Die Unterarten des (Jagd)Fasans

Jagdfasan (Tierpark Sababurg)

Jagdfasan (Tierpark Sababurg)

Es gibt zahlreiche Unterarten des Fasans in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebieten. Bei den Fasanen Europas und Asiens handelt es sich um Mischlinge unterschiedlicher Unterarten.
Die geografische Variation der Weibchen ist wenig ausgeprägt, die der Männchen aber sehr deutlich, so dass über 30 Unterarten in 5 Gruppen unterschieden werden können. Dabei verlaufen die Unterschiede teils sehr allmählich (klinal), teils gibt es deutliche Brüche zwischen geografisch benachbarten Populationen. Ein Merkmal, das in einer deutlich klinalen Reihe variiert, ist die Ausprägung der überwiegend kupferfarbenen Brustfedern, die bei den westlichen Unterarten an der Spitze wenig eingekerbt und breit schwarz gerandet, nach Osten hin stärker eingekerbt und schmal schwarz gerandet bis bespitzt sind.

torquatus-Gruppe
Die Unterarten dieser Gruppe, die vorwiegend in China beheimatet ist, zeigen einen grünlich- oder bläulichgrauen Bürzel und bläulichgraue Oberflügeldecken. Der Schwanz ist auf gelblich- bis olivbraunem Grund breit schwarz gebändert. Bei den östlichen Unterarten sind ein weißer Halsring und helle Brauenstreifen ausgeprägt. Bei den beiden Unterarten strauchi und sohokhotensis ist der erstere schmal, der letztere fehlt. Bei den westlicheren Unterarten fehlt – mit Ausnahme der isolierten Population hagenbecki – auch der Halsring.
Phasianus colchicus pallasi  – südöstliches Sibirien und nordöstliches China
Ph. c. karpowi  – nordöstliches China (südliche Mandschurei und nördliches Hebei) und Korea, auf Hokkaidō eingebürgert
Ph. c. kiangsuensis – nordöstliches China (nördliches Shanxi und Shaanxi) sowie südöstliche Mongolei
Ph. c. alaschanicus  – nördliches und mittleres China (westliche Ausläufer des Helan-Gebirges)
Ph. c. edzinensis  – isoliertes Vorkommen in Oasen der Gobi im Becken des unteren Edsin Gol, Norden von Gansu
Ph. c. satscheuensis  – isoliertes Vorkommen in der Region Dunhuang, äußerster Westen von Gansu
Ph. c. torquatus  – östliches China (Shandong und südwärts bis zur vietnamesischen Grenze)
Ph. c. takatsukasae  – südliches China (Süden von Guangxi) und nördliches Vietnam
Ph. c. formosanus  – Taiwan
Ph. c. strauchi  – mittleres China (südliches Shaanxi und südliches und mittleres Gansu)
Ph. c. sohokhotensis  – Soho-Khoto-Oase bei Minqin, östliches Gansu, eventuell sind auch die Vögel im Qilian-Gebirge dieser Unterart zugehörig
Ph. c. vlangallii  – isoliertes Vorkommen in den Schilfsümpfen westlich des Qaidam-Beckens im Nordwesten von Qinghai
Ph. c. suehschanensis  – westliches und mittleres China (Nordwesten von Sichuan)
Ph. c. elegans  – westliches und mittleres China (westliches Sichuan)
Ph. c. decollatus  – mittleres China (Sichuan ostwärts bis ins westliche Hubei und südwärts bis ins nordöstliche Yunnan und nach Guizhou)
Ph. c. rothschildi  – südliches und mittleres China (östliches Yunnan) und nördliches Vietnam
Ph. c. hagenbecki  – isoliertes Vorkommen im Westen der Mongolei: nördlicher Gobi-Altai bis zum Khara-Usu-See und Flussbecken des Chowd Gol bis zum Achit Nuur

