prägen. In der Mitte und dem Osten der Insel scheint meist die Sonne.
Als Insel steht Tasmanien unter maritimem Einfluss, daher ist das Kleinklima regional stärker ausdifferenziert. Die zur Nordhalbkugel um sechs Monate verschobenen Jahreszeiten sind weit weniger ausgeprägt. Die Winter sind mit Durchschnittstemperaturen von 0,5 °C bis 10,5 °C mild und die Sommer mit 9 °C bis 19 °C eher kühl. Dennoch kann es fast überall auf der Insel im Winter zu Nachtfrösten kommen und zu jeder Jahreszeit in den Höhenlagen Schnee fallen. Selbst im Sommer können die Bergkuppen oberhalb 1200 Meter, im Winter oberhalb 600 Meter schneebedeckt sein. In solchen Hochlagen kann die Temperatur im Juli bis −1 °C und auf Extremwerte bis −10 °C absinken. Das relativ milde Klima wird jedoch geprägt durch abrupte Wetterwechsel, den häufig starken Wind und die hohe Luftfeuchtigkeit.
Auch die Niederschlagsverteilung Tasmaniens ist weniger von jahreszeitlichen Schwankungen als durch die vorherrschende Windrichtung geprägt. Im Gegensatz zum australischen Festland, wo der Südostpassat seinen Einfluss geltend macht, ist die Insel ganzjährig zum Teil heftigen Westwinden ausgesetzt. Diese Roaring Forties herrschen auf diesem Breitengrad auf der gesamten südlichen Erdhalbkugel und treffen hier ungebremst von Landmassen (die nächste ist Patagonien) auf Tasmanien. So ist der Westteil der Insel sowohl feuchter als auch kühler und hat darüber hinaus weniger Sonnenstunden pro Jahr als der Osten. Diese Temperaturunterschiede werden verstärkt durch den Einfluss einer warmen Meeresströmung im Osten und einer kalten, von der Antarktis kommenden, im Westen Tasmaniens.
Der feuchte Wind sorgt im Westen für jährliche Niederschläge von über 1500 mm mit Spitzenwerten bis zu 3800 mm. Im Osten sind Werte um 1500 mm jährlich die Ausnahme, zum Teil werden hier nur Werte um 400 mm erreicht. Vereinfacht dargestellt kann man sagen, dass die jährlichen Niederschläge Tasmaniens in West-Ost-Richtung kontinuierlich abnehmen. Verglichen mit dem aridesten Kontinent der Erde – Australien – sind selbst diese Werte im Osten der Insel noch hoch.

Die tasmanische Pflanzen- und Tierwelt ist eng mit der geologischen Vergangenheit Australiens verknüpft. Erdgeschichtlich betrachtet nimmt der australische Kontinent aufgrund seiner rund 50 Millionen Jahre dauernden Isolation eine Sonderstellung ein, die sich nachhaltig auf seine Biozönose ausgewirkt hat. Diese Abtrennung ist verantwortlich für die Vielzahl der endemischen Arten, die häufig ein hohes stammesgeschichtliches Alter aufweisen. In Tasmanien wird dieser Aspekt durch die Trennung vom australischen Festland vor rund 12.000 Jahren insofern noch verstärkt, als außeraustralische Einflüsse hier noch weniger zum Tragen kamen.
Flora und Fauna Tasmaniens gehen in ihren Grundzügen auf den Superkontinent Gondwana zurück. Gondwana erreichte zu Beginn des Perm seine größte Ausdehnung und begann im Jura in die gegenwärtigen Kontinente der Südhalbkugel zu zerbrechen. Die Reihenfolge dieser Teilung hat die Stellung der Biosphäre Australiens im ökologischen Weltgefüge maßgeblich geprägt. Nacheinander wurde die australische Landmasse vom späteren Afrika, Indien, Neuseeland, aber erst im Eozän von Antarktika getrennt. Darin liegt der Umstand begründet, dass die australische Biosphäre am ehesten Ähnlichkeit mit Teilen der neuseeländischen und südamerikanischen aufweist. Denn während des Eozäns waren Südamerika und Australien noch durch die Landmasse Antarktika verbunden. Diese Theorie wird sowohl durch Untersuchungen an der rezenten Pflanzen- und Tierwelt als auch durch fossile Befunde gestützt. Seit der Trennung von Antarktika war Australien mehr als 50 Millionen Jahre von den anderen Kontinenten isoliert. Selbstverständlich hat sich auch die australische Biosphäre seither den ökologischen Bedingungen und Veränderungen im Laufe der Jahrmillionen angepasst und dennoch ähnelt sie noch deutlich der ehemaligen Flora und Fauna Gondwanas.

