Carl von Linné 2

Carl von Linné (Johan Henric Scheffel)

Carl von Linné (Johan Henric Scheffel)

Mit seinen Verzeichnissen Species Plantarum (für Pflanzen, 1753) und Systema Naturae (für Pflanzen, Tiere und Mineralien, 1758/1759 beziehungsweise 1766–1768) schuf Carl von Linné die Grundlagen der modernen botanischen und zoologischen Nomenklatur. In diesen beiden Werken gab er zu jeder beschriebenen Art zusätzlich ein Epitheton an. Gemeinsam mit dem Namen der Gattung diente es als Abkürzung des eigentlichen Artnamens, der aus einer langen beschreibenden Wortgruppe (Phrase) bestand. Aus Canna foliis ovatis utrinque acuminatis nervosis entstand so die leicht zu merkende Bezeichnung Canna indica. Das Ergebnis der Einführung zweiteiliger Namen ist die konsequente Trennung der Beschreibung einer Art von ihrer Benennung. Durch diese Trennung konnten neu entdeckte Pflanzenarten unproblematisch in seine Systematik aufgenommen werden. Linnés Systematik umfasste die drei Naturreiche Mineralien (einschließlich der Fossilien), Pflanzen und Tiere. Im Gegensatz zu seinen Beiträgen zur Botanik und Zoologie, deren fundamentale Bedeutung für die biologische Systematik schnell anerkannt wurde, blieben seine mineralogischen Untersuchungen bedeutungslos, da ihm die dafür notwendigen chemischen Kenntnisse fehlten. Die erste chemisch begründete Klassifizierung der Mineralien wurde 1758 von Axel Frederic von Cronstedt aufgestellt.

In grundsätzlicher Opposition zu der von Linné vertretenen Auffassung, dass die ganze Natur in eine Taxonomie erfasst werden kann, stand der zeitgenössische Naturforscher Georges-Louis Leclerc de Buffon. Buffon war der Ansicht, dass die Natur zu unterschiedlich und zu reich sei, um sich einem so strengen Rahmen anzupassen. Der Philosoph Michel Foucault beschrieb Linnés Vorgehensweise des Klassifizierens so, dass es ihm darum gegangen sei, „systematisch wenige Dinge zu sehen“. Ihm sei es insbesondere darum gegangen, die Ähnlichkeiten der Dinge in der Welt aufzulösen. So schrieb Linné in seiner Philosophia Botanica: „Alle dunklen Ähnlichkeiten sind nur zur Schande der Kunst eingeführt worden“. Linné ging zudem von der Konstanz der Arten aus: „Es gibt so viele Arten, als Gott am Anfang als verschiedene Gestalten geschaffen hat.“ Er unterteilte die Arten bewusst anhand künstlich ausgewählter Merkmale wie Anzahl, Form, Größenverhältnis und Lage in Klassen und Ordnungen, um ein einfach zu handhabendes und leicht erlernbares System für die Einordnung der Arten zu schaffen. Bei den Pflanzen verwandte er beispielsweise Merkmale der Staubblätter, um die Klasse zu bestimmen, und Merkmale der Stempel, um die Ordnung einer Pflanzenart festzulegen. Auf diese Weise entstand ein sogenanntes „künstliches System“, da es die natürlichen Verwandtschaftsverhältnisse der Arten untereinander nicht berücksichtigte. Die Gattungen und Arten hielt er für natürlich und ordnete sie daher unter Verwendung einer Vielzahl von Kennzeichen entsprechend ihrer Ähnlichkeit. Linné war bestrebt, ein „natürliches System“ zu schaffen, kam jedoch über Ansätze wie Ordines Naturales in der sechsten Auflage von Genera Plantarum (1764) nicht hinaus. Für die Pflanzen gelang es erst Antoine-Laurent de Jussieu, ein solches natürliches System aufzustellen.

Linné wurde am 30. Januar 1747 zum Archiater (Leibarzt) des Königs ernannt. Am 27. April 1753 wurde ihm der Nordstern-Orden verliehen. Ende 1756 wurde Carl Linnaeus vom schwedischen König Adolf Friedrich geadelt und erhielt den Namen Carl von Linné. Den auf den 20. April 1757 datierten Adelsbrief unterzeichnete der König im November 1761. Die Erhebung in den Adelsstand wurde erst Ende 1762 mit der Bestätigung durch das Riddarhuset wirksam.

Linné war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Akademien und Gelehrtengesellschaften. Hierzu zählten unter anderem die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, der er unter dem Namen Dioscurides II. angehörte,die Königliche Gesellschaft der Wissenschaften in Uppsala, die Société Royale des Sciences de Montpellier, die Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften, die Royal Society, die Académie royale des Sciences, Inscriptions et Belles-Lettres de Toulouse, die Pariser Akademie der Wissenschaften, die Russische Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg und die Königliche Großbrittannische Churfürstliche Braunschweigische Lüneburgische Landwirthschaftsgesellschaft Celle.