tarimensis-Gruppe
Diese beiden Unterarten stehen zwischen den westlichen und den chinesischen Unterarten. Die Brustfedern sind relativ stark eingeschnitten und die Steuerfedern auf gelblichem Grund breit gebändert wie bei der torquatus-Gruppe. Zudem haben sie ein grünglänzendes Band um die Bauchmitte.
Ph. c. shawii  – westliches und südliches Xinjiang von Hotan ostwärts durch das Tarimbecken bis zum Unterlauf des Aksu, am Oberlauf des Tarim
Ph. c. tarimensis  – Ost- und Südteil des Tarimbeckens bis zum Lop Nur, Mischpopulationen mit shawii westwärts bis Maralbexi

mongolicus-Gruppe
Diese Gruppe bewohnt – im Gegensatz zu dem, was der Name impliziert – nicht die Mongolei, sondern lebt westlich des Altai. Die beiden Unterarten zeigen einen breiten, vorne nicht geschlossenen, weißen Halsring und oberseits ein grünglänzendes Kupferrot, weiße Oberflügeldecken und rötliche Bürzel. Die Bänderung des eher rötlichen Schwanzes ist schmal.
Ph. c. turcestanicus  – Kasachstan, Flusstal des Syrdarja
Ph. c. mongolicus  – Südost-Kasachstan vom Qaratau bis zum Siebenstromland und bis nach Xinjiang

Chiwa-Ringfasan, Phasianus colchicus chrysomelas (Zoo Plzen)

Chiwa-Ringfasan, Phasianus colchicus chrysomelas (Zoo Plzen)

principalis-Gruppe
Diesen Unterarten fehlt der Halsring oder er ist nur angedeutet. Die Oberseite ist rötlich getönt und die Oberflügeldecken sind weiß. Auch hier ist der Bürzel rotbraun und der rötliche Schwanz schmal gebändert.
Ph. c. zerafschanicus  – Tal des Serafschan von Samarkand westwärts
Ph. c. chrysomelas  – Unterlauf des Amudarja von Darganata abwärts
Ph. c. bergii  – Inseln im Aralsee
Ph. c. bianchii  – Oberlauf des Amudarja von Kelif in Turkmenistan ostwärts bis ins östliche Usbekistan, das südliche Tadschikistan und den Norden Afghanistans
Ph. c. zarudnyi  – Täler des mittleren Amudarja von Atamyrat nordwärts bis Darganata
Ph. c. principalis  – Östliche Ausläufer des Kopet-Dag, Flusstäler von Tejen, Murgab und Kushka, im Iran bis Chorasan und in Afghanistan bis zum Tal des Hari Rud
Ph. c. septentrionalis  – Flussniederungen von Kuban, Terek und Kuma sowie nordwestliche Küste des Kaspischen Meeres

colchicus-Gruppe
Diese Gruppe ist eher purpurn getönt und der Halsring fehlt. Die Oberflügeldecken sind gelbbraun und der Bürzel rotbraun. Der rötliche Schwanz ist schmal gebändert, wie bei allen westlichen Unterarten.
Ph. c. persicus  – Gebiet des Kopet-Dag, vermischt sich im Westen mit Ph. c. talischensis
Ph. c. talischensis  – Südrand des Kaspischen Meeres von der unteren Kura bis Babolsar
Ph. c. colchicus  – Westliches Georgien, nordöstliches Aserbaidschan, südliches Armenien und nordwestlicher Iran

