Systematik – Eine Erklärung

Homo sapiens

Die Systematik oder Biosystematik ist ein Fachgebiet der Biologie. Die klassische Systematik beschäftigt sich hauptsächlich mit Bestimmung und Benennung der Lebewesen. Die moderne Systematik umfasst zudem die Rekonstruktion der Stammesgeschichte der Organismen sowie die Erforschung der Prozesse, die zu der Vielfalt an Organismen führen und wird daher auch als natürliche Systematik bezeichnet.

2011 gab es einen kurze Beitrag zum Thema im Blog, allerdings wurde dieser gelöscht und durch diesen ersetzt.
Es gibt einen einfachen, kurzen Weg, die Systematik zu erklären, bzw. die systematische Stellung einer Tierart zu definieren.
Während meiner Ausbildung habe ich eine kleine Eselsbrücke gelernt, die das Merken der Systematik vereinfacht (manchmal ist es ganz praktisch, mit seinem Wissen anzugeben, aber da ich mich schon von Kindesbeinen an mit der Systematik der Wirbeltiere auseinandergesetzt habe, war diese Merkhilfe für mich nicht nötig):
SKOFGA=Stamm/Klasse/Ordnung/Familie/Gattung/Art
Daneben gibt es zahlreiche kleinere Unterteilungen (wie Unterart, Unterfamilie…) und manche Bezeichnungen, die nicht genauer klassifiziert werden. Manche Arten (Unterarten und höhere Taxa) können nach derzeitigem Stand der Wissenschaft nicht eindeutig zugeordnet werden, diese bezeichnet man als incertae sedis, (Genitiv von lat. incerta sedes „unsicherer Sitz“), abgekürzt inc. sed.

Peter Ax setzt Taxonomie und Systematik gleich, Ernst Mayr unterscheidet die Systematik als Wissenschaft von der Vielgestaltigkeit der Organismen von der Taxonomie als Lehre von der Klassifikation der Organismen.
Entsprechend den unterschiedlichen theoretischen Ansätzen gibt es verschiedene Richtungen in der Systematik:

Klassische evolutionäre Klassifikation
Ernst Mayr legt seiner Systematik das biologische Artenkonzept zu Grunde. Bei der Einordnung der Organismen wird sowohl das Ausmaß der Divergenz als auch die Verzweigungsreihenfolge berücksichtigt.
Beispiel: Zwar wird die Verzweigungsreihenfolge des phylogenetischen Systems anerkannt (Krokodile und Vögel (Aves) haben einen jüngeren gemeinsamen Vorfahren als die Vögel mit den übrigen Reptilien), der Erwerb des Vogelfluges wird aber als bedeutende Neuerung angesehen, die zu einer adaptiven Radiation führte. Entsprechend wird der Klasse Reptilia die Ordnung Krokodile (Crocodylia) zugeordnet und der Klasse der Vögel (Aves) gegenübergestellt, wodurch sich paraphyletische Taxa ergeben.
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Brückenechsen (Sphenodontia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Ordnung: Schildkröten (Chelonia)
Ordnung: Krokodile (Crocodylia)
Klasse: Vögel (Aves)

Numerische Taxonomie (Phänetik)
In der numerischen Taxonomie wird auf phylogenetische Annahmen verzichtet. Die Einordnung der Arten in das System erfolgt nur auf Grund messbarer Unterschiede und Ähnlichkeiten anatomischer Merkmale. Ursprüngliche und abgeleitete Merkmale werden nicht voneinander unterschieden.
Die Phänetik ist in weiten Teilen durch die Kladistik abgelöst worden. Trotzdem verwenden einige Biologen weiterhin phänetische Methoden wie Neighbour-Joining-Algorithmen, um eine genügende phylogenetische Annäherung zu erhalten, wenn die kladistischen Methoden rechnerisch zu aufwendig sind.

Konsequent phylogenetische Systematik
Nach Willi Hennig werden die Taxa nur von Arten gebildet, die eine geschlossene Abstammungsgemeinschaft, ein Monophylum, bilden. Die kleinste Einheit der phylogenetischen Systematik ist das Taxon Art. Als Monophylum wird die oberhalb der Artenebene gelegene Einheit der organismischen Natur bezeichnet, die aus allen Nachkommen einer (Stamm-)Art und der Stammart selbst besteht. Der typologische und biologische Begriff der Art wird als unzureichend abgelehnt.

An die Stelle des typologischen Artkonzeptes tritt das phylogenetische Artkonzept. In diesem Konzept werden Arten zusammengefasst, die durch Synapomorphien charakterisiert sind und von Arten mit Autapomorphien unterschieden werden. Eine Autapomorphie ist eine evolutionäre Neuheit eines Taxons, das dieses anderen Taxa gegenüber abgrenzt und somit dessen evolutionäre Einmaligkeit begründet. Eine Synapomorphie stellt ein Merkmal dar, welches nur den direkt aus der Stammart entstandenen Arten gemein ist. Ein bei zwei Taxa auftretendes Merkmal, das in einer früheren Stammart der gemeinsamen Stammlinie evolviert wurde und im Außengruppenvergleich auch bei anderen Taxa zu finden ist, wird Plesiomorphie genannt. Eine Art hört dann auf zu existieren, wenn sie durch Speziation (Artaufbildung) in zwei neue Arten übergeht. Als natürliches System ergibt sich ein dichotomes Kladogramm.

Taxonomie aufgrund von DNA-Basensequenzen
Künftig sollen die Unterschiede der einzelnen Arten aufgrund von Vergleichen ihrer DNA-Basensequenzen systematisch für alle bekannten Spezies erarbeitet werden (siehe DNA-Barcoding). Man verspricht sich davon ein besseres Verständnis der Evolution.
Der Erfolg und Zweck einer rein genetischen Bearbeitung der Artenvielfalt ist jedoch umstritten. Die verschiedenen Artkonzepte sind nicht universell anwendbar, da es sich bei den Artkonzepten um Konstrukte mit empirischen Grundlagen handelt. Eine scharfe Trennung zwischen Arten durch genetische Methoden wird im Rahmen der bisher angewandten Artkonzepte vermutlich scheitern, da eine einheitliche Methode nicht über alle Taxa hinweg anwendbar ist. Ob sich ein rein genetisches Artkonzept durchsetzen wird, durch das man Arten nach absolut messbaren genetischen Unterschieden kategorisieren kann, ist genauso fraglich.

Die systematische Einteilung des Menschen sieht folgendermaßen aus:

Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenprimaten (Haplorrhini)
ohne Rang: Altweltaffen (Catarrhini)
Überfamilie: Menschenartigen (Hominoidea)
Familie: Menschenaffen (Hominidae)
Unterfamilie: Homininae
Gattung: Homo
Art: Mensch (Homo sapiens)
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