Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

11.07.2017, DEUTSCHE WILDTIER STIFTUNG
Zimmer frei im Luxus-Hotel: Arbeiterinnen wohnen zum Nulltarif
Deutsche Wildtier Stiftung eröffnet Wildbienen-Hotel in Hamburgs Top-Lage im Stadtpark „Planten un Blomen“
Die Lage ist top, das Angebot unwiderstehlich: Zwischen Congress Centrum und Millerntor, mitten im grünen Herzen Hamburgs, hat ein neues 5-Sterne Hotel für Vielflieger eröffnet: Der Hotel-Tower hat 59 Stockwerke mit 2970 Zimmern. Der Blick auf „Planten un Blomen“, dem Stadtpark gleich am Bahnhof Hamburg Dammtor, ist spektakulär: Das Angebot der Luxusklasse gibt es für fleißige Arbeiterinnen sogar zum Nulltarif. „Das Nahrungsangebot für unsere Gäste ist vom Feinsten“, schwärmt „Hoteldirektor“ Manuel Pützstück. Für den Wildbienenexperten der Deutschen Wildtier Stiftung ist Planten un Blomen ein einzigartiges Gourmet-Restaurant für Wildbienen.“ Der Apothekergarten mit vielen Heil- und Gewürzpflanzen liegt quasi vor der Haustür und liefert hervorragenden Pollen und Nektar. Für Wildbienen ist Schlemmen und Schlafen im „Hotel Wildbiene“ all inclusive!
Entworfen hat den neuen Hotel-Tower für Wildbienen Architekt Salaymon Kolaly im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung. Die Fassade ist futuristisch und pflegeleicht aus wetterfestem Edelstahl, die Innenausstattung ist aus feinstem Eichenholz. Dort finden die Gäste Nisthilfen in unterschiedlichen Größen von drei bis zehn Millimetern. „Alles ist perfekt auf die Ansprüche unserer Gäste ausgerichtet“, sagt Manuel Pützstück. Für Wildbienen ist das Hotel mit einer Höhe von 2, 20 Metern und einem funktionierenden „Roomservice“ – Pflege und Wartung übernimmt die Deutsche Wildtier Stiftung – eine Oase im urbanen Raum.
Das Engagement ist wichtig, denn Wildbienen sind stets auf der Suche nach geeignetem Wohnraum – und der ist knapp. Als Bestäuber leisten sie einen unschätzbaren Beitrag für den Erhalt der Biodiversität. „Doch die Bestandsrückgänge sind dramatisch. Von den in Deutschland lebenden rund 580 Arten sind über die Hälfte in der Roten Liste aufgeführt“, betont Pützstück.
Vor zwei Jahren startete die Deutsche Wildtier Stiftung deshalb das Projekt zum Schutz von Wildbienen im städtischen Raum. Kooperationspartner wie Airport Hamburg, der Friedhof Ohlsdorf, Tierpark Hagenbeck und der Bauernverband Hamburg engagieren sich im Projekt der Deutschen Wildtier Stiftung. Gemeinsam mit dem Centrum für Natur der Universität wird außerdem die erste Rote Liste für Wildbienen in Hamburg erarbeitet.
Hier finden Sie den neuen Wildbienen-Tower der Deutschen Wildtier Stiftung: Planten un Blomen, Apothekergarten, Eingang Hamburg Messehallen

10.07.2017, Forschungsverbund Berlin e.V.
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung gründet Fortbildungsakademie
Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin hat die Leibniz-IZW-Akademie gegründet. Mit Hilfe dieser Plattform werden in Zukunft Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft und Praxis Fortbildungen für Berufspraktiker und Ehrenamtliche zu Themen der naturschutzorientierten Wildtierforschung und Tiermedizin anbieten. Start der Veranstaltungen ist im Herbst 2017 mit einem Weiterbildungsangebot für Fledermauskundler, welches in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband für Fledermauskunde Deutschland e. V. erarbeitet wurde.