In Europa und anderen Teilen der Welt, in denen die Art eingebürgert wurde, gibt es Mischformen mit den Merkmalen meist mehrerer Unterarten, die man unter der Bezeichnung „Jagdfasan“ zusammenfasst. Je nach Ausprägung der Unterartmerkmale kann man vor allem zwei Typen unterscheiden. Der colchicus-Typ („Böhmischer Kupferfasan“) ist der oben beschriebenen Nominatform recht ähnlich. Der torquatus-Typ („Chinesischer Reisfasan“) zeigt einen mehr oder weniger ausgeprägten weißen Halsring, der zur Brust oder zum Nacken hin offen sein kann. Zudem zeigt diese Form meist einen helleren Scheitel und einen oft dunkel gesäumten, weißen Brauenstrich. Die Grundfärbung des Vorderrückens ist eher bräunlich bis golden. Die Bürzel- und Oberschwanzdecken-Partie changiert blau- bis grüngrau, zeigt aber mehr oder weniger breit fuchs- bis kupferrote Bürzelseiten. Die kupferroten Federn der Vorderbrust sind an der Spitze relativ stark eingeschnitten und schmaler gerandet als beim colchicus-Typ. Die hellen Federn der Flanken und der hinteren Brust sind strohgelb bis golden, die Steuerfedern sind hell oliv mit recht breiten Querbinden und violettrotem Rand. Die Oberflügeldecken zeigen ein bläuliches Grau. Weibchen vom torquatus-Typ sind heller als beim colchicus-Typ mit breiteren, hellen Federsäumen, Kinn und Kehle sind oft ganz ohne schwarze Zeichnung.
Vielfach sind in Europa und Nordamerika auch Vögel der mittelasiatischen mongolicus-Gruppe eingekreuzt, was an den weißen Oberflügeldecken und dem vorne nicht geschlossenen Halsring erkennbar ist.

Tenebrosusfasan, Weibchen (Thüringer Waldzoo)

Tenebrosusfasan, Weibchen (Thüringer Waldzoo)

In der Fasanenzucht sind immer wieder Mutationen aufgetreten, von denen einige als reinvererbende Rassen herausgezüchtet wurden und mehrere auch gelegentlich neben den beschriebenen Haupttypen in freilebenden Populationen auftreten.
Der häufigste Typ ist der tenebrosus-Typ. Obwohl er dem japanischen Buntfasan (Phasianus versicolor) nicht unähnlich ist, handelt es sich um eine melanistische Form – Mischformen mit letzterer Art sehen deutlich anders aus. Er entstand um 1880 in Norfolk und hat sich seit den 1930er Jahren vor allem in England und Amerika durchgesetzt. Die Oberseite des Männchens ist überwiegend metallisch grün. Flügeldecken und Unterbauch sind dunkel bräunlich und der Schwanz goldbraun mit bronzefarbenen Säumen und schwarzer Bänderung. Brust- und Körperseiten zeigen eine purpurglänzend dunkelblaue Färbung mit isabellfarbenen Schaftstreifen. Die Henne ist rußschwarz.
Eine weitere Mutation ist der Isabellfasan, bei dem die verschiedenen, sonst kupferfarbenen und rotbraunen Partien des Männchens blass isabellfarben sind, Kopf und Hals aber wie sonst auch glänzend dunkelgrün. Die Variante tritt auch bei wildlebenden Populationen auf und pflanzt sich meist reinerbig fort.
Zwei weitere Mutationen sind der Weiße Jagdfasan, der nahezu pigmentlos ist, und der Gescheckte Jagdfasan, bei dem man eine rotscheckige und eine blauscheckige Variante unterscheidet. Hierbei handelt es sich meist um reine Zuchtformen.

Von einigen Autoren wird auch der in Japan beheimatete Buntfasan (Phasianus versicolor) mit den drei Unterarten versicolor, robustipes und tanensis dem Fasan zugeordnet. Dafür spricht, dass die Ausprägung der Brustfedern die eindeutige Fortsetzung der klinalen Reihe bei den Unterarten von Phasianus colchicus darstellt und auch die Steuerfedern, der Bürzel und die Oberflügeldecken sich von der letztgenannten Art nicht deutlich abheben. Auffälliges Unterscheidungsmerkmal ist aber die dunkelgrüne Färbung des Körpergefieders, so dass der Buntfasan meist als eigene Art mit dem Fasan in eine Superspecies gestellt wird.

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