Die Unterarten des Wapiti

Nelsons Wapiti Zoo Plankendael)

Nelsons Wapiti Zoo Plankendael)

Früher ordnete man den Wapiti als mehrere Unterarten des Rothirsches ein. Nach genetischen Untersuchungen wird er als eigenständige Art geführt.
Es werden sechs nordamerikanische und zwei asiatische Unterarten akzeptiert. Von den sechs nordamerikanischen Unterarten der Wapitis sind mit dem Östlichen Wapiti (Cervus canadensis canadensis) und Merriam-Wapiti (C. c. merriami) zwei bereits ausgestorben. Die noch existenten Wapiti-Unterarten sind der Rocky-Mountain-Wapiti (auch Yellowstone-Wapiti oder Neslon-Wapiti, C. c. nelsoni), der Manitoba-Wapiti (C. c. manitobensis), der Olympic-Wapiti (auch Roosevelt-Wapiti, C. c. roosevelti) und der Tule-Wapiti (oder Zwergwapiti C. c. nannodes). Laut dem Zoologen Valerius Geist unterscheiden sich die sechs Unterarten aufgrund der Lebensbedingungen ihrer Umgebung, die genetischen Differenzen sind minimal. Die zwei asiatischen Unterarten umfassten den Altai-Maral (C. c. sibiricus) und den Tianshan-Wapiti (C. c. songaricus).

Die Art Cervus canadensis umfasst alle nordamerikanischen Wapitis, sowie die nordmongolischen und sibirischen Formen westlich des Baikalsees. Im Westen erreichen sie das Altaigebirge sowie das Tianshan- und Alatau-Gebiet. Folgende Unterarten wurden ursprünglich innerhalb dieser Gruppe unterschieden, möglicherweise sind sie jedoch alle einer einzigen Unterart (Cervus canadensis canadensis) zuzuordnen.
Wapiti-Bulle im Yellowstone-Nationalpark
Der Rocky-Mountain-Wapiti (Cervus canadensis nelsoni) kommt heute in den kanadischen Provinzen British Columbia und Alberta, sowie in den US-Bundesstaaten Idaho, Montana, Washington, Oregon, Nevada, Utah, Arizona, New Mexico, Colorado, Wyoming, Nord- und Süd-Dakota vor. Vereinzelt trifft man ihn auch im westlichen Nebraska, im nordöstlichen Minnesota und im nördlichen Michigan an. Die Population der Rocky-Mountain-Wapitis umfasst rund 750.000 Tiere. Alleine im Yellowstone-Nationalpark befinden sich im Sommer jeweils etwa 30.000 Exemplare dieser Unterart. Entgegen der üblichen Meinung ist der Rocky-Mountain-Wapiti nicht ein Tier der Prärie, welches sich wegen der zunehmenden Besiedlung durch die Europäer in die Berge zurückgezogen hat. Schon früher lebten Wapitis in den Rocky Mountains. Ein Bulle wiegt etwa 300 bis 350 Kilogramm, eine Kuh etwa 200 bis 250 Kilogramm. Die Bullen können eine Schulterhöhe von 1,5 Metern erreichen und eine Körperlänge von 2,5 Metern. Sie sind meist braun mit dunkelbraunen Beinen, Nacken und Bauch sowie einem hellen Hinterteil. Bullen können heller gefärbt sein als Kühe. Die Geweihe der Bullen haben gewöhnlich sechs oder mehr Enden pro Seite.
Der Roosevelt-Wapiti (Cervus canadensis roosvelti) bewohnt das nördliche Kalifornien und den westlichen Teil von Oregon, Washington und British Columbia. Einige wurden nach Afognak Island in Alaska umgesiedelt. Schätzungen der gesamten Population schwanken zwischen 20.000 und 30.000 Individuen. Roosevelt-Wapitis sind größer und dunkler als Rocky-Mountain-Wapitis. Die Bullen können bis zu 450 Kilogramm wiegen. Ihr Geweih formt häufig eine Krone oder einen Korb.
Der Manitoba-Wapiti (Cervus canadensis manitobensis) bewohnt das zentrale Manitoba, das östliche Saskatchewan und die Badlands in Süd-Dakota. Viele dieser kanadischen Wapitis finden sich im oder in der Nähe vom Riding Mountain National Park und Prince Albert National Park sowie im Duck Mountain Provincial Park. Das Fell der Manitoba-Wapitis ist dunkler als dasjenige der Rocky-Mountain-Wapitis. Sie sind nicht so groß wie die Rocky-Mountain-Wapitis, aber kompakter, so dass sie etwa gleich schwer sind. Die Population ist stabil bei etwa 10.000 Tieren.
Tule-Wapiti