Im Rahmen der Leibniz-IZW-Akademie werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-IZW sowie Experten aus dem In- und Ausland zunächst deutschsprachig moderne Konzepte und Methoden zum Schutz von Wildtieren für relevante Berufsgruppen und Ehrenamtliche praxisnah und verständlich vermitteln. Dadurch wird der Dialog zwischen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Akteuren intensiviert, so dass neueste Erkenntnisse aus der Forschung direkt ihren Weg in die Anwendung finden. Als deutschlandweites Kompetenzzentrum im Wildtierbereich kann das Leibniz-IZW insbesondere einen Beitrag zur Stärkung von Themen des innovativen Artenschutzes, der Tiermedizin und des Tierschutzes leisten.
In Zusammenarbeit mit dem Bundesverband für Fledermauskunde Deutschland e. V. (www.bvfledermaus.de) startet die Leibniz-IZW-Akademie im Herbst 2017 eine Fortbildungsreihe zu Themen des Fledermausschutzes. Viele einheimische Fledermäuse sind in ihren Beständen bedroht und zudem nach dem Bundesnaturschutzgesetz sowie der EU Habitat Direktive geschützt, so dass diese Tiergruppe bei Planungsvorgängen von großer Relevanz ist. In eintägigen oder zweitätigen Kursen können freiberufliche Gutachter, Behördenvertreter sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Ehrenamtliche von Verbänden neueste Methoden zur akustischen Erfassung des Vorkommens und des Raumnutzungsverhaltens von Fledermäusen, der Rehabilitation von verletzten Tieren sowie der Abschätzung der Anzahl von Schlagopfern unter Windkraftanlagen erwerben. Die Referenten der Lehrgänge bringen langjährige Erfahrungen in der praktischen Arbeit mit Fledermäusen mit. Sie werden dadurch Forschungsergebnisse und theoretisches Wissen auf die Praxis anwenden und dies an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vermitteln. Sie werden von den Kursen in ihrer täglichen Arbeit enorm profitieren. Zu den Zielgruppen als Teilnehmerinnen und Teilnehmer gehören Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ehrenamtlich Beschäftigte bei Wildtier-Auffangstationen, Naturschutzorganisationen, ökologische Gutachterinnen und Gutachter, Landschaftsplanerinnen und Landschaftsplaner sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Behörden. Christian C. Voigt, einer der Mit-Initiatoren der Leibniz-IZW-Akademie, hofft außerdem, „dass die Lehrgänge zu einem hohem Methodenstandard führen, so dass möglichst alle Beteiligten von Genehmigungsverfahren profitieren können. Damit wird letztendlich auch die Planungssicherheit verbessert und der Artenschutz effizienter.“ Die ersten Lehrgänge finden im September und Oktober 2017 am Leibniz-IZW (Alfred-Kowalke-Straße 17, 10315 Berlin) statt. Genauere Informationen zu den Inhalten der einzelnen Lehrgänge sowie zur Anmeldung befinden sich auf der Internetseite www.leibniz-izw.de/leibniz-izw-akademie.html.
Das IZW ist eine interdisziplinär arbeitende Forschungseinrichtung, die sich mit der Erarbeitung der wissenschaftlichen Grundlagen für einen innovativen Artenschutz befasst. Das Leibniz-IZW untersucht die Anpassungsfähigkeit und die Belastbarkeit von Wildtierpopulationen in freier Wildbahn und in menschlicher Obhut in Deutschland, Europa und weltweit und entwickelt neue Konzepte und Methoden zum Schutz von Wildtieren. Ausgehend von der Mission des IZW „Forschung für den Artenschutz“ und der sich daraus ergebenden Vision „Anpassungsfähigkeit von Wildtieren im Kontext des globalen Wandels verbessern und verstehen“ möchten die Verantwortlichen erreichen, dass die Ergebnisse der IZW-Forschung zugunsten des Natur- und Artenschutzes im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung angewendet werden.

