Vertreter der Sauropoden

Apatosaurus ajax (© N. Tamura)

Apatosaurus ajax (© N. Tamura)

Im späten 19. Jahrhundert, nachdem Marsh (1878) den Begriff Sauropoda geprägt hatte, bestand die Systematik der Sauropoden lediglich aus einigen Familien, die gleichberechtigt ohne höher gestellte Taxa existierten (unter anderem Atlantosauridae, Pleurocoelidae, Diplodocidae und Titanosauridae). Da diese Systematik keine Rückschlüsse auf Verwandtschaftsbeziehungen und Evolution innerhalb der Sauropoden zuließ, wurde bald nach neuen Möglichkeiten gesucht: So teilte Janensch (1920) die Sauropoden in zwei Familien ein, die Bothrosauropodidae und die Homalosauropodidae, denen er einige Unterfamilien zuordnete. Andere Autoren führten jedoch die traditionelle Systematik mit ranglosen Familien fort (z. B. McIntosh, 1990). Spätere Studien waren im Sinne der Kladistik; so stellte Upchurch (1995) fast alle Sauropoden in die Gruppe Eusauropoda, während er modernere Arten der Untergruppe Neosauropoda zuordnete. Heute ist die Systematik der Sauropoden noch an vielen Stellen umstritten, weshalb sich Analysen verschiedener Autoren in vielen Punkten unterscheiden.
Wissenswertes über Sauropoden

Apatosaurus („trügerische Echse“; jüngeres Synonym [möglicherweise jedoch verwandte eigenständige Gattung]: Brontosaurus [„Donnerechse“]) ist eine Gattung sauropoder Dinosaurier aus der Familie Diplodocidae. Sie zählt zu den bekanntesten Dinosauriern. Apatosaurus lebte im Oberjura (Kimmeridgium bis Tithonium), seine Fossilien wurden in den westlichen USA (Colorado, Oklahoma, Wyoming und Utah) gefunden.
Apatosaurus erreichte eine Länge von 21 bis 26 Metern, sein Gewicht wird auf 30 bis 35 Tonnen geschätzt. Er war kräftig gebaut, aber nicht so lang wie der nah verwandte, ähnlich gebaute Diplodocus. Sein Schwanz war jedoch länger und bestand aus 82 Wirbeln. Früher wurde diskutiert, ob er ihn zur Abwehr von Feinden einsetzte, dies scheint jedoch unwahrscheinlich, da der Schwanz am Ende nicht stabil gebaut war, keine Verletzungen aufweist und die seitliche Beweglichkeit des Schwanzes eingeschränkt war. Womöglich konnte er jedoch einen Überschallknall erzeugen, dies hätte zur innerartlichen Kommunikation dienen können. Der Schädel war wie der aller Diplodociden lang und niedrig.
Er war wie alle Sauropoden ein Pflanzenfresser. Parallel verlaufende, versteinerte Fußspuren zeigen, dass er zumindest zeitweise in Herden lebte.
Der amerikanische Paläontologe Othniel Charles Marsh entdeckte die ersten Fossilien und nannte das Tier 1877 Apatosaurus ajax. Zwei Jahre später fand er weitere Reste und beschrieb diese als Brontosaurus excelsus. Seit 1903 wurde angenommen, dass die beiden Gattungen identisch seien, und gemäß den Regeln des International Code of Zoological Nomenclature (ICZN) hätte der ältere Name, in diesem Fall Apatosaurus, Gültigkeit (Prioritätsregel). Bis 1975 war kein Schädel von ihm bekannt, daher wurde bis dahin meist mit dem Schädel von Camarasaurus rekonstruiert. Dieser ist gedrungener und höher gebaut als der Schädel von Apatosaurus.
Eine im April 2015 veröffentlichte Studie kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass Brontosaurus deutlich verschieden von Apatosaurus ist und demzufolge als eigenständiges Taxon mit den Arten Brontosaurus excelsus und Brontosaurus parvus gültig ist. Dies fand als „Wiederauferstehung des Brontosaurus“ ein weites Echo in der populärwissenschaftlichen Presse und der Tagespresse. Ob jedoch diese Revision langfristig gültig bleibt, muss abgewartet werden.

Brontosaurus excelsus (© N. Tamura)

Brontosaurus excelsus (© N. Tamura)

