Eine Reise an den Südpol – Arthur Gordon Pym/Die Eissphinx/Berge des Wahnsinns

Was haben Edgar Allan Poe, Jules Verne und Howard Phillips Lovecraft gemeinsam, bzw. welche Gemeinsamkeit haben Die denkwürdigen Abenteuer des Arthur Gordon Pym, Die Eissphinx und Berge des Wahnsinns?
Und was haben diese Bücher im Beutelwolf-Blog zu suchen? Letzteres beantworte ich zu erst, da diese Antwort nicht so einfach ist.
Auf den ersten Blick würde ich sagen, dass eigentlich keines dieser Bücher irgendeine Berechtigung (jenseits diverser Blogparaden) hat, im Buch zu erscheinen.
Alle drei handeln von einer Antarktisreise und hin und wieder findet man auch Beschreibungen der dortigen Tierwelt, die (jedenfalls in den Übersetzungen, die ich gelesen habe), nicht immer eindeutig zuzuordnen sind. Auch wird viel schriftstellerische Freiheit benutzt, wenn die Protagonisten (in Arthur Gordon Pym) auf einen Eisbären (oder zumindest einen Bären in weißem Fell) treffen. Fraglich sind auch die Erwähnungen von Trappen und Pelikanen, die ich in der Antarkis meines Wissens nach nicht vermuten dürfte, auch in vergangenen Jahrhunderten (als die drei Romane geschrieben wurden) nicht.
In Jule Vernes Roman findet nebenbei erwähnt auch der Falklandfuchs eine Erwähnung.
Tiere spielen allerdings keine große Rolle (höchstens als Nahrung oder Transportmittel, wie die Schlittenhunde in Berge des Wahnsinns.
Arthur Gordon Pym und Berge des Wahnsinns habe ich schon vor längerem gelesen (und jetzt wieder), die Eissphynx dürfte einer der wenigen Romane von Jules Verne sein, den ich bisher noch nie gelesen habe.
Durch Das Buch vom Meer habe ich ein bisschen (Ant)Arktis/Meer-Luft geschnuppert, deswegen finden sich diese drei Bücher im Blog, auch wenn Tiere tatsächlich nur eine untergepordnete (oder nicht erwähnenswerte) Rolle spielen.
Es gibt noch andere Bücher zu diesem Themenbereich auf meinem Stapel ungelesener Bücher (Der alte Mann und das Meer, Heute dreimal ins Polarmeer gefallen), die ebenfalls (irgendwann) rezensiert werden.
Somit habe ich mir zumindest eine Pseudorechtfertigung zurecht gelegt, warum Arthur Gordon Pym, Die Eissphinx und Berge des Wahnsinns (einen Kurzfilm zur Geschichte findet man übrigens hier).

Was habe aber diese drei Bücher nun gemeinsam, abgesehen davon, dass sie (mehr oder weniger) in der Antarktis spielen?
Edgar Allan Poe (* 19. Januar 1809 in Boston, Massachusetts, USA; † 7. Oktober 1849 in Baltimore, Maryland) schrieb Arthur Gordon Pym (Originaltitel: The Narrative of Arthur Gordon Pym of Nantucket, deutsche Ausgaben haben unterschiedliche Namen) 1838.
Jules Verne (* 8. Februar 1828 in Nantes; † 24. März 1905 in Amiens) schrieb Die Eissphinx 1897.
Howard Phillips Lovecraft (* 20. August 1890 in Providence, Rhode Island; † 15. März 1937 ebenda) schrieb Berge des Wahnsinns 1931.
Ausgehend von den Ereignissen, die Poe schrieb, setzte Verne die Geschichte Pyms fort. Lovecraft nutzt Poes Erzählung für ein unheimlicheres Setting und verweist in vielen Anspielungen auf den Ursprungsroman. Die Eissphynx kann man als direkte Fortsetzung bezeichnen, während Berge des Wahnsinns eher von Poes Roman inspiriert wurden.