12.07.2017, Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie
Wimperntierchen und ihre bakteriellen Lebenspartner – Eine weltweite Partnerschaft
Wimperntierchen sind wie Menschen von einer Vielfalt an Bakterien besiedelt. Bei ihren symbiontischen Lebenspartnern haben manche der Wimperntierchen (Ciliaten) schon vor sehr langer Zeit ihre Wahl getroffen. Und die scheint sich bewährt zu haben. Das zeigen Untersuchungen von Bremer Max-Planck-Forschern und ihren Kollegen, die eine Gruppe dieser Einzeller und deren bakterielle Partner im Mittelmeer und in der Karibik erforscht haben und jetzt darüber in den Proceedings of the Royal Society B berichten. Die Bakterien liefern dabei die Energie für den Wirt, das Wimperntierchen, in dem sie Schwefel oxidieren.
Überraschend dabei ist es, dass es, obwohl ein ganzer Ozean das Mittelmeer von der Karibik trennt, es immer fast dasselbe Gespann von Bakterien und Wimperntierchen ist, denn beide Partner stammen jeweils von einem Urahn ab.
Elegante Schwimmer
Wimperntierchen sind eigentlich keine Tiere. Es sind Einzeller mit mehreren Zellkernen und kommen im Süßwasser, Meer und im Boden vor. Der Name rührt von den Wimpern auf der Zelloberfläche her, mit der diese Einzeller sich fortbewegen und Nahrung zu einer mundähnlichen Öffnung heranführen können. Bekanntestes Beispiel ist das Pantoffeltierchen. Erst unter dem Mikroskop sieht man die Eleganz, mit der diese sich bewegen. Manche dieser Lebewesen werden so groß, dass sie mit dem bloßen Auge als Pünktchen im Wassertropfen sichtbar werden. In der jetzt vorgestellten Studie von Brandon Seah aus der Abteilung Symbiose am Bremer Max-Planck-Institut geht es um die Gattung Kentrophoros, die keinen Mund zur Aufnahme von Nahrung besitzt, dafür aber auf symbiontische Bakterien, so genannte Schwefeloxidierer, angewiesen ist.
Man spricht hier von Mutualismus, d.h. beide Partner sind aufeinander angewiesen.
Chemosynthese und Symbiose als Strategie
Inzwischen kennt man eine Reihe von Lebewesen, die diese schwefeloxidierenden Bakterien als Energielieferanten nutzt. Die ersten entdeckte man zufällig in den 1970er Jahren an den Hydrothermalquellen der Tiefsee. Die Tiefseemuscheln Bathymodiolus und der Röhrenwurm Riftia sind zwei Beispiele. Doch bislang war nicht bekannt, wie die Symbiose bei den Wimperntierchen der Gattung Kentrophoros strukturiert ist. Sind die Bakterien mit anderen verwandt oder ist es eine bislang unbekannte Art?
In der jetzigen Studie verglichen die Forscher Kentrophoros aus dem Mittelmeer und der Karibik. Obwohl das äußere Erscheinungsbild, und die Morphologie sehr verschieden war, zeigten die Ergebnisse der Erbsubstanzanalyse, dass alle Zellen einen gemeinsamen stammesgeschichtlichen Ursprung haben. Und das trifft jeweils auf die Bakterien und die Wimperntierchen zu. Die Bakterien gehören stammesgeschichtlich alle zu einer einzigen neu entdeckten Klade, das heißt, alle in dieser Studie gefundenen Symbionten haben einen gemeinsamen Vorfahren. Das bedeutet, dass vor ein paar Millionen Jahren der erste Kentrophoros und der Urahne dieser Bakterien eine gemeinsame Partnerschaft wählten, die die Zeiten überdauerte. Ihre Nachkommen haben sich über den Planeten Erde ausgebreitet.
„Die bakteriellen Symbionten wachsen nur auf einer Körperseite. Manche Wimperntierchen haben große Ausbuchtungen ausgebildet, um die Siedlungsfläche zu vergrößern. Diese Wimperntierchen tragen sozusagen ihr eigenes Gemüsebeet mit sich herum, denn die Bakterien werden vom Wirt per Phagozytose aufgenommen,“ beschreibt Brandon Seah, Doktorand am Bremer Max-Planck-Institut die Symbiose.