Jan Frederik Gronovius benannte Linné zu Ehren die Gattung Linnaea (Moosglöckchen) der Pflanzenfamilie der Linnaeaceae. Ebenso sind nach ihm der Mondkrater Linné im Mare Serenitatis, der Asteroid Linnaeus sowie das Mineral Linneit benannt.

Der Botaniker William Thomas Stearn schlug 1959 das im Dom von Uppsala bestattete Skelett von Carl von Linné zum Lectotypus für die Art Homo sapiens vor.[31] Homo sapiens wurde dadurch nach den zoologischen Nomenklaturregeln gültig als diejenige Tierart definiert, zu der Carl von Linné gehörte.

Die aktuelle Serie der Schwedischen Krone führt seit 2001 das Bildnis Carl von Linnés auf der Banknote zu 100 Kronen.

Die Linné-Medaille wird von der Linnean Society of London seit 1888 jährlich vergeben.
Nach dem Tod Linnés und dem Tod seines Sohnes Carl bot seine Frau Sara den gesamten Nachlass Joseph Banks für 3000 Guineen zum Kauf an. Dieser lehnte jedoch ab und überzeugte James Edward Smith, die Sammlung zu erwerben. Im Oktober 1784 kam Linnés Sammlung in London an und wurde in Chelsea öffentlich ausgestellt. Linnés Nachlass ist heute im Besitz der Londoner Linné-Gesellschaft, deren höchste Auszeichnung die jährlich vergebene Linné-Medaille ist.

Linné unterhielt bis zu seinem Tod einen umfangreichen Briefwechsel mit Partnern in der ganzen Welt. Davon stammten ungefähr 200 aus Schweden und 400 aus anderen Ländern. Über 5000 Briefe sind erhalten geblieben.[33] Allein sein Briefwechsel mit Abraham Bäck, seinem engen Freund und Vertrauten, umfasst weit über 500 Briefe.

Wichtige botanische und zoologische Briefpartner waren Herman Boerhaave, Johannes Burman, Jan Frederik Gronovius und Adriaan van Royen in Holland, Joseph Banks, Mark Catesby, Peter Collinson, Philip Miller, James Petiver und Hans Sloane in England, Johann Reinhold Forster, Johann Gottlieb Gleditsch, Johann Georg Gmelin und Albrecht von Haller in Deutschland, Nikolaus Joseph von Jacquin in Österreich, sowie Antoine Nicolas Duchesne und Bernard de Jussieu in Frankreich.

Im Hortus Cliffortianus benannte Linné die Gattung Sigesbeckia nach Johann Georg Siegesbeck, der wenig später zu einem seiner deutlichsten Kritiker wurde.
Die Zeichnung stammt von Jan Wandelaar.
Die von Linné schon 1729 als Student in Praeludia Sponsaliorum Plantarum verwendete Analogie von Pflanzen und Tieren hinsichtlich ihrer Sexualität provozierte etliche seiner Zeitgenossen zur Kritik.

Anonymes Porträt mit der Inschrift „Deus creavit, Linnaeus disposuit“ („Gott erschuf, Linné ordnete“) aus Dietrich Heinrich Stövers Leben des Ritters Carl von Linné von 1792

Anonymes Porträt mit der Inschrift „Deus creavit, Linnaeus disposuit“ („Gott erschuf, Linné ordnete“) aus Dietrich Heinrich Stövers Leben des Ritters Carl von Linné von 1792