INHALTE

Arthur Gordon Pym

Pym und sein Freund Augustus Barnard unternehmen schon als Jugendliche auf Pyms Segelboot die tollsten Streiche. Einer davon ist eine Nachtfahrt ohne Proviant und Ausrüstung bei aufziehendem Sturm, in dem Augustus sich als betrunken herausstellt, während Pym nüchtern, klar und schreckensvoll ist. In der Dunkelheit werden sie schließlich von einem Walfänger überfahren, dadurch entdeckt und dann gerettet.
Einige Jahre später versteckt sich Pym im Bauch des Walfängers „Grampus“, den Augustus‘ Vater als Kapitän führen und den Augustus begleiten soll. In der Dunkelheit unter Deck, zwischen den ausdünstenden Tranfässern und ohne genügend Wasser und Nahrung, verliert Pym fast den Verstand. Nach einigen vergeblichen Befreiungsversuchen gibt sich Pym schon auf, aber Augustus befreit ihn nach 11 Tagen aus dem Dunkel: Er hat es nicht früher tun können, da eine Meuterei auch ihn gefangen gesetzt und ihn fast das Leben gekostet hat.
Die Rückeroberung des Schiffes durch Augustus, Pym und ihren neuen Freund, Dirk Peters, einen früheren Meuterer, gelingt, allerdings verwandelt sich das Schiff in einem Sturm in ein Wrack und die Überlebenden (neben den bereits genannten ein Meuterer namens Parker). Hunger und Durst quälen die vier schließlich so sehr, dass sie unter sich auslosen, wer den anderen als Nahrung dienen soll. Es trifft schicksalhaft den Meuterer, der diese Idee zuerst aufgebracht hat. Augustus stirbt infolge einer Wundinfektion. Pym und Peters werden schließlich von einem Segler von ihrem inzwischen kieloben treibenden Wrack geborgen.
Der sie rettende Segler, die „Jane Guy“, treibt Handel in der Südsee und jagt Robben. Der Kapitän hofft aber auch auf Reichtum, indem er unsicher lokalisierte Inseln wieder findet. Auf der Suche nach ihnen dringt er in große Eisfelder und weiter nach Süden vor als alle Segler vor ihm. Sie durchstoßen die Eisfelder und kommen in wieder wärmere Regionen, getragen von einer Strömung zum Südpol. Sie stoßen auf eine Inselgruppe mit schwarzen Eingeborenen, die die Farbe Weiß nicht oder nur als Vorboten von Unglück oder des Todes kennen. Die „Wilden“ nehmen die Europäer scheinbar zuvorkommend auf, obgleich ein Rest von Pyms Misstrauen nicht zerstreut werden kann, der ungeduldig der Strömung nach Süden folgen will. Überrascht beobachten sie z. B., dass das Wasser hier aus farblich unterschiedlichen Adern besteht, die sich nicht miteinander vermischen. Die Wilden locken die Europäer in eine Falle, indem sie einen Hohlweg zum Einsturz bringen und danach den Schoner erobern. Nur Peters und Pym können sich aus der Verschüttung befreien und nach einigen Tagen mit einem Kanu von der Insel fliehen.
Peters und Pym, die einen der Wilden gekidnappt haben, fliehen mit dem Kanu aufs offene Meer. Die Strömung führt sie weiter nach Süden, das Meer erhitzt sich zunehmend, weiße Vögel fliegen umher, es regnet weiße Asche, das Meer wird milchig weiß und kocht, das Wasser leuchtet, Strudel bilden sich … Der Eingeborene stirbt vor Grauen. Sie scheinen sich einer lautlosen Stromschnelle zu nähern, Bildgestalten tauchen auf, „ungeheure und fahlweiße Vögel“ fliegen umher, und im Katarakt erblicken Peters und Pym im Stürzen eine verhüllte, gewaltige, übermenschliche Gestalt, kein „Menschengezeugter“, mit einer Haut von „makellosem Weiß des Schnees“.

Ich bin kein Freund von Edgar Allan Poe. Ich habe einige seiner Geschichten gelesen (den Raben natürlich auch), aber warm geworden bin ich mit ihm nicht. Mein Problem bei Arthur Gordon Pym ist, dass mich die Handlung nicht fesselt und mich die Beschreibungen der Geschehnisse eher langweilen.
Einige Interpreten fokussieren die Suche des Protagonisten nach dem Sinn des Lebens und sehen den Roman als Vorläufer von Herman Melvilles Moby Dick, dessen Hauptfigur Kapitän Ahab sein Ziel, den weißen Wal zu erlegen, nicht erreicht.
Das offene Ende mag rätselhaft sein erweckte in mir aber nicht den Wunsch mehr zu erfahren (und ich bin mir sicher, dass es genügend Spekulationen zur letzten Begegnung im Roman gibt.
Die Eissphinx