Prof. Dr. Nicole Dubilier, Direktorin des Max-Planck-Instituts sagt:„Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese Symbiose zwischen Wimperntierchen und schwefeloxidierenden Bakteriensich über sehr lange evolutionäre Zeiträume, vielleicht zehn bis hunderte Millionen Jahre, erhalten hat. Ursprünglich dachten wir, dass diese Symbiose niemals so spezifisch sein kann wie bei Endosymbionten, die in ihrem Wirt leben. Bei Kentrophoros vermuteten wir, dass sie die Symbionten leicht verlieren, wenn sie sich durch Sand oder Wasser bewegen. Aber es stellte sich heraus, dass dies kein Hinderungsgrund für die intensive stabile Beziehung zwischen Wirt und Symbiont darstellt.“
Geht man nur vom äußeren Erscheinungsbild aus, haben die Forscher dieser Studie 17 verschiedene Typen Kentrophoros gefunden, die genetisch sehr ähnlich sind. Es scheint einen generellen Masterplan zu geben, dessen Ausführungen unterscheiden.
Ausblick
Als nächstes steht unter anderem die Sequenzierung der Genome an. Ein weiteres Ziel ist es, diese Lebewesen im Labor zu züchten, denn dann sind weitere interessante Untersuchungen zur Beziehung zwischen Genotyp und Phänotyp möglich. Was bringt jeder Partner in die Beziehung ein?
Originalveröffentlichung
Seah BKB, Schwaha T, Volland J-M, Huettel B, Dubilier N, Gruber-Vodicka HR. 2017 Specificity in diversity: single origin of a widespread ciliate-bacteria symbiosis. Proc. R. Soc. B 20170764.
http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2017.0764

12.07.2017,Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fisch-Weibchen bevorzugen mittelmäßig aktive Lover
Viel Sex ist in der Evolution nicht immer von Vorteil. Moskitofisch-Weibchen schwimmen ungestümen Lovern aus dem Weg. Diese lassen ihnen kaum Zeit zum Fressen und verletzen sie häufiger im Genitalbereich.
In manchen Spezies investieren die Männchen kaum etwas in den Nachwuchs außer Sperma. Biologen waren bisher der Ansicht, dass in solchen Arten die sexuell aktivsten Männchen einen evolutionären Vorteil haben. Doch die Gleichung „Wer sich öfter paaren will, hat auch mehr Nachwuchs“, geht bei den östlichen Moskitofischen nicht immer auf. Denn die Weibchen haben auch ein Wörtchen mitzureden, wie Verhaltensforscher der Goethe-Universität jetzt herausgefunden haben.
„Ausgangspunkt unserer Untersuchung war die Frage, warum sich Männchen mancher Tierarten deutlich und konsistent in ihrer sexuellen Aktivität unterscheiden, selbst wenn sie identischen Umweltbedingungen ausgesetzt sind und sich nicht gegeneinander behaupten müssen“, erklärt Carolin Sommer-Trembo, die sich in ihrer Doktorarbeit mit dem Thema beschäftigte. „Wir wollten wissen, wie diese Variation an männlichen Verhaltenstypen erhalten wird, obwohl die Selektion Männchen mit niedriger oder mittlerer sexueller Aktivität verdrängen sollte“.
Als Forschungsobjekt wählte sie die kleinen, unauffälligen Moskitofische (Gambusia holbrooki), weil diese Sex haben und lebende Junge zur Welt bringen. Die Männchen haben am Unterbauch ein im Vergleich zur Körpergröße langes Geschlechtsorgan. Um sich zu paaren, schwimmen sie von unten an das Weibchen heran, um möglichst lange unentdeckt zu bleiben.
Um herauszufinden, welche Männchen für weibliche Moskitofische interessant sind und ob das Level an männlicher sexueller Aktivität überhaupt eine Rolle in der Partnerwahl spielt, ließen Carolin Sommer-Trembo und ihre Kollegen Dr. David Bierbach (Leibniz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Berlin) und Prof. Martin Plath (Northwest A&F University, Yangling) Weibchen zwischen Männchen verschiedener sexueller Aktivität wählen. Um auszuschließen, dass die Männchen wegen ihres Aussehens oder anderer Verhaltensmerkmalen ausgewählt wurden, und um das Maß an sexueller Aktivität der Männchen genau steuern zu können, arbeiteten die Forscher mit animierten Stimulus-Männchen, die den Weibchen über Bildschirme präsentiert wurden.