Weit verbreitet sind Vertreter der Beuteltiere.
Die Fauna Tasmaniens ist noch um einiges artenärmer als die australische. So kommen dort nur etwa ein Fünftel der Beuteltier-, ein Zehntel der Nager- und ein Siebtel der Fledermausarten Australiens vor. Flughunde und Gleitbeutler sind ebenfalls nicht bis nach Tasmanien vorgedrungen. Diese Artenarmut darf jedoch nicht über die hohe Populationsdichte der Landtiere in Tasmanien hinwegtäuschen, die durch die vielseitige Küsten- und Meeresfauna noch ergänzt wird.
Zu den bekanntsten Tieren Tasmaniens gehören der ausgestorbene Beutelwolf (Tasmanischer Tiger) und der Beutelteufel (Tasmanischer Teufel).
Da viele der nach Australien eingeschleppten europäischen Tierarten (hauptsächlich der Fuchs) und auch der selbst eingewanderte Dingo es nie bis nach Tasmanien geschafft haben, sind hier viele Tierarten erhalten geblieben, die auf dem Festland ausgestorben sind: Beuteldachse oder kleine Wallaby-Arten.
Wie auf dem Australischen Festland sind auch hier verschiedene Arten von Kletter-, Ring- und Gleitbeutlern zu finden. Diese sind wie Koalas oder Kängurus Beuteltiere und gehören seit eh und je zur Ur-Fauna Australiens. Die vorherrschenden Beuteltiere gehen ebenfalls auf Gondwana zurück. Auch der Emu, stammt aus dieser Epoche. Die Hauptvertreter der Tierwelt Australiens, die Beuteltiere, haben, mit Ausnahme des Ökosystems Wasser, alle sonstigen Habitate besetzt. So unterscheidet sich die Meeresfauna Tasmaniens nur unwesentlich von der anderer Regionen dieses Breitengrades.
Auf dem Land blieben die Beuteltiere größtenteils von außeraustralischen Einflüssen verschont. Selbst die extrem artenreiche Vogelfauna – obwohl weniger an Grenzen gebunden – setzt sich aus Gattungen zusammen, die zu 90 Prozent endemisch sind. Betrachtet man nur die Vogelarten, sind dies sogar 95 Prozent. Die Auswahl an höheren Säugetieren (Plazentatieren) beschränkte sich in voreuropäischer Zeit in Australien auf Nage- und Fledertiere (Fledermäuse und fliegende Hunde). Sie kamen vermutlich während des Miozäns aus dem Norden.
Das Schnabeltier und Ameisenigel zählen zu den skurrilsten Vertretern der australischen beziehungsweise tasmanischen Fauna.

Das wichtigste Jagdwild der voreuropäischen Bevölkerung waren das Känguru, der Wombat und der Fuchskusu.
Neben dem Emu wurde ein weiterer flugunfähiger Laufvogel gejagt. Der Tribonyx mostierii entspricht in seiner Gestalt unserem Rebhuhn. Ansonsten war die äußerst vielfältige Vogelfauna des tasmanischen Inlandes als Beute nicht von Bedeutung. Von den Reptilien, die in Australien neben den Beuteltieren die erfolgreichste Tiergruppe stellen, wurden in Tasmanien nur die größeren Arten verzehrt.
Nur drei der 140 australischen Schlangenarten sind auf der Insel heimisch: Schwarze Tigerotter, Australischer Kupferkopfund Weißlippen-Otter.

Von entscheidender Bedeutung war in Tasmanien die Küsten- und Meeresfauna. Wie bereits angedeutet, unterscheidet sie sich nicht wesentlich von der Fauna anderer Erdteile. In dem fischreichen Meer gab es auch eine Vielzahl Meeressäuger. Die große Anzahl von Muscheln, Krebsen, Krabben und Hummer waren ein begehrtes Nahrungsmittel. An den Küsten nisteten Seevögel in großer Zahl, die jedoch teilweise als Zugvögel nur saisonal anzutreffen waren.

Die Macquariescharbe ist eine auf der Macquarieinsel vorkommende Kormoranart. Die Insel stellt auch das wichtigste Brutgebiet des Haubenpinguins dar.

