Portrait: Sakerfalke

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Falkenartige (Falconiformes)
Familie: Falkenartige (Falconidae)
Unterfamilie: Eigentliche Falken (Falconinae)
Gattung: Falken (Falco)
Art: Sakerfalke (Falco cherrug)
Sakerfalke (Wildpark Tambach)

Sakerfalke (Wildpark Tambach)

Der Sakerfalke (auch Saker oder Würgfalke) ist etwa 46 bis 58 Zentimeter groß, kompakt, kräftig gebaut und hat eine Spannweite von etwa 104 bis 129 Zentimeter. Die Flügel sind lang, breit und spitz, oberseits dunkelbraun, hell gefleckt und gebändert. Die Schwanzoberseite ist hellbraun. Charakteristisch ist der cremefarbige, helle Kopf, der sich von der dunklen Oberseite absetzt. Die Unterseite ist cremefarbig, beim Weibchen mehr und beim Männchen weniger dunkelbraun gefleckt und gebändert. Die Weibchen sind beträchtlich größer und schwerer als die Männchen. In Mitteleuropa ist die Art feldornithologisch gut bestimmbar, in Gegenden, in denen auch der Lannerfalke vorkommt, zum Beispiel auf dem südöstlichen Balkan, besteht jedoch erhebliche Verwechslungsgefahr.

Die Zugstrategien des Sakerfalken sind in seinem gesamten Verbreitungsgebiet sehr unterschiedlich. Die europäischen Populationen bleiben bei günstigen Nahrungsverhältnissen im Brutgebiet, ansonsten verstreichen sie ins östliche Mittelmeergebiet oder weiter nach Süden bis Ostafrika.
Ein etwas raues Lahnen und Gäckern ist – außer am Brutplatz – relativ selten zu hören.

Das Verbreitungsgebiet des Sakerfalkens sind die Waldsteppen- und Steppenzonen vom Südosten Mitteleuropas bis in den Nordwesten Chinas. Die südliche Verbreitungsgrenze verläuft durch die Türkei und den Iran bis zum Himalaya. Die nördliche Verbreitungsgrenze ist etwa der 56. nördliche Breitengrad.
In Russland sowie der Ukraine ist die Art ein Langstreckenzieher. An der Westgrenze seines Areals hält sich der Sakerfalke auch in den Wintermonaten in der Nähe seiner Brutplätze auf.

Seine Nahrung besteht während der Brutphase hauptsächlich aus Kleinsäugern wie Zieseln sowie während des Zuges und im Überwinterungsgebiet aus Vögeln bis zur Entengröße.

Sakerfalken bauen wie alle Falken keine Nester. Zur Eiablage nutzen Sakerfalken je nach Lebensraum große Zweignester anderer Vogelarten auf Bäumen oder in Felswänden sowie Felsnischen, auch Bodenbruten kommen vor. Die Art nimmt auch gerne Kunstnester an. Vermehrt werden neuerdings Nester auf Freileitungsmasten zur Brut genutzt. Am Brutplatz ist der Sakerfalke sehr ruffreudig. Das Gelege umfasst zwei bis sechs Eier, die überwiegend vom Weibchen rund 30 Tage lang bebrütet werden. In den ersten etwa 18 Tagen werden die Jungen ausschließlich vom Weibchen gefüttert, das Männchen trägt die Beute heran. Die Nestlingszeit dauert etwa 50 Tage, 30 bis 45 Tage nach dem Ausfliegen werden die Jungvögel selbständig.

Sakerfalke (Zoo Brno)

Sakerfalke (Zoo Brno)

Der ursprüngliche Name für diese Falkenart ist Saker. Unter dieser Bezeichnung wird sie schon im Falkenbuch Friedrichs II. (De arte venandi cum avibus) genannt. Erst im späten 18. Jahrhundert kam der Name Würgfalke auf. Er bürgerte sich über die damals geltende wissenschaftliche Bezeichnung der Art Falco lanarius ein. Lanarius leitet sich von lateinischen Verb laniare ab, was so viel wie zerfleischen, zerreißen, würgen bedeutet. (Vergleiche die Gattung Lanius = Würger). Dieser Name setzte sich im avifaunistischen Schrifttum des 19. und 20. Jahrhunderts weitgehend durch, und wird teilweise auch heute noch verwendet. Abgesehen davon, dass er der Art besonders aggressive Verhaltensweisen unterstellt, ist er auch insofern falsch, als Saker, wie alle anderen Falken auch, Bisstöter und keine Grifftöter sind. Die Artbezeichnung cherrug ist eine Transkription des persischen -bzw. Hindinamens dieser Art.

Die systematische Einordnung des Sakerfalken ist bis heute umstritten. Nach neueren genetischen Untersuchungen bildet der Sakerfalke gemeinsam mit dem Lanner, dem Laggarfalken und dem Gerfalken eine monophyletische Gruppe. Diese 4 Arten sind genetisch nicht voneinander abgrenzbar. Es handelt sich um Morphospezies, die genetisch bisher kaum differenziert sind und deren Radiation evolutionsgeschichtlich jungen Datums ist. Ursprungsart ist wahrscheinlich der Lannerfalke, der heute vor allem in weiten Teilen Afrikas verbreitet ist. Von dort dürfte auch die Ausbreitung erfolgt sein. Daher wird für diese vier Formen eine Vereinigung in einer Superspezies Hierofalco vorgeschlagen. Von der Gruppe der Wanderfalken (z. B. Falco peregrinus, Falco pelegrinoides und auch Falco mexicanus) sind die Hierofalco genetisch deutlich getrennt.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Durch das Kommentieren eines Beitrags auf dieser Seite werden automatisch über Google personenbezogene Daten erhoben. Diese Daten werden ohne Ihre ausdrückliche Zustimmung nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung (http://www.beutelwolf.martin-skerhut.de/impressum/). Mit dem Abschicken eines Kommentars wird die Datenschutzerklärung akzeptiert.