Wissenswertes über Ceratosaurier

Majungasaurus crenatssimus (Dmitry Bogdanov)

Majungasaurus crenatssimus (Dmitry Bogdanov)

Die Ceratosauria sind eine formenreiche Gruppe ursprünglicher theropoder Dinosaurier. Sie war weltweit verbreitet und existierte vom Unterjura bis zur Oberkreide. Vertreter dieser Gruppe waren kleine bis große, größtenteils zweibeinig laufende Fleischfresser, die teils komplexe Schädelornamente wie Kopfhörner aufwiesen. Die Gruppe der Ceratosauria schließt neben einer Reihe von basalen Gattungen die Abelisauroidea mit ein, welche wiederum die Noasauridae und die Abelisauridae umfassen.
Die Gruppe wurde erst gegen Ende der 1980er Jahre als eigene Entwicklungslinie der Theropoden erkannt und ihr Fossilbericht ist bis heute noch sehr lückenhaft. Das mag zum Teil daran liegen, dass sie offenbar hauptsächlich auf der südlichen Halbkugel (Gondwana) vorkamen, von wo der Fossilbericht generell noch sehr lückenhaft ist. In der südlichen Halbkugel waren sie jedoch eine sehr wichtige Gruppe und haben dort offenbar die ökologischen Nischen sowohl der großen, als auch der kleinen Raubsaurier ausgefüllt. So gehört der kleinste bekannte Ceratosaurier, Ligabueino aus der Unterkreide Argentiniens, mit einer angenommenen Körpergröße von 60–70 Zentimetern zu den kleinsten Raubsauriern, während Carnotaurus und Aucasaurus aus der Oberkreide Argentiniens mit 8–9 Metern Länge vermutlich die größten Fleischfresser ihrer Ökosysteme waren.
Ursprünglich wurden die Coelophysoidea innerhalb der Ceratosauria klassifiziert. Heute wird diese Gruppierung meistens als paraphyletisch betrachtet, die Coelophysoidea werden daher außerhalb der Ceratosauria klassifiziert.

Ceratosauria waren kleine bis große Theropoden, einige Formen erreichten eine Länge von zehn Metern.
Sie hatten 17 (Elaphrosaurus) bis 22 (Carnotaurus) Präsacralwirbel (Wirbel vor dem Kreuzbein), davon zehn Halswirbel, die einen S-förmigen Nacken formten. Die genaue Anzahl der Schwanzwirbel ist nicht genau bekannt, für Ceratosaurus werden 50 angegeben. Ihre Wirbelanatomie ähnelte eher der der Tetanurae als der der Coelophysoidea. Die Knochen der Hinterbeine der Ceratosauria sind hohl und dünnwandig. Sie waren durch stark verkürzte Arme gekennzeichnet, die bei einigen Formen, wie etwa Carnotaurus so sehr reduziert waren, dass sie vermutlich kaum noch eine Funktion hatten.
Die Schädel waren groß, hoch gebaut, die Schnauze kurz und breit. Die Schädelfenster erreichten oft die doppelte Größe der Augenhöhlen. Zudem sind zahlreiche Sonderanpassungen an den Schädeln bei verschiedenen Gruppen auffällig, so etwa das Horn auf dem Nasenbein bei Ceratosaurus und Hörner auf dem Stirnbein von Carnotaurus, Majungasaurus und anderer Abelisauriden. Das Maxillare ist kurz und, mit Ausnahme des der Noasauridae, hoch gebaut. Die Stirnbeine sind miteinander und mit den Scheitelbeinen zusammengewachsen.

