Vertreter der Nimravidae

Die Familie der Nimravidae ist eine ausgestorbene Linie der katzenartigen Raubtiere. Sie entstanden im Eozän vor etwa 50 Millionen Jahren. Ursprünglich wurden sie für Vorfahren der Katzen (Felidae) gehalten, doch heute gelten sie als deren Schwestergruppe.

Dinictis felina (Robert Bruce Horsfal)

Dinictis felina (Robert Bruce Horsfal)

Dinictis hatte einen schlanken Körper von etwa 1,1 Meter Länge und kurze Beine mit einer Länge von circa 60 Zentimetern. Er konnte seine Krallen nur unvollständig einziehen, hatte aber extrem kräftige Kiefer und einen langen Schwanz. Er war seinem Verwandten Hoplophoneus sehr ähnlich. Verglichen mit denen der verwandten Art Eusmilus und der Säbelzahnkatzen aus der Familie Felidae waren seine oberen Eckzähne relativ klein, aber dennoch deutlich aus dem Mund hervorstehend. Unter den Spitzen der Eckzähne breiteten sich seine Unterkiefer in Form einer Keule aus.
Dinictis sah aus wie ein kleiner Leopard und offenbar ähnelte auch seine Lebensweise der eines Leoparden. Das deutet jedoch nicht auf eine nahe Verwandtschaft, sondern auf die Besetzung einer ähnlichen Ökologischen Nische hin. Im Gegensatz zu modernen Raubkatzen war Dinictis kein Zehengänger. Als Sohlengänger konnte sich diese Art nicht gut anschleichen. Sie lauerte im Dickicht auf vorbeiziehendes Wild.
Fossilienfunde in Saskatchewan, Colorado, Montana, Nebraska, South Dakota, North Dakota, Wyoming und Oregon belegen, dass Dinictis in den heutigen Vereinigten Staaten und in Kanada gelebt hat.

Eusmilus lebte vom Priabonium (spätes Eozän) bis zum Rupelium (frühes Oligozän) in Nordamerika, Europa und Asien.
Die Gattung erhielt ihren Namen im Jahr 1876 durch den französischen Paläontologen Paul Gervais. Er errichtete sie für Fossilien aus den Phosphatgruben des Quercy, die ursprünglich der Gattung Machairodus zugeordnet worden waren.
Eusmilus hatte einen langen, gestreckten Körper und war ungefähr so groß wie ein Leopard, hatte aber eine geringere Schulterhöhe. Er wird auch als falscher Säbelzahn bezeichnet, bezogen auf Smilodon aus der Verwandtschaftsgruppe der Säbelzahnkatzen innerhalb der Familie der Felidae, der allerdings erst viel später lebte. Eusmilus hatte aber wahrhaft gigantische Eckzähne, die fast so lang wie sein gesamter Schädel waren. Ähnliche Zahnbildungen entstanden im Laufe der Evolution mehrmals unabhängig voneinander und sind kein Hinweis auf nahe Verwandtschaft, sondern auf konvergente Entwicklungen. Sein Kiefer war eher schwach ausgeprägt, da er diesen durch seine großen Eckzähne gar nicht brauchte, um ein Beutetier tödlich zu verletzen. Im Gegensatz zu den meisten Raubsäugern hatte Eusmilus lediglich 26 statt 44 Zähne. Sein Maul konnte er um 90 Grad öffnen, damit er seine Säbelzähne im Kampf richtig einsetzen konnte. Verletzungen durch diese Zähne wurden sogar an einem Schädel von Nimravus, einem kleineren Vertreter der Nimravidae, nachgewiesen. Eusmilus hielt seinen Verwandten aber wohl kaum für ein Beutetier, sondern wollte ihn als Nahrungskonkurrenten wahrscheinlich vertreiben. Die Körpermasse von Eusmilus wird auf rund 70 Kilogramm geschätzt. Im Durchschnitt war Eusmilus inklusive Schwanz 2,50 Meter lang.
Besonders zwischen den Gattungen Hoplophoneus und Eusmilus kommt es immer wieder zu Zuordnungsproblemen. Hoplophoneus und Eusmilus kamen sowohl im selben Zeitabschnitt als auch in weitgehend demselben Verbreitungsgebiet vor. Manche Autoren fassen daher Hoplophoneus und Eusmilus in einer gemeinsamen Unterfamilie Hoplophoneinae innerhalb der Familie Nimravidae zusammen.
Nach neuerer Auffassung umfasst Eusmilus 5 Arten:
Eusmilus bidentatus ist die Typusart der Gattung. Die maßgeblichen Fundstücke stammen aus den Phosphatgruben des Quercy bzw. des Département Lot im Südwesten Frankreichs und wurden 1872 von Henri Filhol unter dem Namen Machairodus bidentatus beschrieben. Der Gattungsname Eusmilus wurde erst 1876 von Paul Gervais geprägt, nachdem er erkannt hatte, dass die von Filhol beschriebenen Stücke sowie von ihm zuvor als „Machairodus perarmatus“ beschriebenen Fossilien aus den gleichen Fundstellen sich deutlich von Machairodus unterscheiden. Während die Art Eusmilus perarmatus nachfolgend als identisch mit E. bidentatus erachtet wurde, hat Gervais’ Gattung bis heute ihre Gültigkeit behalten. E. bidentatus ist die einzige europäische Art. Sie wurde nicht nur in Frankreich, sondern auch in Lokalitäten in Deutschland und der Schweiz identifiziert.
Eusmilus cerebralis ist, wie auch alle folgenden Arten, eine nordamerikanische Form. Sie ist kleiner als die Typusart und wurde 1880 von Cope unter dem Namen „Machærodus cerebralis“ anhand von Fossilien aus Oregon erstbeschrieben.
Eusmilus dakotensis wurde auf Grundlage eines rechten Unterkiefers aus der Brule-Formation (White-River-Gruppe) von Shannon County, South Dakota, von John Bell Hatcher 1895 erstbeschrieben. Diese Art ist größer als Eusmilus bidentatus.
Eusmilus sicarius wurde von Sinclair und Jepsen 1927 anhand eines Schädels aus der Brule-Formation von Pennington County, South Dakota, beschrieben.
Eusmilus olsontau wurde als „Ekgmoiteptecela olsontau“ von James Reid Macdonald im Jahr 1963 auf Grundlage eines rechten Unterkiefers aus der Sharps-Formation von Shannon County, South Dakota, beschrieben. In dieser Arbeit weist der Autor den Fundschichten ein miozänes Alter zu. Mittlerweile erfolgte absolute Datierungen von Vulkanaschelagen in der Sharps-Formation deuten jedoch auf ein Alter zwischen spätem Rupelium und frühem Chattium hin. E. olsontau gehört damit trotzdem zu den geologisch jüngsten Eusmilus-Arten. Einige Autoren haben E. olsontau mit E. cerebralis synonymisiert.
E. dakotensis und E. sicarius werden von manchen Autoren zur Gattung Hoplophoneus gezählt. Aus Asien (China) sind nur relativ schlecht erhaltene Knochen bekannt, die nicht auf Artebene bestimmbar sind und auch der Gattung Eusmilus nicht völlig sicher zugeordnet werden können.