Wesentlich spannender und interessanter geschrieben fand ich die Fortsetzung von Jules Verne. Er setzt nicht direkt nach dem Ende des Romans an, sondern lässt etwas Zeit verstreichen, um nach dem angeblichen Tod von Arthur Gordon Pym einen Kapitän und seine Schiffsmannschaft nach den Überlebenden der „Jane“ zu suchen. Auch nach Pym wird gesucht, nachdem ein Mannschaftsmitglied davon überzeugt ist, dass er noch leben könnte, da er nie nach Amerika zurück gekehrt war (und demnach dort auch nicht verstorben sein konnte).
Tatsächlich findet die Mannschaft der „Halbrane“ (oder was davon noch übrig ist) einige Überlebende und einige Lücken aus Arthur Gordon pyms Erzählung können geschlossen werden. Auf die merkwürdigen schwarzen Eingeboren trift man in Vernes Roman jedoch nicht.
Berge des Wahnsinns

Die fürchterlichen Schogetten aus dem Cthulhu-Mythos*

Die fürchterlichen Schogetten aus dem Cthulhu-Mythos*

Der Ich-Erzähler William Dyer, Geologe an der fiktiven Miskatonic-Universität, bricht sein Schweigen über seine Erlebnisse und Erkenntnisse während einer von ihm in der Vergangenheit geleiteten Expedition in die Antarktis. Er sieht sich dazu gezwungen, da aktuell eine neue Mission in die Antarktis geplant werde, von der er befürchten muss, dass die Zukunft der Menschheit bedroht sein könnte. Mit der Offenlegung der bisher geheim gehaltenen Informationen hofft er, die Öffentlichkeit aufzurütteln und die neue Expedition verhindern zu können.
Er berichtet, dass die von ihm geleitete Expedition zunächst vielversprechend begann. Mithilfe einer neuen Bohrvorrichtung können die Wissenschaftler in kurzer Zeit viele geologische Proben entnehmen und stoßen auf zahlreiche Fossilien. Der Biologe Lake führt aufgrund merkwürdiger dreieckiger, gekritzter Abdrücke auf Schieferbruchstücken mit einem Teil der Mannschaft eine Subexpedition in nordwestlicher Richtung durch. Über Funk berichtet er, dass sie auf ein Gebirge nie gesehenen Ausmaßes mit den höchsten Gipfeln der Erde gestoßen seien. In dort vorgenommenen Sprengungen finden sie zu aller Erstaunen und Begeisterung gefrorene, nicht in den bekannten Ordnungen klassifizierbare, halb tierische, halb pflanzliche Wesen aus der Frühgeschichte der Erde. Einige der Körper sind stark beschädigt, andere anscheinend intakt. Lake führt an einem der beschädigten Exemplare eine Sektion durch und er fühlt sich an die Beschreibung der sagenhaften Alten Wesen (Old Ones) erinnert, die er aus der Lektüre des geheimnisumwobenen Necronomicon kennt. Im Verlauf bricht die Verbindung zu Lake aufgrund eines schweren Sturms in dessen Lager ab. Dyer und der im Hauptlager verbliebene Rest der Mannschaft organisieren eine Rettungsmission.
Bei Ankunft in Lakes Lager bietet sich ein Bild der Verwüstung dar: Lake und seine Männer bis auf einen (Gedney) sowie alle Schlittenhunde bis auf einen sind getötet worden. Von Gedney und dem Hund sowie drei Schlitten fehlt jede Spur. Die beschädigten Alten Wesen sind in Schneehügeln bestattet, während die intakten Exemplare verschwunden sind.
Dyer und ein Student, Danforth, beschließen, mit dem Flugzeug die massive Gebirgskette zu überfliegen. Dort entdecken sie auf einer Hochebene, die sie für das sagenhafte Plateau von Leng halten, die Ruinen einer riesigen, Millionen Jahre alten Stadt. Nachdem sie unter Lebensgefahr gelandet sind, erforschen sie die Stadt. In den Gebäuden finden sie an den Wänden kunstvolle Basreliefs, aus denen sie sich die Geschichte der Alten Wesen erschließen. Hier lernen sie, dass die Alten ursprünglich aus dem Weltraum zur Erde gekommen sind, noch bevor es irgendwelches Leben auf ihr gab. Sie schufen das Leben auf der Erde und bauten mit Hilfe der von ihnen geschaffenen, protoplasmatischen, durch Hypnose kontrollierten Wesen, den Schoggothen, ihre riesigen Städte. Im Verlauf entwickelten sich die Schoggothen weiter und bildeten eine eigene Intelligenz und einen eigenen Willen aus, der sie mehrfach gegen ihre Herren rebellieren ließ. Erzählt wird in den Reliefs auch von der Ankunft weiterer Arten außerirdischer Wesen, die mit den Alten Wesen um Land auf der Erde kämpften. In den Jahrmillionen ihrer Geschichte verloren die Alten Wesen ihre Fähigkeit, in den Weltraum zu fliegen und neue Kreaturen zu erschaffen. Die Reliefs zeigen eine Veränderung des Stils, der von Dyer als zunehmend dekadent interpretiert wird. In den vielen Kämpfen mit den anderen außerirdischen Wesen und den Schoggothen werden die Alten Wesen schließlich dazu gezwungen, sich in ihr ursprüngliches antarktisches Siedlungsgebiet zurückzuziehen.
Dyer und Danforth stoßen auf frische Schleifspuren eines Schlittens auf dem Boden und folgen ihnen. Sie finden die Schlitten aus Lakes Lager und darauf angebunden die Leiche Gedneys und den toten Hund. Sie stoßen auf riesige, jedoch friedliche und augenscheinlich durch etwas Schreckliches geängstigte blinde Albinopinguine. Weiter den Spuren folgend gelangen sie in den Untergrund der Stadt, wo sie schließlich mehrere der Großen Alten, die Lake aufgetaut und dadurch wieder zum Leben erweckt hatte, enthauptet und von einer schleimigen Masse bedeckt auf dem Boden liegend finden. Ein plötzlich aus dem Abgrund erklingender Laut weckt in Dyer und Danforth eine entsetzliche Furcht und sie fliehen aus dem Tunnelsystem unter der Stadt. Um ihr Leben rennend, blicken sie noch einmal zurück und erkennen hinter sich einen schrecklichen Schoggothen, aus protoplasmatischen Blasen bestehend und mit unzähligen sich formenden und auflösenden grünlichen Augen bestückt, der sie verfolgt und bald einzuholen droht. Nur mit Glück entkommen sie und erreichen ihr Flugzeug, mit dem sie zurück zum Lager fliegen. Auf dem Rückflug erblickt Danforth angeblich eine Luftspiegelung, die ihn so sehr erschreckt, dass er sich weigert, selbst Dyer zu erzählen, was er gesehen hat. Dyer und Danforth erreichen das Lager; die Expedition wird abgebrochen und die verbliebene Mannschaft kehrt sicher zurück. Dyer und Danforth sind sich darüber einig, dass sie Stillschweigen über das Gesehene bewahren wollen.