Das Ergebnis: Weibchen bevorzugten Männchen mit mittlerer sexueller Aktivität, während sie Männchen mit hoher sexueller Aktivität deutlich vermieden. Die Forscher vermuten, dass dies aus einer Kosten-Nutzen Abwägung erfolgt. Denn Weibchen, die sich in der näheren Umgebung von sexuell sehr aktiven Männchen befinden, leiden oft nicht nur an Verletzungen im Genitalbereich, sondern kommen kaum dazu, Nahrung aufzunehmen, da sie unablässig damit beschäftigt sind, den Annäherungsversuchen der Männchen zu entgehen.
Anders verhält es sich, wenn eine ganze Gruppe von Weibchen einem paarungswütigen Männchen begegnet. „Unter natürlichen Umständen bilden Moskitofisch-Weibchen oft Gruppen, um sich gegen männliche Belästigung zu schützen, ganz ähnlich wie sich Schwarmfische gegen Fressfeinde schützen“, erklärt Carolin Sommer-Trembo. In der Gruppe zeigten Weibchen eine deutlich höhere Akzeptanz gegenüber den sexuell sehr aktiven Männchen, da sich die Kosten-Nutzen Rechnung unter diesen Umständen verschiebt.
Die Abhängigkeit der Weibchenwahl vom sozialen Kontext könnte erklären, warum die Vielfalt an männlichen Verhaltenstypen bei den Moskitofischen erhalten blieb. Und die Experimente zeigen, dass Weibchen die männliche sexuelle Aktivität als Kriterium bei der Partnerwahl miteinbeziehen.
Übrigens: Dass man stürmischen Lovern aus dem Weg schwimmen sollte, wenn man als Fisch-Weibchen allein unterwegs ist, scheint nicht instinktiv zu sein, sondern auf Erfahrung zu beruhen. Das zeigten zusätzliche Tests mit jungfräulichen Weibchen. Sie waren gegenüber allen Typen noch gleich aufgeschlossen.
Publikation:
Sommer-Trembo, C., Plath, M., Gismann, J., Helfrich, C. & Bierbach, D.
Context-dependent female mate choice maintains variation in male sexual activity.
Royal Society Open Science; DOI: 10.1098/rsos170303
http://rsos.royalsocietypublishing.org/content/4/7/170303

13.07.2017, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
Zeit für den Aufstieg
Genetische Uhren in Zooplanktonarten regulieren die vermutlich größte tägliche Bewegung von Biomasse
Der Ruderfußkrebs Calanus finmarchicus richtet seinen Tag nach einer genetischen Uhr aus, die unabhängig von äußeren Reizen funktioniert. Diese Uhr beeinflusst Rhythmen des Stoffwechsels sowie die tägliche Vertikalwanderung der Krebse. Das hat einen enormen Einfluss auf das gesamte Nahrungsnetz im Nordatlantik, denn Calanus finmarchicus ist dort eine zentrale Planktonart. Je nachdem, wo sich der energiereiche Krebs gerade befindet, müssen sich auch seine Fressfeinde aufhalten. Die Ergebnisse der Studie erscheinen nun im Fachjournal Current Biology.
Tag für Tag findet in den Meeren der Welt eine gigantische Vertikalwanderung statt: Bei Sonnenuntergang schwimmen unzählige Planktonorganismen wie Ruderfußkrebse oder Krill in Richtung Oberfläche, um sich an einzelligen Algen satt zu fressen, die nur dort gedeihen können, wo ausreichend Licht zur Verfügung steht. Die Nacht bietet den Tieren Schutz vor Räubern wie Fischen, die Licht zum Jagen brauchen. Am Morgen wandern die Tiere dann in die dunkle Tiefe zurück, wo sie sich tagsüber vor ihren Fressfeinden verstecken. Das ist die vermutlich größte tägliche Bewegung von Biomasse auf dem ganzen Planeten. Obwohl dieses Phänomen seit mehr als 100 Jahren bekannt ist, haben Wissenschaftler erst in Ansätzen verstanden, welche Signale Meereslebewesen nutzen, um zu entscheiden, wann sie nach oben und wann sie nach unten wandern.