Eine erste Kritik zu Linnés Sexualsystem der Pflanzen schrieb Johann Georg Siegesbeck 1737 in einer Anlage zu seiner Schrift Botanosophiae: „[Wenn] acht, neun, zehn, zwölf oder gar zwanzig und mehr Männer in demselben Bett mit einer Frau gefunden werden [oder wenn] dort, wo die Betten der wirklichen Verheirateten einen Kreis bilden, auch die Betten der Dirnen einen Kreis beschließen, so dass die von verheirateten Männern begattet werden […] Wer möchte glauben, dass von Gott solche verabscheuungswürdige Unzucht im Reiche der Pflanzen eingerichtet wurden ist? Wer könnte solch unkeusches System der akademischen Jugend darlegen, ohne Anstoß zu erregen?“
Julien Offray de La Mettrie spottete in L’Homme Plante (1748, kurz danach Bestandteil von L’Homme Machine) über Linnés System, indem er darin die Menschheit anhand der von Linné eingeführten Begriffe klassifizierte. Die Menschheit bezeichnete er als Dioecia (d. h. männliche und weibliche Blüten auf verschiedenen Pflanzen). Männer gehören zur Ordnung Monandria (ein Staubblatt) und Frauen zur Ordnung Monogyna (ein Stempel). Die Kelchblätter interpretierte er als Kleidung, die Kronblätter als Gliedmaßen, die Nektarien als Brüste und so fort.
Selbst Johann Wolfgang von Goethe, der bekannte, „dass nach Shakespeare und Spinoza auf mich die größte Wirkung von Linné ausgegangen, und zwar gerade durch den Widerstreit, zu welchem er mich aufforderte“, urteilte: „Wenn unschuldige Seelen, um durch eigenes Studium weiter zu kommen, botanische Lehrbücher in die Hand nehmen, können sie nicht verbergen, dass ihr sittliches Gefühl beleidigt sei; die ewigen Hochzeiten, die man nicht los wird, wobei die Monogamie, auf welche Sitte, Gesetz und Religion gegründet sind, ganz in vage Lüsternheit sich auflöst, bleibt dem reinen Menschensinn unerträglich.“

2016 riet eine unter dem Vorsitz von Bernd Martin stehende Kommission der Stadt Freiburg im Breisgau, der unter anderem Nina Degele und Londa Schiebinger angehörten, unter dem Straßenschild der Carl-von-Linné-Straße ein Zusatzschild mit dem Wortlaut: „Schwedischer Naturforscher und Begründer der biologischen Systematik, Vordenker einer biologistisch begründeten Geschlechterhierarchie und Rassenlehre“ beizufügen. Ulrich Kutschera kritisiert die Kommission; sie diskreditiere „einen großen Biologen“, viele ihrer Ausführungen seien zudem „sachlich falsch“. Axel Meyer nannte Linné einen wichtigen Begründer der modernen Biologie, der durch das Freiburger Schild diffamiert werde. Die Freiburger Verantwortlichen kämen ihm vor, als wollten sie durch gegenderten Neusprech über einen wissenschaftlichen Genius das evolutionäre Erbe des Menschen umprogrammieren. In solchen Versuchen zeige sich ihm die ganze Hybris der Gender-Studies, die den Menschen nicht beschreiben oder besser verstehen, sondern ideologisch umerziehen wollen.

Linné hat zahlreiche Bücher verfasst, von denen viele in mehreren Auflagen erschienen. Einige davon sind in digitalisierter Form bei verschiedenen Anbietern wie dem Gallica-Projekt der Französischen Nationalbibliothek, der Online Library of Biological Books, der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, der Botanicus Digital Library und der Google Buchsuche im Volltext verfügbar. Zu den wichtigsten Werken Linnés zählen:
Praeludia Sponsaliorum Plantarum. Uppsala, 1729
Florula Lapponica. In Acta Literaria et Scientiarum Sueciae. Band 3, S. 46–58, 1732
Systema Naturae. Johan Wilhelm de Groot, Leiden 1735
Bibliotheca Botanica. Salomon Schouten, Amsterdam 1735
Fundamenta Botanica. Salomon Schouten, Amsterdam 1735
Musa Cliffortiana. Leiden 1736
Flora Lapponica. Salomon Schouten, Amsterdam 1737
Genera Plantarum. Conrad Wishoff, Leiden 1737
Critica Botanica. Conrad Wishoff, Leiden 1737
Hortus Cliffortianus, Amsterdam 1738
Classes Plantarum. Conrad Wishoff, Leiden 1738
Öländska och Gothländska Resa. Gottfried Kiesewetter: Stockholm und Uppsala 1745
Flora Suecica. Lars Salvius: Stockholm 1745
Fauna Suecica. Lars Salvius: Stockholm 1746
Västgöta Resa. Lars Salvius: Stockholm 1747
Flora Zeylanica. Lars Salvius: Stockholm 1747
Hortus Upsaliensis. Lars Salvius: Stockholm 1748
Materia Medica. Lars Salvius: Stockholm 1749
Skånska Resa. Lars Salvius: Stockholm 1751
Philosophia Botanica. Gottfried Kiesewetter: Stockholm 1751
Species Plantarum. Lars Salvius: Stockholm 1753
Museum Tessinianum. Lars Salvius: Stockholm 1753
Museum S. R. M. Adolphi Friderici. Lars Salvius: Stockholm 1754
Systema Naturae. 10. Auflage, Lars Salvius: Stockholm 1758
Museum S. R. M. Ludovicae Ulricae. Lars Salvius: Stockholm 1764
Mantissa Plantarum. Lars Salvius: Stockholm 1767
Mantissa Plantarum Altera. Lars Salvius: Stockholm 1771

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