Die Berge des Wahnsinns, sind, wie bereits erwähnt, keine Fortsetzung der Erzählung von Arthur Gordon Pym, sondern nimmt die Ereignisse der Antarktisabenteuer auf, um ein eigenes Bild des Schreckens zu verbreiten. Lovecraft ergiest sich dabei so sehr in beschreibungen, dass das wahre Grauen etwas auf der Strecke bleibt und man zwar umfangreiche Hintergrundgeschichten über Lovecrafts Cthulhu-Mythos erhält (was für Rollenspieler und Lovecraft-Fans durchaus interessant sein dürfte), aber eine echte Horrorgeschichte ist es nicht, höchstens auf sehr subtile Weise.

Von den drei Büchern kann man tatsächlich nur Die Eissphinx als spannend bezeichnen. Man kann den Roman auch lesen, ohne die Vorgeschichte zu kennen, da Jules Verne so freundlich war, eine Zusammenfassung in seinen Roman einzubetten.
H.P. Lovecraft hat bessere Horrorgeschichten geschrieben (die vielleicht wegen ihrer Kürze nicht zu ausufernden beschreibungen neigen, auch wenn das zu Lovecrafts Stärken gehört … auf eine gewisse erschreckende Art und Weise)

*Sorry, aber da konnte ich nicht widerstehen…

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