Die letzte Gruppe von Tasmaniern. 1. von rechts: Truganini, 3. von rechts: William Lanne

Die letzte Gruppe von Tasmaniern. 1. von rechts: Truganini, 3. von rechts: William Lanne

Mit der Ankunft der Europäer begann eine systematische Ausrottung der Urbevölkerung. Durch die Erklärung des Standrechts wurden die Eingeborenen faktisch zum Abschuss freigegeben, Verbrechen wurden nicht geahndet. Massaker wurden nicht nur von Siedlern verübt (z. B. Cape-Grim-Massaker, Black War), sondern auch von Robbenfängern, die zeitweise auf der Insel ihr Lager aufschlugen und die einheimische Bevölkerung terrorisierten. Auch eingeschleppte Krankheiten führten dazu, dass sich die Zahl der Ureinwohner rasch reduzierte.
Um 1830 entschied der damalige Vizegouverneur, George Arthur, dass die verbliebenen Eingeborenen in einem gemeinsamen Gebiet zusammengebracht werden müssten. Der Versuch, die Eingeborenen gewaltsam zusammenzutreiben (Black Line), scheiterte jedoch. Dem englischen Missionar George Robinson gelang es im Anschluss, die zu diesem Zeitpunkt nur noch ca. 300 Ureinwohner zu überzeugen, sich ohne Gegenwehr nach Flinders Island deportieren zu lassen. Dort starb binnen weniger Jahre der Großteil an Unterernährung und Krankheiten; die Siedlung wurde 1849 aufgelöst. Als letzte Überlebende der tasmanischen Urbevölkerung gelten Truganini (1812–1876) und Fanny Cochrane Smith (1834–1905).
Die ältesten nachgewiesenen menschlichen Spuren auf Tasmanien werden auf etwa 35.000 Jahre vor Chr. datiert. Da Tasmanien und Australien zu dieser Zeit noch verbunden waren, teilten die Tasmanier zum Teil die Kultur der Aborigines des australischen Hauptkontinents.
Vor etwa 8000 Jahren wurde die letzte Landverbindung zwischen Australien und Tasmanien, die etwa 200 km breite Bass-Straße durch den ansteigenden Meeresspiegel am Ende der Würmeiszeit unterbrochen. Damit waren die Tasmanier isoliert, seither fand eine getrennte Entwicklung statt. Ob die physiologischen Unterschiede der Tasmanier zu den Aborigines (etwas hellere, rötlichere Haut, gelockte Haare) als eine evolutionäre Anpassung an das Leben auf Tasmanien oder als Indiz für eine in mehreren Wellen erfolgte Besiedelung des Australischen Kontinents (deren letzte Tasmanien nicht mehr erreicht hat) zu verstehen ist, ist umstritten.
Die Angaben über die ursprüngliche Anzahl der Tasmanier schwanken zwischen 3.000 und 15.000.[1] 1830 gab es nur noch etwa 300 Tasmanier. Am Ende der sogenannten „friendly mission“ der Black Line durch George Augustus Robinson wurde der Plan einer Deportation der Tasmanier Wybalenna auf Flinders Island, eine Tasmanien vorgelagerte Insel, umgesetzt. Dort kamen lediglich 220 an, die anderen waren auf dem Transport verstorben. Sie hatten sich einer europäischen Lebensweise zu unterwerfen und wurden christianisiert, gingen aber mehrheitlich an Depressionen, Alkoholismus und Krankheiten zugrunde. 1847 lebten dort nur mehr 47 Tasmanier, sie wurden nach Oyster Cove nahe Hobart umgesiedelt. 1869 starb mit William Lanne der letzte Tasmanier, 1905 Fanny Cochrane Smith, die letzte Tasmanierin.
Gegenwart
Die heutigen Tasmanier sind sämtlich Nachkommen von Tasmaniern und Europäern (zu großen Teilen von Fanny Cochrane Smith, die mit einem Mann europäischer Herkunft verheiratet war) und leben auf Tasmanien und einigen vorgelagerten Inseln. Sie verstehen sich als legitime Nachfahren der Tasmanier, ihr Status ist jedoch nicht gänzlich unumstritten. Seit der Mitte der 1970er Jahre werden die Interessen dieser Tasmanier vom Tasmanian Aboriginal Centre vertreten, das auch die seit 1999 eingerichteten Schutzgebiete verwaltet.

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