Hoplophoneus primaevus and Merycoidodon (Robert Bruce Horsfall)

Hoplophoneus primaevus and Merycoidodon (Robert Bruce Horsfall)

Der Körperbau von Hoplophoneus erinnerte stark an den von Katzen, die erst viel später erschienen. Der Körperbau war sehr muskulös, was der robuste Knochenbau zeigt. Die oberen Eckzähne waren stark verlängert, ähnlich wie bei den späteren Säbelzahnkatzen im engeren Sinne (Machairodontinae). Ein Flansch am Unterkiefer schützte jeden der beiden Säbelzähne. Die Gliedmaßen waren relativ kurz, die Wirbelsäule, und damit der Körper an sich, im Vergleich zu Katzen sehr lang gestreckt. Damit war Hoplophoneus insgesamt recht niedrig, aber lang und massig gebaut. Hoplophoneus mentalis etwa besaß lediglich eine Schulterhöhe von etwa 50 cm, war aber insgesamt sicher größer als ein Leopard.
Eine der frühesten Arten war Hoplophoneus mentalis aus dem späten Eozän Nordamerikas. Diese Art war größer als ein Leopard und hatte bereits stark verlängerte obere Eckzähne. Bei der relativ kleinen, etwa leopardengroßen Art Hoplophoneus occidentalis waren die oberen Eckzähne dagegen nur mäßig verlängert. Fossilien von Hoplophoneus sind auch aus dem oberen Eozän Thailands bekannt.

Nimravus ist eine ausgestorbene Gattung etwa leopardengroßer, katzenartiger Raubtiere, die im frühen und mittleren Oligozän in Nordamerika und Europa verbreitet war. Sie ist die namensgebende Gattung innerhalb der Familie der Nimravidae. Im Gegensatz zu anderen Nimraviden wie Eusmilus waren die oberen Eckzähne weniger stark vergrößert und erreichten nur eine ähnliche relative Größe wie bei heutigen Großkatzen.
Eine Reihe gut erhaltener Schädel der Typusart Nimravus brachyops wurde in den US-Staaten Oregon, Nebraska und Süddakota gefunden. Der Schädel ist sehr katzenähnlich und vermutlich kamen die Vertreter der Gattung in ihrem Aussehen den heutigen Katzen sehr viel näher als manche ihrer direkten Vorfahren. Andere Merkmale der Schädel wie die Ausprägung der Zähne und der Ohrregion zeigen aber deutlich die typischen Eigenschaften der Nimraviden. Über das postcraniale Skelett ist wenig bekannt. Es scheint aber, dass Schenkel- und Fußknochen sehr viel schlanker waren als die anderer Nimraviden des Oligozäns.

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