Die Gruppe Ceratosauria wurde erstmals 1884 von Othniel Charles Marsh aufgestellt, und enthielt anfangs lediglich die Ornithomimidae sowie die Ceratosauridae. Die Ceratosauridae stelle Marsh früher im selben Jahr auf – anfangs eine redundante Gruppe, die Ceratosaurus als einzigen Vertreter enthielt. In der Folgezeit fand der Name Ceratosauria nur wenig Verwendung, und es war umstritten, welche Gattungen innerhalb dieser Gruppe eingeordnet werden sollten. Erst Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Name etabliert: So verwenden Rowe und Gauthier (1990) den Namen Ceratosauria, um die Familie Coelophysidae (Dilophosaurus, Coelophysis und Megapnosaurus) und die Gattung Ceratosaurus zusammenzufassen. Später wurde die nahe Verwandtschaft von Ceratosaurus mit den Abelisauridae offensichtlich, weshalb Novas (1992) eine neue Gruppe innerhalb der Ceratosauria aufstellte, die Neoceratosauria: Diese sollte Ceratosaurus, Noasaurus sowie die Abelisauridae zusammenfassen, unter Ausschluss der Coelophysidae. Seitdem galten die Ceratosauria als Gruppe basaler Theropoden, welche die Coelophysidae (bzw. die etwas umfassendere Coelophysoidea) auf der einen, und die erst später im Fossilbericht auftauchenden Neoceratosauria auf der anderen Seite umfassen sollte. Heute halten die meisten Forscher die Gruppierung Neoceratosauria + Coelophysoidea als paraphyletisch: So haben sich die Coelophysoidea bereits früher und unabhängig von den Neoceratosauria von der Hauptentwicklungslinie der Theropoden abgespalten. Die Coelophysoidea werden daher außerhalb der Ceratosauria klassifiziert, wobei der Name Neoceratosauria häufig als Synonym des Namens Ceratosauria verstanden wird.

Noasaurus leali  (© N. Tamura)

Noasaurus leali (© N. Tamura)

Die Abelisauroidea sind ein Untertaxon der Ceratosauria innerhalb der theropoden Dinosaurier (Theropoda). Sie kommen vom frühen Mitteljura (Aalenium) bis zum Ende des Mesozoikums (Maastrichtium) vor.
Die Abelisauroiden gliedern sich in zwei Hauptgruppen: die Noasauridae und die Abelisauridae. Daneben umfassen sie noch einige basale (ursprüngliche) Gattungen. Als ältester sicherer Vertreter der Abelisauroiden gilt Eoabelisaurus aus dem frühen Mitteljura Argentiniens. Der bisweilen ebenfalls als Abelisauroide klassifizierte Berberosaurus aus dem Unterjura (Pliensbachium) von Marokko könnte auch ein sehr basaler Vertreter der Ceratosauria sein und außerhalb der Abelisauroidea stehen.
Die Abelisauroiden sind insbesondere in der Kreide der Südkontinente (Gondwana) weit verbreitet und waren dort wichtige Faunenelemente der terrestrischen Ökosysteme. Speziell die Abelisauridae weisen hinsichtlich ihres Körperbaus deutliche Parallelen zu den in der Kreide der Nordkontinente weit verbreiteten Tyrannosauroiden auf, beispielsweise Riesenwuchs, stark verkürzte Vordergliedmaßen sowie einen kräftig ausgebildeten, anteroposterior ausgerichteten Fortsatz am distalen Ende des Schambeins (engl. „pubic foot“), und besetzten offenbar auf den Südkontinenten stellvertretend deren ökologische Nische als Top-Prädatoren. Die Noasauridae, sind hingegen ursprünglicher gebaut. Sie sind eher klein, vergleichsweise grazil und besitzen relativ lange Vordergliedmaßen. Abelisauroiden sind auf den Nordkontinenten bisher fast ausschließlich aus der Kreide Frankreichs bekannt (Genusaurus, Arcovenator, Tarascosaurus).
Die Abelisauroiden waren eine bis zum Ende der Kreidezeit erfolgreiche Gruppe, fielen dann aber, gemeinsam mit vielen anderen mesozoischen Lebensformen, dem Massenaussterben an der Kreide-Tertiär-Grenze zum Opfer.

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