Zwergwapiti (Tierpark Berlin)

Zwergwapiti (Tierpark Berlin)

Früher lebten große Herden von Tule-Wapitis (Cervus canadensis nannodes) in den California Central Valley Grasslands und den California Chaparral and Woodlands im zentralen Kalifornien. Durch übermäßige Jagd wurden sie stark reduziert, bis sie knapp vor dem Aussterben standen. Der Rinderzüchter Henry Miller, der große Weiden im südlichen Central Valley besaß, erstellte in den 1870er Jahren ein kleines privates Reservat, um die Unterart zu retten. 1932 wurde die Herde permanent geschützt in einem 3,8 km² großen Anwesen in der Nähe von Buttonwillow, California, das heute als Tule Elk State Reserve bekannt ist. Weitere Tule-Wapitis finden sich in nahgelegenen Gegenden, meist auf privatem Grund. Die Tule-Wapitis sind kleiner als diejenigen der übrigen Unterarten, die Bullen wiegen durchschnittlich etwa 225 Kilogramm. Zurzeit gibt es etwa 2000 Tule-Wapitis. Die Jagd auf privatem Grund wurde inzwischen wieder erlaubt, ist aber mit einem Preis von 13.000 US-Dollar (2004) sehr teuer. 1978 wurden Tule-Wapitis auf der Pierce Point Ranch im Point Reyes National Seashore nördlich von San Francisco angesiedelt. Eine andere Herde befindet sich in der Ohlone Wilderness in Alameda County.

Der Altai-Maral (Cervus canadensis sibiricus) oder Altai-Wapiti bewohnt das Altai- und das Sajangebirge, die nordwestliche Mongolei sowie die Gebiete westlich des Baikalsees. Er ähnelt den nordamerikanischen Formen und erreicht mit einem Gewicht von bis zu 300 kg und eine Schulterhöhe von bis 150–155 cm auch deren Ausmaße. Das Sommerkleid ist einfarbig zimtbraun, im Winter sind die Männchen an den Seiten gräulich braungelb, am Hals, Bauch, und den Schultern dunkler zimtbraun, die Weibchen graubraun gefärbt. Die helle Fellfärbung am Hinterteil erstreckt sich bis zur Kruppe.
Der Tianshan-Maral (Cervus canadensis songaricus) oder Tianshan-Wapiti ist im Tianshan- und Alatau-Gebiet verbreitet. Er ähnelt stark dem Altai-Maral und ist möglicherweise mit diesem identisch.

Altai-Maral (Wildpark Pforzheim)

Altai-Maral (Wildpark Pforzheim)

In Asien kommen mehrere Hirscharten vor, die den genetischen Befunden zufolge sehr nah mit den eigentlichen Wapitis verwandt sind und sich auf zwei Gruppen verteilen. Eine engere Verwandtschaftsgruppe bilden der Szetschuan-Hirsch (Cervus macneilli) und der Tibetische Rothirsch (Cervus wallichii). Ursprünglich wurde auch der Kaschmirhirsch (Cervus hanglu) dazugezählt, der aber neueren Untersuchungen zufolge näher mit dem Bucharahirsch (Cervus bactrianus) und damit mit den westlichen Rothirschen der Cervus elaphus-Gruppe in Beziehung steht. Daneben besteht eine entferntere Beziehung zum Alashan-Wapiti (Cervus alashanicus) und zum Isubrahirsch (Cervus xanthopygus). Die systematische Stellung der Formen zu den eigentlichen Wapitis ist noch nicht völlig geklärt. So werden bisweilen der Szetschuan-Hirsch, der China-Rothirsch und der Hangul auch zur Art Cervus wallichii zusammengefasst. Eine Revision der Hirsche aus dem Jahr 2011 erkannte die genannten Formen als eigenständige Arten an.

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