Licht scheint dabei eine große Rolle zu spielen – doch auch in der Polarnacht und im Dunkel der Tiefsee, wo nur sehr wenig Licht zur Verfügung steht, finden solche Wanderungen statt. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) konnten nun nachweisen, dass der Ruderfußkrebs Calanus finmarchicus eine innere genetische Uhr besitzt, die unabhängig von äußeren Reizen einen 24-Stunden Rhythmus erzeugt. Licht wird dabei nur benötigt, um die Uhr hin und wieder richtig zu „stellen“. „Diese Uhr beeinflusst neben den Rhythmen der Stoffwechselaktivität der Tiere auch deren tägliche Vertikalwanderung“, sagt Erstautor Sören Häfker.
Zusammen mit Kollegen der Universität Oldenburg und der Scottish Association for Marine Science hat er eine detaillierte Untersuchung des gesamten Uhr-Mechanismus für diese wichtige Krebsart durchgeführt und die tägliche Wanderung mit der Rhythmik der genetischen Uhr verglichen. „Für uns war es erstaunlich, wie präzise die genetische Uhr den 24-Stunden-Rhythmus ohne äußere Reize beibehält und dass wir diesen Rhythmus sowohl unter kontrollierten Laborbedingungen als auch im natürlichen Lebensraum im schottischen Loch Etive fanden“, sagt Sören Häfker. In der freien Natur können die Tiere bei ihren täglichen Wanderungen mehrere hundert Meter zurücklegen. Doch auch in Laborexperimenten wiesen die Wissenschaftler dasselbe Bewegungsmuster nach. Hier haben sie für die Tiere zuerst einen natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus simuliert und sie danach mehrere Tage in konstanter Dunkelheit gehalten. Unter diesen Bedingungen haben sie dann den Sauerstoffverbrauch der Tiere als Hinweis für den Stoffwechsel, die Vertikalwanderung sowie die Aktivität verschiedener Uhr-Gene gemessen. In den knapp einen Meter hohen Säulen der Versuchsanordnung findet selbst bei konstanter Dunkelheit eine rhythmische Vertikalwanderung statt. Dieses Verhalten zeigt, dass die Wanderung von der genetischen Uhr reguliert wird. Die Krebse können so den Tageszyklus vorausahnen und sich zum Beispiel in tiefere Wasserschichten zurückziehen, noch bevor es für Räuber hell genug wird, um sie zu jagen.
Der Ruderfußkrebs Calanus finmarchicus sammelt im Körper große Fettreserven an und ist daher für viele größere Tiere eine attraktive Nahrungsquelle. Die tägliche Wanderung hat somit eine herausragende Bedeutung für das Ökosystem. Das ist besonders relevant, weil durch die Klimaerwärmung viele marine Arten ihre Verbreitung in Richtung der Pole verschieben. Dort schwankt die Tageslänge über das Jahr jedoch deutlich stärker und es stellt sich die Frage, ob die inneren Uhren dieser Tiere mit den extremeren Bedingungen klarkommen. „Nur wenn wir verstehen, wie genetische Uhren funktionieren und wie sie das Leben im Meer beeinflussen, können wir in Zukunft besser vorhersagen, wie marine Arten auf Veränderungen der Umwelt – etwa durch den Klimawandel – reagieren und welche Konsequenzen das für marine Ökosysteme hat“, betont Sören Häfker.
Die Studie erscheint unter folgendem Titel im Fachmagazin Current Biology:
N. Sören Häfker, Bettina Meyer, Kim S. Last, David W. Pond, Lukas Hüppe, Mathias Teschke: „Circadian Clock Involvement in Zooplankton Diel Vertical Migration“. DOI: 10.1016/j.cub.2017.06.025

13.07.2017, Bundesanstalt für Gewässerkunde
Bienenvölker auf dem Dach der BfG
Die Bundesanstalt für Gewässerkunde betritt Neuland, sie reiht sich in die Riege der Stadtimker ein. In den vergangenen Tagen siedelte die BfG zwei Bienenvölker in Koblenz an, deren künftige Heimat das Dach eines BfG-Gebäudes in der Mainzer Straße sein wird. Die Bundesanstalt schafft hiermit nicht nur einen neuen Standort für Bienen, sondern leistet gleichzeitig einen aktiven Beitrag zum Erhalt der Biodiversität in der Region.