Brontosaurus („Donnerechse“, Syn.: Elosaurus Peterson & Gilmore, 1902, Eobrontosaurus Bakker, 1998) und die Typusart Brontosaurus excelsus wurden 1879 durch den amerikanischen Paläontologen Othniel Charles Marsh beschrieben. Grundlage war ein bei Como Bluff gefundenes Skelett, bei dem der Schädel allerdings fehlte. Man nahm an, dass Brontosaurus einen kurzen, hohen Schädel hatte, ähnlich wie Camarasaurus, dessen fossile Überreste ebenfalls aus Como Bluff stammten und der schon 1877 beschrieben wurde. Das rekonstruierte Skelett wurde als erstes Sauropoden-Skelett im American Museum of Natural History in New York ausgestellt. Im Jahr 1903, kurz nach Marshs Tod, untersuchte ein Team des Field Museum of Natural History in Chicago das Skelett eines großen Sauropoden, der sowohl Brontosaurus als auch Apatosaurus stark ähnelte, und kam zu dem Schluss, dass alle drei zu einer Gattung gehören mussten. Da Apatosaurus zuerst beschrieben wurde, zwei Jahre vor Brontosaurus, wurde dieser Name nach der Prioritätsregel der Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur (ICZN) der gültige. Im April 2015 wurde Brontosaurus bei einer Revision der Diplodocidae wieder revalidiert.
Brontosaurus zählt zu den bekanntesten Dinosauriern. Brontosaurus lebte im Oberjura (Kimmeridgium bis Tithonium), seine Fossilien wurden in Schichten der unteren und mittleren Morrison-Formation in den westlichen US-Bundesstaaten Wyoming und Utah gefunden.
Das sehr große quadrupede Tier besaß einen langen Hals und einen langen, peitschenartigen Schwanz. Er war nicht so lang wie der verwandte, ähnlich gebaute Diplodocus, und mit einem geschätzten Gewicht von 30 t nicht so schwer wie Apatosaurus (40 t). Wie alle Sauropoden war er ein Pflanzenfresser.
Zu den diagnostischen Merkmalen, mit deren Hilfe die Gattung Brontosaurus von anderen Apatosaurinae (Apatosaurus und eine bisher unbeschriebene Gattung, AMNH 460) unterschieden werden kann, gehören die Dornfortsätze auf den vorderen Rückenwirbeln, deren Basis länger ist als breit, sowie die Morphologie von Scapula und Astragalus. Ein Schädel wurde bis heute nicht gefunden.

Amphicoelias ist eine Gattung sauropoder Dinosaurier, zu der mit A. fragillimus der größte bekannte Dinosaurier gezählt haben könnte.
Der einzige fossile Überrest (Holotypus) dieser Art ging jedoch kurz nach seiner Entdeckung in den 1870er-Jahren verloren und ist nur in Form von Aufzeichnungen erhalten, so dass an ihrer Existenz Zweifel bestehen. Falls A. fragillimus existiert hat und die größten angenommenen Körpermaße zutreffend sind, reicht das Gewicht dieses Dinosauriers an das des Blauwals heran.
1877 fand der Paläontologe Edward Drinker Cope die Überreste eines Sauropoden, die er keiner der zu dieser Zeit bekannten Gattungen zuordnen konnte und daher in die neue Gattung Amphicoelias stellte. Cope beschrieb die von ihm Amphicoelias altus genannte Art anhand einiger Wirbel, Teile des Beckens und des Oberschenkels. Die Länge dieses Tiers schätzte er auf rund 20 Meter.
Im Jahr darauf will Cope in Colorado den Wirbelbogen einer neuen Art entdeckt haben, die er als Amphicoelias fragillimus beschrieb. Das Fossil sei in schlechtem Zustand, aber außergewöhnlich groß gewesen – insgesamt habe es 2,4 Meter gemessen. Der Fund soll von Cope verpackt und per Zug nach New York gesandt worden sein. Dort ist der Wirbelbogen jedoch nie angekommen; der Fund soll während der Fahrt zerbröselt sein. Die einzigen Überreste sind die Beschreibung und eine Skizze.

Vergleich der beiden Amphicoelias-Arten (Matt Martyniuk)

Vergleich der beiden Amphicoelias-Arten (Matt Martyniuk)

Vergleiche mit Mitgliedern der Diplodocidae, einer Gruppe besonders langgestreckter Dinosaurier, zu denen Amphicoelias gezählt wird, lassen eine mutmaßliche Länge von 40 bis 60 Metern und ein Gewicht von 100 bis 150 Tonnen vermuten.
Die Beurteilung des Wahrheitsgehalts dieser Entdeckung wird dadurch erschwert, dass gerade die „Bone Wars“ („Knochenkriege“) zwischen den zwei führenden Paläontologen jener Zeit, Cope und Othniel Charles Marsh, stattfanden – ein regelrechter Wettlauf zwischen den beiden, wer die meisten und spektakulärsten Funde ans Tageslicht brachte. Dieser Streit wurde auch durch Bestechung, Diebstahl und Sabotage ausgetragen. Marsh trug schließlich den „Sieg“ davon – eine Reihe spektakulärer Entdeckungen von bekannten Dinosauriern wie Triceratops, Allosaurus, Diplodocus und Stegosaurus gehen auf sein Konto. Obgleich es keine Anzeichen für einen Betrug Copes gibt und selbst Marsh diesen Fund nicht anzweifelte, werfen diese Umstände doch Zweifel auf den riesigen, unbestätigten Wirbelfund.

Apatosaurus, Brontosaurus und Amphicoelias sind Vertreter aus der Familie Diplodocidae.

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