Neben weiteren bestäubenden Insekten wie Hummeln und Wildbienen, leistet die westliche Honigbiene (Apis mellifera) in unserer Kulturlandschaft einen großen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt, ferner bestäubt sie Nutzpflanzen, die für uns wichtig sind. Neben ihrer Bestäuberfunktion produzieren Bienen aber nicht nur schmackhaften Honig, sondern auch weitere wertvolle Produkte wie Wachs oder Propolis. Letzteres hat beispielsweise im Hinblick auf die menschliche Gesundheit zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten gefunden.
Bienen können sich nur in einem intakten Ökosystem gut entwickeln. Leider sind diese faszinierenden Insekten jedoch seit einigen Jahren vielen neuen Bedrohungen ausgesetzt. Monokulturen in der Landwirtschaft verbunden mit dem dramatischen Verlust an blühenden Pflanzen und der verstärkte Einsatz von Pestiziden machen ihnen zu schaffen. Eine andere bedeutende Ursache des um sich greifenden Bienensterbens ist ein Parasit: der Stecknadelkopf großen Varroamilbe fallen insbesondere in den Wintermonaten viele Völker zum Opfer.
Parallel zum fortschreitenden Strukturverlust im ländlichen Bereich, erfreut sich die Stadtimkerei hingegen immer größerer Popularität. Bienenkörbe in den unterschiedlichsten Ausprägungen werden auf innerstädtischen Balkonen, Terrassen und Dächern aufgestellt und sorgen für regen Flugverkehr der Bienen in öffentlichen Parkanlagen und privaten Vorgärten. Dieser Entwicklung haben sich vielfach auch Träger öffentlicher Gebäude angeschlossen. Sie fördern damit den Organismus „Biene“ und tragen gleichzeitig zum Erhalt von Biodiversität im urbanen Raum bei. Im Park von Schloss Bellevue in Berlin, auf dem Dach des Bayerischen Umweltministeriums in München, auf dem Rathausforum in Hamburg-Harburg und an vielen weiteren Orten summt es bereits seit Jahren.
Auch die Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz hat in diesen Tagen zwei Bienenvölker auf dem Dach ihres Gebäudes in der Mainzer Straße angesiedelt. „Wir möchten damit einen aktiven Beitrag zum Erhalt der Biodiversität in der Region und nicht zuletzt auch an Wasserstraßen leisten. Mit der Nähe zu Rhein und Mosel sowie den nahegelegenen Rheinanlagen als Futterhabitate für Bienen wird uns dies auch gelingen“, so Dr. Birgit Esser, Leiterin der Bundesanstalt für Gewässerkunde.
Die weitere Planung in der BfG sieht vor, die Bienen zum einen interessierten Besuchergruppen zugänglich zu machen und somit einen Einblick in die spannenden Verhaltensweisen der Bienenvölker zu ermöglichen. Zum anderen soll künftig ein Teil des von den Bienen produzierten Honigs der BfG als Gastgeschenk dienen. Den Rest des reichhaltigen Produktes lagern die Bienen als Nahrungsreserve ein, um die kalten Wintermonate zu überstehen.
In diesem Jahr wird es für BfG-Gäste noch keinen Honig geben, da die beiden jungen Völker nun erst nach der Frühjahrstracht an die BfG gebracht wurden und eine Honigentnahme sie zu sehr schwächen würde. Im kommenden Jahr darf man sich jedoch auf erstes „flüssiges Gold“ freuen, ganz nach dem spaßhaft erweiterten Slogan der BfG: „Wissen, was war. Messen, was ist. Sehen, was sein wird … Essen, was schmeckt“.

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